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i s .--ra i Morgen-Beilage des Wiesba dener Tagblatts.

Nr. 106. Kreitag. 7. Mai. _> 9 * s «

Klippen.

(13. Fortsetzung.) Roman von Helene Schede-Heller.

Nachdruck verboten.

,£) Hans" weiter kam sie nicht. Die ganze Welt schien hinter ihr und vor ihr in Nebel zu versinken und sie stand allein stützlos haltlos.

Er mißdeutete den Ausruf.

Hörte daraus einen Vorwurf und fuhr fort:

Wirf mir nichts vor Erie ich habe den Zettel zerrissen und keinem der verleumderischen Worte geglaubt. Sage mir nur daß daß ich recht ge­tan habe den Brief ins Feuer zu werfen und daß ich nie nie mehr daran zurückzudenken brauche."

Sie wagte nicht ihm ins Gesicht zu schauen.

Ihr schwindelte. Vor ihren Füßen gähnte der ! gvund. Die Stunde hatte geschlagen, die sie Wochen vorher schon vovaus>gesehen hatte und trotzdem traf sie sie so plötzlich, daß sie wie ohnmächtig zurücktaumelte.

Nun reden nun bekennen nun sühnen. Es lag in ihrer Hand. Die Gelegenheit würde nie wie­derkehren.

Habe ich nicht recht daran getan, Erna?" wieder- holte ihr Mann, der in ihrem Schweigen nur eine Auf- tvalliung ihres empörten Stolzes sah.

Die Beichte erstarb auf ihren Lippen.

Blaß, wie einer, der vom Grabe zurückkehren muß, wandte sie sich nach ihm um und sagte, langsam ton­los als läse sie diktierte Worte vor.

Ja Hans du hast recht daran getan."

Der Augenblick war verstrichen. Sie hatte ihn vor- uberziehen lassen. Er würde nicht wiederkchren. Bor ihr ragte die Klippe, die sie nicht hatte besteigen können und sperrte sie ab vom Land des Friedens.

Sie hatte zum zweitenmal den Mann, den sie liebte» betrogen.

So schwach ivar sie.

Es war an einem trüben Dezembertag.

Draußen fielen die ersten Schneeflocken wirbelten durch die Luft und verwandelten sich in Wasser und Schmutz, sobald sie die Straßen berührten.

Es war die Zeit der kurzen Tage und langen Abende, da man in den Häusern enger aneinander sich schließt um wärmende Herde und brennende Lampen. Die Zeit, da der Wanderer an die Heimat und das Elternhaus zurückdenkt, da der Einsame doppelt das Werlassensein empfindet und jeder sich nach Menschen schnt, nach dem Leben drinnen im Haus, weil draußen der Tod herrscht.

Die Zeit, da man träumt von einem eigenen, weichen Nest, in dem man zu zweien wohnt nah aneinander­geschmiegt so warm so glücklich, daß man nichts merkt von Schneegestöber und schneidenden Winden.

Rickling saß bsrm Frühstück vor ihm lag die Mor- genpost, die er noch nicht geöffnet hatte. Er dachte an Hilde dachte, daß ihre Liebe ihm solch Nest bereitet hatte.

Nun begann er die Briefe zu öffnen. Einer von rhr ßat dabei, in dem sie ihm sagte, daß sie an dem Nach­mittag mit Röschen ausgehen müsse und ihn erst am

folgenden Tag erwarte. Ein anderer von seiner Frau, die auf zwei Tage verreist war und sich für den Abend ankündigte. Endlich ein Brief mit zierlicher, frauen­hafter Handschrift, der aus Berlin gestempelt und an Erna adressiert war.

Rickling dachte, es sei eine Einladung für seiue Frau und öffnete ihn, um darauf zu antworten, falls es sich um ein five oclock zum heutigen Tage handelte.

Er brach den Umschlag auf und sing an zu lesen. Aber schon nach den ersten Worten verdunkelte sich sein Gesicht und je weiter er kam desto furchtbarev wurde in seinen Zügen der Ausdruck von Zorn.

Er schleuderte das Papier von sich. Wie zum Kampf ballten sich seine Hände. Die Adern auf seiner Stirn schwollen an. Die Augen sprühten vor heftigster Er­regung. Wer hatte ihn geschrieben? Was hatte das zu bedeuten? Wer unterstand sich, seine Fraumein Lieb" zu nennen?

Sofort zuckte durch den Wirrwarr seiner Empfin­dungen die Erinnerung an den anonymen Brief, den er vor einigen Wochen erhalten hatte.

Sollte doch etwas Wahres daran gewesen sein? Sein Stolz bäumte sich auf.

War es möglich?

Hatte sie ihn hintergangen? Ihn betrogen ihn belogen? Seinen Namen seine Ehre in den Schmutz gezogen?

Er rang nach Atem wie einer, der dein Ersticken nahe ist.

Noch einmal griff er zu dem Brief und versuchte» ihn ruhig zu lesen, um zu einer Klarheit zu gelangen.

Es waren nur einige Zeilen. Ein heißes Flohen um Antwort der Sehnsuchtsschrei eines liebenden Herzens-und ohne Unterschrift.

Cr las die Worte wieder und wieder, bis er sie aus­wendig wußte, bis jedes sich wie mit Keulenschlügon in sein Gedächtnis festgekeilt hatte.

Sein Herz pochte wild.

Jetzt zu ihr gehen sie zwingen, die Wahrheit zst sprechen wissen, wer der Mann war, der es wagte, ihr solche Leidenschaftsworte zu schreiben.

Und als es ihm bewußt wurde, daß er darauf bis zum Abend warten mußte, meinte er, es sei mehr, als er würde ettragen können. In ohnmächtigein Zorn die Stunden dahinschleichen zu lassen im Dunkeln bleiben und mit der Ungewißheit ringen müssen während der andere vielleicht wer konnte das wissen? ihr entgegengercist war und im Herzen über den gut- mütigen Gatten lachte, der nichts ahnend zu Hause saß?

Doch nein das ivar nicht möglich.

Der Brief enthielt ein heißes Bitten um Antwort, die augenscheinlich schon lange auf sich hatte warten lassen. Es war kaum anzunehmen, daß Erna sich ein wirkliches Vergehen hatte zuschulden kommen lassen «ndi übrigens ivo wie warum wäre das möglich gewesen? Sie war nicht die Frau, sich wegzuwerfen. Sie spielte, flatterte, flirtete. Aber dabei blieb es auch.