l& Fortsetzung.) (Nachdruck verbalen.)
Drei Theilhaber.
Roman von ?lret Karte.
Autorisiert.
Seine warnte und aufrichtige Begeisterung machte dem Schweigen ein Ende, in das sich Alle gehüllt hatten. Andere Trinksprüche wurden ausgebracht und bald herrschte allgemeine Heiterkeit. In seiner gehobenen Stimmung gesellte sich Barker zu Van Loo uitd erzählte ihm voll Vertraulichkeit, mit dem ihm eigenen zugend- lichen Feuer, das große Gebeimniß seiner Verlosung mit Kitty Carter. Van Loo hörte ihm höflich und aufmert- sam zu, auch ließ er es nicht an den herkömmlichen Glückwünschen fehlen. Dabei wanderten wdoch lerne Blicke unstät bald zu Stacy, und dann wieder nach dem Goldschatz hinüber. Barkers leicht erregbares Gemuth uber- kam ein Gefühl der Enttäuschung. Vielleicht hatte er den feinen Weltmann mit seinem HerzenZerguß gelang- weilt, oder durch die offene Mittheilung den guten Ton verletzt? Seine Unerfahrenheit kam ihm aufs Neue zum Bewußtsein, und er trat betriibt zur Seite, während Van Loo die Gelegenheit benutzte, um Stacy anzureden.
„Ich höre soeben, daß Barker mit Fräulein Carter versprochen ist", sagte er mißbilligend, und ein überlegenes Lächeln spielte um seine Lippen. „Ist das wirtlich wahr?"
„Jawohl. Warum denn nicht!" laiitete Stacys unumwundene Antwort.
Van Loo lächelte verbindlich. „Freilich, warum sollte es nicht wahr sein? Aber einigermaßen unerwartet ist es doch."
„Sie kennen einander schon so lange, wie er hier auf dem Kieferberg wohnt", erwiderte Stacy.
„Gewiß — ohne Zweifel", sagte Van Loo. „Ich dachte »> 1 ^ daß er jetzt —"
„Hm — er hat jetzt Geld genug, um zu heirathen und wird es thun."
„Was meinen Sie — ist er nicht etwas zu jung?" fuhr Van Loo noch wimer in mißbilligendem ^vone fort. „Und sie hat nichts. Wartet den Gästen in ihres Vaters Hotel zu Boomville bei Tische auf, nicht wahr?"
„Jawohl. Was thut das? Wir wissen es Alle."
„Natürlich. Für sie ist's ein großes Glück — und für ihren Vater. Er bekommt einen reichen Schwiegersohn. Etwa zweihunderttausend wird wohl sein Antherl betragen. Kann mir denken, wie entzückt der alte Carter ist."
Der Gedanke war Stacy auch schon gekommen; ihn aber aus dem Munde des überklugen jungen Fremdlings bestätigen zu hören, sagte ihm keineswegs zu. „Ich wette, Barker wird darüber nicht böse sein", versetzte er trocken und wandte sich ab. Innerlich ärgerte er sich jedoch nicht wenig, daß man glaubte, einer der drei ausgezeichneten Theilhaber vom Kieferberg hätte sich ansühren lassen, wie ein junger Gimpel.
Vlötzlich verstummte das Gespräch in der Hütte; das laute Lachen hörte auf. Unwillkürlich drehten sich Alle uni und schauten nach der Thur. Von dem finsteren Beraabhang her tönte ein wundervoller Tenor zu ihnen herauf, dessen Wohlklang durch die Entfernung noch erhöht, wie eine Geisterstimme aus der Dunkelheit schallte:
„Wenn ich ins Ausland geh'.
Dich nimmer wiederseh'
Dann weine, weine,
So ganz alleine."
Die Männer sahen einander an. „Das ist Jack Hamlin", sagten sie. „Was führt den her?"
„Wo frisches Fleisch ist, sammeln sich die Wölfe", sagte Steptoe mit seinem rohen Lachen und einem Seitenblick auf den Goldschatz. „Habt Ihr nicht gewußt, dag er gestern von Red Dog herübergekommen ist?"
„Ihr braucht Jack nur freie Hand zu lassen und ihm sein Spiel nicht zu stören, dann gewinnt er Euch den ganzen Rumniel dort ab, eh' noch die Sonne ausgeht , sagte einer der alten Ortsbewohner.
„Und Tags darauf hat er Alles wieder verloren", fügte ein Anderer hinzu.
Aber so oder so, er läßt sich kein graues Haar drum wachsen und verzieht keine Miene", äußerte ein Dritter. „Weiß Gott, ich Hab' ihn singen hören wie jetzt, wenn er jj-it fünftausend Dollars in der Tasche vom Spieltisch ausstand, oder keinen rotheu Heller mehr im Sack hatte."
Van Loo, der eigenthümlich lächelnd zugehört hatte, siel jetzt mit größter Mißbilligung ein: „Man muß doch aber auch bedenken, was für einen schädlichen Einfluß ein solcher Mensch auf die armen Bergarbeiter ausubt, die ihr Brod so sauer verdienen müssen und den Ertrag einer ganzen Woche an ihn verspielen wie nichts Das überlegt Niemand; aber ich weiß, wie schwer es halt, von den Goldwäschern das Pachtgeld für das Graben herauszubekommen, wenn er im Lager gewesen ist."
Er sah sich mit wichtiger Miene unter den Anwesenden um, aber auf seine Rede folgte nur lautes Gelächter. „Oho, Franzos", rief ein alter Ansiedler sprichst nur so, weil Dein kleiner Bruder mal mit ^ack spielen wollte wie ein Erwachsener. Jack aber sagte, er solle machen, daß er vom Spieltisch fortkäme. . ^a ist er bockbeinig geworden, und Jack hat ihn zur Thur hinausgesetzt."
Van Loo wurde roth vor Zorn; jede Spur seiner früheren höflichen Gelassenheit war im Umsehen verschwunden, und harte Linien traten in seinem Gesicht hervor. Demorest schlug sich ins Mittel.
„Im Grunde ist doch kein großer Unterschied", sagte er, „ob man Geld in ein Loch am Boden steckt, weil man hofft, mehr Geld herauszugrabeu, oder ob man's zu demselben Zweck auf eine Karte setzt. Ein Glücksspiel bleibt es immer."
Ter entzückende Gesang war inzwischen näher gekommen; plötzlich brach er ab und ging in ein herz- beivegendes, melodisches Pfeifen über, mit dem der Sänger sein Lied schloß. Einen Augenblick spater erschien Jack Hainlin selbst in der Thürössnung
Mochte es jetzt auch um seinen Geldbeutel beschaffen sein wie es wollte, jedenfalls stimmte Hainlms voll- ständige Gemüthsruhe und Kaltblütigkeit ganz und gar zu der Beschreibung, die man vorhin von seiner Person acmacht hatte. Er bot einen io sauberen und er- glückenden Anblick wie ein Erdbeerbaum m dem staub- bedeckten Walde. Ein Geruch von duftender Seift und frisch gebügelter Wäsche entströmte ihm, an ftmer weißen Weste war kaum ein Fältchen zu entdecken, die Lackstusel zeigten keine Spur von Staubs oder Schmutz. Er hatte sich den Panamahut mit dem schwarzen -oand besonder» keck aufs Ohr gesetzt, und aus seinen braunen Augen guckte ein verwegener Schalk, der bereit war, jedem ab- sälligen llrtheil die Spitze zil bieten. Mit einem einzigen Blick verstand er es, die Lage der Dinge vollkommen richtig zii erfassen, als ob er bei der ganzen vorhergehenden Unterhaltung zugegen gewesen wäre.
„Und willst Du ganz allein Süßliebchen treu mir sein!"
trällerte er noch leise auf der Thürschwelle und fuhr dann munter iii ungebundener Rede fort: „Hallo, >?ungeuv, hier bin ich und möchte das Neugeborene begrüßen; hoffentlich sind die lieben Angehörigen alle m bestem Wohlsein! Aha, da ist es ja. Recht chon willkommen! fuhr er fort und näherte sich bedächtig dem Goldschatz. „Meiner Treu — Drillinge — und so dick und rund. Hat man sie schon gewogen?"
Offenherzigkeit war eine hervorragende Eigenschaft auf dem Kieferberg und der Umgegend. „Wir sprachen eben davon, Jack", sagte ein alter Ortsbewohner „daß wenn nian Dir freie Hand läßt und Dein Spiel ruch stört, Di» im Stande wärst, Dich noch vor Tagesanbruch mit dem Hausen dort aus und davon zu machen.
Mir ka;n eben in den Sinn", erwiderte Jack lustig, „daß' hier Leute unter Euch sind, die das auch ohne irgendwelche unnütze Einleitung fertig brachten. Sem braunes Auge ruhte einen Moment auf Steptoe, dann wandte er sich plötzlich zu Van Loo und strecfte chm die Hand entgegen. Ueberrascht und verlegen im Bestem der Andern, wollte der junge Mann zögernd emschlagen, als Jack kaltblütig, und wie zerstreut, seme Hand wieder mrückzoa und in die Tasche steckte. „>zch_ dachte, Sre würden gerne wissen wollen, was Ihr kleiner Bruder macht", sagte er zu Van Loo und sah dabei Steptoe an. „Ich bin ihm unterwegs begegnet; irrt hier auf dem Berge herum und ist ganz betrunken.
„Ich habe ihn schon oft gewarnt", begann Dan Loo, der sehr roth geworden war.
„Vor schlechter Gesellschaft — natürlich", fiel Jack ihm munter ins Wort; „und trotzdem glaube ich, daß er den Branntwein, der ihn benebelt, zum Theü von Steptoe dort bekommen hat."
Zum Spatz habe ich ihin ein Glas Whisky ein- gesch'enkt; wie konnte ich auch denken, daß i>er dumme Junge sich gleich betrinkeii wurde", , tagte Steptoe m rauhem Tone; doch sah er mehr verstört als zornig aus.
(Fortsetzung folgt.)
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