1. Keilllye
As*, y
N-. 382. WorgeK-Ansgake.
(7. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Drei Therlhaber.
Roman von ZLret Karte.
Autorisiert.
Etwas beruhigter, obgleich noch immer vollecZweifel und Verwunderung, schulterte Demorest die Flinte und folgte mit Barker, der die andere trug, dem Treiber nach, welcher hinter seinem Packpferd den Pfad bergab ging. Eigentlich schämte er sich, an einem so ungewöhnlichen Aufzug betheiligt zu sein; zwei bewaffnete Männer, die bei Hellem Tageslicht ein beladenes Maulthier geleiten, das sah recht lächerlich aus. Zum Glück gingen die Bergleute zu dieser frühen Morgenstunde noch nicht an ihr Tagewerk; die Tunnelarbeiter saßen gerade beim Frühstück und Niemand kam ihnen auf dem Bergpfad entgegen. An der Stelle jedoch, wo der Pfad die Hauptstraße kreuzte, sah Demorest plötzlich, wie Steptoe und Whisky Dick, offenbar in eifrigem Gespräch aus dem Gebüsch auftauchten. Sein alter Argwohn und Widerwille gegen die beiden Menschen kehrte zurück; er wollte sich zwar vorBarker nichts davon merken lassen, doch durfte sein junger Freund auch nicht ganz unvorbereitet bleiben, falls ihnen Gefahr drohte. So rief er denn Barker zu, er solle ihm folgen und eilte rasch an dem beladenen Maulthier vorüber. Als er sich nach dem Gefährten umblickte, sah er, zu seiner nicht geringen Befriedigung, daß dieser die Flinte in Bereitschaft hielt, als sei er darauf gefaßt, sich vertheidigen zu müssen. Im nächsten Augenblick wurden Steptoe und Whisky Dick ihrer ansichtig und zeigten sich augenscheinlich überrascht; es lag daher wohl kein Grund vor, Feindseligkeiten von ihnen zu erwarten. Steptoe flüsterte Whisky Dick ein paar Worte zu, worauf Beide plötzlich eine Strecke vor ihnen auf dem Pfade stehen blieben und mit possenhafter Gebärde die Hände in die Höhe streckten, was für ein Zeichen völliger Hülflosigkeit gilt.
„Zum Henker", rief Steptoe und brach in rohes Gelächter aus, „wir dachten wahrhaftig, Ihr wärt Straßen- räuber. Aber jetzt sehe ich, daß Ihr nur Euern Goldschatz bewacht. Eine sehr vornehme Manier, die bis jetzt, so viel ich weiß, auf dem Kieferberg noch nicht Brauch war. Tie Dinge müssen schon recht schlimm stehen, dort oben, wenn Ihr so mit der Flinte einhergegangen kommt."
Demorest sah nur die vier Hände an, welche offenbar so deutlich zur Schau gestellt wurden, um ihm die Hinfälligkeit seines Argwohns zu beweisen. Daß sie nicht die geringste Spur einer Wunde oder Verstümmelung zeigten, machte ihm einen viel größeren Eindruck, als die beleidigenden Worte.
„Mich freut's, daß Ihr keine Waffen bei Euch habt und doch nicht außer Stande seid, sie zu handhaben", sagte er in gelassenem Ton, während er an ihnen vorbeischritt und wieder hinter dem Maulthier zurückblieb. Barker hatte den ganzen Vorfall sehr komisch gefunden; er wollte sich ausschütten vor Lachen über Whisky Dick. „Daß Steptoe sich einen solchen Spaß ausdenken könnte, hätte rch ihm gar nicht zugetraut", sagte er. „Es muß ja auch ganz gefährlich ausgesehen haben, wie wir Beide mit den Flinten vor dem Maulthier herliefen. Aber als Du mir
Freitag, de« 14. Dezember.
zuriefst, glaubte ich wirklich, es sei etwas los und wir sollten uns unserer Haut wehren. Whisky Dick hat übrigens seine Rolle vortrefflich gespielt. Während er die Hände in die Höhe hielt, schlotterten ihm die Knie, als packte ihn eine wahre Todesangst."
Demorest hatte die gleiche Beobachtung gemacht, doch äußerte er nichts darüber. Die Frage, ob der erbärmliche Trunkenbold sich gezwungen, oder aus freien Stücken zum Mitschuldigen des nächtlichen Raubanfalls gemacht habe, wurde ihm noch widerwärtiger, nun er im Begriff stand, den Schauplatz der That auf immer zu verlassen. Sein Traum der letzten Nacht war ihm dadurch entheiligt worden, und seine Freude über die glückverheißende Wendung, die er zum Schluß noch genommen, hatte sich in Bitterkeit verwandelt. Barker, der neben ihm ging, sah wie ein Schatten van Schwermuth sich auf das schöne Antlitz seines Gefährten lagerte. Das geschah häufig und doch hatten die Kameraden nie versucht, die Ursache dieser immer wiederkehrenden düstern Stimmung zu ergründen. Aber sie erregte Barkers innigstes Mitgefühl und dämpfte auch jetzt seinen jugendlichen Frohsinn. So empfanden es denn Beide wie eine Erleichterung, als in ihrem Rücken Hufschlag ertönte; sie hatten den Thalgrund erreicht, und Stacy kam ihnen nachgeritten. „Ich bin dem zweiten Maulthier, das unsere übrigen Habseligkeiten trägt, vorausgeeilt", sagte er. „An denen wird sich schwerlich Jemand vergreifen, und ich hielt es für besser, rasch zu Euch zu stoßen."
„Du hast also die Sache ins Reine gebracht?" fragte Denwrest, ihm fest ins Auge schauend.
„Versteht sich. Sieh nur hin!"
Er wandte sich im Sattel um und deutete nach dem Gipfel des Berges, von dem sie eben herabgestiegen kamen. Höher als die Kiefern, die den unteren Abhang bestanden, höher als die Felsschichten und kahlen Klippen, stieg eine dichte schwarze Rauchsäule kerzengerade in die Windstille Luft empor.
„Das ist unsere alte Hütte, die vom Feueu verzehrt wird", sagte Stacy mit wohlgefälligem Lächeln. „Bis wir nach Boomville kommen, wird schwerlich noch viel davon übrig sein."
Demorest und Barker starrten ihn in maßloser Verwunderung an. „Hast Du sie angesteckt?" fragte Barker, der vor Erregung zitterte.
„Ja", erklärte Stacy. „Der Gedanke, daß das alte Nest dem Steppenwolf und der Wildkatze als Zuflucht dienen sollte, war mir unerträglich. Da habe ich sie beim Abschied in Rauch aufgehen lassen."
„Aber—" wandte Barker ein.
„Es ist kein Aber dabei", meinte Stacy gelassen. „He, wie war's denn nüt Deinem neuen Plan — mit der Kameraden-Ruhe, die Du zu bauen denkst? Wolltest Du denn beides haben — auch noch die Hütte daneben?"
„Und Du hast das gethan, damit nicht Fremde in unserer lieben alten Bude Hausen sollen?" rief Barker mit leuchtenden Augen. „Wahrhaftig, Stacy, solche romantische Idee hätte ich Dir nicht zugetraut."
„In mir steckt noch Manches, was Du.nicht weißt, alter Junge ; vielleicht mehr als ich selber so recht verstehe."
„Nur hätten wir Alle beisammen sein müssen", fuhr
48. Jahrgang. 1900.
Barker voll Eifer fort. „Es hätte mit einer gewissen Feierlichkeit geschehen sollen, weißt Du, wie eine Spende, die den Göttern dargebracht wird, bei der man so eine Art Trankopfer auf den Boden gießt."
„Etwas Petroleum habe ich wenigstens darüber gesprengt, damit die Geschichte rascher von Statten gehen sollte. Wenn Du das Feuerwerk sehen willst, Bäcker, brauchst Du übrigens nur bis zur letzten Ecke des Roth- walds auf der Straße zurückzulaufen. Dort ist die Stelle, wo man die beste Aussicht hat."
Barker ließ sich das nicht zweimal sagen, und sobald' er verschwunden war, sahen sich die beiden Männer ver« ständnißvoll an. „Was hat denn das alles zu bedeuten?" fragte Demorest mit großem Ernst.
„Ich will Dir's sagen, lieber Freund", lautete StacyZ Antwort: „Hätten wir nicht unverschämtes Glück gehabt — einen ebenso blinden Glückszufall wie bei dem Goldfund, so wären wir Beide, sammt unserem Barker dort drüben, vor etwa zwei Stunden in jener Rauchwolke gen Himmel gewirbelt. — Denke Dir, Philipp", fuhr er leise, aber mit Nachdruck fort, „als ich heute Morgen draußen war, um Wasser zu holen, fiel mir ein sonderbarer Geruch auf.^ Ich ging um die Hütte herum und entdeckte an der Hinterseite ein unter dem Fußboden gegrabenes Loch; an dem Eckbalken aber war trockenes Reisig auf-' gehäuft, und eine Kanne voll Petroleum stand daneben. Das Reisig war sogar schon mit Petroleum begossen, es brauchte nur noch angezündet zu werden. Nur, daß ich eine Stunde früher Herauskain als sie dachten, hat die Teufel fortgescheucht. Ihr Plan war, Feuer an die Hütte zu legen, das Petroleum in das Loch zu gießen, uns im Rauch zu ersticken und sich des Schatzes zu bemächtigen. Es war Alles vorher genau abgekartet."
„Keineswegs", sagte Demorest ruhig.
„Was!" rief Stacy. „Ich habe ja die ganze Be- scheerung mit eigenen Augen gesehen und habe das Petroleum weggenommen und versteckt. Als Ihr fort wart benutzte ich es, um die Hütte anzuzünden, weil ich glaubte, die Leute, welche ich in Verdacht habe, würden kommen, um ihr Werk zu betrachten."
„Ihr erster Plan war ganz anders", versicherte Denrorest; „sie sind anfänglich nur auf Raub ausgegangen. Hör' nur zu." Mit kurzen Worten erzählte er nun dem überraschten Stacy seine Erlebnisse in der vergangenen Nacht. „Nein, die Hütte in Brand zu stecken ist ihnen erst später eingefallen; — das war ein Racheakt", setzte er finster hinzu.
„Wenn der Räuber eine Wunde an der Hand davongetragen hat, wie Du sagst, so wird er sich daran ohne Schwierigkeit wiedererkennen lassen", äußerte Stacy.
„Was ich verwundet habe, war nur eine Hand", erwiderte Demorest; „der Plan ist jedoch einem Kopf entsprungen, von dem ich nichts zu sehen bekam." Hierauf theilte er dem Freunde seinen Argwohn mit, dessen Grundlosigkeit jedoch durch die Begegnung mit Steptoe und Whisky Dick anscheinend erwiesen worden sei.
„Also deshalb haben sie sich nicht bei der Brandstätte eingefunden!" rief Stacy lebhaft.
„Hattest Du denn auch Verdacht auf die Beiden?" fragte Demorest.
(Fortsetzung folgt.)
sein grosses Lager in
Juwelen, (üold-
und
Silberwaaren.
Trauringe.
Feinste A.us-
^^ fiihvung p -> im
eigenen Atelier.
Alle rhtlligsle Preise, 15913
Bitte lesen l
Von jetzt bis Weihnachten gewähre auf meine ohnehin fchoil biilifle Preisen 16666
10 -/. Rabatt.
*'• I.Hininert, Sattler, nur Metzgergasse 35, nächst der Goldgasse.
in neuesten Nüstern, zum Eindruck beliebigen Textes,
Visi tenkar te n
in feinster Ausführung empfiehlt 16723
11. W. Zingel, KI. Burgstr. 2.
Hoflieferant 8. Kgl. Hoh. d. Ctrossherzogs von Luxemburg.
