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I. Beilage nun Wiesbaüener Tagdlatt.

590. MorAen-Ansgaüe.

(11. Fortsetzniig.)

(Nachdruck verboten.)

Drei Theilhaber.

Roman von Mret Karte.

Autorisiert.

.. „Bewahre", versetzte Barker höchlichst belustigt. „Mir siel aber ein, daß Demorest einmal in der guten alten Zerr gesagt hat, ein Grubenbau koste fast ebensoviel wie Ast? Astubahn — das Landverniesseu, Nivelliren, und die Maschinen, weißt Du. Und die Gegend ist wie geschaffen für eine Eisenbahnanlage."

„Aber wözn in aller Welt sollte inan wohl eine Eisen­bahn von Black-Spur nach dem Kieferberg bauen?"

„Wozu? — Liegt denn nicht Black-Spur an der Linie der neuen Zweigbahii, über die jetzt gerade in der gesetz­gebenden Versammlung beratheu wird?"

„Ein niederträchtiges Schwindel-Unternehmen ohne Gleichen, das bei der Berathung gewiß durchfallen wird", sagte Stacy mit Bestimmtheit.

„Man behauptet, gerade deshalb würde der Antrag Erfolg haben", gab Barker ruhig zur Antwort. „Watsons Bank soll stark betheiligt sein und kein Mittel unversucht lassen, damit die Sache rechtskräftig wird. Nun dachte rch, weil das Deine Konkurrenten sind, sollten wir bei der Gelegenheit auch etwas Gutes und Werthvolles heraus­schlagen was der ganzen Gegend von Black-Spur zum Nutzen gereicht, weißt Du."

„Und zu diesem Geschäft wolltest Du Dir meinen Nach holen?" Platzte Stacy heraus.

„Nein", versetzte Barker: „vielleicht hätte ich's thun sollen; aber letzt ist's damit zu spät. Ich habe mein Wort gegeben, den Handel abzuschlietzen uiid kann nicht mehr zurück Aber die zehntausend Dollars habe ich nicht, und deshalb komme ich zu Dir."

fügsam in seinen Stuhl zurück und steckte beide Hände in die Tasche. „Keinen Cent gebe ich Dir, Barker, keinen einzigen Cent."

m ,^as Geld nicht vom Bankier", sagte

Parker lächelnd, sonst hätte ich mir's ja auf der Bank /•« -x m'r SKec da dies eine Sache unter uns ist, so haber^ darum. Stach, als meinen alten Theil-

p., ich antworte Dir, nicht nur als Dein alter Theilhaber, sondern auch als der Theilhaber von hundert

HL ß | uie ", die ein noch größeres Recht haben als von Mir zu verlangen. Meine Antwort tautet: „Nicht einen Cent!"

npSfw!> er gleich geworden; er sah ihn mit halb geöffnetem Munde und erstaunter Miene au. Seine Hände noch tiefer in die Taschen versenkend, stellte Stacy sich vor ihn hm. 3

„Weißt Du was", sagte er; „es ist hohe Zeit daß Du mich verstehen lernst und Dich selber. Als wir vor -E ^ohren durch Zufall, oder sagen wir, nach gemein­samer Uebereinkunft, unfern Vertrag auflösten, fingen

Mittwoch, den 19. Dezember.

totr das Leben von Neuem an, jeder auf seine eigene Faust. Du hast Dich in diesen drei Jahren, theils aus ^horheit, theils, weil Du schlechtem Rath gefolgt bist, in hoffnungslose Unternehmungen verstrickt, was nie hätte geschehen tonnen, wären wir Theilhaber geblieben. Um Dir aus der Verlegenheit herauszuhelfen, wendest Du Dich setzt an mich und meine neuen Theilhaber, welche die Sache gar nichts angeht."

„Deine neuen Theilhaber?" stammelte Barker.

„Jawohl, meine neuen Theilhaber — Jeder, der einen Antheil, ein Interesse oder eine Einlage auch nur un Betrag eines Dollars bei dieser Bank hat, ist inein -rhellhaber — auch Du bis, es, weil Tu Deine Werth­papiere in meiner Filiale liegen hast; ich schütze Dich hierdurch recht eigentlich vor Dir selber."

G ld'"^er husl doch Privatmittel, Du hast doch eignes

„Nicht um damit zu spekuliren, wie Du es wünschest; meiue Stellung verbietet mir das. Schon um des Bei- spiels und Präceüenzfaües willen, darf ich es nicht auf thonchte Dinge verschwenden, wie Du zu erwarten schemst. Ich bin eine seelenlose Maschine. Das Kapital, das ich verwalte, ist mir und meinem Verstände anver- rraut; Herz und Gefühl haben liichts damit zu schaffen Daher ist meine Antwort: „Nicht einen Cent!"

Barkers Gesichts hatte einen älteren Ausdruck an­genommen, aber seine Farbe war zurückgekehrt. Jetzt fand er auch sein strahlendes Lächeln wieder, und aus st'mem Wesen sprach eine liebevolle Nachsicht, die Stacy sich nicht erklären konnte.

„Ich glaube Du hast Recht, alter Junge", sagte er, dem Bankier die Hand hinstreckend. „Ich hätte niich früher mst Dir bereden sollen; aber wie gesagt, jetzt ist es zu spat; ich habe mehr Wort gegeben."

„Dein Wort?" fragte Stacy. Hast Du denn keine schriftliche Abmachung?"

„Nein. Mein Wort genügte ihnen." Er erröthete, als sei er sich einer großeii Schwachheit bewußt.

...„Aber das ist ebenso ungesetzlich wie ungeschäfts- inatzig. Du könntest nicht einnial die Grubengesellschaft auhalten, den Vertrag zu erfüllen, wenn sie iioch zurück­treten wollte."

„Das wird sie iiicht thun", sagte Barker eiiifach. „uebrigens habe ich den Leuten auch nicht direkt mein Wort gegeben. Ein Vetter meiner Frau, Henry Spring, der Makler ist, hat den Kauf vermittelt; er verdient etwas dabei, dre Gesellschaft zahlt ihm Kommissions­gebühren. Da kann ich ihn doch nicht im Stich lassen. — Was sagtest Du eben?"

Stacy hatte die Zähne zusammengebissen und tief aufgestohnt. „Nichts", erwiderte er kurz; „außer, daß ick, — wie schon verabredet — heute Abend zu Tisch in Dern Hotel komme; aber nichts mehr von Geschäften. Davon habe ich genug mit Anderen zu thun; auch jetzt warten schon ein paar Leute auf mich, draußen im Bureau."

Barker stand sogleich auf. Mit zärtlich besorgter

48. Jahrgang» 1900.

Miene und dem alten liebevollen Lächeln legte er Stacy vertraulich die Hand auf die Schulter. „Es ist wirklich zri gut von Dir", sagte er; „Du hast mir und meinen Thorheiten so viel von Deiner werthvollen Zeit geschenkt, und bist so offen gegen mich gewesen. Es mag Dir sauer genug ankommen, daß Du nicht Jim Stacy sein darfst, und nur eine Maschine bist. Um mich mache Dir keine Sorgen. Ich verkaufe einfach ein paar von nieinen West-Extension-Aktien und bringe die Sache ins Reine. Das ist ganz in der Ordnung — aber Du thust mir leid, alter Junge." Sein Blick schweifte über die Zimmer- wande mit dem kostbaren Holzgetäfel. „Das ist wohl der Preis, den Du für alle diese Pracht zahlen mußt?"

Ehe Stacy noch antworren konnte, ließ sich ein Herr, der ihn sprechen wollte, zum zweiten Male melden; Barker schüttelte dem Freunde rasch die Hand, lächelte ihm ermuthigend zu und trat in die Vorhalle hinaus. Nach seinem Gefühl trug er ganz allein die Schuld, daß die Unterredung keine erfreulichere Wendung ge­nommen hatte. Stacys neuer Besucher bekam jedoch den Eindruck, als sei der Bankier in keiner sehr rosigen Stimmung. Er selbst war ärgerlich, daß mau ihn bei seinem dringenden -Geschäft hatte warten lassen, und nachdem er Stacy den Fall auseinandergesetzt hatte, tagte er in gereiztem Tone: „Mir scheint, Sie folgen

mir gar nicht. Können Sie mir denn keinen Vorschlag machen?"

„Halten Sie sich doch an einen der Herren von Ihrem Direktorium", erwiderte Stacy zerstreut. „Kapi­tän Drummond zum Beispiel ist ja Ihr alter Freund. Sie waren Kameraden im mexikanischen Krieg, wenn ich nicht irre."

„Da käme ich an den Rechten", versetzte Jener voll Bitterkeit. „Alle seine Interessen liegen auf entgegen­gesetzter Seite. Wo es sich um ein derartiges Geschäft handelt, nimmt man selbst auf den eigenen Bruder keine Rücksicht. Glauben Sie etwa, er würde einen sicheren Vortheil aus den Händen lassen, weil er und ich bei Cerro Gordo Seite an Seite gefochten haben? Das ist ja der reinste Blödsinn, und ich muß gestehen, Sie sind der letzte Mensch, von dem ich Dergleichen erwartet hätte. Wenn Sie mir keinen Rath geben können, weil es gegen das^ Interesse Ihrer Bank ist, so brauchen Sie es bloß zu sagen." Trotzdem sich Stacy hiergegen sofort eifrig c-rwahrte, nahm der Besucher doch ein paar Minuten später die Ueberzeugung mit fort, daß des Bankiers Lauheit ihren Grund in irgend einem feindlichen Ein­fluß haben müsse. Auch die übrigen Leute, welche mit dieseni oder jenem Anliegen kamen, wurden schnell ab­gefertigt, und nach Ablauf einer Stunde war Stacy wieder allein.

Aber er schien sich nicht sehr behaglich zu fühlen. Nachdem ec ganz mechanisch ein paar Notizen gemacht hatte, stand er plötzlich auf, öffnete eine kleine Schublade im Schreibtisch und nahm einen Brief heraus, der noch im Umschlag steckte und eine ausländische Postmarke trug. Er überflog ihn hastig, bis sein Blick zuletzt auf dem letzten Absatz haften blieb.

'Fortsetzung folgt.)

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