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Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. - Bezugs-, durch ben Verlag so Pfg. monatlich, du' Post 1 Mk. 6« Prg. vierteljährlich für Ausgaben zusammen.

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Verlag: Langgasse 27.

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Ar teigen -Arm ahme wüd kliue - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

J*, 589. Redaktions-Fernsprecher No. 52. Wenß.g. jT^mbiT ^ags-Ferusp.ch» S, 2266. -

Abend «Ausgalic,

Das VölKerrrcht und die Buren.

Von I)r. jnr. W. Brandts.

. Tn allen Darstellungen des Völkerrechts begegnen wir einem Abschnitt mit der Ueberschrift: Die Inter­vention in fremde Angelegenheiten. Vereinzelt hat man.ein Prinzip der Nicht-Intervention aufgesteLt. Die öffentliche Dteinung in DeutsT)lmid hat sich mit dieser ^Eslwge vor 30 Jahren sehr lebhaft beschäftigt, als Wilhelm I. von Preußen in der Thronrede, mit welcher er am 14. Februar 1870 den Norddeutschen Bundestag eroffnete, aussprach, daß bei den Regierungen wie bei den Völkern der Gegenwart sich die Ueberzeugunq immer mehr befestigt habe, daß jeder Staat das Recht lich in unabhängiger Weise mit dem öffentlichen Wöhle, dem Fortschritt der Freiheit und der Achtung der Rechtspflege innerhalb seines Gebietes zu beschäftigen und daß die Heeresmacht jedes Landes die Aufgabe habe, die nationale Unabhängigkeit zu schützen, über niemals einzugreifen in die eines anderen Staates Der Norddeutsche Bundestag erklärte sich in seiner Mehr heit m der von chm beschlossenen Antwort auf die Thron- ,^e hiermit einverstanden. Die Centrumspartei nur wünschte eme Fassung, welche die Anerkennung der Nicht- Lvention als allgemeines Prinzip deutlicher aus- ^^land sich hier Ni Uebereinstimmung mit dem Dyllabu» des Papstes Pius IX. vom 8. Dezember 1864 ^ r ' 02) das Anathema ausgesprochen wird ub^ Diejenigen, welche den unchristlichen Grundsatz der Nicht-Intervention aufstellen.

. In der Thronrede König Wilhelms I. fiiiden wir ein allgemeines Prinzip der Nicht-Jntervention nicht auf- Ä ^ ^ inneren Angelegenheiten eines

Maates wird volle Selbständigkeit gefordert. Hiermit defmdet sich die Theorie. Schon Bluntschli stellt den Satz auf: Ein Staat darf sich nicht in Ver- sassungsstreitigkeiten einmischen und gegen Staats-Um° Walzungen mterveuiren. Aber wenn eine frenide Macht unrechtmäßig intervenire, so seien die anderen Staaten oerechtigt, zu sorgen, daß die Intervention wieder auf- yore und nicht zur Verletzung der Weltordnung miß- braricht werde, sie dürften auch darüber wachen, daß die Intervention nicht zu ihrem Schaden ausgebeutet -^rde Hiermft im Einklang befinden sich die meisten Vertreter des Völkerrechts, auch der neueste Bearbeiter unserer Frage, der Hamburger Dr. v. Flöckher, welcher Zur Zeit im Konsulatsdienst des Deutschen Reiches steht Er erklärt (De Intervention en droit international Paris 1896) die Intervention in gewissen Fällen für zu­lässig, obwohl em „Stecht" zur Intervention nicht vor­handen sei. Die Intervention müsse aber eine aerecbte Ursache haben, d. h. das Interesse, welches durch die

Ä geschützt werden soll, müsse von der Natur

umh den Regeln des Völkerrechts es ein- be-

ftSr w Umgreifen sei. Wenn zum Bei­

spiel der Staat sich m einer äußersten Gefahr befindet wurde man von ihm nicht fordern dürfen stcki vaüiv au ®- fdjr unb bie ^ wachsen oder Ö r| rt f^ ^ ¥I en m ,emem eigenen Ruin. Wenn die Gefahr nahe seu wurde man ihm nicht verargen emrsen, mit allen Mitteln, selbst mit den Waffen, sichln schützen. Bon diesem Gesichtspunkt sei es selbst erlaubt der Gefahr zuvorzukommen. '

Anschauung ausgehend, Oesterreich, ^ölaud und Preußen ,m Kongreß zu Aachen 1818 in a Absicht, die monarchische Staatsform im eigenen su Mtzen sich gegenseitig verpflichteten, stets dann zu lntervsniren, wenn m irgend einem Lande die R e v o - lution ausbrache und den Thron bedrohe, so haben iLtf 161116 ! Erachtens die zulässigen Grenzen über-

ctÄhr?"" e f ,id) in diesem Falle nicht um

eine Bedrohung des Staates durch den Nachbarstaat

^?dern um eme innere Angelegenheit desselben. Auch

fürlf r '° Id 2 e F"ile die Intervention nicht für zulässig zu halten, indem er den Satz aufstellt, daß Staatsumwälzungen nicht inlervenirt werden d^ie,. Frankreich und England (Lord Castlereagh) widersprachen den erwähnten drei Mächten, als diese 1820 chegen der Erhebungen m Spanien und in Neapel mit den

Grundwü'Ä^r^^^^'. - ,DeiI 'te dem allgemeinen G undsatz des Einschreitens bei allen revolutionären Be wegungen nicht zustimmen könnten.

AI§ fernerer Grund zur Intervention gilt die drohende Verschiebung des Gleichgewichts der Mächte. Als Bei- Ö6 s Krieg zwischen Japan und China 1894 angeführt werden. Derselbe verlief für Javan ff ow Erlangte deshalb die Ueberlassung der Halbinsel Liatong. Rußland nqd Frankreich inter- vemrten sofort, weil sie den Erwerb dieses Theils des K^ndesalseinebeständige Bedrohung für Peking und die Unabhängigkeit Koreas ansahen, wie auch für den Freud/^m Deutschland schloß sich damals, zur

nu tttf ffiu", Widerspruch an, allerdings nicht

iünl mif! nö L n i fonbent e§ motivirte seinen Wider- Handels ^ öem Schutze der Interessen des deiitschen

Mit Fußen getreten werden, z.B. die Sklaverei einaefübrt werden soll, oder wenn Unterthanen unseres Staates ihrer Staatsangehörigkeit oder ihrer Religion wegen blutige Verfolgungen zu erdulden haben. 9 9

D" welcher Lage befindet sich nach diesen Regeln das Deutsche Reich gegenüber dem Vorgehen Englands gegen che Buren? Sind eigene deutsche Interessen auf dem Spwl, die ein Einschreiten rechtfertigen? Wir sehen ab, ob die Kriegserklärung Englands an die beiden südafrikanischen Republiken ewas anderes war, als 3^ Einmischung in die innere Verwaltung jener Staaten welche sich den Zorn Englands hauptsächlich deshalb zu-

-? eu n e ben englischen Dynamitfabriken £ ,e Einführung ihrer Produkte erschwerten. In Betracht

"ns nur die politische Lage, welch durch die im VSüerreckt unaemäbnri»» ?

Stönina <S bp& a ßlr t r,+, g Bnterventionsrechts wegen IS öie «n?K Setot r^ tft - eine äußerst gefährliche ntittSr hmt 1 Äf1 ercn , ,|tni Grenzen, d. h. bei un- kann »Ä Gefahr, als richtig anerkannt werden

rann. Denn andernfalls hatte man ein Recht der ^nter- ^ulwn anerkennen müssen, als 1860 sich das Königreich ^ulwn bildete, als 1866 Preußen mehrere Staaten pEttnte als Deutschland 1871 Elsaß-Lothringen sich emverleibte Ebenso eng sind die Grenzen für die Jnter- rulwn aus moralischen Gründen. Sie ist zulässig, wenn heiligsten Menschenrechte von einem anderen Staate

geschaffen ist, den besiegten Gegl-er Sg'

,.Qir sich mit einer Beseitigung der erhobenen BeschMrden zu begnügen. Ist es für Deutschland gleich gültig ob die beidenRepubliken als solche fort^

lir ” °s lw englische Provinzen sind? Es

wird wohl Niemand geben, der diese Frage bejaht Deutschland hat wegen seines südwestafrtksnischen Schutz gÄbietes zwischen den Mündungen des Eunene- und Oransesluß mit seinen Hinterländern mit der Hauptstadt Otyimbingue offenbar ein großes Interesse daraii was ,ur ° n-n R-chb-r -s l,at. Es will-im hichst-n ^o^lälemlich gewesen, daß ßll, mit den Buren ein freund- nachbarliches Verhaümtz hergestellt hätte. Seitens Eng­lands werden die Beziehungen schon jetzt getrübt. Buren welche auswandern wollten, um in unseren Schutzgebieten sch eme neue Existenz zu gründen, wurde von dem vor unserem Kaiser in Audienz empfangenen Cecil Rhodes die Auswanderung verwehrt, um sie in der ff'rrn Rhodes gehörigen ungesunden Provinz Rhodesien reu H C r n ^ßern Zu lassen. Die südwestafrikanische Eisenbahn, welche von holländischem und deutschem Gelde erbaut i,l und betrieben wird, ist Seitens der englischen Regierung gewalt,am denEigenthümern genommen weil Triippen der Buren transportirt hat Das Regiennrf bedrohst ® seitens der englischen

ME« hiernach keinem Zweifel unterliegen, daß ein gerechtfertigter Grund Deutschlands vorliegt, gegen ä^Amiektion der beiden Republiken zu protestiren. Aber l nn s n “-, verwirklicht werden, wenn die .J acht vorhanden ist, ihm Geltung zu verschaffen. Da te nicb ^ ^.?? en ' ^?^äer allein noch im Verein mit müssen wir mit gebundenen Händen der nÄSrt ^Eeressen ruhig zusehen und können ff f)pmh ff germanischer Bruderstamm

ft, dem v. flöckher schon 1896 vorwarf, daß er sich gegen Transvaal einer flagranten Rechtsverletzung schuldig ge­macht habe, da England nicht das geringste Recht zur^Eüi- Republik hgbe^ °der äußern Angelegenheiten der

Feniiieton. SLurmfrnLH.

Roman von Henryk Sienkiewicz.

(Eigenes Feuilleton für das „Wiesbadener Tagblatt".)

Jede Litteraturperiode hat ihren Lieblingstypus. Die Be­obachtung dieser Erscheinung ist umso fesselnder, als diese Lieb- lingsgestalt zugleich das Ideal darstellt, das die Fortge­schrittensten der betreffenden Zeit oder diejenigen, die wenigstens dafür gelten wollen, auch durch ihr Leben zu verwirklichen suchen. Mit anderen Worten, es ist dies zugleich der Charakter der als modern angesehen wird. So bedeutet jeder Roman, richtig aufgefaßt, einen weiteren Schritt der Erkenntniß in der inneren Kulturgeschichte einer Zeit. Eine ganz hübsche Zahl von Jahren sah man im durchgebildeten Typus der Decadence ven Zukunftsmenschen, dem man möglichst nahe kommen müsse. Isiid da hatten wir es wirklich schon herrlich weit gebracht. Die Litteratur schuf Decadentengestalten von einer Vollendung die jede Weiterentwickelung in derselben Richtung ausschloß. Das Leben wollte dahinter nicht zurück bleiben. Es sollte nicht mehr That, Handlung, nur mehr Stimmung sein. Vieles Inter­essante, manches Bedeutende schuf diese Epoche. Es war nicht zu verkennen, daß uns das Ganze sozusagen sehr gut lag. Dann kam aber die Wandlung. Auf Nietzsches Lehre von der bac­chantischen Schönheit des Lebens fußend, begann man, sich einen anderen Zukunftsmenschen zu bilden. Die Losung änderte sich. Weg mit der Decadence, mit dem Tasten im Dunkel zu- zespitzter ^stExwnen, absonderlicher Stimmungen — Kraft, Thaten, restexionsloses Ausleben aller Leibes- und Seelenkräfte. Die gewaltigen Lebenskunstler der Renaissance feierten als Wegweiser der Zukunft neue Triumphe. Die Dichtung aller Grade mng ® e fta«ung des neuen Menschen. Aber es

wurde immer deutlicher offenbar: das Werdende Verbeißunas- volle liegt uns derzeit noch lange nicht so gut,' als die ab- sterbende Decadence. Man suchte das Unzulänalickie in der ^ cue§ ' darunter manches Beachtenswerthe. Doch

die Unzulänglichkeit lag wo anders — in der ursvrünaliLen Schöpferkraft. Weniger als jede andere Gestalt kann die des L.yatenmenschen, des Kraft- und Lebenüberreichen irgendwie wenn auch noch so kunstvoll konstruirt werden. Sie muß mehr , lebe andere :n einem Guß aus der inneren Fülle geschaffen to ~l en - ® e „ n ^weis liefert Henryk Sienkiewicz' Roman „sturmfluth, dessen deutsche Uebersetzung vor Kurzem er­schienen ist. Da, in dem unmodernen Kleide des historischen Romans das man so gern etwas über die Achsel ansieht, steckt AbsiÄ"n d Zukunftsmensch. Ohne jede diesbezügliche

üd?vin'ud Tendenz geschaffen, entspricht er zwar nicht in • Ly • Forderungen eines theoretischen Systems Aber ™ f ® eft ( n 'st Andreas Kmiziz, der Held des Romans, doch die geforderte Verkörperung des reflexionslosen Lebens aller W„ e ' ° e f »fluten Einheit, die einen Zwiespalt zwischen Innen- und Außenwelt nicht kennt, weil sich jeder Impuls so- üfLJw umsetzt. Allerdings hat dieser Mann des

L olchen Lebens auch die Zeit, di- er braucht, der Fähnrich a r*! st^dt inmitten des alle Schranken zerstörenden Guiwu ^terlandes Polei, gegen den Schwedenkönig

s-üia u. olf' Der Mann und die Zeit scheinen sich gegen- lßlipn L gewaltigeren Aelißerungen einer übermensch-

Tbatenletn^ku?..;u steigern. Der Ueberreichthum des Größe nur ' b l e . r -tstann lebt, läßt sich in feiner ganzen Rahmen seine« der Wirkung auf seine Zeit, hier iin engeren Roman n L Ir r er ( me ff en - . Andererseits zeigt aber der

einer fast imw ° Individualitäten nur dem Boden

Thatsacke hfl e . met ? taren Vollskraft entwachsen können. Eine sp „sJdas moderne Ringen nach ähnlicher ur-

dur^qefübrte^MelEiL übersehen scheint. Diese stets klar bare Einbeit "9 8«Bt dem Roman die wunder­schichte eines Volke^°v"«^"°c"-' er zugleich die Ge-

stellunasleben m !" I etnem "°ch mittelalterlichen Vor-

siellungsleben m,t unübertrefflicher Treue gezeichnet ist, und

Cbarakteristiscb ^ modernen Individualität bedeutet, nickt Srf £S ' daß sich die Gestalt des Fahnenträgers

Öd ,u rfÄ Unfl J n r , Unb Reden, sondern aus That um That zu lebendiger Anschaulichkeit rundet. Nur durch Er­eignisse erleben wir es mit, wie feine Freunde in fast unter-

mit"' 9 d-m^'b«^ fr n ' lDie - er fdne Feind- nicht wie

mit dem Schwert, sondern wie mit dem Blitz be­waffnet vernichtet, wie er das Mädchen, dem die Anderen nur to,e einer Königin nahe», mit der sorglosen Zuversicht der geborenen Siegernatur an sich reißt. Er lebt zehn Leben Sa Vfwf 3 ' « muß die unbezwingliche Macht eines

wlMu m fahren. Die Folgen seiner schrankenlosen Jm-

pulsivitat drangen ihn unausweichlich ins Lager der Bater- -Mdsverrather und damit zugleich zur Entzweiung mit der konigstreuen Braut Aus denselben Quellen entspringend, vollzieht sich, parallel laufend, die Erniedrigung des polnischen Volkes uuter die Freindherrschaft. Es ist ein trübes Bild der Schandung reicher Kraft, das der Mann und das Volk da bieten. Wie er und fein Volk aber dann mit dem gleichen unwiderstehlichen Ungestüm, wie abwärts, aufwärts stürmen wie sie allen scheinbar unüberwindbaren Hindernissen zum Trotz ihren Drang nach würdiger Erhebung °auslebe>y das ist die Sturmfluth. Und das elementare Naturereigniß gleichen Kuin nicht überwältigender wirken. Die Darstellung des Psychischen Prozesses ist von einer packenden Wahrheit und Feinheit, der ich nur Weniges an die Seite zu stellen weiß. Wie Kmiziz die Befreiung des Vaterlandes und die Wieder- erringung der Braut in unbewußtem Egoismus in eins ver- schmilzt und erst nach niartervollen Kämpfen aeqen sich selbst

Salfte de» Romans, diese so ganz unmoderne Bändigung der modernen Herrenindividualität durch die Erkenntniß eines Größeren als des eigenen Jchs, „och mehr bewundern, als die erste Ebenbürtig an Größe und Kraft der Darstellung ist die Wandlung in der Volksseele, die von der sieareichen Ber­the,digung des National-Heiligthums Tschenstochan, die der Wunderglauben der Zeit m,t dem Zauber einer ganz eigen- artlgen Poesie umwebt, zur Wiedereroberung der rkönigsstadt Warschau und zur völligen sturmähnlichen Bezwingung der Unterdrücker fuhrt. Ein Moment, die Besiegung einer sehr naheliegenden Gefahr, die allein schon den genialen Meister offenbaren würde, verdient noch besonders hervorqehoben zu ctv 11 ^Gestatt des Fahnenträgers ist kein innerer Bruch. Die Kraft, das überreiche Leben ist zwar in wohl».