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Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Vreis- S, be "Ä * *? Pf?- monatlich, "durch die' Post « Mk. «« Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben ziisanmien.

Verlag: Langgasse 27 .

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ü«. 58-1. — l'«U S 7^ 21. Ar,-.über. -SÖST

MorggewwHusBabe«

Jui* Diiitensrage.

Wieder hart nun, in allen Tonarten und ans allen Parteien heraus die allbeka,lnten Klagen iioer den mangelhasten Besuch des Reichstags. Es ist wahr, das -oild, öao der Reichstagssaal schon kurz nack der Er- osfnung der Session darbot, war nicht besonders schön sreilich auch mcht häßlicher als in den letzten Sessionen ernstlich behaupten, daß die Geschäfte ^ Re-cksttags unter dein schwachen Besuch gelitten haben-- Man kann cs nicht, man thut es arich nicht, man findet nur, daß der Reichstag den Skanien einer Volks- virtrestmg schlecht verdient, wenn die Bolksvertretiing iben nicht beisammen ist. Nun ist der Zustand aber schon so eingewurzelt, daß niaii mit den Klagen und Be- schwerden wirklich aufhören könnte, ivenu sich nichts Besseres thun laßt, als eben immer wieder Klagen und ÄST ^"bringen Es giebt schlechterdings nur h^ov'-V 1 ' un l ö s em Uebelstande abzuhelfen, die Zahlung von Diäten, jeder andere Vorschlag ist zwecklos, so der jetzt konservativer,eus gemachte, daß die Namen der ohne Entschuldigung fehlenden Abgeordneten regelmäßig allmonatlich mi „Reichsanzeiger" zum warnenden Bei- v L^r° ffe r n i Itc H worden sollen. Tie Wahrheit ist. daß Wähler schon heute sehr gut wissen, ob ihre Vertreter zu Hause sind. Geschieht das Letztere, so pslegen die Wähler den betreffenden Abgeordneten »eine^weg^ sogleich ihr Vertrauen zu entziehen, sondern !ie '«gen sich mit den Abgeordneten selber, daß es „auch »= V i ' v5n öer ^ Qt kann man die Aufgabe eines Volksvertreters nicht einzig darin erblicken, sich unter ?^n Umstanden im Sitzungssaale auszuhalten und jede q,os^bM> Rede nnt inbrünstiger Hingebung anzuhören. Auch iöird ui keinem anderen Lande ein solcher Anspruch ei hoben. Hatte der deiitsche Parlariientarismus keine Steren Gebrechen als blos die Mangelhaftigkeit der Reichstag-frequenz, so würde er von Gesundheit strotzen.

-fuffaffuncj vom eigentlichen Sachver- beruht Ichlreßlich auf der Macht, die eine Zahl durch ihr bloßes Dasein auszuiiben pflegt. Weil die Hälfte der Reich»tagsmitglieder und noch Einer darüber zur Bedingung der Beschlußfähigkeit gemacht ist, entwickelt sich ganz von selbst die Empfindung, daß eine solche Anzahl von Abgeordneten auch immer da sein soll selbst die hartnäckigsten Nörgler verlangen nicht, daß suehr, als 199 Abgeordiiete zugegen sein mögen; ihre Wunsche wurden, mit dieser Präsenzziffer reichlich be­friedigt sein, womit in Wirklichkeit doch aiisgesprochen ist, daß em verhältnißmäßig äußerlicher Umstand zum Gradmesser der Beurtheilung dieser Verhältnisse gemacht wird. Daß es auf die starke Frequenz allein nicht an- kommt, weiß man von Alters her im Muster- und Mutterlande des Parlamentarismus, in England, wo von den mehr als 760 Parlamentsmitgliedern nur 40 cmpefenö zu sein brauchen, damit das Haus Beschlüsse fassen könne. Diese Zahl wird denn auch in der Regel

'Ufbk überschritten; es müssen schon ganz besondere An lasse sem die em paar hundert Mitglieder in das Par ^sich bei uns nicht entschließen, die Beschlußsahigteitszisfer herabzusetzen (und wir mochten solche Maßregel auch nicht empfehlen), so bleibt nichts übrig, als eine stärkere Frequenz durch Entschädi­gung der Reichstagsmitglieder herbeizuführen. An der Weigerung, diese so einfache, bescheidene, voraussichtlich durchgreifend wirksame Reform zu gewähren, läßt sich die Macht des Trägheitsgesetzes in der Politik vorzüglich beobachten. Es giebt keinen einzigen verständigen oder auch nur verständlichen Grund, der gegen die Diäten- zahlung sprechen könnte, zumal seitdem die Erwartung daß die Vorenthaltnng von Tagegeldern die Social­demokratie m Verlegenheit setzen werde, so gründlich wie nur denkbar getauscht worden ist. Gerade die Parteien, me den Radilallsmus der Socialdemokratie am leb- lmstesren bekämpfen gerathen heute am meisten in üiandidatemioth, wahrend die Socialdemokratie selbst aus ihrer wohlgefüllten Parteikasse jedeii beliebigen Entschädigungsanspruch von noch so vielen Fraktions­au ifJJ? en 7 U befriedigen vermag. Sie würde mit Ver- guugen auch an hundert und mehr Abgeordnete Tage- Aer zahlen, sie hat es wirklich dazu. Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, daß Graf Bülow die Diäten-

behandeln wstd^" feine Borgänger betrachten und

Deutsches Deich.

Verschiedene Möglichkeiten.

mi^^o^f^ll^ene Viöglichkeiten sind bei der merkwürdigen Tcittheilung aus Königsberg denkbar , wonach Graf Klincwwstrom auf der dortigen konservativen Partei- versammlung gesagt haben soll, die Agrarier könnten dem Zolltarif zuversichtlich entgegensetzen; sie seien mit Bülow r!? 10 * ".Ir dürfe er nicht sagen. Es kann sein, daß Graf Klmtowstrom überhaupt nicht so gesprochen hat; es kann sem, daß er etwas gesagt hat, was in dem ange­gebenen Sinne, mißverständlich aufgefaßt worden ist; es tann endlich sem, daß er diese sonderbaren Worte wirk- gebraucht hat, und es würden sich alsdann wieder rwei Möglichkeiten ergeben, nämlich einmal die, daß Graf klinckowström etwas erklärt hat, was er nicht verant- 7,77' kann, und zweitens die, daß er eine wertbvolle, Sachverhalt treffende Enthüllung ge- bat. Bei der Eigenthümlichkeit und selbst­verständlichen Wichtigkeit der Sache und der betreffenden Konigsbergxr Mittheilungen wird niaii sein Urtheil vor­sichtiger Weise zuruckzuhalteii haben, bis sich klarer sehen spP-u u tn.was es sich handelt.. In den agrarischen Blattern fmden lvir nichts über jene Königsberger T^^Uerfammlung und den vermeintlichen Ausspruch Blwi^^u ^lmckowströni. Dagegen will eiu hiesiges Blatt ganz wunder,ame Dmge erfahren haben, die, wenn wT 1, *»■ GrafenKlinckowström allerdings zum siegechubel berechtigen wurden. Graf Klinckowström hat l'L bfmach mit dem Grafen BÜIolo „dahin verständigt, daß die Regierung an einem Getreidezoll von secbs oder

Feuiüeton.

Ans Onnst und Kesten.

Rheinische Burgen. Ein beachtenswerthes Werk ist „Rheinische Bürge n". Nach Handzeichnungen Dilichs aus dem Jahre 1607. Herausgegeben von Karl Michaelis. Reglerungsbaumeister. Mit Beiträgen von C. Krollmann und Bodo Ebhardt, Architekt. (Berlin, Franz Ebhardt u. Co.). Das Werk enthält die sämmtlichen architektonischen und viele der Landschaftsaufnahmen aus einem lange im Verborgenen ge- bliebenen, erst kürzlich wieder aufgefundenen, prächtigen Tafel- Ablhelm Dilichs. In diesem Funde zeigt sich der alte hessische Chronist als ein Künstler von hervorragender Begabung, der seiner Aufgabe,, die hessischen Lande und Burgen aufzu- richmen, in höchst origineller und genialer Weise nachgekommen s wunderbar sorgfältig und in entzückender Feinheit auvgefuhrten Zeichnungen Dilichs in getreuen Nachzeichnungen einem größeren Publikum zugänglich zu machen, ist der Zweck ^.Vssdlikation. Die architektonischen Zeichnungen — die den Ansprüchen moderner Architekten durchaus genügen, wie aus 'vügefügten Proben hervorgeht — bestehen aus Grundrissen, Ansichten und Schnitten vieler rheinischer und ehemals hessen- casselischer Burgen, ». A. von der Katz, von Rheinfels, der Marksburg, der Homburg rc. Das Werk ist nicht nur für den Architekten und Gelehrten, sondern auch für den Laien von hd..om Interesse. Als, Beilage gehört zu dem Buche, welches Meoian-Format hat, eine große Lichtdrucktafel, im Format von 4 ° ^ 64 Zentimeter, welche die Burg Rheinfels in der ori- ginellen Art vorsührt, wie sie Dilich anwandte: nämlich mit anf- geklebten Klappen, welche, zurückgeschlagen, immer neue Aus­blicke auf die zurückliegenden Gebäude, Höfe, Mauern rc. geben, tvahruld sie zugeschlagen das Gesammtbild der Burg erscheinen

Vorstellung von Dilichs Farbengebung zu ver- geführt' * bK C 3:0 ^ ™ ^ anbfo(orit und Handmalerei aus

. „ Papst als Toleranzprediger. Es wäre nicht

K ’ faa6 ^pst £eo XI1L ^ engeren Kreise persöm

^ e . ^iubchten ansspräche, die mit den Grundsätzen der an beten Spitze er steht, wenig überein- - P»s-uen die Leos XIII. Individualität näher 3U lernen Gelegenheit hatten, haben schon öfter die er würde, dem eigene» Antrieb folgend gemacht haben, wenn nicht der ganze Ballast, lebender und todter, der dem Papstthum anhangt ihn an der freien Geltendmachung seiner Persönlickkcit SÄT J at i e> Nachstehende verbürgte Anekdote aus den

allerletzten Wochen kann als eine neue Bestätigung dessen gelten Eme reiche deutsche Dame, so schreibt die „Köln Ztg.", Prö- S -tl,, '! f lC ? kur die Gründung eines interkonfessionellen Krankenhause» mteresssrte und eme beträchtliche Summe dafür dein C J ^ gelänge, eine Privataudieuz toürbe -7ri tenb 7“® Aufenthalts in Rom zu erlangen, Tnt ^ Esachbch von Leo XIII. empfangen. Nachdem er sich l>75 freundlichst mit der Dame unterhalten

£ 7"l-ß erste mit den Worten: „Wir ertheilen Ihnen und M» Familie, sowie Ihren Freunden, seien sie katho- M' Christen anderer Bekenntnisse oder Nichtchristen, von unseren apostolischen Segen. Bleiben Sie treu bei ihrem nnbeteä ^'sp'el von der Denkunqsweise des S! J T°8-bl." aus Warschau berichtet:

bisher bei »ns allgemein verbreitete und unwider­sprochene, Nachricht, daß der Roman (Pro Vadis von Henrvk ^ te " ” r 7 C { ben Fudex gesetzt sei, der Wahrheit entspricht. Ltfifrii* Eme thatsachliche Mißbilligung dieser von den ttiisurubenden Jesuitenhäuptern vorgenommcnen Aechtunq

l L« XIII bo?"ig°u Vaters selbst zu verzeichnen. Pa ?

' "0 XIII. hat namlich. nachdem ihm vom Prälaten Rinaldo ,

fiebert ^vrk welcher von diesen beiden Sätzen endgüstia ^^8^s^E werden wird, können wir zur Zeit noch nicht sagen- unbedingt festholten wird " Dip rwssung dieier Enthüllung ist seltsam genug. Wer ist s^^u^ktröm, daß er, und zwar er allein

mit ÖWlt ® rafen Bülow treffen roiriitc ^st er eine der europäischen Großmächte oder

Parteien?^ ^ £ er 0r ° 6en deutschen

„armen, jedenfalls muß der Reichskanzler aermV

mV!.xr te Bwstandigung mit ihm einen verblüffenden s-derthgelegt haben, wenn der Gewährsmann des ent-

Blattes io gut unterrichtet ist, wie er behauptet m ^'^hlen, daß dem Kompromiß bereits die Freikonservativen, sowie dst k^"?ergnrppe der Nationalliberalen beigetreten seien daß die Sache somit fest abgemacht sei. Zum Dovvel- tarir aber kommt es nicht, weil er nach diesen Verein­barungen den Agrariern überflüssig dünkt So abenteuerlich alle diese Geschichten klingen, so muß mal Je wenigstens erwähnen, schon weil die Köwgsbwger Aeußerung des Grafen Klinckowström weiter von sich "dm machen w-rd. Vermiithlich wird das VersllinK gungv-chiarchen von einem schleunigen MfimrrHIrfipn Dementi ereilt werden, aber dann blstbe es noch 2er eine offene Frage was Graf Klinckowström mst e™L Ausspruch gememt haben kann, wofern er ihn wirklich so gethan hat, wie es angegeben worden ist.

Znm Unter-g-mg des Schttlschrffs ..Gneise,ta«".

cvb. Malaga, 20. Dezember. Ueber die Beerdiauna des Kommandanten der „Gneisenau" werden noch folgende Einzel­heiten gemeldet. Das englische Torpedoboot 91 traf hier ein um an den Beerdigungsfeierlichkeiten theilzunehmen. Die Leiche war m emem Zimmer des deutschen Konsulats aufgebahrt. Um 11 Uhr Vormittags begann der Trauer-Gottesdienst' welcher durch gemeinsamen ,Gesang der deutschen Kolonie und' bn §2 fatung der „Gneisenau" eingeleitet wurde. Hieraus hielt Marmepfarrer Kramm eine ergreifende Trauerrede, worin er au„fuhrte,, Kapitan Kretfchmann sei der erste an Bord aewesen der erste m der Gefahr, der erste im Tode, der erste den dk Wvg°u ans Ufer gebracht; er sei nun auch der erste, der'zur Erde bestattet werde. Die Todtcn, welche fern von der Heimath ae- ,torben ,eien sie hatten ein gemeinsames Vaterland, nämttch das himmlische Vaterland. Hierauf setzte sich der Zug, welchem Gendarmen voranschritten, in Bewegung. Der Sara wurde von sechs Kadetten getragen; an der Spitze des Trauerzuaes gingen der Präfekt, der Militär-Gouverneur, der Marine- kommandant. der deutsche Konsul, der Militär-Attache bei deutschen Botschaft m Madrid, der zweite Offizier der ^Gneisenau , Kapitänleutnant Werner; es folgten die übrigen Allere, die Kadetten der „Gneisenau", die deutsche Kolonie, vjele andere Personen, em spanisches Bataillon mit Fahne und Musik, Abordnungen der spanischen Armee und Marine die Note? Nr m :. *«“*«* "Blake" und des Torpedo-

^Nu va^sNn7" b 7 °i flä, f er , e b f e§ .kpanischm Kanonenbootes "Nubva Espana, die Konsuln, sowie die Vertreter der Muni- cipalitat und des Generalrathes. Auf dem englischen Kirchhof schlossen sich die geretteten Mannschaften der „Gneisenau'?die Besatzungen der beiden,englischen und des spanischen Schiffes

dem Zuge an. Nach einer weiteren Ansprache des Geistlichen

Angeli ein Ex-mMr der italienischen Uebersetzung von o ? dlS r ub°r°'cht worden war. den Roman gelesen, ihm “ nb J obann durch den erwähnten Prälaten dem Uebersetzer und dem, Autor seinen apostolischen Segen über­mitteln lassen. — Be, dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß sich in "7er hem Vorsitz von Professor Angelo de Gubernätis em besonderes Sienkiewicz-Comitee gebildet Hat, um dem pol-

der bevorstehenden Jubiläumsfeier die Glückwünsche Italiens nebst einem aus öffentlichen Samm­lungen gestifteten Ehrengeschenk zu überbringeu.

* D>as Schwinden der Natnrwnndcr im Bcllow- stone-Part. Die Vereinigten Staaten besitzen 'in dem Yellowstone-Park eine Landschaft, aus der die außerord-nllichslln Naturerschemnngen, derart zusammengedrängt sind, wie in kaum einem anderen Gebiet der Erde, und daher haben sie daraus auch einen Narionalbefitz gemacht. Für Jeden, der Amerika besucht, st das erste Ziel wenn er die großartigen Naturschauspiele des F°"dcs keimm lernen will, der Niagarafall, das zweite aber sicherlich der Yellowstone-Nationalpark. Tausende von Forschern k.eit Jahrzehnten alljährlich nach diesem Landestheil, um die märchenhaften Enthüllungen der Natnr- kraft dort zu genießen. Man kann sich daher denken dat di- Kunde von dem allmählichen, aber raschen Schwinden dieser Wunder geradezu alarmrrend auf die amerikanische Bevölke­rung, und auch auf die Vertreter der Naturwissenschaft im All- S'.me'N", wirken muß Es ist aber kaum ein Zweifel daran möglich, daß wenigstens d,e eigenartigsten unter den dortigen Offenbarungen der Natur m unaufhaltsamem B-rfall begriffen smd. Dies gilt im Besonderen von den berühmten Geysern, d-e rene von Island sowohl an Zahl - der große Geologe Danä gab sie auf über 10,000, an — als auch an Bedeutung über« trafen. Nunmehr hat einer der heutigen Geologen, '-öarfonr genaue Untersuchungen ,m Yellowstone-Park angestellt und ein« schr bedeutende Abnahme der Thätigkeit der Geyser, diefel Springbrunnen heißen Wassers, ermittelt. SM voz.4 Aahre»