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Srettag, 7. Mai l4lS.

Kbend-klusgabe.

Nr. 272. - 63. Jahrgang.

Oer Urieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Der Kaiser auf Ser Reife zum südöstlichen Kriegsschauplatz.

W. T.-B. Berlin, 7 . Mül. (Amtlich.) Der K a i f 11 ist auf der Reise nach dem südöstlichen Kriegsschau­platz gestern zu kurzem Aufenthalt in Berlin einge- troffeu.

Die russischen Veskidentruppen abgefchnitten.

Berlin. 7. Mai. (Ktt. Mn.) über die verzweifelte Lage der russischen BeSkidentruppen wird demB. L.-A." auS dem österreichisch-ungarischen Kriegspresscquartier unter dem 6. Mai gemeldet: Unsere Truppen, die von Gorlice aus auch teils in östlicher Richtung vorgingen, haben dadurch einen eisernen Vorhang hinter jene russischen Abteilungen fallen lassen, die sich südlich dcS Straßenzuges Gorlice- Zmygrod-Dukla befinden. Teile der russischen Bes- kidentruppen sehen daher der sicheren Gefangen­nahme entgegen. Alle befahrbaren Verkehrswege von Süden nach Norden find von unseren Truppen gesperrt. Denjenigen russischen Truppen, denen es nicht gelang, nach Norden nnd Osten zu entkommen, droht die Vernichtung. Dies gilt namentlich für Artillerie und Train und die anderen Truppen, die ausschließlich ans fahrbare Verkehrswege ange­wiesen sind. Man erwartet aus jener Gegend die Meldung von größeren Erfolgen unserer unermüdlich in Ber- solgungsmärschrn heranrückcnden Truppen.

Der Uarpathendurchbruch.

W. T.-B. Berlin. 6. Mai. (Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns über die Durchbruchsschlacht in Westgalizien folgendes geschrieben: Völlig überraschend

für den Feind hatten sich Ende April größere deutsche Trup- penttansporte nach Westgalizien vollzogen. Diese Truppen, den Befehlen des Generals v. M a ck e n s e n unterstellt, hat­ten die russische Front zwischen dem Karpathenkamm und dem mittleren Dunajec im Verein mit den benachbarten Armeen unseres österreichischen Verbündeten zu durchbrechen. Das Problem war ein neues, die Aufgabe keine leichte. Der Himmel bescherte unseren Truppen wundervollen Sonnen, schein und ttockene Wege. So konnten Flieger und Artillerie zu voller Tättgkeit gelangen und die Schwierigkeiten des Ge­ländes. das hier den Charakter der Vorberge der deutschen Alpen oder der Hörselberge in Thüringen trägt, überwunden werden. Unter den größten Mühsalen mutzten an verschie­denen Stellen Munition auf Tragtteren herangeschafft und Kolonnen und Batterien über Knüppeldämme vorwärts ge­bracht werden. Alle für den Durchbruch nötigen Erkun­dungen und Vorbereitungen vollzogen sich reibungslos in aller Stille.

Am 1. Mai nachmittags begann die Artillerie sich gegen die russischen Stellungen einzuschießen. Diese waren seit fünf Monaten mit allen Regeln der Kunst ausgebaut. Stock­werkartig lagen sie auf den steilen Bergkuppen, deren Hänge mit Hindernissen wohl versehen waren, übereinander. An einzelnen für die Russen besonders wichtigen Geländepunkten bestanden bis zu sieben Schützengrabenreihen hintereinander. Die Anlagen waren sehr geschickt angelegt und vermochten sich gegensettig zu flankieren. Die Infanterie der verbün­deten Truppen hatte sich in den Nächten, die dem Sturm vorangingen, näher an den Feind herangeschoben und die Sturm st ellungen ausgebaut. In der Nacht vom 1. zum 2. Mai feuerte die Artillerie in langsamem Tempo gegen die feindlichen Anlagen. Eingelegte Feuerpausen dien­ten den Pionieren zum Zerschneiden der Drahthindernisse.

Am 2. Mai um 6 Uhr morgens setzte auf der ausgedehn­ten, viele Kilometer langen Durchbruchsfront ein über­wältigendes Artilleriefeuer von Feldkanonen bis hinauf zu den schwersten Kalibern ein. das vier Stun­den lang ununterbrochen fortgesetzt wurde. Um 10 Uhr morgens schwiegen plötzlich die Hunderte von Feuer­schlünden und im gleichen Augenblick stürzten sich die Schwarmlinien und Sturmkolonnen der Angreifer aus die feindlichen Stellungen. Der Feind war durch das schwere Artilleriefeuer derart erschüttert, daß an manchen Stellen sein Widerstand nur ein sehr geringer war. In kopfloser Flucht verließ er, als die Infanterie der Ver­bündeten dicht vor seine Gräben gelangte, seine Befesti, gungen, Gewehre und Kochgeschirre fortwerfend und unge­heuere Mengen Jnfanteriemunition und zahlreiche Toten in seinen Gräben zurücklassend. An einer Stelle durch- fchnitt er seIbst die Drahthindernisse, um sich den Deut­schen zu ergeben. Vielfach leistete er in seinen nahege­legenen zweiten und dritten Stellungen keinen nennens- .werten Widerstand mehr, dagegen wehrte sich der Feind an anderen Stellen der Durchbruchsfront verzweifelt, in­dem er erbitterten Widerstand versuchte, die Nach­barschaft haltend.

Mit den österreichischen Truppen griffen bayerische Regimenter den 250 Meter über ihren Sturmstellungcn gelegenen Zameczyko-Berg, eine wahre Festung, an. Ein bayerisches Infanterie-Regiment errang sich dabei un­vergleichliche Lorbeeren. Links der Bayern stürmten schle­sische Regimenter die Höhen von Sekowa und Sokol. Junge Regimenter entrissen dem Feinde die hartnäckig verteidigte Fwiedhofshöhe von Gorlice

und den zäh gehaltenen Eisenbahndamm von , Komienitza. Von den österreichischen Truppen hatten I galizische Bataillone die steilen Höhenstellungen des I Pustki-Berges angegriffen und erstürmt, ungarische I Truppen in heißem Kampfe die Wiatrawkahöhen ge- I nommen. Preußische Garde-Regimenter warfen I den Feind aus seinen Höhenstellungen östlich Biala und I türmten bei Staszkowka sieben hintereinander gelegene I erbittert verteidigte russische Linien. Entweder von den I Russen angesteckt oder von einer Granate getroffen, ent- I zündete sich eine hinter Gorlice gelegene Naphtha- I quelle. Haushoch schlugen die Flammen aus der Tiefe, I Rauchsäulen von mehreren hundert Meter stiegen gegen den I Himmel. |

Am Abend des 2. Mai. als die heiße Frühlingssonne all- I mählich der Kühle der Nacht zu weichen begann, war die erste I Haupfftellung ihrer ganzen Länge und Tiefe nach in einer I Ausdehnung von etwa 16 Kilometer durchbrochen und ein Ge- I ländegewinn von durchschnittlich vier Kilometern erzielt. I Mindestens 20 000 Gefangene, mehrere Dutzend Geschütze I und etwa 50 Maschinengewehre blieben in der Hand der der- I kündeten Truppen, die im Kampfe um die Siegespalme ge- I wetteifert hatten. Außerdem wurde eine noch unübersehbare I Menge von Kriegsmaterial aller Art erbeutet, darunter große I Massen von Gewehren und Munitton.

Die Russen leugnen alles ab!

W. T--B. Paris, 7. Mai. (Nichtamtlich. Meldung der Agence Havas.) Der russische Botschafter gibt bekannt, daß die Tagesberichte von Berlin und Wien über den an­geblichen über die Russen in Westgalizien davon­getragenen großen Sieg keineswegs der Wirklich­keit enffprächen. Die in der dorttgen Gegend stattgefun­denen Ereignisse gestatten es durchaus nicht, von irgendwelchen Erfolgen, selbst Teilerfolgen, die von österreichisch-ungarischen und deuffchen Truppen er­rungen seien, zu sprechen. (Notiz: Auch der russische Bot- schafter in Rom hat eine ähnliche Mitteilung veröffentlicht.)

Zurückweichen der Russen dis zur Linie Riga-Wilna.

Ln. Kopenhagen, 7. Mai. (Eig Drcrhtbericht. Ktt. Mn.) ' Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet: Das Höchst­kommando hat die Zurücknahme des rechten F l u g e ls der russischen Grenzschutzarmee auf die Linie Riga-Wilna awbefohlen. Gegen den Einfall deutscher Tvuppen werden ' Abwehrmaßnahmen eingeleitet. Die Eisenbahnverbindungen nach Dünaburg und Wilna sind für den privaten Persdnen- und Güterverkehr gesperrt.

Verstärkung der Besatzung Warschaus.

Br. Wien, 7. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Mn.) Wie verlautet, wurde die ruffischeBefatzungsarmee von W a r s ch au in den letzten Tagen in aller Eile aluf 300 000 Mann gebracht.

Die deutsch-österreichische Waffenbrüderschaft bei dem Siege.

W T.-B. Wien. 7. Mai. (Nichtamtlich.) Von zuständiger Seite des k. k. Oberkommandos erhielt das Kriegspresse- quartier nachstehende Mitteilung: Während es unttr den an der Führung der Heere Beteiligten ganz ausgeschlossen erscheint, einzelne Verdienste und wichtige Einzeler­scheinungen besonders hervorzuheiben. werden in der Pub­lizistik nicht selten besttmmte Erfolge an einzelne Persön­lichkeiten geknüpft. So ist dies cmch hinsichtlich der günstigen Ereignisse in Galizien vielfach der Fall gewesen. An den An­schlägen und den Plänen im Kriege arbeiten stets mehrere; der Oberfeldherr deckt sie dann mit seiner Verantwortung. Was die jetzige Operation in West­galizien betrifft, war sie in gleicher Weffe bereits im März geplant und es wurden damals die überhaupt ver­fügbaren Kräfte zum Durchstoßen an der stets als entschei­dend angesehenen Richtung über Gorlice in die Richtung gegen Zmygrod eingesetzt. Diese Kräfte erwiesen sich jedoch als zu schwach, um ttotz anfänglicher Erfolge bei Senkowa und Gorlice einen Durchstoß der hartnäckig ver­teidigten feindlichen Front zu bewirken. Das vom General v. Falkenhayn und der deuffchen obersten Heeresleitung verftigte Angebot, starke deutsche Kräfte zu einem Vofftoß heranzuführen, schuf die Grundlage für dessen Ge. lingen durch die unvergleichlich starke Macht und den glänzen­den Erfolg des 1. Mai durch die Armeen v. Mackensen, der Erzherzöge Joseph und Friedrich und die Armee B o r o e v i c.

Lin Armeebefehl des Höchs kommandierenden.

W. T.-B. Wien, 6. Mai. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs­pressequartier wird gemeldet: Der Armeeobcrkommandanr

Feldmarschall Erzherzog Friedrich hat folgenden Armeebefehl erlassen; Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit apostolische Majestät, Kaiser un!k König Franz Joseph I., ge­ruhten folgendes Allerhöchste Handschreiben allergnädigst an mich zu richten: In unwiderstthlichem Angriffe haben dte unter Ihrem Oberbefehl vereinten österreichisch-yngarischL: und deutschen Kräfte den tapferen Feind in Wfftgaliz-ien worfen, zahlreiche Gefangene gemacht und Viel Kriegsmaterial erbeutet. Neuer Ruhm knüpft sich an ihr: Fahnen. Mit wärmster Dankbarkeit gedenke ich all der braven brüderlich zusaimmcnhaltenden Truppen. Bewundernd blick: das Vaterland auf seine Söhne. Ihnen, dem Armeeober- kommandanten, dem Generalobersten v. Mackensen, wke überhaupt allen Führern vom höchsten bis zum niedrigsten nnd

all den wackeren Kriegern sage ich aus vollstem Herzen Danck und beauftrage Sie, meine Worte in dem Arnreebereich zu verliautbaren. Franz Joseph.

Hochbeglückt durch diese Allerhöchste Anerckennung gebe ich der festen Zuversicht Ausdruck, daß die energische und zielbewußte Fortführung der Ar^rlffe _ und die Verfolgung durch die siegreichen verbündeten Truppen einen vollen entscheidenden Erfolg bringen und die Niederlage des Feindes vervÄlstLrMgen wer- "dcn. Diesen Befehl erhalten alle Armee- nnd Armeetruppen­kommandanten mit dem Aufträge zur sofortigen Verlaut­barung im unterstehenden Bereiche.

Feldma rfchall Erzherzog F riedrich.

England gehen die Rügen aus.

Haag, 5. Mai. (Ktt. Bin.) Was heute an englischen Be­richten värliegt. gibt schon ein zutteffenderes Bild. Bet der Beurteilung der deutschen und russischen Kampfberichte von der Schlacht in Westgalizien legen sich die englische» Blätter zwar die größte Zurückhaltung auf und befleißi­gen fick» einer außerordentlichen Kürze, um die Bedeu­tung der russischen Niederlage nach Möglichkeit zu ver­schleiern, aber trotzalledem vermögen sie nicht den Ernst der Lage zu verbergen.

Daily Ehronicle" schreibt: Offenbar hat man sich wieder einmal über Deutschlands ungeheuren Reichtum an Menschen, und Kriegsgerät einer Täuschung hingegeben. Denn es ist offenbar, daß die Deutschen zu gleicher Zeit die franzö­sischen Angriffe zwischen Maas und Mosel zum Still­stand gebracht, an der Df er Gelände gewonnen und schließ- lich in Rußland sowohl im Norden wie im Süden er­folgreich sehr kräftige Angriffe gemacht haben. Wtt müssen annehmen, daß Deuffchland zu diesem vierfachen Er­folg mindfftens sechshunderttausend neue Soldaten auf die Beine gebracht hat, eine bewundernsw erte Leistung, dir uns zu den gleichen Anstrengungen anspornen müßte.

DieTimes" veröffentlichen eine Karte mit den Stellun- | gen von der Karpatheuchlacht nnd schreiben: Nebenstehende l Karte zeigt den Ernst der russischen Niederlage, falls die deuffchen und österreichischen Schlachtberichte zn- ttefferu

Line neutrale Stimme zur Kriegslage.

Zürich, 6. Mai. (Ktr. Bln.) Der militärische 2351« arbeite: des BernerBund" schreibt zur Kriegslage:

Im Osten wie im Westen haben die Zentralmächte I den abgematteten Gegnern die Offensive ans der I Sandgerungen. Nachdem die Russen sich in den wochen- I langen furchtbaren Karpathenkämpfen erschöpft hatten, ohne I nennensiverte strategische Gewinne zu erzielen, und naWem I die Franzosen und Engländer vergeblich in der Champagne verlustreiche Durchbruchsversuche unternommen hatten, war die Stunde für die Gegenoffensive der Deuffchen und Österreicher gekommen. So ist tm Osten nicht mrr die russische Offensive gelähmt, sondern den Russen auch die Möglichkeit genommen, sich rasch aus den Todes- tälern der Karpathen wieder zu befreien. Heute müssen sie eine Neugruppierung unter dem Drucke und nach den Gesetzen des Gegners vornehmen. Die ver­bündeten Engländer und Franzosen sahen sich Plötz­lich vor Ausgaben gestellt, welche alle ihnen im Wurf liegenden Unternehmen tilgen mutzten. Das Fallen der deuffchen Ge­schosse durch die Rückzugslinie der Engländer machte ihnen nicht nur die geplante und wiederholt versuchte Gepm- offenstve, sondern auch den Rückzug beinahe unmög-lich. Gegen Mi tau vorfühlend. stehen die Deuffchen nach ihrem fabelhaften Eewaltnurrsch unter Überrennen feindlicher.Kräfte zwischen Libau und Riga, ohne daß bis jetzt ein End-e der Entwicklung zu erkennen ist.

Lin Rufruf des ukrainischen Nationalrats.

W T.-B. Wien, 7. Mai. (Nichtamtlich) Der allgemeine ukrainische Nationalrat hat in feiner gestrigen Sitzung folgende Entschließung angenommen: Im Hinblick darauf, daß Ruß­land jedwede nationale Entwicklung des ukrainischen Volkes systematisch unterdrückt, erblickt der allgemeine ukrainische Nationalrat in der N i e d e r r i n g u n g Rußlands das vornehmste Lebensinteresse der ukrainischen Nation und wird nach wie vor, von diesem Grundsatz geleitet, seine Taten in erster Linie der Wiederherstellung des selbständigen ukrainischen Staates aus n<ttio- nalem Territorium der ukrainischen Nation im gegenwärtig« Rußland beweisen.

weiteres vom veutschenhatz in Nutzland. < Die Verrussung der deutschen Ortsnamen im Süden.

W. T.-B. Paris, 7. Mai. (Nichtamtlich) DerTemps" meldet aus Petersburg: Im Bezirk Odessa wurden 40 Ort­schaften mit deutschen Namen von den Behörden umge­tauft. desgleichen im Bezirk C h e r s o n 25 und in den benach­barten Bezirken 22 Ortschaften.

Lohnforderungen der Moskauer Arbeitern

Br. Stockh-lm. 7. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Bln.) DieNowoje Wremja" berichtet aus Moskau: In der letzten Zeit verlangten die Arbetter auf Grund der unerhörten Lebensmittelteuerung eine Lohnerhöhung. In den metallurgischen Fabriken wurde die Lohnerhöhung gewährt. Biele Munken Moskaus haben jedoch Kriegsgefangene als Arbeiter angestellt. Die Gefangenen finden nicht nnr als gewöhnliche Arbeiter Beschäftigung, jondern auch in den technischen Abteilungen.