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konnte die
I. Beilage rum Miestmüener Tugdlatt.
Wo. 308. Morgen-Ausgabe.
Sonntag, den 23. Dezember«
( 16 . Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Drei Theithaber.
Roman von Uret Karte.
Autorisiert.
\ n ® rö i lun 9' Nora", sagte Frau Horums bch lachend von dem Kinde tos. „Herr
Parker hat selbst den Kleinen geholt, und versprochen, ms nicht bei Deiner Gebieterin zu verklagen." Nora, die mit weibliche,n Scharfblick die Lage der Dinge zu durchschauen glaubte, fand dies sehr begreiflich und blieb "Mbrucher -o3et|e in rücksichtsvoller Entfernung stehen.
■ ” ur P"pa. Herzchen", fuhr Frau Hornburg fort, indem sie den ferneren Liebcsbeweisen des Kindes
Sir auswich. „Ihr Herr will den Kleinen lieber >elb,t hlnauftragen. Nora."
„Aber", fragte Barker hartnäckig, „nicht wahr. Sie Zs-ben K-nder lieb und finden, das; er ein prächtiges Bur>chchen für sein Alter ist?" Er zögerte zu gehen, in Hchnung der frühere Ausdruck werde noch einmal ihr Gesicht verklären.
r f Frau Hornburg, bemüht, ihre
losen Flechten wieder zu ordnen; „er ist so weich und Ntgelrunü; aber er hat einen ausgesprochenen Sinn für Schmuck und Edelsteine. Sie sollten wirklich Ihrer Gemahlin ein Halsband wie meines kaufen, das würde alle Beide erfreuen, Mutter und Kind."
, r aufgestanden und schritt langsam der Thüre
zu. Al» fte sich noch einmal umwandte, um denr Kleinen eine Kughand zuzuwerfen, strebte er so gewaltsam von de» Vaters Arm zu ihr hin, daß es Barker und Nora kaum mit vereinten Kräften gelang, ihn fcstzuhalten.
. * u , Gurker seine Frau mit anderen Ge
lten beschäftigt als vorhin. Sic nahm sogleich Noras
s 1 n Um j^ re schönste Toilette für die ^^W^Ichaft rn Ordnung zu bringen. „Aber, weshalb willst a,u Dir so viele Unbequemlichkeiten machen?" fragte der Gatte in seiner Einfalt. Wir lassen uns doch natürlich ein Privatzimmer geben, damit wir ganz unter urw von alten Zeiten plaudern können. Da ist Ks Kleid gut genug. Und weißt Du, was am aller- sch°n ten wäre?" fuhr er freudestrahlend über seinen glücklichen Gedanken fort; „wenn Du das hübsche lila Kleid anziehen wolltest, das Du so oft in Boomville ae- tragen hast. Das wäre ganz famos, und gerade wie'in alter Zeit. Ich weiß genau, wo das Kleid ist — habe es selbst in einen der Koffer gepackt — weil ich es durchaus Mltnehnien wollte — ich kann es Dir gleich-"
Aber die spöttische Miene seiner Frau ließ ihn nicht weiter reden.
»Hast Du Dir wirklich im Ernst eingebildet, Georg" ?f e Ne, »ich würde zugebcn, daß Herr Stacq sich mit s Nff allem m ein Zinuner einschließt und folglich sein Be- wch vollständig weggeworfen wäre? — Am liebsten säßest Duwohlim Schlafrock und Pantoffeln dabei? — Da toeife ich besser, was wir Herrn Stach, dein großen
Finanzmann schuldig sind, und
Theilhaber gewesen ist; aoer ia, weiß auch, was er ä h ^ n°nken hat! Nein, wir speisen im großen Eß- saal, vor aller Welt, und womöglich dicht bei den Peter- burys, die immer so vornehm thun mit ihren Freunden auv dem Osten, ^enes schreckliche Weib gehört auch zu ihnen da wirst Du doch wohl zufrieden sein. Du tannst trotzdem von alten Zeiten reden nach Herzenslust' fe mehr und ,e lauter Du es thust, desto besser. Ich zweifle nur, daß er viel Gefallen daran findet."
. ? «Mer unser Junge", warf Barker ein. „Stach hat ras größte Verlangen, ihn zu sehen — und wir können ihn doch nicht mit ins Speisezimmer herunterbringen ~ °as heißt, warum eigentlich nicht?" Seine Miene erhellte sich.
... «Nach wische", versetzte Kitth in strengem Ton, »fuhren wir unseren Gast erst durch die großen Empfangssäle; dann kann Herr Stach mit uns herauf- tominen und den Jungen in seinem Bettchen sehen' früher unter keiner Bedingung. Und nun, Georg, thu' mir den Gefallen und trage nur heute einmal keinen Klappkragen; geh' auch zum Friseur, laß Dir das Haar schneiden und die Locken glatt kämmen. Vor Allem aber lag ihm, ich beschwöre Dich, er soll Dir den Schnurrbart mit Gummi, Wachs oder irgend etwas bearbeiten und 'U die Höhe drehen, wie Kapitän Hcath ihn trägt; kein Mensch laßt seinen Bart jetzt über den Mund herabhangen wie Ringellocken. Ich muß es schon so wie so immer mit anhoren, daß die Leute über Deine Un- crfahrenheit reden, da brauchst Du wenigstens nicht noch so auszusehcn als wäre ich mit einem hübschen Schulungen davongelaufen. Wenn man obendrein bedenkt, wie groß das Kind schon ist — man muß sich ja wahrlich schämen! Und noch eins, Georg: Sitze mir nicht mit offenem Munde gegenüber und strahle nicht vor Entzücken oder schüttle Dich nicht ans vor Lachen so oft ich midi mit jemand unterhalte und etwas Komisches sage. Sieh mich auch nicht so verliebt an vor den Leuten, wenn ich zufällig im Gespräch Deinen Namen nenne, wie vorhin, als ich Dich Kapitän Heath vorstellte. ES macht sich wirklich zu abgeschmackt!"
Alle diese Ermahnungen seiner Ehegattin nahm Barker mit der gutniüthigsten Freundlichkeit entgegen und gelobte aufrichtig, sich zu bessern. Er stellte auch eine strenge Selbstprüfung an und ging ganz ernstlich mit seinen Fehlern ins Gericht, als er später nachdenklich am r^enster saß. Mit der einen Hand hielt er das dicke Fäustchen des Kleinen umfaßt, dessen Bettchen neben ihm stand, und den Blick richtete er unwillkürlich ins Weite, wie einsanie Menschen pflegen. In der fernen Bai und im Hafen lagen die Handelsschiffe aus deni Süden, von den Wellen mit gelblichem Schaum bespritzt. Der Regen floß in Strömen. Wie Kleingewehrfeuer prasselten die schweren Tropfen auf das Steinpflaster; vereinzelte Fußgänger mit schräg gehaltenenSchirmen und angeklatsckiten Regenmänteln kämpften gegen das Unwetter. Barker
48. Jahrgang. 1990.
r-s ll^nZL leere Montgomery-Straße hinunter- sehen, bis nach dem Hügel, auf dem der längst nicht mehr ^us-n"^o,?btische Telegraph stand. Sie erschien ihm ver- tassener als der meilenlaiige Kamm des Kieferberges, in dessen Wipfeln der Nachtwind sein wildes Sturmlied zu singen pflegte L.ort hatte er sich nie so einsam gefühlt.
nr n b?^ 1 ' 'sr t l i -x üWe Necht, wenn sie ihm seine allzu große Jugendlichkeit und seinen Optimismus vorwarf. Aber war er nicht ebenso berechtigt er selbst zu bleiben? X\ l] 'l die hochsle Herzenseinfalt hat ihren Egoismus, und Barker, der die Art und Weise anderer Leute bereitwilligst gelten ließ, wollte auch seine Eigenthümlichkeit nicht auf- geden. Aus seiner Liebe zu Kitth machte er sich keinen Vorwurf; er wußte ja, daß sie besser und liebenswerther war als sie felbft ahnen mochte. Aber er sah ein, daß es sie ärgerte und ihr einen unangenehmen Eindruck machte, wenn er seine Gefühle vor der Welt zeigte. Das llftb Eigenheit, es gehörte zu ihrem Wesen — er gatte sie gar nicht anders haben wollen, so wenig wie er sem eigenstes Selbst verleugnen mochte. Bei all ihrem ^.hun zeigte sich stets ihr praktischer Sinn, ihr klarer, gesunder Menschenverstand; und doch hatte sie sich mit der irrigen Vorstellung gequält, daß sie ihren Vater betrogen habe. Das arme Ding! Und sie hatte sich Kummer darüber gemacht, daß die dummen Leute sagten, ihr Vater hätte ihn eigennütziger Weise zu Spekulationen verleitet. Als ob er, Barker, das nicht zu allererst entdeckt haben würde! Für seine Ansichten und Handlungen lvar dock) außer ihm selber kein Mensch verantwortlich nicht einmal die liebe Kitth! Es wurde ihm ungewöhnlich ernsthaft zu Mnthe bei diesen Betrachtungen, und als das Kind endlich die Augen öffnete, sich halb schläfrig, halb verdrießlich aufrichtete und die liebkosende Hand fortstieß, kam Barker fick) noch einsamer vor aB sonst. _ Obendrein kränkte es ihn ein wenig, daß der Kleine gleich darauf die Hände nach Nora ausstreckte, oie dock; bloß ein Miethling war und ihin nid)t einmal fo viel Liebe entgegenbrachte, wie Frau Hornburg, die eitle Weltdanie, gezeigt hatte.
Später, als Kitth hereinkam und sehr hübsch aus- ah in ihrer prachtvollen Abendtoilette, stürmten auch wieder die verschiedenartigsten Gefühle auf ihn ein. Er wußte, daß jenes Stadium in ihrem Eheleben vorüber war, wo sie sich nur geputzt hatte, um ihm zu gefallen. Jetzt galt ihr das Gebot der Mode, oder der Wunsch eine andere Frau auszustechen, mehr als die Befriedigung seines. Geschmackes; er nahm ihr das auch gar nicht übel. Aber es überraschte ihn doch, zu sehen, daß ihr Anzug einenr Kleid der Frau Hornburg nachgeahmt war und obendrein einem ihrer auffallendsten. Es stand Kitth auch nicht besonders gut, denn was jenem blühenden Weibe zum Schmuck diente, paßte nicht zu den spröden Formen und der etwas herben Schönheit der jungen Frau.
(Fortsetzung folgt.)
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