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«»• Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — BeznaS-Prcis: durch den Verlag S« Pfg. monatlich, durch die Post L Mk. «4- Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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B^orgen-jUisgalae.

Der Sahn des alten Dessaner.

Zum 200. Geburtstage des Fürsten Leopold II. von Dessau.

(Geboren am 25. Dezember 1700.)

Von Dr. I. A. Rank.

Leopold II. Maximilian. Fürst von Anhalt-Dessau, der zweite Sohn des berühmten „alten Dessauers", wurde am 2o. Dezember 1700 in Dessau geboren. Der Vater nahm ihn. der schon am 28. Dezember 1706 von König Friedrich I. von Preußen zum Hauptmann des Regiments Kronprinz ernannt worden war. 1711 mit ins Feld Am 22. Marz wurde er Oberstleutnant und erhielt eine Compagnie im Neglinent Prinz Heinrich, niachte mit Aus­zeichnung den Feldzug gegen die Schiveden in Pommern mit und erhielt ein eigenes Neginient. welches aus schwedischen Gefangenen gebildet war und dessen Oberst er am 31. März 1717 wurde.

Als Generalmajor erhielt er im Jahre 1732 den Auf­trag gegen die widerspenstige Stadt Mühlhausen die Reichsexetution zu vollstrecken, zu weichein Zweck ihm eine aus preußischen. Hannöver'scheu und braunschiveigischen gruppen gebildete Abtheilung zur Verfügung gestellt wurde.

bl. Oktober 1735 wurde er zum Gouverneur von Kusirinernannt und erhielt als solcher den Auftrag, für eme bessere Befestigung und stärkere Vertheidigimgssähig- teit zu sorgen.

Im ersten schlesischen Kriege wurde ihm endlich die so heiß ersehnte Gelegenheit geboten, seine kriegerische Be- gabung zu zeigen. Am 8. Dezember 1740 mußte er mit s-dki^Lrzog von Holstein mit 7 Bataillonen und 15 Schwadronen, die sich bei Berlin zusainmengezogen hatten, vor Glogau rücken. Am 16. setzten sie sich über Frankfurt und Krossen in Marsch und trafen am 27. vor der Festung ein. König Friedrich II. glaubte, daß sich die Festung längstens zehn Tage würde halten können, da sich die Festungswerke in verfallenem Zustande befanden und die Geschütze fast unbrauchbar waren. Deshalb wünschte er anfangs keine Beschießung; als sich aber die Uebergabe über Erwarten hinzog. ertheilte er Leopold die Vollmacht, sich der Festung nach „Gutfinden" zu be­mächtigen mit der Einschränkung jedoch, daß die Soldaten nicht ohne Noth Gefahren ausgesetzt werden sollten.

. Als im Frühjahr 1741 die Oesterreicher Anstalten zur Wiedereroberung ^Schlesiens trafen, war es Friedrich un­bequem. daß Glogau noch in feindlichen Händen war; etwas ungeduldig schrieb er am 23. Februar von Liegnitz an Leopold: „Sie müssen in Glogau sobald wie möglich ein Ende machen, ich ti-be das Corps was sie bei sich haben sehr nöthig in ; urtzem." Da aber Leopold seine Besorgniß wegen der feindlichen Bewegungen nicht theilte. schrieb ihm Friedrich am 4. März von Mollwitz aus: Es thuet mihr leid das Sie mir nicht Verstanden haben, es ist in Böhmen auf den ordentlichen Entsatz von Glogau abge­sehen. Ich hoffe Sie werden nicht lenger Säumen sonsten die schuld von allem übel, das aus längeren Aufschub kommen konnte, allein aus Ihnen fallen würde."

Sofort nach Empfang dieses Briefes, den ihm Adju- - ^ ^ Qm Abend des 7. überbrachte, entwarf Leopold

oen Plan zum Sturm auf Glogau. Am Mittwoch den 8. benes er die Offiziere und eröffnete ihnen den Willen des König». daß die Festung in der Nacht genommen werden mußte. Mit dem Schlage 12 Uhr setzten sich die Sturm- totomien m Bewegung; an der Spitze der einen marschirte Leopold der mit dem Markgrafen Karl, dem Grafen Goltz und / anderen Tapferen die Cnrtine erstieg. Nach war die Festung mit einem Verlust von 40 booten und 40 Verwundeten genommen. Die Ve- ptznahme ging in größter Ordnung vor sich. Es kam teme Ausschreitung oder Plünderung vor. Friedrich II. war hoch erfreut über das gelungene llnternehmen. Er machte Leopold ein Geschenk von 20,000 Gulden und wunichte dem alten Fürsten Glück zu solch einem Sohne. Nachdem Leopold am 11. März die Huldigung der Stadt entgegen genommen hatte, trat er am 12. den Marsch nach Oberschlesien an. In Anerkennung der Umsicht die er bei der Eroberung der Festung gezeigt hatte, ernannte Friedrich ihn außerdem noch zum General der Infanterie der Schlacht bei Mollwitz am 10. April tommandirte Leopold das zweite Treffen. Am 10. Angust erschien ermitnur4Bataillonen, dieangeblich nachLeubus gehen sollten, vor Breslau. Dem Stadtmajor, der die gruppen durch die Stadt führen sollte, folgte er nicht, sondern ruckte nach dem Marktplatz. Der Stadtmajor machte ihn darauf aufmerksam, daß er einen falschen Weg emgeschlagen habe; Leopold aber ersuchte ihn höflichst, den ^egen emzustecken, da der König befohlen habe. Breslau zu besetzen.

r Oktober begann er die Belagerung von Neiße,

Arelt aber schon am 22. die Bestimmung, mit zehn Bataillonen und 40 Schwadronen nach der Grafschaft Glotz zu gehen, Glatz selbst einzuschließen und die Winter­quartiere m Böhmen zu beziehen, wo er sein Haupt' quartier^ in Jung-Bunzlau nahm. Seine Aufgabe war "„B,.wicht; er sollte so viel Land als möglich besetzen, um suogllchst viel Steuern beizutreiben. aber auch den. gleich- m stehenden Franzosen keinen Anlaß zu

Beichwerden geben und Feindseligkeiten gegen die Oester- reicher vermeiden, da Friedrich nach dem Vertrage von Klem-schiielleiidorf auf Frieden hoffte, aber er sollte auch bor ihnen auf der Hut sein. Leopold verstand seine Auf- gäbe w gut. daß Friedrich ihm in einem Briefe schrieb: „er hatte zwar befohlen, Leute zu werben und Steuern beizutreiben, aber ans solche Art, daß das „Huhn gerupfet wird, ohne daß es schreie!"

AI» Maria Theresia das Generalanfgebot in Ungarn ergehen ließ, wurde Friedrich für Oberschlesien besorgt und ubertrug dessen Deckung am 12. März 1742 auch Leopold. Gleichzeitig erhielt der alte Fürst Befehl, mit emem Corps aus der Mark nach Schlesien zu marschiren und seinen Sohn im Oberbefehl abzulösen. Allein die Bewegungen der Oesterreicher änderten den Plan des Königs. Leopold blieb und erhielt dann den Oberbefehl über die von seinem Vater herzngeführten Truppen, während dieser den Oberbefehl in Schlesien übernahm.

Die Einleitung zur Schlacht von Chotusitz und Chaslau am 17. Mai wurde von Leopold getroffen; Friedrich, der später mit seinen Truppen ins 2. Treffen

! war imt seinen Anordnungen einverstanden. Nack ■ gewonnener Schlacht umarmte ihn der König und er^ nannte ihn zum Generalfeldmarschall.

zurück ^^densschluß führte ihn am 20. Juli nach Dessau

Bei der Eröffnung des 2. schlesischen Krieges im August 1/44 ruckte Leopold mit der mittleren Kolonne

«Ui o r f^ eere§ l n ®^ men ein und erreichte Prag mit 24 Bataillonen und 60 Schwadronen. Nun traten aber zwilchen ihm und Schwerin häufige Mißhelligkeiten io bedenklich zu Tage. daß Friedrich wiederholt eingreifen und )em Ansehen geltend machen mußte. Als sich Schwerin dann mich noch mit Friedrich überwarf, begab er sich, Krankheit vorschntzend. nach Hause. Beim Rück­

zug nach Schlesien befehligte Leopold die" erste^Kolonne' r Feinde nicht beunruhigt, nach Glatz führte.

die er, vom ^., luu vüuu

Sim 1 Dezember begab er sich zur Herstellung'seiner an­gegriffenen Gesundheit nach Schweidnitz. r Ä 1745 , nahm er an den Schlachten bei

Hohenfnedberg am 4. Juni und bei Sorr am 30. Sep- tember Theil. Al» Friedrich am 28. Oktober nach Berlin reiste, ubertrug er Leopold den Oberbefehl über Schlesien, ^mdcoveniber ruckten dieOesterreicher gegendieLausitz vor zog am 16 die Truppen bei Jauer zusammen, über welche Friedrich den Oberbefehl übernahm. Bis ziim Schluß de» Krieges blieb Leopold in der Ilm- gebiing des Königs.

.„Nach dem Tode seines Vaters, welcher am 9. April 1.47 starb, trat er die Regierung an und erhielt von Friedrich das Regiment des Verstorbenen und das Gou­vernement von Magdebiirg. Leider dauerte seine mit großer Einsicht geführte niid von den besten Absichten geleitete Negierung nur kurze Zeit.

Er starb am 16. Dezember 1751, aufrichtig bedauert von seinen Ilnterthanen. Seine Gemahlin Gisela. Agnes die emzige Tochter und Erbin deS verstorbenen Fürsten ^eopold von Anhalt-Köthen, mit der er seit dem 25. Mai

tu. glücklichster Ehe gelebt hatte, war ihm

am

20 apm i/ol im Tode vorangegangen. Er hinter- ließ drei Sohne und drei Töchter.

__ Die kurze Regierungszeit des Fürsten Leopold Maximilian von noch nicht vier Jahren yingereicht, die Unterthanen die Größe ihres Verlustes erkennen zu lassen, ihre ungelheilte Liebe nahm der Verewigte mit ins Grab.

Deutsches Deich.

- Kundgebung für die Buren in der hessischen Kainurcr. Eine größere Anzahl Abgeordneter der zweiten hessischen Kammer hat dieser einen dringlichen Antrag unter­breitet, wonach die Kammer beschließen soll, die hessische Regie­rung zu ersuchen, sie möge ihre Bundesrathsmitglieder in- struiren, unverzüglich den folgenden Antrag beim Bundesrath einzubnngen: „Die hessischen Mitglieder des Bundesraths be­antragen auf Grund der Artikel 7 und 8 der Reichsverfassuna den sofortigen Zusammentritt des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten und ersuchen diesen Ausschuß, alsbald einen schleunigen Antrag auf Einsetzung eines internationalen Schieds- gerichts Zur Entscheidung der schwebenden Streitfragen Zwischen England und den Bnrenstaaten zu veranlassen." Für die

Fenilielorr.

Gin Weihnachtsabend auf hoher See.

Novellette nach dem Französischen von Felix Nauck.

Es war am Weihnachtsheiligabend. Die Passagiere des Dampfers „Braganza" saßen beim Diner, und vom tiefdunklen Tropenhimmel leuchteten unzählbare Sterne herab. Die Hitze wurde von einer leichten Brise gemäßigt, die den Passagieren die Tropendllfte des nahen Landes zuf'.hrte. Nach den Be­rechnungen des Kapitäns mußte man in jedem Augenblick die Leuchtthürme von Brasilien bemerken und während der Nacht in der Rhede von Rio de Janeiro Anker werfen.

Eine junge, in Trauer gekleidete Frau, die durch die ge­räuschvolle Heiterkeit ihrer Mitpassagiere aus dem gemeinsamen Salon verscheucht worden, war auf das Deck gegangen und hatte in der Nähe des Backbords in einem großen Sessel aus Weiden­ruthen Platz genommen. Ueber ihrem Haupte erblickte sie das punderbare Firmament der heißen Zone. Keine Wolke ver- piisterte den Himmel. Nach Süden zu sah man das glitzernde sslcrnbckd des den Europäern unbekannten „Kreuz des Südens", Ms in diamantenen Charakter» die ewige Erinnerung an Golga­tha wachzurufen schien. '

Eine weiße Schaumlinie hezeichnete auf dem Meere die von dem Schiffe gegrabene Furche und auf der Schiffsbrücke jJfy r;?. öes wachhabenden Offiziers, der mit

»nv mH ^s^ütc, unaufhörlich nach dem Horizont blickend, L ' u- d°rgwg. D,e junge Frau dachte nach. Sie durch- trauriaen fi aZ stunden ihres kurzen und doch schon so einen Sobn v- toan r bte l ^ re ® eete der Erinnerung an an La "/ te berIorcn ; si° war Wittwe und dachte

an das Grab, das ihre ganze Vergangenheit, den Gatten und

das Kind, enthielt, die ihr der Tod beide geraubt hatte. Was sollte in Brasilien aus ihr werden, wohin sie die Regelung einer Erbschaft einer Verwandten berief und wo sie Niemanden kannte. Was sollte sie später in Frankreich mit ihrem Reich-

nm n - anse 1 ? r ®. aä weiland ist das Land, wo man liebt, und Alles, was sie liebte, war verschwunden.

Jndesseii drang das fröhliche Geräusch des Festes aus den Tiefen des Fahrzeuges bis zu ihr, lautes Lachen und Stimmen­gewirr klang aus den geöffneten Lucken, die Champagnerpfropfen knallten, und der Ton eines Pianos störte durch seine Tanz- melodieen das geheimnißvolle Schweigen der Nacht. Dort unten hatte mail ausgerechnet, daß es in Europa Mitternacht sein müßte und hatte es für angemessen gehalten, gerade in dem Augenblick Beihnachten zu feiern, da das Fest auch in der Hennath stattfand. Der Gedanke, daß die Fahrt sich ihrem Ende nahte, niachte die Unterhaltung noch ungebundener, denn die Leute, die der Zufall auf dasselbe Schiff geführt, und die m großer Vertraulichkeit mit einander gelebt, sollten sich bald sur immer verlassen. Man konnte also ungestraft sich der Freude Yingeben, ohne zu befürchten, unangenehme gesellschaftliche Ver­pflichtungen eingehen zu müssen.

junger Mann hatte den Vorschlag gemacht, man solle

TLn-ei'inH"^ HHv, * ° tc » ^ ein Schwarm von Tänzern und 3-bildet, wahrend in einer Ecke an einem Tische

M,6 k rrrl a|i “ und mit ernster Miene ihren Grog w selbst einige alte Damen waren von der allge-

E» IE m,tc I9 n ^ n worden und schlossen sich dem impro-

hie r h UU- kehr laut, man lachte noch lauter.

Für die letzten Stunden,. bevor man die Küste von Brasilien erreichte, vergaß ^ber feine Sorgen, seine Leiden, seine Hoff- nungeii; man berauscht- sich bei dem Gedanken, den Fuß auf festen Boden ZU sehen, und der Rausch dieser Freude drang bis zu dem füllen Backbord, wo die Dame in Trauer uubeiveglich. in tiefen Gedanken saß. . a '

Auf dem Bordertheil des Schiffes, fast auf dem Bugspriet, saßen ein alter Matrose und ein Schiffsjunge und plauderten. Der Matrose mit wettergebräunter Gesichtsfarbe und das Kind mit dem rosigen Antlitz, das das Meer noch keine Zeit gehabt dunkel zu färben, sprachen von der Heimath, von der Bretagne in der sie beide geboren waren, und wo sie sich nach vollendeter Fahrt auszuruhen gedachten. Auch sie dachten daran daß man dies-m Augenblick in dem Dorfe der alten Bretagne das Weihnachtsfest feierte. Sie sahen in ihren Erinnerungen die mit Schnee bedeckten Dächer, den Weg mit den tiefen, vor Kälte hart gewordenen Wagenspuren, den kleinen gefrorenen Teich wieder, und verglichen das scharfe bretonische Klima mit der er- schlaffenden Warme der Tropen. Der Matrose erzählte von einem Weihnachtsfe t aus seinem 20. Jahr-, als er zwischen zwei Feldzügen den Winter in Frankreich zugebracht hatte. In jenem Jahre hatte er die Bekanntschaft des Mädchens gemacht das er kurze Zeit darauf geheirathet und das mit den Kindern am niederen Herde jetzt seiner harrte. Was ging in diesem Augen­blick in seiner bescheidenen Hütte vor? Sein Herz eilte nach der Heimath und sandte den Seinen seine zärtlichsten Grüße. Auch das K,ud erinnerte sich an den tiefen Schmerz, den es erfahren^ als es, frühzeitig Waise geworden, sich hatte einschiffen müssen um das tägliche Brod zu verdienen. Nichts führte ihn nach dem Flecken zuruck ,n dem seine Wiege gestanden, außer die Erinne- rung an den Kirchhof, in dem seine Eltern schliefen. Wie mußten sie in dieser Dezembernacht in ihrem Grabe frieren, während er die warme Lust der brasilianischen Küste einathmete!

Fahrt, es war die erste für den kleinen Schiffsjungen, ging zu Ende; traurig sah ec der Ankunft des Schiffes in Rio de Janeiro entgegen, denn eine Reisende war gütig zu ihm ge­wesen — gerade jene Frau, die an Backbord saß — oft hatte sie mit ihm gesprochen, sich nach seinen Schicksalen erkundigt und sich für die naiven Worte interessirt. Eines Tages — er er­innerte sich dessen ganz genau — hatte sie mit ihrer weißen Haqh