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Donnerstag. 6. Mai 1915.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 210. 63. Jahrgang.

Glückliche Fortschritte bes Durch­bruchs in Westgalizien!

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Starke Bedrohung der russischen Kräfte in den Beskiden. Oukla und Zaslo bereits wieder genommen. Bevorstehende voll­ständige Vernichtung der 3. russischen Armee.

W. T.-B. Wien, 6. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 6. Mai, mittags: Aus der ganzen Schlachtfront in Westgalizien dringen die Der- kündeten weiter erfolgreich vor. Noch intakte Trappen des Feindes versuchen in günstigen B e r- teidigungsstellungen den schleunigsten Rück­zug zu decken. Starke russische Kräfte in den B e s- k i d e n sind durch den Flankenstich der siegreichen Armeen st a r k bedroht. Die Gegend von I a s l o und Dukla ist bereits erkämpft.

Die im Gange befindliche« Kämpfe werden di« Vernichtung der 3. russischen Armee ver­vollständigen. Die Zahl der Gefangenen ist über 50000 gesftegen.

Die übrige Situation ist underändert. Fm O r a w a wurde ein starker russischer Angriff gegen die H ö h e n st e l l u n g Ostri blutig abgewiesen. 7 0 0 Russen wurden gefangen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalfiabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Das gegenwärtige Gesamtbild von der westgalizischen Front.

Durch die Erreichung Wislockas die Rüsten zum Teil im Rücken bedroht.

Br. Berlin, 6. Mai. (Erg. Dyahtbericht. Ktr. Mn.) Der Berichterstatter der33. Z." meldet aus dem österreichisch-unga- rischen Kriegspressequartier: Die Einwirkung der westgalizi- schen Schlacht auf die Karpatheusituation mache sich in rascher Rückwärtsbewegung der russischen Kräfte geltend, die der dritten österreichisch-ungarischen Armee Boroevie gegenüberstehen. Das Gesamtbild stellt sich im gegenwärtigen Moment der Schlacht folgendermaßen dar: In Westgalizien ist der längs der Kccrl-Ludwig-Bahn operierende Flügel noch im Kainpf um Tarnow begriffen. Der im Bereich der Straße gegen Jaslo vorgehende Flügel hat bereits mit starker Infanterie die W i s l o ck a erreicht. Mit ihm zusammen wirkt der linke Arm der aus dem Raum Zobore-Stropko-Wirawa einschwenkenden dritten Armee, der in der Verfolgung des Feindes auf der Karpathenstvaße mit den Bortruppen bereits in den Rücken des von Gorlice zurückgeworfenen linken russischen Flügels gelangt ist. Die Ilbficht der Russen ging dahin, durch rasches Zurücknehmen des nördlichen Flügels ihre Karpatherz, front von Konieczna an dem zurückgeworfenen Gor - lic e r Flügel einen neuen Stützpunkt zu bilden, der beide Schenkel kräftigen sollte. Die rasche und zielbewutzte Offensive der Armee Borocvic, die außerordentlich schnell vorwärts kommt, hat diesen Plan vereitelt.

Die Ausrollung der russischen Front von Westungarn.

Aus dem Kricgspresieguarncr, 5. Mai. meldet dieKöln. Zeitung": Ein Teil der Karpathenftont der Russen ist nun­mehr ans gerollt. Die A-unee Boroevie, die zuletzt auf der Linie Zboro über Szlropko bis Lupkow hielt, ist nicht nur im Eilmarsch nach Norden begriffen, um in die neue Linie Lupkow bis Zmigrod einzuschwenken, sie verfolgt miss blutigste zugleich den Feind, dessen Hast so groß ist, daß schon der Abzug des Befehlshabers der dritten russi­schen Armee, Ratko Drmitriews, aus Jasko eine Flucht war. Er hat sich um ein gutes Stück nach Osten zurückgezogen. Mir fällt ein Wort des Generals Leonhards ein, der mir vor zehn Tagen etwa, als ich Gast des Divisio­närs im Ondavatale war, leichthin, aber doch mit Betonung sagte:Wenn hier die Front ins Rollen kommt, geht es mit Riesenschritten nach vorn!" Und sein Generar- stabschef lächelte:Es ist dann wahrscheinlich, daß wir die Rusien zu Tausenden, wenn nicht zu Zchntausenden einsammeln. Sie halten sich^alle nur mühsam. Ein ein­ziger (Stofe von irgendeiner Seite genügt." Seither sind diese Worte Wahrheit geworden Die 7. Husaren und die 14. Husaren, die damals als Infanterie in ihren fabelhaften Schanzen allerAngriffsmöglichkeiten durch die Russen spotteten, sirid mit Tausenden anderen zu Pferde gestiegen. Sie jagen den Feind so heiß und toll und unerbittlich, wie sie ihn schon einmal im November aus den Karpathen her, bis hoch nach Sambvr hetzten. Die, amgerollte russische Linie, dte

bei Koniecna au fing, Kehrt zu machen, überspannt bisher etwa 60 Kilometer. Die Steirer und Ungarn des Generals Boroevie. die ihr nachjagen, werden vermutlich schon jetzt die neue Linie Lupkow bis Zmigrod erreicht haben. Wenn man die bisherigen Fronten im ungartsch-galizischen Winkel «ls ein fast rechtwinkliges Dreieck annimmi, so sind nunmehr unsere Truppen von den beiden Katheten aus die Hypotenuse übergegangen. Die Front ist wesent­lich verkürzt und ein Truppenüberschuß wird zu allem

nachdem sie neuerdings schwere Geschütze in großen Mengen herangebracht haben, auf der ganzen Front zu heftigem Bombardement über-gegangen seien, das eine starke Offen- sive anzukündigen scheine. DieNowoje Wremja" meldet, daß die Verbündeten ununterbrochen bedeutende Verstärkungen erhalten, und namentlich in Westgalizien eine auffallende Aktivität bekunden. Halbamtliche Darstellun­gen führen aus: Möglicherweise würden die Verbündeten nun--

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Überfluß frei. Der Schlag von Gorlice und Tarnow ist für die Rusien jedenfalls weit schwerer als irgend zu ahnen war. Als mich General Boroevie kürzlich in seinem Kom- mandostandort empfing, entließ er mich mit dem kurzen W- schiedswort, das noch einmal das Warten im Schützengraben streifte:Wir Soldaten wollen die Schlacht soLatisch auf dem Schlachtfelde entscheiden. Lägen wir ewig im Schützengraben, so würde der Krieg auf volkswirtschaftlichem Gebiet zuletz: zum Austrag gebracht werden." General Borocvic, der schon eine Art Technik im Vorstoß aus den Karpathen hat, hat recht behalten.

Die Flucht der Russen aus der Oukla-Senke.

Berlin, 6. Mai. (Ktr. Mn.) Über den Rückzug der Russen über die Paffe meldet der nach dem Karpathenkriegs­schauplatz entsandte Berichterstatter desBerl. Tagebl." fol­gendes: Am südlichen Flügel der wcstgalizischen Armee des Generals Radio Dimitriew ist auch das berühmte Knie an der w e st l i ch st e n D u k l a s e n k e in sich zusammen­gebrochen. Die Russen haben jetzt, der Flanken­deckung beraubt, schnell über die Pässe zurück­gehen müssen, um nicht abgcschnitten zu werden. Die ihnen gegenüberstehcnde 3. österreichisch-ungarische Armee bleibt ihnen auf den Fersen, so daß der Rückzug stellen­weise zur Flucht wird. Auf der Flucht vor den Deutschen haben die Rusien JoSlo schleunigst ostwärts verlassen. Verzweifelten Widerstand leisten sie noch am Nordflügel. Russische Erwartungen eines allgemeinen Angriffs.

Br. Wien, 6. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Petersburger Berichte verwerfe« darauf, daß die Verbündeten^

mehr zum allgemeinen Angriff schreiten, doch sei dies nicht beunruhigend.

Die zu erwartende Rümpfe um Tarnow.

Berlin, 6. Mai. (Ktr. Bln.) DerBoss. Ztg." wird zu dein Rückzug der Armee Dimitriew berichtet: Von besonderer Bedeutung sind die Kämpfe, die n a ch der Ü b e r s ch r e i - tung des Dunajec um Tarnow entbrennen, dessen Fall tn Bälde zu erwarten ist. Hrer ist die ganze schwere Artillerie eingesetzt, mit die russischen Stütz­punkte, die zum Schutz des bisherigen Hauptetappen-- ortes natürlich besonders stark angelegt sind, zu brechen. Mit besondereni Erfolg wird hier eine österreichische 42-Zentimeter-Batterie verwendet, die ursprüng- lich zur K ü st e n v e r t e i d i g u n g bestimmt war, und früher schon bei Tarirow mitwirktc.

Hötzendorf der Verfertiger dcS Schlachtplanes. Fortschritte auch südlich Stanislau.

Wien, 5. Mal. Rach übereinstimmenden Kriegspresse- quartierberichten nimmt die Schlacht zwischen der Weichsel und den Karpathen einen glücklichen Fortgang. Am S ü d f l ü g e l bei G o r l i c e macht sich die Überflügelung der, Russen schon geltend'. Nördlich davon leisten die Russen noch in stark bescstigten Ausnahmestellungen, die erst wieder durch Feuer schwerer Artillerie niedergetämpst werden müssen, hartnäckigen Widerstand. Am Nordflügel wurden gegen- über Otfinow nach dreutächtiger heimlicher Durchgrabung oeS westlichen DunasccdaMincs durch die so geschaffene Öff­nung m der Morgendämmerung des 2. Mai Pontons Hera«, geschafft, eine Brücke geschlagen, der Übergang überraftzentz