1. pl'illM ;unl Mestraömer Tagülatt.
As. 896. Wsrgen-AnsgaLs.
(14. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Drei Theilhaker.
Nomau von Aret Kurte.
Autorisiert.
Varker sah sie mit großen Augen verwundert an. Ganz so hatte Stach gesprochen! Und es war doch ihr eigener Vetter.
„Uebrigens könnte er ja die Gruben auch an Jemand Anderes verkaufen", fuhr Kitty unbeirrt fort. „Er hatte noch ein ziveites Angebot; aber Deins sagte ihm am meisten zu. Also sei kein Narr."
Sie waren jetzt in ihre,: Geniächern angelangt. Mit der ihm eigenthümlichen Lebhaftigkeit hatte sich Barker sofort die ganze Sache aus dem Kopf geschlagen; er eilte ms Schlafzimmer und schritt lächelnd aus ein Bettchen zu. das in der Ecke stand. „Aber er ist ja nicht da!" rief er gleich darauf voll Bestürzung.
„Denkst Du etwa, ich soll ihn mit in den Salon hinunter nehmen, wenn ich Besuch empfange?" fragte seine Frau in etwas gereiztem Ton. „Ich habe ihn mit der Wartenn in die Vorhalle hinunter geschickt, wo er mit den anderen Kindern spielen kann."
Ein Schatten flog über Barkers Züge. Wenn er nach Hause kam. rechnete er stets darauf, gleich das Kind zu Men. da er sich mit der völlig unbegründeten Vorstellung Ichmeichelte. daß der Kleine ein besonderes Verständnis^ für ihn habe. Auch hatte er. nach Väterart, kein rechtes Vertrauen zu dem Gesundheitszustand fremder Kinder, deren ^ebensverhältnisse er nicht kannte und die jedenfalls «scht ow ausnahmsweisen Vorzüge genossen, deren sich sem Sohncheir erfreute. „Ich will gehen und ihn holen", sagte er.
Frau Barker war etwas abgespannt auf einen Stuhl gesunken. E „Du hast mir noch gar nichts von der ttnter- «n Un8 ® e ’ ne!n lieben Stach erzählt", meinte sie.
'' „'"ss nur gleich wieder nach dein Kinde lausen ! .' ücu '5 es unterhaltender für mich gewesen, ich hatte^aprtan Heath gebeten, noch daZubleiben."
„ . !?, 77 sagte Barker. setzte sich neben sie
Du. mein Herz, er war geraoe sehr beschäftigt, ^ und in sein innerstes Privat- iü!^«n^"^bschlossen wie die Agatkugel in einem Satz Manischer Schachteln. Aber", fuhr er mit leuchtenden Bücken fort, „tm Uebrigen noch ganz der liebe alte Jim Stach vom Kieferberg, wie ich ihn damals gekannt habe. L)ie ganze alte Zeit wurde mir wieder lebendig Weißt Du noch Schatz, wie ich um Dich anhielt, weil ich glaubte, ich sei plötzlich rerch geworden? Am nämlichen Tage hatte ich die Parzelle für die Jungens gekauft, mid als ich wieder zu ihnen kam, hatten sie gerade den großen Goldfund gethan. Ich erinnere mich gut. daß ich niich nicht getraute, ihnen etwas von nieiner Verlobung zu sagen — aber sie erriethen es ganz von selbst — der liebe gute L-tacy zu allererst."
, * sP- entgegnete Frau Barker. „uiid hoffentlich hat Dem Freund Stach auch nicht vergessen, daß Dii ohne mein Zureden die Parzelle um ein Haar wieder aufgegeben hattest, als sich herausstellte, daß Du gar nicht reich warst. Damit Du sie behalten könntest, habe ich
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jisenen Vater betrogen und mir oft Ge- ESÄ 8 «nacht obgleich ich mir Nichts
merken ließ Wahrend ,:e so sprach, ließ sie die Diamant-
Finger gleiten^ hübschen Arm mechanisch durch die
Kitty«. rief Barker. ihr zärtlich die §nnd druckend, „ich hatte einen Wechsel unterschrieben.
das genügte um den Kauf zu sichern; ich sollte warten bi» der Verfalltag käme, und die Parzelle si aufgeben, wenn sich dann fände, daß ich nicht bezahlen I?™ 6 -,, Vater hast Du ganz und gar nicht be-
, , fugte er mit großem Ernst hinzu, „denn ich
wurde ihm Alles gesagt haben."
Du es so ansiehst, hat es nichts auf l 1 '• ra v 1 -r ! te .’, »ich meine nur. man sollte den Leuteii ms Gedachtniß rufen, wenn sie umhergehen und er- znhlen Papa hätte Dich init seinen Hotelprojekten um Dem Geld gebracht."
„Wer untersteht sich, so was zu sagen!" fuhr Barker
Seine Frau warf ihren hübschen Kopf stolz zurück, m >'ie es nicht sagen, so steht es ih-ieii doch im
Gesicht geschrieben. Auch halte ich es für den Grund von Stachs abschlägiger Antwort."
„Aber er hat keine Silbe davon gesagt. Kitty!"
„Ereisre Dich nur nicht unnütz, Georg", meinte feine Krau beschwichtigend. „Geh' jetzt lieber und hole'den Kleinen; Du brennst doch vor Ungeduld danach, und es wird wohl Zeit sein, daß Nora wieder heraufkommt."
Unter anderen Umständen würde sich Barker jeden- au ^ Erklärungen eingelassen haben, aber augenblicklich hatte er ein zu starkes Gefühl, daß zwischen ihnen ein Mißverstandniß obwalte, und er wünschte das häusliche Ztviegespräch niöglichst abzukürzen. So stand er denn auf, gab seiner Frau die Hand und ging; doch war ihm nicht recht behaglich zu Muthe. „Es ist unrecht von mir, daß ich, kaum nach Hause gekommen, gleich wieder ortgehe", murmelte er in vorwurfsvollem Selbstgespräch, .aber ich glaube, sie sehnt sich ebenso sehr nach dem Kleinen wie ich und will es nur nicht eingesteheu — so sind die Frauen!"
. In der unteren Halle pflegten die Kindermädchen nut Votliebe ihren Spaziergang zu macheii. Barker fand sie alle an einem Ende versammelt, wo ein großes Fenster auf die Montgomenry-Straße ging. Aber Nora, die irländische Wärterin, war nicht unter ihnen. Suchend durchwanderte er mehrere Korridore und da er sie noch immer nicht fand, schritt er endlich verstimmt und etwas besorgt durch den langen Saal, wo er vorhin seine Frau angetrofsen hatte, um auf diese Weise wieder in seine Zimmer zu gelangen. Der Saal war jetzt leer; der letzte Gast hatte ihn verlassen — selbst das Courmachen war auf bestimmte Stunden beschränkt. So mußte es oeuu Barker auffallen, daß sich hinter den schweren Vorhängen in einer der Fensternischen, ein sanftes Gemurmel vernehmen ließ. Es kam von einer leisen, wohttonenden Frauenstimme und klang ganz rührend ui seiner Zärtlichkeit. Gleich darauf folgte ein zu- lriedenes Kinderlallen und Glucksen, und dann ein deutliches Jauchzen.
Barker schritt sogleich nach der Richtung hin, und
48. Jahrgang. 1900.
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wie bezaubert und in den Anblick ihres Schalles M^u^n. wß dort m einem Lehnsessel das „schreckliche m^ ^ ' au i?? x ’ii- ,n Mue Frau erst vor Kurzem aufmerk- um gemacht hatte, und in ihrem Schooß ruhte ein Kind- E. ^ Ktttys unantastbares Söbnchen! Der Kleine mÄI.Mt den Fmgerchen nach der seinen, von Juwelen blitzenden Halskette, welche die Frau in ihrer schlanken. Mlt otmgen geschmückten Hand hielt und verführerisch hm und her tanzen ließ. Des Kindes Augen leuchteten Cntzucken, als wollte es die innige Liebe erwiedern, die ihm aus dem schönen Gesicht entgegenstrahlte, das sich zu ihm herabbeugte.
.. Barkers plötzlichem Erscheinen schaute sie auf und Fasiun^otheten sich, doch bewahrte sie ihre rirhige
„Bitte, schelten Sie das Mädchen nicht", sagte fie*' .verklagen Sie es auch nicht bei Ihrer Gemahlin. Ich allem bin schuld. Es kam mir vor. als ob Kind und Wärterin einander schrecklich langweilten; da habe ich wir den kleinen Burschen ein Weilchen geborgt, um mit ihiil zu spielen. Wenigstens habe ich ihn nicht zum Weinen gebracht; nicht wahr, Herzchen?" Sie sagte das nut so süßem Wohllaut und sah den Kleinen so zärtlich an, daß auch der Vater sich davon im Innersten bewegt fühlte. Jetzt löste sie leise die kleinen Finger von ihrem Halsband und fuhr fort: „Sehen Sie wohl; es ist keineswegs unser Geschlecht allein, auf das der Glanz der Juwelen seinen verführerischen Reiz übt." -
Barker war überrascht. Der madonnengleiche Ausdruck. deu ihre Züge noch soeben getragen, war verschwunden; nur die Weltdame blickte jetzt Machend zu ihm auf. Doch fragte er zögernd und nicht ohne Rührung: „Haben Sie — je — ein Kind gehabt, Frau Hornburg?" Er hatte eine unbestimmte Vorstellung, daß man sie für eine Wittive hielt, und glaubte in seiner Herzenseinfalt^ das weibliche Geschlecht bestehe theils aus Jungfrauen, theils aus verheiratheten Tugendspiegeln.
„Nein", lautete ihre kurze Antwort. „Vielleicht würden mich die Kinder dann weniger entzücken", fügte sie lachend hinzu. „Es niag wohl ein ähnliches Gefühl sein, wie es Junggesellen für anderer Leute Ehefrauen haben. Aber ich weiß. Sie schmachten danach, mir Ihr Bübchen fortzunehmen. Da haben Sie es! Schämen Sie sich nur nicht vor mir. den Kleinen selber zu tragen; Sie würden das doch mit der größten Freude thun. wenn ich nicht da wäre."
Als Barker sich zu dem Kinde niederbeugte, um es aus dem seidenweichen Nest zu nehmen, in dem es so behaglich lag. war es ihm. als fühle er den Hauch von Frau Hornburgs muthwilligem Lachen in seinen krausen Locken. Mit väterlichem Stolz hob er seinen Erstgeborenen geschickt empor, aber der kluge Schelm, der sich nicht ohne Widerstand aus seiner wohligen Ruhe bringen lassen wollte, griff mit einem Händchen in des Vaters Haar, während das andere Frau Hornburgs braune Flechten festhielt, sodaß sich ihre beiden Köpfe berühren mußten. Sie waren gerade in dieser komischen Stellung, als die Wärterin eintrat.
(Fortsetzung folgt.)
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