Witsbsökmr
«8. Jahrgang.
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It0. Söll. Redaktions-Fernsprecher No. 52.
nächsterscheinenden Ausgabe wird fttnf gi!r bic Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
£veita$, den 21. Dezemüer.
Verlags-Fernsprecher No. 2266.
1900 .
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Wertag des „Wiesöadener Tagölatl".
Weismacherci in England.
. Unser Londoner u-Korrespondent schreibt uns:
Die englischen Politiker und Offiziere wetteifern seit geraumer Zeit nliteinander, ihren Landsleuten ganz ungeheure Bären aufzubinden, respektive ihnen etwas weis zu machen. Lord Roberts z. B. hat ihnen in all den zahlreichen Reden, die er seit Antritt seiner Rückreise gehalten, erzählt, der Krieg sei beendet, wenn auch eine formelle priedenserklärung vorläufig noch nicht stattfand. Es ist vrellercht natürlich, daß der englische Oberstkomman- drrende diese Ansicht vertritt, denn sonst vermochte er doch seine Heimkehr in keiner Weise zu entschuldigeii. Ohne Zweifel sind es ganz besondere Gründe, die ihn vercmlaßten Südafrika den Rücken zu kehreii, che er seine Aufgabe auch nur annähernd ge- lost . hatte. Im englischen Kriegsamte herrschen chaotische Zusiände, und da Lord Wolseley jetzt fein Amt m demselben niederlegt, war der Regierung jedenfalls sehr daran gelegen, Roberts ohne Weiteres an seine Stelle treten zu sehen. Daher kani es denn auch, daß in der englischen Presse an ein und demselben Tage des greisen Feldmarschalls optiinistische Worte bezüglich des Endes des Krieges und die Rede Mr. Brodricks im Unterhause erschien, in der dieser erklärte, das Heer in Südafrika müsse vorläufig aus feiner vollen Stärke erhalten bleiben, und England hätte sich wohl oder übel noch bis Ende März auf den bisherigen Kriegsaufwand gefaßt zu machen. Wären die Worte des Lord Roberts wahr gewesen, so würden die Engländer gewiß nicht während der letzten Tage allein 656 Mann Gefangene oei einer und 120 bei einer anderen Gelegenheit verloren haben, noch hätte Kitchener nach Australien telegraphirt und um Rückkehr der inzwischen wieder hergestellten Reiter des Buschmanncorps nach Südafrika gebeten, und ebenso wenig würde er die Neomanry-Freiwilligen dort behalten, die neuerdings nicht mehr recht mitmachen mögen und stürmisch nach Hause verlangen. Gerade so wie mit den hohen Offizieren, steht es auch mit den Politikern, die ja es aber von jeher loshaben dein Volke etwas weis zu niachen. Zuerst sollte ihr kleinerKrieg nur estiige Millionen, etwa dreißig, kosten. Beenden wollten sie ihn anfangs bis Juli, sodann bis Oktober, schließlich bi? Dezember, und nun soll er noch bis März nächsten Jahres I
sie prolongirten, brauchten | zu bezeichnen, auf welche dieses Verbot Am^dünT^ftudei
ter Weintraube mittels ivlcher Verfahren oder Zusätze, welch
m ^ ° ^brlmg bereits hundert, und wenn die ganze lsf^.Ä^Eg schließlich nicht mehr als hundertundfünfzig
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Millionen kostet, da können sich die Engländer gratuliren Die Engländer? Was gehen denn die die Kosten an? Der Transvaal, der unendlich reich ist, wird dieselben zu
oll eme Verfälschung oder Nachmachung nicht anzusehen sind, hergestelltc Getränk. Artikel 2. Der erste Absatz im § 2 del- felBen Gesetzes wird durch folgende Bestimmungen ersetzt: Wein weinhaltige und weinähnliche Getränke, welchen den Vorschriften
Irogeii haben, wenigstens machten die Politiker das dem I des § 1 zuwider einer der dort oder der vom Bundesrach^aernäb
^olre bisher weis. Der Oranje-Freistaat und der I 8 1 bezeichneten Stoffe zugesetzt ist, dürfen weder feilqehalten
-- mxrrL - ' verkauft, noch sonst in Verkehr gebracht werden. Artikel 3.
desselben Gesetzes wird durch folgende Bestimmung ersetzt: Es ist verboten, die gewerbsmäßige Herstellung oder Nach- ahmung von Wein unter Verwendung: 1. eines Aufgusses von BUckerwasser auf ganz oder theilweise ausgepreßte Trauben: 2. eines Aufgusses von Zuckerwasser auf Weinhefe,- 3. von qe- trockneten Fruchten (auch in Auszügen oder Abkochungen) oder eingedickren Moststoffen, unbeschadet der Verwendung bei der Herstellung von solchen Weinen, welche als Dessertweine (Süd- Sußweine) ausländischen Ursprungs in den Verkehr kommen' 'Sauren, säurehaltigen Stoffen, Bouketistossen. künst- bchen Moststoffen oder Essenzen; 6. von Gummi- oder anderen Stoffen, durch welche der Extraktgehalt erhöht wird, jedoch unbeschadet der Bestimmungen in § 3, Nr. 1, 3, 4. Getränke welche den vorstehenden Vorschristen zuwider oder unter Ver-' Wendung eines nach § 3. Nr. 4. als übermäßig zu erachtenden ^us°Ps waßeriger Zuckerlösung hergestellt sind, dürfen weder feilgeha.ten noch verkauft werden. Die Verwerthung von ^.rcstern, Rosinen und Korinthen in der Branntweinbrennerei wird hierdurch nicht berührt. Artikel 4 handelt von der Be- Ü- 1 ' ^ er ^Einprodultion und deZ Weinhandels durch
Polizei und durch zu wählende Vertrauensmänner, die Ar- trkel 5, 6 und 7 enthalten Strafbestimmungen. Artikel 8 setzt den Termin für das Inkrafttreten des Gesetzes auf den 1. Oktober 1901 fest und enthält einige Ueberganzsbcstimmungen.
* Zu den englischen GeschützbestcNungcn in Deutschland. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Verschiedene Blätter, wie die „Deutsche Tageszeitung" und „Tägliche Rundschau".
R^ des Staatssekretärs v. Richthofen über eng- lgche Geschutzbestellungen bei einer Rheinischen Fabrik bemängelt daß sie den Sachverhalt unvollständig angegeben, insbesondere Re thatsachtiL) erfolgte Ablieferung bestellter Geschütze verschwiegen habe. Die „Tagesztg." hat inzwischen ihren Jrrthum erkannt und erklärt, sie habe dein Staatssekretär Unrecht qethan. d^selbe habe den Sachverhalt ganz vollständig dargelegt. In ähnlicher We.se nimmt die „Tägliche Rundschau" den von ihr erhobenen Vorwurf zurück und bemerkt dazu: Es ist sehr bedauer- llch, daß es für die Behörden kein Mittel zu geben scheint, solchen die Staatsintereffen schädigenden Geschäften rechtzeitig auf die Spur zu kommen. Dazu bemerkt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung : der That wüßten wir nicht, wie sich das Aus-
wartige Amt ^verlässig und rechtzeitig Kenntniß von auslän- dischen Aufträgen an einheimische Firmen verschaffen sollte, da Verpflichtungen zur Anzeige solcher Bestellungen weder für ausländische Regierungen noch für inländische Firmen bestehen.
«- Die erste Volkszählung in Deutsch-Samoa, die in
der Zeit vom 15. August bis zum 80. September d. I. veran- staltet wurde, hat für die Insel Upolu 17,765 (8920 männliche „ weibliche), für Manona und Apolima 1038 (483
männliche und 555 weibliche), für Savaii 14,022 (7491 männ- "if für das gesammte Deutsch-Samoa
also 32,815 (16,894 männliche und 15,921 weibliche) Einwohner ergeben.
Transvaal werden von den Engländern aber in Wüsten umgewandelt, die männlichen Bewohner, die man ge- fangen, wurden nach einer fernen Insel geschafft, das 4>ieh wird abgejchlachtet und landwirthschaflliche Geräthe und Gebäude sind vernichtet. Das Land kann also auf lange Zeit Humus nichts mehr produzircn, und nach denk Krieg muß die fürchterlichste Hnngersnoth auch unter den Frauen und Kindern aufräunien, die englischer direkter oder indirekter Grausamkeit bisher entgingen. Die Gold- mmen, heißt cs freilich immer, könnten mit Leichtigkeit für den ganzen Krieg bezahlen. Nun dürfte es aber unmöglich scm den Betrieb in denselben vor Ablauf eines Wahres wieder aufzunehmen, doch auch dann nur theilweise, da es ja für die Bevölkerung, ausgenommen zu ungeheuer hohen Preisen, nichts zu essen geben wird. Der Betrieb vieler Minen würde aber ganz ausgeschlossen 'sein, falls man die Stenern wesentlich erhöhte, linier der Krüger'schen Regierung kostete der Staatshaushalt vrec Millionen Pfund Sterling. Diese Summe wird jetzt für die neue Polizei von 10,000 Mann allein erfordert, und hatten die Minen fortab nicht nur dafür, sondern mich für sonstige Verwaltung^- unb die Kriegslasten zu bezahlen, so würde England auf diese Weise nur die Henne tödten, die die goldene.' Eier legt. Jene Herren aber, die an der Spitze der Goldininenindustrie stehen, und sich gegenwärtig alle jene Monopole sichern, wegen welcher sie s. Zt. einen solchen Lärm erhoben, werden es Ehamberlain nie gestatten, sie für die Aiisgaben des Krieges zu belasten, wenn derselbe auch zehn Mal von ihnen provozirt wurde.
Deutsches Deich.
* Hof- nnd Personal-Nachrichten. Reichskanzler Graf Bulow traf gestern Nachmittag iy 4 Uhr in Baden-Baden em. Mit ihm kamen der badische Minister des Auswärtigen, v. B r a u e r, und der preußische Gesandte v. E i s e n b e ob e r die den Reichskanzler von Karlsruhe aus begleiteten. Graf £ sofort vom Groß Herzog empfangen und zur
ü-ruystuckstafel zugezogen. Zu dem Diner, welches Abends JV 2 Uhr im Schloss- zu Baden-Baden stattfand, wurden die ammtlichen badischen Minister von Karlsruhe erwartet.
. * ^erlitt, 21. Dezember. Die Einberufung des p r e u - zischen Landtags soll, einer Blättermeldung zufolge, be reits am 8. Januar erfolgen.
Die neue Weingesetznovelle, deren Inhalt jetzt bekannt ’E: eRMt ii. A. die folgenden Bestimmungen:
1 m E , 2>em .§ 1 des Gesetzes vom 20. April 1892, betreffend den Verkehr mit Wein, weinhaltigen und weinähnlichen Ge- tranken (Neichsgesetzblatt Seite 697) werden folgende Absätze dergefugt: Der Vundesrath ist ermächtigt, noch andere Stoffe
Feuilleton.
Londoner Wrief.
(Von unserem Korrespondenten)
Die Königin wird die Riviera besuchen. — Der Deutsche und
— seine Großmutter. — Die Hundert-Generale-Ausstellung.
— Ein Pastoren-Redakteur. — Eine christliche Muster-Zeitung.
London, 17. Dezember.
Bedürfte es noch eines Beweises dafür, daß die Engländer, wie sehr sie sich auch über die Haltung der ganzen französischen Nation bei Gelegenheit des Krüger-Empfangs geärgert im Grunde genommen doch nur Respekt vor den Franzosen bekommen haben und weit davon entfernt sind, die Demonstrationen ihnen nachzutragen, so dürfte ein solcher Velvets doch wohl in der Thatsache zu finden sein, daß eben j e tz t die K ö n i g i n ihren Entschluß kundgiebt, der Riviera wieder einen Besuch abzustatten und vielleicht einige Zeit in Nizza zu verbringen, wenn es auch nicht ausgeschlossen scheint, daß am Ende doch noch ein italienischer Ort der Riviera ausgewählt wird.^ Seit Jahr und Tag hat es hier geheißen, „der ganze Kontinent muß von uns „geboykottet" werden. Wir wollen'diese Burenfreunde züchtigen, indem wir nicht mehr in ihren Landen reisen". Und selbst die Königin, die seit vielen Jahren den Frühling regelmäßig an der Riviera zu verbringen psleote, ging aus demselben Grunde im letzten Frühjahr nicht nach dem Kontinent. sondern nach Irland. Aber gerade jetzt, wo Frankreich so viel deutlicher gesprochen, als je zuvor, so cinmllthig, so begeistert für die Buren eingetreten, erklärt die Königin, sie will die Riviera besuchen.
Ich betone es nochmals, man hat sich hier über die Franzosen geärgert, aber in ihrer Achtung sind sie gestiegen. Auf der an
deren Seite hat man sich über die Haltung Deutschlands ge °?er der Ausspruch: „Der Deutsche fürchtet nichts auf der Welt als Gott — und seine Großmutter" ist auch hier längst zum geflügelten Wort geworden, das mit einem behaglichen Schmunzeln von Mund zu Mund geht. Was aber die Lieferung Von Kanonen betrifft, so wird mit großer Anerkennung hervor gehoben, daß während die bei englischen Firmen bestellten Ge- schutze nur zum ganz geringen Theil fertiggcstellt worden, die in Deutschland hergestellten — bis auf die kleine Nachbestellung deren Einschiffung nun von der deutschen Regierung verboten — ntte glücklich abgeliefert sind. Welch ein TriumphZür die deut- sche Industrie! Welch eine Schmnch für den deuischen Namen^ Und bei alledem steht das deutsche Volk mit seinen Sympathieeii auf der Burenseite. 1
Der kriegerische Ruhm der Briten — jetzt sind es wohl schon zwanzig gegen Einen; und es wird immer noch von britischen Niederlagen berichtet — gilt hier für so unbedingt erwiesen, das militärische Bramarbasiren hat eine Höhe erreicht daß nun auch eine m i l i t ä r i s ch e A u s st e l l u n g in London ins Werk gesetzt wird. Dieselbe wird in Earls Court, wo es ledes Jahr eine Ausstellung irgend welcher Art giebt, stattfinden. Die vorjährige war eine „Frauen-Ausstelliing". Doch sollte das nicht gerade heißen, daß wirklich Frauen ausgestellt wurden, sondern nur Alles, was das Frauenleben betraf. Damals war die Nation bereits so mächtig vom „militärischen Geist" durchdrungen, daß das ganze Personal, selbst die Orchester-Mitglieder nnd Beamten — allesammt weiblichen Geschlechts — in Khaki- umformen auftraten. Es wäre vielleicht den Umständen angemessen. wenn nun umgekehrt die Darsteller der Kelden etwas von weiblicher Tracht anlegten. Doch davon verlautet bislaitg noch nichts. ^
Die Ausstellung steht unter der Schutzherrlichkeit des Herzogs von Cambridge und einem Ausschuß von nahezu hundert Generalen. Indessen an Generalen hat es der britischen <
airmee ja nie gefehlt; es sind di- Mannschaften, die sich nicht immer auftreiben lassen. Auch diese Hundert sind wohl schon alle außer Dienst, aber für ein derartiges Unternehmen oder wenigstens zur Herleihung ihres Namens - doch wohl immer noch kampffähig genug. Indessen eine leichte und dankbare Aufgabe ist eine solche Ausstellung britischen Kriegerthums ja immerhin nicht. Aussetze» ließe sich gewiß genug daran, aber etwas davon ausst eilen — — ift gewiß ein heikles Unter- fangen. Doch hat man sich die weitesten Grenzen gezogen, und wenn auch das britische Soldatenihum in erster Reihe ins Auae so ist doch auch das ausländische nicht ausgeschlossen. Alle Truppengattungen finden ihre Vertretung. Dazu G-schütz- und Waffen aller Art, Munition, Kommissariat und Alles was „.den Bereich militärischer Technik gehört. Auch beschränkt man sich nicht auf die Gegenwart, sondern es soll die Ent- Wickelung des Kriegswesens von alten Zeiten her zum Aus- druck kommen, insonderheit auch die Abthcilung für Uniformen — nach dem Muster, wie es die Pariser Ausstellung bot — die Veränderungen der Uniformen verschiedener Nationen uni vor Augen führen. Die historische Abtheilung wird Schlachten- buder, wie Portraits bekannter Heerführer, militärische Reliquien und Medaillen enthalten; während die Kospital-Ab- theilung ein vollständig ausgestattetes Feld-Lazareth aufweisen wird. Dazu verschiedene Militärkapellen, militärische Evoli"
wT"' ^ auf einer gigantischen offenen
f 1° Ausstellung schon erfolgreich werd n-
trotz der hundert britischen Generale.
Wenn so britische Heerführer auf ihre alten Tage di- Leitung derartiger Schaustellungen übernehmen, so kann es uns kaum wundern wenn christlicher Prediger unter di" Schriftleiter geht, oder vielmehr sich über sie stellt und ihnen einmal zeigen will, „ivie es vom rein christlichen Stand- punkt gemacht werden sollte". Der Presse hängen ja immer noch mancherlei Gebrechen an — ich meine natürlich nur der
