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Jahrgang.

Erscheint rn zwei Ausgabe». - Bezugs-Preis:

Es? i be sn?P«n «K dfg. monatlich, Lurch die ^ost L Mk. fco Pfg. vrertesiahrlich für beide Ausgaben zusammen,

Verlag: Langgasse 27.

Anzeiaen-Deels»

Politische Ueliersicht.

Ans dem Gebiete der inneren Politik ist eine, kurze Ruhepause eingetreten, denn das Fest der Weib- bereits seine Schatten voraus und die Freude und Frieden bringende Weihnachtsstimmung läßt un-fur eme kurze Spanne Zeit die Sorgen und Mühen des täglichen Lebens vergessen. Freilich, es sind nicht Wenige, denen die Macht der Elemente, die nach dem Worte des Dichters „hassen das Gebild von Menschen

toanMt^at^ 61106 ^ in 2ei£) und Trübsal vec

Ein schwerer Schlag hat noch kurz vor dem Fest unsere Marme und mit t^r das ganze deutsche Volk getrof en H?fen von Malaga ist das S ch u l s ch i s f „Gneisen au" den Stürmen des Meeres zum Opfer

Sn s>? Unb , S bem f Schiff hat der wacker bis zum letzten Augenblick aus seinem Posten ausharrcnde ^?Vmandant, haben 37 brave Seeleute in dem heim- tmlm” ßmmt einen ehrenvollen Seemannstod ge-

y J Ib { v ^ch sonst fehlt es uns nicht an Ereignissen S? ^eststimmung bei uns nicht anfkommen

,Ä „^^en Der P r o z e ß S t e r n b e r g , welcher ocht Wochen hindurch die öffentliche Aufmerksamkeit in S BW Weise in Anspruch genommen hat, hat uns Zilstande entrollt und Mißstände enthüllt, die nur z i geeignet find, uns mit ernster Sorge zu erfüllen. Fm Verlauf des Prozesses hat derselbe eine Bedeutung ge­wonnen, die sich weit über die dabei betheiligten Per- onen hinaus erstreckt. Der Prozeß hat uns ein er- F' 1 ? der Faulniß und der Korruption ent- MArnfn,?'® •i ,0d l Zeugenbeeinflussung in einer so Ichamlofen Weise betrieben, daß der Prozeß Sternbera ur einer Anzahl unerquicklicher Nachspiele seine L k"^? 7 b Vird. Haben wir es doch erleben drei Vertreter des Anwaltstandes von dem als der Begünstigung verdächtig erachtet und öum Erd zugelassen wurden, sodaß sich hier SSf 1 “ unliebsames Nachspiel zum ProzeßSternberg fpm ß> e n ? tr /' m nb weiterer Leidtragender ist ans Prozetz die B e r l i n e r Kriminalpolizei yervorgegangen die, wie schon vor vier Jahren beim Pro- - aU ^ »^?wal so schlecht abgeschnitten hat, daß ! Ä »ne „Reform der Kriminalpolizei an Haupt und Gliedern" IN Aussicht gestellt wird.

?r U Reichskanzler Grafen B ü lo w, fm» a, (o Wie der Kaiser selbst den Vorkomninissen in brw . , äe J ^Eernberg ein intensives Interesse entgegen- soll, hegt inan das Vertrauen, daß er für „etwas h H r Dampf" bei der Betreibung dieser Reform sorgen l^W als es vor vier Jahren unter dem Regiment Hohen-

Sottniag, den 23. DeFemdee.

ch e n H ö f e zu machen, um sich der Zustimmung

versickern ^U^""g^n zu der Richtung seiner Politik zu

versichern. Allem Anschein nach hat Graf Bülow Ursache, sein Ö m du'herigen Ergebmß seiner Reise zufrieden zu

mit d-m ^frieden dürste dagegen der Reichskanzler Mit rem schuppenden Gang der Dinge in China sein Die

mJjA,1 f d} - e fJ . 1 f f rührt sich nicht vom Fleck. Die Machthaber m Ehma setzen noch immer ihr altes Ränke-

!utmütMn"? Diplomatie der vereinigten Mächte ist gu muthig oder — uneinig genug, sich von den chinesischen Diplomaten an der Nase herumführen zu lassen. Hat es roch langer Wochen bedurft, um nur die Thatsache festzu- stellen, ob die Vollmachten der beiden chinesischen Unter­händler ^i-Hung-^schang und Prinz Tsching korrekt sind ^wsen Umständen wird auch der kühnste nmfw Ä- d) s Uorausfagen wollen, ob und wann wir ein- uwl das Ende der chmesifchen Krisis erleben werden Tüchtig verrechnet haben sichchnch die E n g l ä n d e r, aw sie bei der Abreife des Präsidenten Krüger nach

^Enaländ???^v V^krieges proklamirten flirLn 0 I nb s Huben die Rechnung ohne den Wirth, vor ohne den wackeren Burenführer Dewet gemacht oer fetzt als die Seele des Widerstandes gegen die Eng-

Wocken bm°ü^ Sm Laufe der letzten

UnmmswnE?u- b ^^Kriegslage ganz außerordentlich zu l f verschoben. Die Buren haben

Engländern, die zu einer ernsthaften Offen­sive anscheinend überhaupt nicht mehr fähig sind, auf dem sondern bff Burenstaaten mit Erfolg die Stirn geboten, ondern e& ist ihnen auch bereits gelungen, den Krieg wieder auf das GÄiet der Kapkolonie zu verpflanzen! keinL L so dw Dmge in Südafrika für die Buren k ineswegs völlig hoffnungslos, so ist dagegen die Curoparelse des Präsidenten Krüger fiÄJ etber ? oI V a urgebnißlos verlaufen. Im Haag hat Krüger, ebenso wie in Frankreich, nichts als Ova­tionen gefunden. Und wann es dem Präsidenten ge- mgen wird, eure Audienz beim Czaren von Ruß Zu erwirken, dessen Gesundheitszustand sich in er ft eulicher Besserung befindet, steht noch dahin. Im brwen ist auch keinerlei Ursache vorhanden, dieser zusehen^ überschwänglichen Hoffnungen entgegen^

s. -P?* bte 1 r n « 3 ö f i f d) e Regierung betrifft,

Vt sie zur Zeit durch ganz andere Sorgen in Anspruch genommen, denn das Kabinett Waldeck-Rousseau ist voll- anf. damit beschäftigt, die unausgesetzten Angriffe der nationalistischen Opposition zurückzuweisen, was ihr bis- her mitErfolg gelungen ist. Dagegen hat das spanische Kabinett eine schwere Niederlage in der Kammer erlitten, welch' letztere im Gegensatz zu der Re- gierung der. Ansicht ist, daß das verarmte spanische Volk lein Geld für Marineliebhabereien übrig hat. Stolz wie em Spanier ist F ür st N i k o I a u s von Monte ?/g.fo, der sich mit dem Titel „Königliche Hoheit" ge° fchmimt hat. Bisher hat Fürst Nikolaus fürstliche Schulden gemacht, numnehr wird er königliche Schulden machen.

Fenilleton.

berliner Stimmungsbilder.

~ . Bon Paul Lindenbcrg.

— Freud und Leid. — Deutscher Söhne L j e i * ob - ~ Ernste Gedanken. — Straßenbilder. — Was s best bewirkt. — Das liebe Geld. — Pfitzners „Armer Heinrich" im Opernhause.

Berlin, 21. Dezember.

" g der Weihnachtsglocken wird bald F durchs deutsche Land ertönen. Freude und Frieden lick^ ? - verkünden und daß es im rastlosen Kampfe ums täg- fmi* r-* • bo< ^ e * ne ^rze Spanne Zeit giebt, wo der sonst so un7-r rn ber Meinungen schweigt, wo Jeder gern Gutes thun bnu owhsinn bereiten möchte, wo die müden Seelen Einkehr ,. en tonnen und sich Niemand dem Zauber der feierlich- ^ümmung entziehen will, jener Stimmung, nach der so drin "^d s^?" 0 Neich das ganze Jahr hindurch

fort - ^ ' "bor auch der Weihnachtsglocken Ton vermag nicht zu Andern, daß Freud und Leid dicht beieinander wohnen, cnii toa r Ü ^orhallt das vom Fels zum Meer und bis in das legenste Dörfchen gedrungene Echo des freudigen Jubels, i welchem in der Reichshauptstadt die heimgekehrten China- bewillkommnet waren, als dumpfe Trauerklänge sich zwischen mischten und Vieler Herzen mit jähem Schmerz er- , ^nnz Deutschland empfand den schweren Schlag, der lim er m^? ar ine betroffen und der so breite Lücken in ihren w ^rissen, und die wehe Kunde ward noch ver-

dadurch, daß die Strandung d e r „G n e i s e n a u" rettenden Hafen erfolgte und daß ausgesucht 0 üusse zusammenwirkten, um den Schiffbruch

Keibeizufuhren. Ein .trübes Fest wird es in vielen Familien

geben, und doppelt heiß werden beim Kerzenschein des Tannen­baumes die Thranen fließen, in sehnendem Gedenken Jener die so unerwartet ihr frühes Grab an Spaniens Küste fanden.

über auch an vielen anderen Stellen mag das Fest nicht so freudig gefeiert werden, wie sonst. Fehlen doch zahlreiche deutsche Sohne, die noch im letzten Jahre am heimischen Herd geweilt und die nun „drüben in China" sind, fern dem trauten Klange der Weihnachtsglocken. Und innige Wünsche um ihr Wohl werden zum Himmel anfsteigen und manch sorgende Frage an die Zukunft wird gestellt werden, ob sie. die Braven bald zuruckkehren werden aus dem fernen Osten, ohne daß sie die Schaar Jener vermehrt, die den letzten Schlaf schlunimern in chinesischer Erde. Denn die Nachrichten, welckc über den Ge­sundheitszustand einzelner unserer Truppenkörper hierher ge- langen, sind nicht ganz zufriedenstellende; weit schlimmer, als d'° Boxer, erweisen sich Klima und Wasser-, wie Ernährunqs- verhaltmffe, die bereits beträchtliche Opfer gefordert.' Aber gerade beim beseligendsten aller Feste regt ja He Hoffnung am weitesten ihre Schwingen und wird auch diesmal die bedrückten Gemuther trösten durch die Zuversicht, daß im kommenden Jahr Kummer und Morgen verschwunden sind und das nächste Fest in vollstem Glücksgefühl gefeiert werden kann. r~ ?bt die Weihnachtszeit schon ihren stillen

Einfluß auf das öffentliche Leben Berlins aus, wenn N'anvon dem Verkehr und Allem, was mit ihm zusammenhängt, al'sieht. Am hübschesten wandelt cs sich jetzt Abends durch die Straßen die gegen früher ein völlig verändertes Aussehen er­halten haben durch tausende der verschiedensten elektrischen Be- leuchtuugseffekte, welche auf den Hauptverkehrsadern ein wirklich zauberhaftes Bild gewähren. Zwar muß man bei diesen abend­lichen Promenaden so manchen Puff und Stoß mit in den Kauf nehmen, aber selbst ein menschenfeindliches Gemiith braust wohl kaum zu dieser Zeit auf. erinnert uns doch das umfangreiche, harte Paket, von welchem wir ebenso unsanft berührt wurden, an die freudig leuchtenden Augen der Kleinen, für die es be­stimmt ist, an ihren Jubel, wenn die Christbaunikerzen auf die

Verlags-Fernsprecher No. 2266. 1900.

Aus Stadt und Saud.

„ Wiesbaden, 23. Dezember.

Die iffilvr/" bC l eC * Ph'lippis neuestes Schauspiel:

de^ Mm ckbeit'" 0 ^ v Cnre feiner Werke „Wohlthäter

oer jjcenictyqeu , „Das Erbe , die rn freier bidiimfHfW

“l 9 Euelle Ereignisse bringen. „Die Mission^ hat ^n Tendenz

und Handlung vielfache Anklänge an die Drevfus-Affairc Di-

Hauptrolle spielt diesn.al eine Dame, deren Misswn^i t ihfen

tn ! unschuldig schmachtenden Mann zu befreien und m

3% Ä:“ i,r ” n "M- - WI«Ä

jungfter Zeit in so erhöhtem Maße fühlbar, daß ein? Abhülfe dringend geboten erscheint. Alle bisher getr ff-nen Maßrea-ln

ÄÖÄT zu Büreau^uL-

aiict) die Fischbach sche ^exül-Sammlung mußte daselbst notb-

gedrungen weichen sowie die Theilung größerer Räume in l- 7 -e durch Einziehung von Wänden vermochten dem Uebel nicht abzuhelfen. Dem rapiden Wachsthum des Stadtbauamts

sich erwüsen^d"Räume als unzulängk Obwohl der Veamtenapparat dieses Zweiges der städtischen Verwaltung bereits einen sehr stattlichen Um ana an- 8 "E'uen ha - die Zahl der Architekten und sonstigen^tech-

aL"mch7 als"ü 0 Rtr?g?-,^so si! efLE°r?w"b'^ ß*

® r «rt n Mfi me Begriffen und verlangt bringen? wei e^RLunw

fm 0 f ? l,m di°s°lben zu erlangen, das Standes-

an'^ de/Stelle ^d?s"Ä? 0 ^ Prcieftirten zweiten Rathhauses TOnnifflnfv *r^ b § ^ rn ein Privathaus verlegen Der

Magistrat hat sich, wie wir Horen, in seiner gestrigen außerordent- ru? dieser Frage beschäftigt und beschlossen von einer Verlegung des Standesamtes abzusehen denn er habe stcki gesagt, dasselbe gehöre in das Rathhaus, wo die nothwendilm Raume insbesondere der Trausaal speziell fii Rese Vebörd? eingerichtet seien. Daran hat der Magistrat Recht mtban M-nn -e ganze Verwaltung des Standesamt üisLd die on demselben zu vollziehenden Trauungen verlangen dch immer­hin auch eine gew sse Würde der Räumsi^k-ii-n w- . Privathause-Lt g i finden dn bttfc S

^er der eindrucksvolle offizielle Anstrich fehlen der doch n2 ohne Bedeutung ist. Viel eher ließe sich eine Abtheiluna 2 b - m .^uthhanse verlegen und soll denn auch eine fofche nach dem in dem 33eftfec bet (Stabt fipFinhTtrfion ru richtsgebäude ins Auge gefaßl sein befindlichen alten Ge-

r Kirchliches. Herr Pfarrer Wilhelm Müller zu Liebenscheid ist zum Pfarrer in Altenkirchen (Oberlabnkreisl vom 1. Januar n. I. ab ernannt worden. ^oertaynkre.s)

^'^.^InachtSfest, das Gedächtnißfest der Ge­burt Christi, hat seine Wurzel im germanischen Heidentbum- -s

Jfan feierte am Tage der Wintersonnenwende, wo die Sonne wieder zu steigen begann, unter den immergrünen Bäumen des Tannenwaldes die in Baldur personifizirte Wiedergeburt der

fr*' ÄerWff k°rdie Mächte der Dunkelheit und f, Fftt konnte die Kirche dem zum Christenthum

b^fhrten Vock nicht nehmen; daher mußte sie demselben eine ? n £ t< ?L e U c? s S eben - Als nun um die Mitte des 4. Jahr­hunderts Papst ^ulius I. eine Untersuchung über die Geburt

neue Küche oder das langersehnte Gewehr oder ga/ denUl ni,t zierlichen Pferdchen herabstrahlen - und wer könnt! da bos werden. Man betrete gegenwärtig nur einen unserer Straßenbahnwagen: wie in einem Waarenmagazin sieht's im Innern aus Jeder und Jede drängelt ich mH meieren Paketen hinein. Dieser hält eine Puppen- ^'be auf seinen ^ Beinen, Jener einen blinkenden Vogetkasig mit zarten japanischen Silbcrmövchen, ein Dritter bss-ouoirt vorsichtig eine Stuhuhr auf seinen Knieen, ein Vierter balt sanft einen ^uno-Kopf in den Armen, und ein Fünfter er­scheint mit einem Wiegenpferd in halber Lebensgröße. Da reisst aber einem wohlbeleibten Herrn, der unter Den Palleten seiner Nachbarinnen fast verschwindet, doch die Geould: „Spannen Sie man ^hr Pferd vorne vor'n Wagen, Männeken, dann jeht's noch rascher, ruft er wüthend aus, „oder reiten Sie auch meinet-

EU™ m "sicher, aber hier drin ist doch kein

Marstall! Alle lachen, und der Verdutzte tritt schleunigst den Ruckzug an. Wie hatte ihn sonst sofort der Schaffner abge­wiesen aber er sowohl wie seine Gefährten sind jetzt von einer ruhrenben Höflichkeit: „Bitte, nehmen Sie Platz" Bitte

rucken Sie ein wenig weiter," „Bitte, hier ist der Fahrschein „Bitte, stellen Sie sich nur einige Minuten hierbin ^ nn w "üchsi-n Haltestelle steigen Welche aus." und ebenso cht. wie sein „bitte, kann er auch „danke" sagen, denn die überflüsstoen"

Nickel Mßen reichlich in seine LedeÄasche hinein und möaen tagtäglich ein hübsches Sümmchen ergeben. 0

^ Ueberhaupt, man wird jetzt weit zuvorkommender behandelt wie zu leder anderen Jahreszeit! Die Dienstboten eutivickeln ungeahnt liebenswürdige Seiten und eilen so flink hin und ber als ob sie vom „Fliegenden Hollä.ider" "abstammle! selbst den Lampen widmen sie plötzlich ihre zärtliche Sorgfalt und putzen und scheuern aller Ecken und Enden mit verwunderlicher Emsig- m bt r ^r'fture schwingen mit verdreifachter Grazie Kamm und Rasirmesser und bürsten uns zehnmal unseren Ueberrock wie Hut ab die Portiers öffnen die Thüren, schon ehe wir lauten, bte Briefträger lächeln uns bei Uebergabe jebes Kreuz-