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48 . Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis: durch den Verlag S« Pfg. monatlich, durch die Post l Mk. ÖO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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1900.

Dienstag, den 11. Dezember.

Verlags-Fernsprecher No. 2266.

No. 576.

Redaktions-Fernsprecher No. 52.

Morgen-Ausgabe.

Die ostafrikmiischr Centralimhn.

Die einmaligen Ausgasten des Elalsdaranschlag» für Deutsch-Ostafrika auf das Etatsjahr 1901 erreichen die Höhe von 8,109,200 Mk. Von dieser Smnme werden

4,500,000 Mk. für Eisenbahnbauzwecke verlangt. Zur Fortführung der Usambara-Eisenbahn von Muhesa bis

Korogwe werden jetzt als letzte Rate 950,000 Mk nachge­fordert, und diese Nachforderung wird damit begründet, daß widrige Witterungsverbältnisse die Bauarbeiten so verzögert hätten, daß Korogwe erst im Juli 1901 würde erreicht werden können. Die erhöhten Eisenprerse trugen zum anderen Theil dazu bei, daß eine Nachforderung nöthig würde. Der weitere Ausbau der Usambara-Eisen­bahn über Korogwe hinaus bis Mombo wird auf

3.120.000 Mk. veranschlagt, und als erste Rate werden

1.550.000 Mk. gefordert. Für die ostafrikanische Central­

bahn werden als ersteRate zum Bau der auf 16 Millionen veranschlagten Strecke Dar-es-Salaam—Mrogoro zwei Millionen gefordert. r

Das außerordentlich große Gewicht, das die Kolomal­verwaltung auf die Bewilligung dieser Forderung legt, läßt sich an dem großen, zu ihrer Begründung auf­gewandten Apparat ermessen. Eine Denkschrift, ein Kostenüberschlag, ein Erläuterungsbericht zu diesem, ein Bericht über die allgemeinen Verkehrsverhältnisse in Ostafrika und zum Schluß eine Beschreibung der Eisen­

bahnlinie von Mrogoro nach Tabora sind dem Etat bei­gegeben. Die Gründe, welche die Kolonialverwaltung für ihre Behauptung beibringt, besagen, daß der Bau einer solchen Eisenbahn die vornehmste und wichtigste Aufgabe ist, welche für das ostafrikanische Schutzgebiet vorliegt. Die heutigen Karawanenstraßen im Schutz­gebiet sind im Großen und Ganzen nichts als natürliche Fußwege, an die niemals Menschenarbeit gerührt hat. Ein Ausbau dieser Wegeverbindungen zu einigermaßen leistungsfähigen Fahrwegen oder gar Kunststraßen

würde unberechenbare Kosten, Zeit und Arbeitskräfte er­fordern, ohne daß bei dem großen Mangel an Zug­tieren Sicherheit dafür geboten wäre, daß das an­gestrebte Ziel, dem Handel geeignete Verkehrsverbin- dnngen zu schaffen, erreicht wird.

Daß das Seengebiet, dessen Erschließung die Central­bahn dienen soll, das wirthschaftlich werthvollste Gebiet unseres Schutzgebiets ist, muß nach den Schilderungen hervorragender Kenner des Landes angenommen werden. Heute kostet die Fracht aus dem Seengebiet zur Küste und umgekehrt 80—100 Mk. für den Centner bei einer Be- törderungszeit von 2—3 Monaten.

Nur Edelmetalle und Elfenbein, höchstens mich Gummi — so heißt es in dem Bericht des Oberstlts. Gerding — können eine derartige Fracht tragen; die Ausfuhr von Landesprodukten aber, wie sie in un­gezählter Meiige im Innern Ostafrikas auf dem fast überall gleich ergiebigen und fruchtbaren Boden gezogen werden können, muß unterbleiben, ebeiiso, wie es un­möglich ist, etwaige Erzeugnisse der Montanindustrie, mit Ausnahme von Gold und Edelsteinen, nach der Küste zu befördern. Die aufgefundenen Kohlenlager, welche für die Kolonie von ungeahnter Bedeiitnng werden könnten, müssen ungenutzt liegen bleiben, und selbst der Plantagenbau, der an vielen Stellen im Innern die günstigstenVorbedingungen findet, imd auch im Uluguru- gebirge bereits einen erfreulichen Anfang genommen hat, vermag bei derartig primitiven und theueren Verkehrs­verhältnissen nicht aufzukommen, sobald die Entfernung von der Küste eine verhältnißmäßig geringe Grenze überschreitet.

Thatsache ist, daß die Ausfuhr Ostafrikas jetzt von Jahr zu Jahr bedenklich abnimmt. Die Kolonial­verwaltung führt diese Erscheinung auf die ungenügenden Verkehrsverhältnisse zurück. Wiederholt wird auf die Ugandabahn und die ungeheueren Aufwendungen ver­wiesen, die England für diese macht; 60 Millionen sind verbaut und weitere 40 Millionen bewilligt worden.

Oberstlt. Gerding glaubt Voraussagen zu können, daß die Bahn Dar°es°Salaam—Mrogoro, zu deren Her­stellung er eine Zeit voii 3 Jahren in Aussicht nirnmt, sich nicht nur rentiren, sondern mit der Zeit eine be­deutende Einnahmequelle für die Kolonie werden und da­zu beitragen werde, diese unabhängig von der Unter­stützung des Reichs zu machen und auf eigene Füße zu stellen. Die Kolonialverwaltung läßt es nicht zweifelhaft, daß sie die Strecke Dar-es-Salaam—Mrogoro nur als Beginn der weiteren Strecke bis Tabora, um dort zu­nächst Anschluß an die geplante Kap Kairo-Bahn zu ge­winnen, angesehen wissen will, und daß über Tabora hinaus die Centralbahn den Tanganhikasee erreichen soll. Bei einem Gesammtkostenaufwand von 15 Millionen für die 230 Kilometer lange Strecke Dar-es-Salaam— Mrogoro entfallen auf das laufende Kilometer 65,217 Mark an Baukosten. Legt man diese Summe bei Berech­nung der Kosten für die 800 Kilometer lange Strecke von Mrogoro über Kilossa, Mpapwa, Kilimatinde, Moale nach Tabora zu Grunde, würde sich eine Summe von 52,173,600 Mk. ergeben.

Die sämmtlichen hier genannten Bahnlinien, Pro­jekte und Stationen finden unsere Leser auf beistehender Karte deutlich verzeichnet.

Feuilleton.

Ans Kunst «nd Leben.

? Vortrag Reust. Im kleinen Saal des „Kasino" hielt Herr Ed. Reuß auf Veranlassung des Wagner-Vereins am Sonntag Mittag den angekündigten Vortrag über „Die zweite Scene des 2. Aktes aus Wagners „Tristan und Isolde". Der Redner ist seit seiner mehrjährigen Wirksamkeit in unserer Stadt, namentlich durch seine hervorragende pianistische Be­gabung, in allen künstlerischen Kreisen noch unvergessen. Seine Rede hat nicht gerade etwas Blendendes, sie ist durchaus schlicht und ungesucht und gleicht eher einer gemüthlich-anheimelnden Unterhaltung. Sobald Herr Reuß aber in die Tasten greift, weiß er ohne Weiteres zu Herzen zu sprechen, zu überzeugen und mit sich fortzureißen. Nach einer einleitenden Bemerkung über Genuß und Verständniß der Musik im Allgemeinen pries der Redner die leichte Verständlichkeit der Wagner'schen Dramen und so auch des „Tristan", dessen Handlung und Charaktere kurz durchgesprochen wurden. Alles sei klar; nur die bekannte Liebeszwiesprache zwischen Tristan und Isolde im 2. Akt mit den zum Theil räthselhaft erscheinenden Anspielungen auf „Tag" und „Nacht" bedürfe vielleicht einer näheren Er­läuterung. Herr Reuß wies hin auf die tief-innere dramatische Bewegtheit in diesem scheinbar undramatischen Ruhepunkt der Handlung. Dem Begriffe des „Tages", — der die Liebenden scheidet, des Tages, als des hellen Glanzes, dem Isolde, die Königstochter, selber gleiche, und die eben deshalb für Tristan, den Vasallen, unerreichbar blieb; diesem Tage, von dem Tristan klagt „giebt s eine Noth, giebt's eine Pein, die er nicht weckt mit seinem Schein" — steht der Begriff der „Nacht" gegenüber, welche allein die Liebenden zusammenführt, und das Glück und

das Vergessen in ihrem Schooße birgt: „Sink' hernieder, Nacht der Liebe, gieb Vergessen, daß ich lebe". Aber je mehr di: Liebenden ihrer Schuld bewußt werden, je dringender ersehnen sie nur noch die Nacht, die allen Trug zerstören und sie Beide für immer vereinen mutz. So werden sie aus „Nachi- Geweihten" — „Todgeweihte". Diese untrennbare Ver­einigung feiern die Liebenden in schwärmerischer Begeisterung. Der Redner suchte die musikalischen Motive für Tag (oder Leiden) und Nacht (oder Erlösung) in ibrer Gegensätzlichkeit darzulegen und in ihrer Fortspinnung und Verknüpfung, wie sich dies aus dem wechselnden Inhalt der Dichtung ergiebt, genauer zu verfolgen — bis zu der letzten großen Steigerung beider Motive, aus denen sich das „Liebestod"-Motiv erhebt, jener schwungvolle Hymnus, den ja bekanntlich Isolde xn Tristans Leiche (zum Schluß der Oper) nochmals aufnimmt Mit dem Vortrag dieses Schlußgesanges „Isoldens Liebes- tod" in der Liszt'schen Klavierbearbeitung bot dann Herr Reuß ein Meisterstück und erwarb sich mit seinen Ausführungen den freudigen Dank und die lebhafte Zustimmung seiner Zu Hörerschaft. O. D.

* Frankfurter Stadttheater. (Spielplam) Schau­spielhaus. Dienstag, den 1l. Dezember: „Kabale und Liebe". Präsident: Herr M. Pfeil vom Lessingtheater in Berlin als Gast Mittwoch, den 12.: „Rosenmontag". Donnerstag, den 18.: .,Rosen­montag". Freitag, den 11.: „Zopf und Schwert". König: Herr Pfeil vom Lessingtheater in Berlin als Gast. Samstag, den 15.: „Heimatb". Magda: Fräulein Schumowska vom Stadttheater in Zürich, Schwartze: Herr Pfeil vom Lessingrheater in Berlin, als Gäste. Sonntag, den 16., Nachmittags 3','-Uhr: „Johnnnisfeucr". Abends 7 Uhr: „Madame Snus-Göne". Montag, den 17.: „Rosenniontag". Dienstag, den 18.: „Rosenmontag". —

Opernhaus. Dienstag, den 11. Dezember: „Czar und Zimmer­mann". Mittwoch, den 12., Volksvorstcllung: „Lohengrin".

Donnerstag, den 13.: „Das goldene Kreuz". Vorher: „Der Ehe­mann vor der Thür". Freitag, den 14.: Gcfchlossen. Sainstag, den 15.: „Das Glöckchen des Eremiten". Sonntag, den 16., 3H- Uhr Nachmittags: „Hansel und Grethcl". Abends 7 Uhr: „Amelia oder der Maskenball".

Dr. T. Die geistigen Provinzen des Gehirns. Der

berühmte Hallenser Neurologe Julius Eduard Hitzig hatte die ehrenvolle Einladung erhalten, vor der Londoner Neurologischen Gesellschaft einen Vortrag zu halten, und er kam dieser Auf­forderung nach, indem er in voriger Woche daselbst über den gegenwärtigen Standpunkt der wissenschaftlichen Kenntnisse betreffs der geistigen Obliegcnhheiten der verschiedenen Theile der Gehirnoberfläche sprach. Seit Hitzig selbst durch diese schönen Experimente im Jahre 1870 die Entdeckung gemacht hakte, daß ein Theil der Gehirnoberfläche in verschiedene Be­zirke zu theilen ist, von denen jeder die Bewegungen gewisser Körpertheile einleitet und beaufsichtigt, haben sich viele Forscher mit der Lösung der aus dieser Thatsache sich ergebenden Frage beschäftigt. Erstens entstand hieraus die Aufgabe, festzustellen, ob solche Bezirke in Wirklichkeit besondere geistige Organisationen darstellen, und zweitens, ob sie, wie eine kleine geistige Maschine in Bezug auf die Erscheinungen der freiwilligen und auto­matischen Bewegungen des Körpers wirken. Die Untersuchungen der letzten drei Jahrzehnten haben zunächst das Vorhandensein derartiger geistiger Bezirke vollauf bestätigt, sodaß man jetzt in der Lage ist, genau die Stelle im Gehirn zu bezeichnen, die z. V. die Bewegung eines Armes oder einer Hand veranlassen, wenn eine freiwillige Thätigkeit, wie etwa das Schreiben oder Zeichnen, geübt werden soll. Ein weiteres Problem, das für die Physiologie von großer Wichtigkeit ist, besteht in der Er­mittelung, wie solche geistige Mittelpunkte aufeinander wirken, und vor Allem in wie weit sie zur Aufnahme von Gefühls­eindrücken und als Ausgangsstation zur Abgabe von Befehlen