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48. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ansaaten. — Bezugs-Preis: durch den Verlag Stt Pfg. monatlich, durch die Post L Mk. «e» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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11 Ubr Vorniittags, für die Morgen - Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. kct»»c Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen._

Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

Al». 5T9 t Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Mittwoch, den 12. Dezember.

Verlags-Fernsp echer No. 2266.

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Deutsches Reich.

* Berlin, 12. Dezember. Der preußische Landtag wird zum 16. Januar einberufen.

* Der starke Anlcihebcdarf des Reiches, der, wenn man die jüngsten Erklämngen des Herrn Staatssekretärs des Reichsschatzamts in der Budgetkommission berücksichtigt, nahe­zu einen Betrag von 400 Millionen Mark erreichen dürfte, wird allen Refforts im Reiche die dringende Pflicht ans Herz legen, überall, wo es nur einigermaßen möglich ist, die größte Spar­samkeit walten zu lasten.

* Ueber das Urheber- und Verlagsrecht gelangen die Vorlagen nunmehr an den Reichstag. An den seiner Zeit veröffentlichten Entwürfen sind inzwischen, nach der „Köln. Zeitung", einige Aenderungen erfolgt. Gegenüber dem ver­öffentlichten Entwürfe über das Urheberrecht besteht die wich­tigste Abänderung darin, daß der Schutz musikalischer Werke gegen Nachdruck, ebenso wie der gleiche Schutz litterarischer Werke, wie bisher 30 Jahre, der Schutz gegen öffentliche Auf­führung aber für alle Vühuenwerke, nicht allein für die musi­kalischen, 50 Jahre betragen soll. Das Aufführungsrecht für musikalische Werke ist dem Aufführungsrecht für litterarstche Werke gleichgestellt, sodaß es, nach dem Vorschläge des früheren Entwurfs, in Zukunft eines Vorbehalts gegen Aufführungen nicht mehr bedarf; doch sind hier erhebliche Ausnahmen für Vereins-, Eeselligleits- und Wohlthätigkeitszwecke gemacht. Aeltere Notenwcrke, die keinen Vorbehalt tragen, bleiben für die Aufführung freigegeben. Eine andere wichtige Abänderung besteht gegenüber dem veröffentlichten Entwürfe darin, daß auf einen gesetzlichen Schutz gegen den Nachdruck von Privatbriefen verzichtet ist. Der Entwurf über das Verlagsrecht hat grund­sätzliche Aenderungen nicht erfahren. In beiden Entwürfen sind vielfache Klarstellungen, Vereinfachungen, auch einzelne Beseitigungen vorgenommen worden.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 11. Dezember.

Am Bundesrathstische Graf Posadowsky, v. Goßler, v. Richthofen, v. Thielmonn. Tagesordnung: Fortsetzung der ersten Etatsberathung. Abg. Bebel (Soc.) führt aus. auf dre Aeußerungen des Schatzseüetärs bezüglich des Etats eingehend, daß zu der vorläufigen Erhöhung das chinestsche Abenteuer den ersten Anstoß gegeben habe. Es sei auch hiernach noch nicht ab­zusehen, wie lang die Dauer dieser Krisis sein werde. Ver­wahrung müste dagegen eingelegt werden, daß die traurige Finanzlage auch mitverschuldet sei durch das Anwachsen der Ausgaben für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Auch wenn man die dafür eingestellten 34 Millionen völlig streichen würde, auch dann würde die Finanzlage noch eine so traurige sein. Redner wendet sich dann gegen die Abgeordneten Sattler, Graf Limburg-Stirum und Müller-Fulda und findet die von den Zerren empfohlene Sparsamkeit ungemein erheiternd. Grade der Äbg. Müller habe Alles mitbewilligt, was gefordert worden sei. Er fei also der erste Attentäter und verdiene zuerst ge­hängt zu werden. (Heiterkeit. — Der Reichskanzler erscheint im Saal.) Das eigentliche Gerippe unseres Etats bilde der Mili­

tär-, der Marine-, der Pensions-Etat und die Zinsen der Reichsschuld. Alles das zusammen, soweit es sich um Ausgaben für militärische Zwecke handle, verschlinge in dem neuen Etat 1032 Millionen, in 1890 dagegen nur 502 Millionen. Wurde ein Anderer in einer solchen Weise wirthschaften, so würde man ihn einen ganz lüderlichen Kerl nennen. An allem aber sei das Centrum Schuld. (Heiterkeit.) So hätten die Nationalliberalen. als sie noch ausschlaggebend gewesen seien, nie gewirthschaftet. Das Centrum sei thatsächlich zum Schleppenträger der Regie­rung geworden. Auch die Weltpolitik sei dem Centrum zu ver­danken und dabei habe gleich die erste Phase der Weltpolitik, China, ein großes Debacle gebracht. Was Transvaal anlange, so hätten die Socialdemokraten gestern ausnahmsweise dem zu­stimmen können, was der Reichskanzler Uber das Verhalten Deutschlands gegenüber Transvaal und England gesagt habe. Aber man solle doch nicht das Telegramm vergessen, das seiner Zeit anläßlich des Jameson-Zuges vom Kaiser nach Transvaal gerichtet worden sei. Daß Krüger in Berlin nicht empfangen worden sei, sei zu verurtheilen, das müsse auf die Buren den Eindruck der Treulosigkeit machen. Redner citirt einen Passus aus der Amsterdamer Zeitung, der von dem Richtempfang Krügers in Berlin handelt und in welchem es heißt: Die Deut­schen fürchten Gott und ihre Großmutter. (Große Heiterkeit.) Wer die Großmutter sei, werde man wohl wissen. (Erneute Heiterkeit.) Redner geißelt weiter eingehend die Zollerhöhungs­politik, ihre Konsequenzen für unsere internationalen Verkehrs- Beziehungen und unser« Arbeiter. Weiter berührt er die 12,000 Mark- Affaire. Er frage den Staatssekretär direkt, an welchem Tage derselbe von der Einnahme der 12,000 Mk. Kenntniß erhalten habe und wie das Geld verwendet worden sei, zweitens frage er den Staatssekretär Grafen Posadowsky, was er nach Einblick in den bekannten Brief des Vorsitzenden der See-Be- rufs-Genossenschaft gethan habe, ob die Unterzeichner des Briefes mit Schimpf und Schande davon gejagt seien, wie es ferner komme, daß Schiff in Elsfleth, der den Ausspruch gethan: Schiff verloren, Mannschaft leider gerettet, im Vorstande jener Berufsgenossensckaft habe sitzen können? Redner wendet sich dann zum Militär-Etat und empfiehlt dabei das Milizsystem. Den Kriegsminister frage er, ob es denn mit unserer Neutra­lität vereinbar sei, daß die Firma Ehrhardt in Düsseldorf und Eisenach gegenwärtig Geschütze an England liefere. Weiter frage er, ob an den Mittheilungen über ein neues von einem Norweger erfundenes Gcschützsystem etwas Wahres sei. Bei Besprechung des Marine-Etats erklärt Redner es für unzulässig, daß das Marineamt oder der Kaiser Gelder vom Flottenverein für den Bau von Kanonenbooten annehmen. Das sei eine Um­gehung des Budgetrechts, Einer derartigen Wirthschaft müsse der Reichstag ein Ende machen. Nachdem Redner noch die socialen Kulturaufgaben des Reiches berührt hat, schließt er mit den Worten: Wenn je, so können wir am Ende dieses Jahrhunderts sagen, die bürgerliche Gesellschaft ist mit ihrem Latein zu Ende. (Lacken.) Meine Herren, Sie arbeiten nur für uns, unser Weizen blüht. (Beifall bei den Socialdemokraten.) — Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert, bezüglich der 12,000 Mk. trage er die Verantwortung für diese Sache, gleich­viel, ob er davon gewußt habe oder nicht. Jenes sogenannre Zuchthausgesetz fei ein Gesetz zu Gunsten der Arbeiter gewesen. (Lebhaftes Gelächter links.) Die 12,000 Mk. seien verwendet worden nur zur Verbreitung stenographischen amtlichen Materials, und das Zustandekommen des Gesetzes habe damit überhaupt nicht bewirkt werden können, denn wer die erste

FemUelon.

Dom Weihr.achtslmchertisch. v.

Die Jugendlitteratur hat um diese Zeit entschieden das Prä". Aber es wäre beschränkt und einseitig vom Christkind­chen, wollte es andere litterarischere Erscheinungen unbeachtet lassen, die sich äußerlich weniger weihnachtsmäßig und mehr ernst präsentiren und die über Dinge berichten, mit denen sich meist denkendere Menschen beschäftigen. Für solche von diesen, die für das ästhetische Gebiet etwas übrig haben, wird Rudolf Presbers jüngst bei Greiner u. Pfeiffer in Stuttgart er­schienenes Buch: „Vom Theater um die Jahr­hundertwende" ein willkommenes Geschenk sem. Der Autor ist ein Knabe, der in Berlin so recht an der Quelle sitzt, denn dort ist. ob mit Recht oder nicht, der Ort, wo ein Stück erst ans Licht gehoben werden muß. will es seinen Weg über dre deutsche Bühne machen. In diesem Sinne bedeutet erne Dra­maturgie der Berliner Theater eigentlich eine deutsche Drama­turgie. Zu einer solchen gießt Presber in feinem Buche nun einen sehr wesentlichen und charakteristischen Beitrag, indem er hier 12 Monatsberichte in Buchform sammelte, dre er im Laufe der Wintercampagnen der Berliner Theater in den Halbjahren 1898 bis 1899 und 1899 bis 1900 in der vornehmen Monats­schrift „Der Thürmer" veröffentlichte. Wir wissen, daß diese Berichte des beliebten Wochenplauderers „Poins" sehr gerne ge­lesen werden. Kein Wunder! Presber war ja des trockenen Tons von jeher gründlich satt. Er ist der Plauderer par excellence, aber kein Plauderer, der hinter einer gefälligen Form die Leere versteckt, sondern ein Mann, der sehr Vieles ge­sehen — mit kritischen Augen gesehen — hat, ein Mann, der Vieles weiß, und der die Summe seiner Erfahrungen mit Geist, Humor und einer lebendigen, stets schlagfertigen, witzigen Phantasie durchsetzt. Und ob ihm auch alles Lehrhafte fern liegt,

Lesung verfolgt, habe doch gleich gewußt, daß dieses Gesetz nicht zu Stande komme. Es habe sich nur darum gehandelt, die Massen über den eigentlichen Zweck des Gesetzes aufzuklären und ihre Aufregung zu beschwichtigen. (Gelächter und Zurufe.) (Präsident Graf Ballestrem mahnt wiederholt, Unter­brechungen zu unterlassen.) An den Central-Verband habe man sich deshalb gewendet, weil er ein großes Interesse daran gehabt habe (stürmische Heiterkeit links), daß die Massen durch amt­liches Material aufgeklärt würden. Der betreffende Beamte habe übrigens die höchsten socialpolitischen Verdienste. Der Staatssekretär geht dann auf den Brief des verstorbenen Rheders Laeiß ein. Diesem unvorsichtigen Brief gegenüber sei er selbst in einer schwierigen Lage, da Laeiß sich nicht niehr erk.aren könne. Der Brief sei an das zuständige Reichsversicherungs­amt abgegangen und es sei abzuwarten, was dieses thun werde. Redner bittet schließlich, nicht auf einem wirthschaftlichen Ge- biet, so wie Bebel dies gethan, Angriffe gegen die eigene Regierung zu richten, denn damit gönne man nur dem Feind die Kriegskasse. — Abg. Kardorff (Reichsp.) wirft dem Abg. Bebel eine Art Größenwahn vor (Heiterkeit.) und stritt sodann den Bemerkungen Bebels über den Richtempfang Krügers entgegen. Ganz irrig sei es, wenn Bebel den wirthschaftlichen Rückgang auf das „chinesische Abenteuer" zurückführe. An dem Rückgang trage vielmehr das gigantische Emporwachsen Amerikas in wirthschaftlicher Beziehung die Hauptschuld. — Abg. Nicht e r (freist Dolksp.) wendet sich zunächst gegen den Staatssekretär Grafen Posadowsky. Es fei gesetzwidrig gewesen, daß das Reichsamt des Innern andere Leute um Gelder angegangen sei, welche der Reichstag nicht bewilligt habe. Was den Nicht­empfang Krügers anlange, so sei er allerdings der Meinung, daß eine Anfachung der Leidenschaften ebenso wenig von unten stattfinden solle als von oben. Die Liebeserklärung der Kon­servativen für den neuen Reichskanzler werde vielleicht nickst lange anhalten. Das gehe jedem neuen Reichskanzler so. (Heiter­keit) Auch das Centrum schmolle mit ihm noch nicht wegen der Ablehnung des Toleranz-Antrages. Es sei aber noch nicht aller Tage Abend. (Heiterkeit.) Wenn Graf Limburg das Ansehen und die Autorität des Monarchen durch den neuen Reichskanzler gestärkt wissen wolle, dann entgegne er ihm, daß er glaube, die Autorität des Kaisers sei augenblicklich weniger gefährdet, als die Autorität des verantwortlichen Minister». (Ruf: Sehr richtig.) Redner geht alsdann auf Fragen der Wirthschafts- und Handelspolitik ein, den einseitig zusammen­gesetzten wirthschaftlichen Ausschuß, die Gefahren starker Ge- treidezoll-Erhöhungen. Beim Flottengesetz habe der Schatz- sekretär anfänglich gesagt, neue Steuern seien nicht nöihrg. Mit Recht weise daher der Abg. Müller-Fulda darauf hin, wre nothwendig das Flottengesetz neue Steuern verlange. Auf die Börsensteuer eingehend, bemerkt Redner, daß man sich über den Ertrag derselben doch sehr getäuscht habe, ebenso über die des Schiffahrt-Frachtstempels. Man habe gestern wieder das L,ed von der Sparsamkeit gesungen, aber was wolle man jetzt, nach­dem man das Budgetrecht beim Flottengesetz aus den Händen gegeben hat. Daß man bei den Offizieren für ein Moltke- Denkmal sammle, komme auf dasselbe hinaus, als wollte man bei den Legationsräthen sammeln für ein Bismarck-Denkmal. Graf Limburg wolle die dreijährige Dienstzeit zurück haben und tadle die Ergebnisse der zweijährigen. Aber hier wider­spreche er sich selber, indem er ausdrücklich die Tüchtigkeit unserer Truppen in China gelobt hat. Sollte es sich bestätigen, daß uns wieder Ausgaben für eine neue Geschützart bevor-

und ob man öfter auch vielleicht einmal nicht mit ihm einver­standen ist, seine Plaudereien über die zahllosen Stücke, die an ihm vorüberzogen und von ihm apostrophirt werden, belehren mehr, als die zünftigste Litteraturgeschichte, denn — sie regen an und die Anregung ist ja schließlich das eigentliche belebende Element. Also: eine anregende, Seite um Seite interessante Lektüre, eine höchst angenehme Gesellschaft, der alles Philister- . hafte ferne liegt und die in ihrer Eleganz und gefälligen Leichtig­keit den besten französischen Plauderern nichts nachgiebt. Wir empfehlen das Buch allen Leuten von Geschmack. (Pr. 3 Mk.)

Schwerer geartet durch seinen Stoff ist Bruno W i l l e s Buch: „Offenbarungen des W a ch h o l d e r b au m s". 1. Band (Eugen Diederichs in Leipzig). „Roman eines All­sehers" nennt der bekannte, frcigeistige Schriftsteller sein schon, des Stoffes würdig ausgestattetes, außerordentlich gedanken­reiches Buch. Mit einem Roman üblicher Art, in dem sich zwei kriegen oder auch nicht kriegen, hat es allerdings nichts zu thun. Aber das Leben eines Mannes, der wirklich ein Allseher ist, der Alles, was ihm begegnet, mit den großen Frageaugen des Wahrheitssuchers anschaut und der im Kleinsten das große Prinzip des Alls zu ergründen, den innern Zusammen­hang damit zu entdecken strebt und der mitempfindet bei jeder Empfindung, die er erkennt, dessen ganzes Sein ist ein aus unzähligen Kapiteln zusammengesetzter Roman, mag er seiner Erzählung nun eine Form geben, welche er wolle. Eine seltene Ruhe und Abklärung spricht aus diesem Buche, eine über dem gewöhnlichen Treiben schwebende, geistige Verinnerlichung. Strenge auf den Forschungen und den modernen Erkenntnissen der Naturwissenschaft stehend, ein Freund und Bewunderer Häckels, lebt Wille doch dem plattenMaterialismus gänzlich ferne und findet sogar Worte grimmigster, satyrischer Vernichtung dafür. Die kostbare Stelle, wo er einen kotzen Materialisten an der Leiche einer Selbstmörderin im Secirsaal vor den Stu­denten seine anscheinend so überzeugende Weisheit auskramen läßt, liefert dazu einen herrlichen Beweis. Das Buch ist so reich, so vielseitig, daß es unmöglich ist, ihm im Rahmen einer

kurzen Besprechung auch nur annähernd gerecht zu werden. Für die große Masse ist es zu gut. Alle Die aber, die im Hasten unseres Erwerbslebens hin und wieder noch ein Stündchen echter Muße sich retten können, die mögen zum Genossen solcher Mußestunde dies Buch wählen und durch dasselbe an den Unter­haltungen des Autors mit dem ehrwürdigen Wachholderbaum Theil nehmen. Erwähnt fei noch, daß der reizvolle Buchschmuck von Fidus herrührt, der für seelische Probleme immer eine so tiefsinnige, bildliche Lösung fand. Mit Freuden sehen wir aus seinen Vignetten, daß er neuerdings auch der malerischen Wirksamkeit größere Zugeständnisse macht und der Helligkeit Dunkelheiten entgegen zu setzen gelernt hat. Seine Art hat dadurch sehr gewonnen, ohne daß seinem innersten Wesen Ab­bruch geschähe.

Bei dieser Gelegenheit sei auch auf ein Buch hingewiefen, das wir in seiner Vollständigkeit zwar noch nicht sahen, von dem wir aber einige Kapitel zu Gesicht bekamen. Und diese genügen, um den Geist des Ganzen zu erkennen. Das Buch, von dem hiesigen deutsch-katholischen, freireligiösen Prediger Welker herrllhrend, führt den Titel: „Freireligiöse Predig­ten" (Wiesbadener Verlag Humanitas), Pr. 3 Mk., und ent­hält in diesen von dem starken Geist einer tiefen UeberzeugUng getragenen Predigten das Weltanschauungsbekenntniß dieses nach Wahrheit ringenden Geistes. Die ruhige Abklärung des ihm geistesverwandten Wille mangelt ihm vielfach noch. Er wirbt agitatorischer für seine Sache und ruft gleichsam denHeuch- lern, den Legionen der Denkfaulen ein: „O Ihr Otterngezücht!" entgegen. Er ist ein rücksichtsloser Fanatiker der Wahrheit, ein leidenschaftlicher Ankläger, und da seine Anklagen von einem hohen sittlichen Ernste getragen sind, wirken sie umso überzeu­gender. Viele von der anderen Observanz werden etwa bei diesen Attaquen von Gefühlen befallen werden, wie Herr Uriel, wenn er mit Weihwasser bespritzt wird, Herr Uriel fährt dann allerdings, wie die Sagen wissen wollen, „mit Stank von hinnen". Dieses aber wird man mit einem sauersüßen Gesicht und Totschweigen strafen, Uebrigens, das wolle» wir dog