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48. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 4 Mk. OO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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— Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

No. 580. Redaktions-Fernsprecher No. 52. Donnerstag, den 13. Dezember.

Verlags-Fernsprecher N». 2266. 1900.

Morgen ■Ausgabe.

glieder der beiden Parteien fast gleich, und es ist sicher, daß Ungarn wieder Zeiten heißer Kämpfe entgegengeht. Möglich, daß diese Kämpfe im Schooße des Ministeriums Szell in Bälde zu Rekonstruktionen führen werden; sicher jedoch, daß sie bei den nahenden Wahlen das Land vor eine schwere Probe stellen werden.

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 13. Dezember.

Kurh aus-Neub au.

Der Kgl. Baurath Böckmann zu Berlin hat zu seiner Broschüre: „Der Kurhausbau für Wiesbaden, Beitrag zur Lösung dieser Frage", einen Nachtrag erscheinen lassen, der zur Erläuterung der ersten Veröffentlichung dienen soll und sich gleichzeitig als Antwort auf die dem Verfasser von Freunden, Interessenten und Betheiligten zugegangenen Kritiken und Vor­schläge darstellt. Auf die Frage eines dem Preisgericht von 1898 als Mitglied angehörigen Freundes, weshalb er sich nicht an das preisgekrönte Projekt halte und suche, dasselbe in seinen Plan einzufügen, erwidert Herr Böckmann, daß es ihm darum zu thun sei, den Beweis zu erbringen, daß der von ihm vor­geschlagene verkleinerte Bauplatz noch für ein den höchsten An­forderungen Rechnung tragendes Kurhaus genüge. Aus dem der Broschüre beigefügten Situationsplan, in den das mit dem

1. Preise gekrönte Projekt mit blauer Farbe eingetragen, ergebe sich auf den ersten Blick, daß nicht daran zu denken gewesen, dieses Projekt seinen Zwecken anzupassen. Es bedecke (ohne Hallen) eine Fläche von ca. 6900 Quadratmeter, während das seinige nur ca. 4300 Quadratmeter beanspruche. Das Menz'sche Projekt vor dem alten Hause als Provisorium mit 2,50 Meter Bauwich würde in dem „Bowlinggreen" bis zu dem ersten Weiher reichen. In der von Menz projektirten Lage decke es den Promenadeplatz hinter dem Kurhause fast ganz, indem es nahe an den Weiher heranreiche, und dabei werde der Vorplatz auf der anderen Seite fast ebenso sehr in Anspruch genommen, wie bei seinem Projekt. Zu der ihm von verschiedenen Seiten nahe gelegten Schonung des Vorplatzes bemerkt Herr Böckmann, daß sich in dieser Hinsicht, noch Manches thun lasse, indem man ohne Bauwich hart an das Provisorium heranbaue. (Dann würde wohl von einem Betrieb im allen Hause erst recht nicht mehr die Rede sein können. D. Red.) Das Uebng'ö müßte dann durch Einschränkung der Tiefe des Bauprojektes gewonnen, werden. Ganz ohne diesen Platz zu schmälern, werde es indeß kaum abgehen, wenn das neue Haus an der Stelle des alten errichtet werden solle, wie dies den Intentionen Sr. Majestät des Kaisers entspreche. Zu weit nach hinten in den Park zu bauen, sei undenkbar, weil der schönste Theil der um den Weiher gruppirten Anlagen verloren gehen würde. Der Promenadeplatz sollte aber bei der Umgestaltung erweitert werden, wie er, der Verfasser, anstrebe, denn er sei für den Kurbetrieb ebenso nötbig, wie das Haus selbst. Das neue Kur­haus könne an dieser Stelle keine erhebliche Ausdehnung er­halten, welche die Grundfläche des alten Hauses, die etwa 5000 Quadratmeter decke, llbertreffe. Man werde sich daher zu einer zweigeschossigen Anlage unter allen Umständen ge­zwungen _ sehen. Als Resultat seiner Ausführungen be­zeichnet Herr Böckmann die folgenden Punkte: 1. Das'neue

Kurhaus kann nur an der Stelle des bisherigen errichtet werden.

2 . Der Bauplatz daselbst kann nicht über die Ausdehnung des bisherigen Kurhauses hinaus wesentlich erweitert werden.

3. Dieser Umstand nöthigt unbedingt zur Unterbringung der

zukünftig erforderlichen Räumlichkeiten, einen Bau von mehreren Etagen auszuführen. 4. Unter obigen Voraussetzungen ist es möglich, durch stückweisen Abbruch des alten Kurhauses in dem­selben und im Kurpark den Betrieb während der Bauzeit auf­recht zu erhalten. (Mit dieser Ansicht dürfte Herr Böckmann wohl ziemlich allein stehen. D. Red.) — Wie angedeutet, nimmt das Projekt des Herrn Böckmann nicht ganz denselben Raum wie das alte Haus ein; er möchte aber, abgesehen von der Ver­größerung des Konzertplatzes, das alte Haus als Provisorium verwenden, und nimmt deshalb einen großen Theil des Vor- vlatzes in Anspruch. Und wenn er auch dazu von dem „Bow­linggreen" wieder eine Fläche von etwa 7 Meter heranzieht, so wird der Platz doch nur noch 26 Meter breit sein, während die gegenwärtige Breite von dem Portalvorbau bis zum Gartengeländer 36 Meter beträgt. Der Konzertplatz, welcher jetzt etwa 40 Meter tief ist, würde nach dem Böckmann'schen Projekte eine Tiefe von 55 Meter erhalten. Das Haus selbst würde von der Erhöhung der Sonnenbergerstraße um 5 Meter weiter abrücken und auf der anderen Seite sich so ziemlich mit dem Grundriß des alten Hauses decken. Die Broschüre des Herrn Bauraths Böckmann ist sammt dem Nachtrag (beide mit anschaulichen Plänen ausgestattet) für 1 Mk. in allen Buch­handlungen käuflich. Der ganze Ertrag fließt dem Schiller- Denkmal-Fonds zu. o.

— Gcschichtskalcnder. 13. Dezember. 1870: Prinj Friedrich Karl besetzt Blois. 1863: st Friedrich Hebbel zp Wien, deutscher Dichter. 1816: * Werner v. Siemens zu Lenthe bei Hannover. 1799: * Heinrich Heine zu Düsseldorf. 1769:

-s- Christian Fllrchtegott Gellert zu Leipzig. 1613: * Karl Gustav Graf v. Wrangel, berühmter schwedischer Feldherr. 1254: -j- Papst Jnnocenz IV. 1250: j- Kaiser Friedrich II. (Hohenstaufen) zu Fiorentino.

— Ordensverleihungen. Dem Baurath Jacobi und dem Gymnasial-Direktor Dr. Schulze zu Homburg v. d. H. wurde der Königliche Kronenorden 3. Klaffe, dem Architekten Heinrich Füller, dem Regierungs-Baumeister Jacobi, dem Kapellmeister Schulz, sämmtlich zu Homburg v. d. H., der Königliche Kronenorden 4. Klasse, dem Polier Johannes Boß zu Kirdorf bei Homburg v. d. H., dem Polier Heinrich Budecker zu Wehrheim bei der Saalburg, dem Obergärtner 'Alsys Burkhardt und dem Saalburgwärter Wilhelm Burk Hardt zu Homburg v. d. H. das Allgemeine Ehren zeichen, die fürstlich, schaumburg-lippische silberne Verdienst- Medaille dem Zauberkünstler ^ o ch u m, genannt B e l l a ch i n i, zu Frankfurt a. M. verliehen?"

— Weihnachtsverkehr bei der Post. Um einer lieber^, füllung der Postschalterräumc während der Weihnachtszeit thunlichst zu begegnen, ersucht das Postamt, auch in diesem Jahre die Einlieferung der Weihnachtspäckereien, namentlich der Familien-Sendungen, nicht bis zu den Abendstunden zu verschieben, sondern nach Möglichkeit an den Vormittagen zu bewirken. Auch empfiehlt es sich, zur Förderung des Ab­fertigungsgeschäfts an den Schaltern von der Selbstfrankirung der einzuliesernden Weihnachtspackete umfangreichen Gebrauch zu machen, fotrie für die daselbst zu leistenden Zahlungen das Geld abgezählt bereit zu halten. Sehr zweckmäßig erscheint es

Hie Agrarier! Hie Merkantilisten!

— Budapest, 10. Dezember.

Während in Oesterreich der Zerklüftungsprozeß der Parteien und Nationalitäten kaum einen Moment inne­hält, und der ewige Hader das Land derart politisch devastirt, daß es im Ausgleichskampfe Ungarn gegen­über zu unterliegen droht, wurde in dem Reiche der <&& -Stefanskrone von „Oben" aus eine Bewegung be­günstigt und mählig großgezüchtet, die auf reaktionärer Basis den kräftigen ungarischen Liberalismus ins Mark treffen sollte, und die heute bereits das bisher einige Un­garn in zwei große feindliche Lager theilte: in Agrarier und ir Merkantilisten. Begonnen hat diese Bewegung vor ca. anderthalb Jahren — mit dem Beginne des Regimes Szell —, als die ungarische Regierung mit der Verfolgung des blühenden ungarischen Weinhandels unter dem heuchlerischen Schlagworte: „Verfolgung der Weinfälschung" den ersten Schlag gegen die Handels­kreise führte. Gleich darauf folgte die Unterbindung des Mahlverkehrs, welche die große ungarische Mühlen- Jndustrie brachlegte, dann die Einengung der Getreide- Termingeschäfte, die in den Urtheilen der ungarischen Obergerichte als strafbare Wuchergeschäfte gebrandmarkt wurden, dann das gesetzliche Verbot der Sammlung von Bestellungen durch Reisende, welches das Agententhum mit Stumpf und stiel ausrottete, ferner dieVerschärfung der Sonntagsruhe und das projektirte Gesetz gegen die unlautere Konkurrenz, das gleichzeitig dem Jnseraten- wesen den Garaus machen soll. Eine Anzahl landwirth- schaftlicher Kongresse, agrarische Enunziationen und Pläne der Regierung (Einbringung von einschränkenden Reformen auf den Gebieten des Bank-, Sparkassen- und Assekuranz-Wesens) verstärkten diese Bewegung noch wesentlich, riefen jedoch gleichzeitig eine mächtige Gegen­bewegung der Merkantilisten hervor, die auch in Jahres­frist bei den Neuwahlen zum praktischen Ausdruck kommen wird. „Hie Agrarier! — Hie Merkantilisten!" — das ist heute der Schlachtruf, der das Land theilt und zugleich — was „Oben" wohl beabsichtigt, das Interesse der Bevölkerung von dem Kampfe um die wirthschaftliche Unabhängigkeit ablenkt. Die Spaltung kommt heute auch im Kabinett zu ausdrücklicher Geltung. Agrarier sind: Szell und Ackerbauminister Daranyi. Merkantilisten: die Minister Hagedus (Handel), Wlassics (Kultus), Baron Fejervary (Honved) und Ploß (Jusüz). Im Parlament gelten als Agrarier die Leibgarde Szells und die ehe- itwligen Mitglieder der Nationalpartei, mit Ferdinand Horanßky an der Spitze, sowie die Volkspartei und der aus Landwirthen bestehende Theil der äußersten Linken; als Merkantilisten der überwiegende Theil der liberalen Partei, an deren Spitze die Tißas und Szilagyi und die „Jungen" der Unabhängigkeitspartei, die einen starken un­garischen Handel, eine kräftige unabhängige Industrie wünschen und erstreben. An Zahl sind sich die Mit-

Feuilleton.

Zur Geschichte eines Kanals.

(Eigener Aufsatz für das „Wiesbadener Tagblatt".)

Der Bau des Nicaraguakanals scheint bei den Amerikanern nach den letzten Meldungen beschlossene Sache; sie haben sich endgültig für diese Route entschieden, nachdem zu Anfang dieses Jahres das letzte Hindernitz einer Verbindung zwischen dem Atlantic und dem Pazi­fischen Ocean gefallen war, der vielgenannte Clayton- Bulwer-Vertrag vom 8. März 1860. Damit wird eine Idee verwirklicht werden, welche die Völker drei und ein halb Jahrhunderte beschäftigt hat, ja drei ein halb Jahr­hunderte!

Es war im Jahre 1650, als vom Hofe des Königs von Spanien ein Portugiese Namens Galvao erschien, der dem König den Bau eines Kanals zur Verbindung des Großen Oceans mit dem Atlantischen Meere vor- schlug. In glühenden Farben schilderte er die Vortheile dieses Wasserweges, seine leichte Ausführbarkeit; denn in'tten im Land liege ein großer See (der Nicaraguasee), der sich leicht für die Verbindung benützen lasse. Der König war dem Plane nicht abgeneigt. Schon wollte er Galvao mit Vollmachten versehen, als die Geistlichkeit sich ins Mittel legte. Der damalige Erzbischof von Madrid erschien mit aufgehobenen Händen vor dem König und be­schwor ihn, von solch freventlichem Vorhaben abzustehen; m ® c ^ Qn ^ e daran wäre eine Gotteslästerung. „Wenn Gott den Zusammenhang der beiden Meere ge­wollt hatte, dann würde er nicht die Brücke von Mittel- amerika dazwischen gebaut haben", so sagte er, und der König konnte sich dem nicht verschließen, die Unter- mhmMg unterblieb. Und bald scheint es, als hätte die

göttliche Vorsehung dem Menschenwitz in diesem Falle Schranken setzen wollen.

Im siebzehntenJahrhundert verfiel dieMachtSpaniens, sodaß es an den Ban des Kanals nicht denken konnte; das achtzehnte Jahrhundert machte das ehedem so mächtige Reich ohnmächtig, während England und Frankreich für solch große Aufgaben in der Ferne noch nicht stark genug waren; hier und da wurde zwar von der Nothwendigkeit des Kanals gesprochen, aber Niemand war da, der ihn hätte bauen können.

Es brach das neunzehnte Jahrhundert herein und brachte die Revolution in Mittelamerika und die Los­lösung der spanischen mittelamerikanischen Gemeinwesen vom Mutterlande zu Anfang des neunzehnten Jahr­hunderts, und da, im ersten Taumel der jungen Freiheit, welche sie ihren Begeisterungsransch als männliche Stärke sehen ließ, erinnerten diese Mittelamerikanischen Staaten sich an die große Aufgabe.

Es war im Jahre 1825, als der Präsident von Nicaragua an die Vereinigten Staaten, „die große Brudernation im Norden" die Aufforderung richtete, mit Nicaragua gemeinsam den Kanal zu bauen, „dieses mächtige Werk des Friedens und der Völkervereinigung."

Bei dem damaligen Vereinigten Staaten-Sekretär Clay fiel die Aufforderung auf einen guten Boden; doch war der damalige Präsident Adams dem Plane durch­aus abgeneigt, sodaß aus dem Bau nichts wurde.

Da kam im Jahre 1849 eine Anregung von anderer Seite: der begabte Präsident Bolivar der Republik Granada interessirte sich ungemein für den Kanal, er war es, welcher in jenem Jahre einen Kongreß vorschlug aller unabhängigen amerikanischen Staaten, deren Aufgabe es wäre, diesen Kanal zu bauen. Bolivar >var ein begeisterter Anhänger der Monroe-Doktrin schon vor Monroe: Ame­rika den Amerikanern! war seine Loosung, ihm schwebte

ein mächtiger amerikanischer Einheitsstaat vor , in welchem Alles einbegriffen war, Weiße wie Schwarze und Rothhäute. So lud Bolivar denn auch die Negerrepublik Hayti zum Kongreß ein; aber er mußte bald einsehen, daß sein schöner Traum von Menschengleichheit und Ein> hcitsrecht scheiterte. Präsident Adams der Vereinigten Staaten war entrüstet, daß er mit verd— Niggern zu- sammen berathen sollte, auf seinen Wunsch beschickten die Vereinigten Staaten den Kongreß nicht und er ging auseinander, ohne ein Resultat seiner Berathungen ge­sehen zu haben.

Das Eine aber hatte dieser Kongreß zu Wege gebracht, daß man in Europa sich lebhaft für den Kanal zu inter- essiren begann, besonders in Engla. d. Der damalige Premierminister dieses Landes, Lord Palmerston, ent­deckte auch itt aller Eile „Rechte" Englands auf Belize und die Mosquitoküste, und als die Vereinigten Staaten Californien annektirten, besetzten englische Truppen die Mosquitoküste und okkupirten auch San Juan, später Greytown genannt. Nicaragua wurde zur Anerkennung der englischen „Rechte" gezwungen, ohne daß die Ver- einigten Staaten intervenirten.

Da wurden auf einmal die Goldfelder in Californien entdeckt, der Strom der Auswanderer und Abenteurer aus aller Herren Länder lenkte sich nach diesem fernen Westen; nun fanden die Kapitalistenkreise in den Ver- einigten Staaten, daß der Kanal von Ocean zu Ocean eine dringende Nothwendigkeit sei. Präsident Polk, der Nachfolger von Adams, sandte in Elijah Hise einen Spezialkommissar nach Nicaragua. Hise hatte nichts Eiligeres zu thun, als mit Nicaragua einen Vertrag zu schließen (unterzeichnet vorläufig am 21. Juni 1849), wozu er garnicht instruirt war, welcher der Republik von Nordamerika das alleinige Recht zusprach, einen Kanal durch Nicaragua zu bauen und für diesen Zweck Lanh zu