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Donnerstag, 6. Mai 1913.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 209. * 63. Jahrgang.
weitere Zortschritte in löst u. West.
Der Tagesbericht vom 5. Mai.
(Wiederholt, weil nur in einem Teil der Abend-Ausgabe.)
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Mai. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplatz.
Mir schwer st en Verlusten weichen die Eng - l Sud er weiter in der Richtung auf den östlich von Ypern gelegenen Brückenkopf zurück. Die Banhcule Eksternest, der Schloßpark von Herenthage und Het Pappotjc-Ferm wurden von uns genommen.
Zwischen Maas und M o s c l herrschte wieder regere Tätigkeit. Im Priesterwalde nordwestlich von Pont - ä Mousson griffen die Franzosen gestern mit starken Kräften an. Trotz langandaucrndcr Artillerievorbereitung brachen die Angriffe mit starken Verlusten für den Feind in unferem Feuer zusammen. Dagegen gingen wir im Walde von Lilly und östlich zum Angriff über, der gute Fortschritte macht. Wir nahmen hier bisher 10 Offiziere und 750 Mann gefangen.
Destlichsr Kriegsschauplatz.
Von S ü dosten kommende russische Angriffe auf Rossienic wurden abgewiefen. Die Verfolgung des Feindes ist im Gange. Auch bei Kalwarija, sowie nordöstlich von S u w a l k i und östlich von Augustowo scheiterten zahlreiche rusiische Vorstöße. Dort wurden insgesamt etwa 500 Russen gefangen genommen.
Auf der übrigen Front fanden einzelne Nahkämpfe ßlltt» die säintlich zu unseren Gunsten entschieden wurden.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Der Angriff der verbündeten Truppen nördlich den Waldkarpathen durchbrach gestern bereits die dritte befestigte Linie der Russen, die dort auf der ganzen Front geworfen, auf Wislocka zurückweichen. Die Größe des Sieges kann man daraus ersehen, daß infolge deS Durchbruchs der Verbündeten die Russen ihre in der Nördliche» Flanke bedrohte Stellung in den Waldkarpathen, südwestlich vom Dukla-Paß zu räumen beginnen. Die Schnelligkeit, mit der unsere Erfolge erzielt wurden, machen cs unmöglich, ein zahlenmäßiges Bild über die Sicgcsbcutc z» geben. Nach den vorläufigen Meldungen scheint die Zahl der Gefangenen bisher über 30000 zu betragen.
Oberste Heeresleitung.
*
Der obige Bericht des Großen Hauptquartiers b e st ä t i g t die Erfolge der letzten Tage und bringt Kunde von neuen, nicht minder erfreulichen Fortschritten. Bor allen Dingen erfährt man, daß auch auf dem w e st l i ch e n Kriegsschauplatz, in W e st f l a n d e r n, die deutsche Offensive, deren Bedeutung und Aussicht von der englischen und französi- schen^Presse nicht lebhaft genug bestritten lverden konnte, unter Führung des Generalobersten Herzog von Württemberg einen weiteren, bedeutsamen Erfolg erzielt hat: In der Gegend von Ypern ist der östlich vorspringende Teil der feindlichen Stellungen in einer Tiefe von 4 Kilometer eingedrückt worden. Der Feind — man weiß, daß dort Engländer und Franzosen Schulter an Schulter kämpfen — hat in regelloser Flucht zurück- gehen müssen. Er ist zunächst in einer neuen, freilich ziemlich weit zurückliegenden Stellung von seinen eigenen Geschützen und Maschinengewehren aufgenomrnen worden. Aber auch gegen diese neue Stellung ist der Angriff bereits im Gange. Die Wichtigkeit dieses Erfolges, der unter Umständen einer Bedrohung des gesamten linken Flügels der Verbündeten gleichkonrmt, liegt auf der Hand. Auch :n O st f r a n k r e i ch ist die Ruhe, die dort herrschte, unterbrochen worden: Südöstlich Ailly hat ein deutscher Angriff uns eine erfreulich große Zahl von Gefangenen eingebracht.
- Von dem Kriegsschauplatz in W e st g a l i z i e n, wo der deutsche Hujarengeueral v. M a ck e u s e n die Führung hat, wird jetzt b e st ä t i g t, chas man zum Teil schon aus den Berichten der österreichischen Kriegsberichterstatter wußte, daß die feindliche Front in nicht weniger als drei Stellungen hintereinander durchstoßen worden rjt. Die letzte dieser drei Stellungen befindet sich an der W y slo cka. In den Kämpfen der beiden letzten Tage haben sich auf russischer Seite bereits Verstärkungen fühlbar gemacht. Aber auch diese Verstärkungen sind teils gefangen genommen, teils in die Flucht der übrigen Truppenmassen mithineingerissen worden. Rechts und links von den deutschen Truppen kämpften die Österreicher gleichfalls mit erfreulichem Erfolg. Auch die russischen Stellungen am Dukla-Paß sind bererts an Mehreren Stellen durchbrochen. Der Erfolg der gesamten Operationen läßt sich auch heute weder zah - lenmätzrg angcben, noch in seiner ganzen Tragweite beurteilen. Man wird rnsbesondere abw arten müssen, welchen Einfluß dieser glänzende Erfolg auf dre übrige K ar p a ih en f ro n t ausüben wird.
Die unter der Oberleitung des Generalfeldmarschalls von Hindenburg vor sich gehende deutsche Aktion gegen die baltischen Provinzen hat nunmehr eine Gegenaktion der 8tnj{en hervorgerufen: Südöstlich und nordöstlich von
LnwaDik i ist es zu starken russischen Angriffen gekommen,
die aber glatt zurückgewiesen wurden. Der russische Angriff kam aus der Richtung Kowno, der Mittelpunkt des Gefechts !var bei R o s s i e n z, das etwa 100 Kilometer nordöstlich von Tilsit und etwa ebenso weit von Kowno liegt. Rach dem Ergebnis dieser Gefechte kann fest-gestellt werden, daß die Linie Suwalki-Rossienz vom Feinde gesäubert ist. Wertere Kämpfe sind in der Gegend von Libau im Gange und auch noch zu erwarten. L i b a u wird von den. Russen einft »eilen noch gehalten.
*
Der österreichisch - ungarische Tagesbericht.
Die russische Beskidenfront unhaltbar.
Oie Russen auf einer Front von 150 Kilometer geschlagen.
W. T.-B. Wien, 5. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 5. Mai, mittags: Die Rückwirkungen
des Sieges beginnen sichtbar zu werden. Die russische Beskidenfrout Zboro-Sztropko-Lupkow ist unhaltbar geworden. Da die siegreichen Verbündeten Streitkräfte unter andauernden erfolgreichen Kämpfen Vvn Westen her gegen Jasno und Smigrod weiter Vordringen, ist der Gegner im W c st a b s ch n i t t der Karpathenfrout seit heute früh in vollem Rückzug aus Ungarn, verfolgt von unseren und deutschen Truppen. Die Russen sind somit jetzt an einer etwa 150 Kilometer langen Front geschlagen und unter schwersten Verlusten zum Rückzug gezwungen.
Die sonstige Situation ist im allgemeinen unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschallcutnant.
Die wachsende Bedeutung des Narpathenkrieges.
W- T.-B. Wien, 5. Mai. (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs- presseqnartier wird gemeldet: Der Erfolg des Sieges in West- qalizien ist weitaus größer, als es sich zuerst erkennen ließ, da nun schon ein großer Teil der russischen Karpathenfront in den Rückzug des Feindes hineingeriffen ist. über die Trophäen deS Sieges wird sich bei der großen Zahl des in Betracht kommenden Raumes erst nach mehreren Tagen ein überblick gewinnen lassen. Sowohl in Westgalizien als in den Beskiden werden fortwährend Gefangene eingebracht, doch ist es begreiflicherweise ganz unmöglich, deren Zahl verläßlich festzustellen. Was also von privater Seite in der Öffentlichkeit verbreitet wird, beruht auf willkürlicher Schätzung und entbehrt einer reellen Grundlage. In den amtlichen Berichten wird jeweilig der Stand der in die rückwärtigen Sammelstationen täglich gebrachten oder in eigene Verpflegung übernommenen Kriegsgefangenen gemeldet. Die Endsumme wird jedenfalls sehr bedeutend sein.
Die Verschleierung des Sieges durch die englischen Berichterstatter.
Die diesmal ehrliche „Times".
Br. Kopenhagen, 5. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Die englischen Berichterstatter in Petersburg geben sich die größte Mühe, die Niederlage der Russen in Galizien als völlig unbedeutend darznstellen. In Petersburg sei man feit mehreren Tagen darauf vorbereitet, daß das russische Heer auf diesem Kampfplatz vorläufig gezwungen sein würde, eine R ü ckwärtskonzentrierung v«zu- nehmen, da Ende der letzten Woche die neue österreichische Offensive in der Gegend des Uzsoker Passes klar geworden sei, und die vereinigten österreichischen und deutschen Truppen alles daran fetzen würden, die Russen hier zurückzuwerfen.' Der russische Generalstab habe daher eine Zusammenziehnng der Front in dieser Gegend beschlossen. — Die „Times" schreibt: Der deutsch-österreichische Sieg in den Karpathen ist zweifellos von großer Bedeutung. Ein Blick auf die Karte lehrt den Ernst dieser Nachricht in strategischer Beziehung.
Der rusfifche Generalstabsbericht.
Wie der Vormarsch in Kurland und die Mederlage am Dunajec verschleiert werden.
W. T.-B. Petersburg, 5. Mai. (Nichtamtlich.) Amt- licher Bericht des Großen Generalstabs: Am 3. Mai unternahm der Feind nichts gegen L i b a u und Mita u, das unsere Truppen besetzt halten. Bei R o s s i e n z fanden kleine Gefechte statt.
Am linken Njemenufer, nördlich vom Bobr und N a r e w und auf dem linken Weichselufer bis zur P i l i c a ist die Lage ohne wesentliche Veränderung. Zwischen Metta und Tschernogensha, nördlich von dem großen Sumpf, nahmen wir mehrere Dörfer im Kampf ein. Die Deutschen griffen unsere Stellung am rechten Ufer des O m u I e w aus einer ziemlich breiten Front an, wurden jedoch durch unser Feuer zu einem bestürzten Rückzug gezwungen und ließen ihre Toten und Verwundeten an unserer Stellung.
Südlich der Pilica unternahm der Feind, von schwerem Artilleriefeuer gedeckt, mehrere Angriffe. Bei L o p u s ch - m o w kam die feindliche Infanterie am 2. Mai bis auf 200 Schritte an unsere Schützengcäbeu heran, aber in der darauf.
folgenden Nacht warfen sic unsere Gegenangriffe mit großen Verlusten aus den Verschanzungen, die sie errichtet hatten, und die wir unbrauchbar machten. An einzelnen Stellen versuchte der Feind, die N i d a zu überschreiten, aber urrsere Gegenangriffe zwangen ihn, das linke Ufer vollständig zu räumen. An der Weichsel bei K r a s n e w setzte sich der Feind nahe bei unseren Stellungen fest, wo er sich hartnäckig verschanzte. In der Nacht vom 5. Mai wurden diese Abteilungen von uns durch Bajonettangriff vernichtet. Wir machten 400 Gefangene, darunter 9 Offiziere.
In Galizien entwickelten sich aufeinanderfolgende Kämpfe von der Weichsel bis zu den Karpathen im Lause des 2. Diai bis 3. Mai. Einzelnen Abteilungen des Feindes gelang es, aus das rechte Ufer des Dunajec zu kommen. Unser Feuer verhinderte sie jedoch, vom Ufer aus vorzudringen. Der Kampf nahm in der Gegend Tnchow-Biecz besondere Heftigkeit an. Die feindliche Artillerie entwickelte hier, was die Anzahl der verbrauchten Geschosse betrifft, ein ganz außerordentlich starkes Feuer. Im Verlauf unseres Gegenangriffs machten wir mehrere hundert Gefangene und konnten die Anwesenheit deutscher Heeresteile fesfftelleu, die zum erstenmal (!) au unserer Karpathcnffoiit erscheinen.
In der Richtung gegen S t r y j, in der Gegend G o l - vetzko. dauert der heftige Kampf an. Eine Höhe wechselte hier dreimal den Besitzer, bis wir sie um Morgen des 3. Mai endgültig eroberten. Im Laufe des Tages machten wir neuerdings 1200 Gefangene, darunter 5 Offiziere, und eroberten drei Maschinengewehre. Im Onelleirgebiet des Flusses Swiea scheiterte ein Versuch des Feindes, unsere Flanke zu umgreifen. Auch hier machten wir Gefangene und zwangen den Fein», in größter Unordnung znrückzugehen.
Ein weiteres neutrales Urteil über die neue Kriegslage.
Br. Rotterdam, ö. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der „Nieuwe Rotterd. Courant" schreibt: Selbstverständlich kann ein Erfolg gegen, die tvestgalizische russische Front großen Einfluß auf die Lage in den Karpathen und darüber hinaus aus die ganze Kriegslage im Osten üben. Diese Gefahr für die Russen hängt zusammen mit der Gefahr ans N o r d w e st e n, denn, eine Petersburger Meldung behauptet zwar, baß die deutschen Versuche ziemlich kindisch seien. Aber die Meldung erkennt zugleich an, daß die Bahn von L i b a u nach Diinaburg in einer Länge von über 90 Kilometer besetzt ist. Daraus ergibt sich weite, daß auch die Bahnverbindung Libau-Riga abgeschnitten ist. Jedenfalls scheint es für Rußland nicht der richtige Zeitpunkt, eine Landungsexpedition nach der europäischen Türkei oder an einen Aufmarsch in Armenien zu denken. Die Ereignisse in den Karpathen seien auch geeignet, die Kriegsbegicrdc in Italien abzukühlen.
Die gefälschte W.I.-8.-Depesche.
Br. Berlin, 5. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie bereits mitgeteilt, wurde in der Angelegenheit der gefälschten Depesche des „W. T.-B." scher die angeblich in Wvstgalizien gemachte Kriegsbeute eine behördliche litt tersuchung eingeleitet. Seitens des Oberkommandos wurde, wie der „L.-A." jetzt hört, auch der S t aat s k o m m i s sar der Berliner Börse ersucht, bei der Klarstellung der Angelegenheit mi^u- wirkeit. Von dem Staatskommissar erging die gleiche Zlufforderung an den Börsenvorstand. Es war hier nur festzustellen, daß die erste Mitteilung über die Beute gestern von Essen aus hievhev» an die Börse gegeben wurde und dann Verbreitung fand. Es wurden auch einige B ö r s e n b e s u ch e r zur Aiuskunfts- crteilung vom Oberkommando vernommen.
Deutsche Flugzeuge über Riga.
Br. Rotterdam, 5. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Ans Petersburg wird gemeldet: Vier feindliche Flieger exi schienen Dienstag über Riga, anscheinend jedoch nur zu Aufklärungszwecken, da keine Bomben abgeworfen wurden.
Die Siegesbotschaft im ungarischen Rbgeordnetenhause.
(Wiederholt, weil nur in einem Teil der Abcnd-Ansgabe.)
W. T.-B- Budapest, 5. Mai. (Nichtamtlich.) In der Sitzung der Abgeordneten ergriff Ministerpräsident Tisza das Wort ute sagte, er wolle dem Hanse die neuesten Nachrichten vom Kriegsschauplatz mittelen: Der vorgestrige Angriff der vereinigten österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen, welche die befestigten westgalizischen russischen Stellen cm mehreren Punkten durchbrachen, hatte zur Folge, daß wir diese Stellungen in ihrer ganzen Breite von den Karpathen bis zur Weichsel eroberten. (Lang anhaltender Beifall, Elsen-Rufe und Händeklatschen.) Der Sieg fand gestern seine Fortsetzung, indem unsere Armee in westlicher Richtung siegreich vorgedrungen ist und die ihr gegen- überstehende starke russische Armee zum schnellen Rückzug gezwungen hat. (Lebhafte EljenMiise.) Wir können heute auch noch nicht annähernd die ganze Tragweite des Sieges beurteilen. Auch liegen noch keine genauen Zahlen über die Mengen des eroberten Kriegsmaterials vor. Bisher wurden 04 Maschinengewehre unL> 24 Geschütze gezählt. (Lebhafte Eljen-Rufe.) Die Zahl der Gefangenen übertrifft 30 000. (Die Mitglieder des Hauses erhoben sich und brachen in allgemeine Eljen-Rufe aus.) Gottes Segen, so
