48. Jahrgang.
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Verlag: Lauggasse 27.
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Der Kaiser hat bekanntlich dem Reichstage wiederum mehrere neue Marinetafeln zugesandt auf denen die Kriegsschiffe nachgetragen Md, dre sert dem ^ahre 1887 zu den Flotten Englands und Frankreichs und der russischen Ostsee-Flotte hinzugekommen sind. Drer weitere Tafeln veranschaulichen die Starke und Zusammensetzung jener Flotten, die im September m
Die zweite Tafel zeigt Rußlands Stärke, nämlich 25 Schiffe, 3 Torpedobootszerstörer, außerdem sind noch auf dieser Tafel verzeichnet die Vereinigten Staaten von Amerika mit 18 Schiffen, Portugal mit 2 Schiffen, Oesterreich-Ungarn mit 6 Schiffen („Kaiserin und Königin Maria Theresia", „Kaiserin Elisabeth , „Donau", „Zenta", „Aspern", „Leopard"), ^lalien ebenfalls mit 6 Schiffen („Vettor Pisani", „Stromboli, „Fieramosca", „Vesuvis", „Elba", „Calabna ), die Niederlande mit 3 Schiffen („Piet Heiii", „Konmgen Wilhelmina der Niederlande", „Holland").
Aiif der dritten Tafel ist Japans Macht verzeichnet mit 65 Schiffen und 11 Torpedobootszerstörern.
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sitasiatischen Gewässern lagen. Alle Tafeln tragen dre kaiserliche Unterschrift: Nachgetragen und korrrgrrt.
September 1900. Wilhelm l. R. Dre Tafeln sind em- zerahmt und mit der Krone geschmückt m der Kuppelhalle )es Reichstagsgebäudes ausgestellt. ,
Wir sind nun in der Lage, unseren Lesern beistehend -ine solche kaiserliche Handzeichnung rm ^acstmiledruck lind entsprechender Verkleinerung Vorzufuhren, und zwar jene Tafel, welche die neuesten Typen von Schlachtschiffen und Panzerkreuzern der Marme England», Rußland» und Fraiikreichs darstellt. Die Art der Zeichnung, ber welcher in unserer Wiedergabe die rm Original blau markirten Schiffsgezeugen schwarz dargestellt rst, spricht so deutlich, daß es weiterer Erläuterung kaum bedarf, ^tm Ganzen sind 7 Tafeln vorhanden. Auf drei dieser Tafeln zeigt der Kaiser den Stand unserer Flotte und der Flotten der anderen Mächte m den ostasiatischen Ge- wässern und vier Nachtragstafeln deuten dre Starte Eng- lands, Frankreichs (2 Tafeln) und Rußlands an. , Auf der ersten Tafel über den stand der Flotten m den ostasiatischen Gewässern werden Deutschland, England und Frankreich aufgeführt. Danach sind an deutschen Schiffen im Ganzen 23, namlrch dre btßt Linienschiffe der „Brandenburg" - Klasse, „Kurfürst Friedrich Wilhelm" (10,062 Wonnen), „Brandenburg (10,062 Tonnen), „Weißenburg ^(10,062 sonnen), „Wörth" (10,062 Tonnen), die großen Kreuzer „Fürst Bismarck" (10,690 Tonnen), „Kmlerni Augusta 6056 Tonnen) „Hansa" (5885 Tonnen), „Hertha (5660 Tonnen), die "kleinen Kreuzer „Irene" (4292 Tonnen). „Gefion" (3765 Tonnen), „Hela (2036 Tonnen), „Geier" (1616 Tonnen), „Bussards (1574 Tonnen), „Seeadler" (1625 Tonnen),, »Schwalbe (1117 Tonnen), die Kanonenboote „Iltis" (899 Tonnen), '^uchs (89 Tonnen) und „Tiger" (889 Tonnen), die Torpedoboote ,8 90", „8 91", „8 92" (Tonnengehalt 350 gönnen) und das den Chinesen abgenommene Torpedoboot „Heit- sching" (250 Tonnen). England hat m den chmestschen Gewässern im Ganzen 44 Schiffe und 5 Torpedoboot»' zerstörer, Frankreich 20 Schiffe und 1 chinesischen) Lorpedodootszerstörer.
Die übrigen vier Tafeln sind Nachtra^stafeln. , Auf der ersten wird England mit 13 Schlachtschiffen, 14 Kreuzern 1. Kl. und 3 Panzerdeckkreuzern 2. bis 3. Kl. aufgeführt, auf zwei weiteren Frankreich mit 49 Schlachtschiffen, 23 Kreuzern 1. Kl. (3 im Bau), 42 Panzerdeckkreuzern (2 im Bau), auf der letzten Tafel Rußland mit 17 Schlachtschiffen, 4 neueren Küstenpanzerschiffen, vier neueren Panzerkmronenbooten, 12 Kreuzern 1. Kl., 11 Panzerdeckkreuzern der Ostseeflotte und 9 Schlachtschiffen der Schwarzen Meer-Flotte.
Plimdernngsscenen in Peking.
Wie in Peking geplündert wird, darüber giebt folgender Brief eines gewissen Jasper Whiting in der „Westmirrster Gazette" einen recht erbaulichen Begriff: ,
„Es sind jetzt", schreibt Whiting, „zwei Monate her, seit die verbündeten Truppen nach Peking marschirten und die Befreiung der Gesandten bewerkstelligten. Die Atmosphäre der Stadt wird klarer, Läden werden geöffnet, die Truppen einiger Mächte rucken ab, und die Chinesen selbst kommen in beträchtlicher Anzahl in die Eingeborenenstadt zurück. Aber unter den Fremden hat die Begierde nach „Beute" nicht im Geringsten nachgelassen. „Beute" ist das einzige Gesprächsthemamn jedem Frühstückstisch, in den Straßen, in den Häusern und Läden. Am Nachmittag besucht Jedermann die Auktion erbeuteter Artikel bei der Gesandtschaft, und am Abend werden selbst noch häufig kleine „Exkursionen" unternommen, um das Land auf Meilen im Umkreise zu plündern. Leute, die noch vor einem Monat dieses Treiben aufs Entschiedenste verurtheilten. sind jetzt die Tollsten in dem wilden Drängen nach den kostbarsten Schätzen, die man für nichts oder sozusagen nichts bekommen kann. Die Epidemie ist so ansteckend wie die Pocken. Die Soldaten wurden zuerst von ihr ergriffen und ste ging bald nicht nur auf Offiziere und Civilistcn, sondern auch auf Missionare und hohe Beamte der Gesandtschaften über. Nur sehr Wenige haben der Versuchung widerstanden, zu plündern, und diese Wenigen rebelliren im Inneren, weil ihr Gewissen ihnen nicht gestattet, sich an der Ernte zu betheiligen. Zwar haben verschiedene der Mächte, besonders Großbritannien und Amerika, das Treiben amtlich verurtheilt, indem sie ihren Truppen verboten, ohne Bezahlung von einem Chinesen oder ans einem chinesischen Gebäude irgend einen Gegenstand zu nehmen, doch das Verbot kann so leicht umgangen werden, daß es that-
sächlich wirkungslos ist. Jetzt werden die Sachen „gekauft und eine Bescheinigung wird entgcgengenommen. Ein Offizier oder Soldat, der einen Chinesen mit einem Gegenstand entdeckt, der ihm gefüllt, nimmt sich den Gegenstand, giebt dem Manne eine kleine Münze dafür und bittet ihn mit dem nöthigen Nachdruck, eine schon sertiggestellte Quittung zu zeichnen. Der Chinese thut das, nicht, weil er mit dem Handel einverstanden ist, sondern weil die Erfahrung ihn gelehrt hat, daß es so am klügsten ist. Ein wohl- bekannter' Offizier einer gewissen Nationalität kam vor einigen Tagen mit zwei Pelzröcken, einem großen Stück sehr kostbarer Stickerei und verschiedenen werthvollen Schnitzwerken in sein Quartier zurück und sagte, daß er das Alles sür 20 Cents gekauft habe. „Wie haben Sie das eingestellt?" wurde er gefragt. „Nun, gab er zur Antwort ich gab dem Manne, dem die Sachen gehörten, außer den Cents 'die Gelegenheit, sich die Mündung meines Revolvers aus der Nähe anzusehen." Die Behörden drücken, so fährt der Verfasser fort, ein Auge zu, da die Epidemie bis zu den höchsten Beamten gelangt sei. Ein Sekretär bei einer der Gesandtschaften hätte seinen Freunden Eingang zu dem kaiserlichen Palast verschafft, damit diese dort plündern könnten. Ein anderer nicht sehr bemittelter Mann in hoher Stellung hätte sein Haus mit den kostbarsten Schätzen angefüllt, und ein. hoher Konsularbeamter einer der Mächte habe dadurch, daß er sich offen Geld geliehen, damit von Soldaten Beute angekauft und diese mit über 5000 L. Prosit wieder verkauft habe, den Rus des Landes, das ihn zur Wahrung seiner Ehre und seines guten Namens nach China gesandt, in den Staub gezogen. Nicht nur Männer, sondern auch Damen be- lhciligteu sich an der Plünderung. Nus den Tempeln nähmen sie sich in eigens mitgebrachten Wagen kleine „Souvenirs", wie schwere Vasen, Broncesachen re. mit."
Angesichts dieser Schilderungen muß es uns mit Stolz erfüllen, daß nach allen vorliegenden Berichten die Deutschen an der Plünderung sich nicht betheiligt haben. So schreibt aus .Pekingen" unter dem 4. Oktober ein schwäbischer Unteroffizier, er sei mit seiner Batterie am 31. August in die .nauptstadt Pekingen cingezogen, die „dreckiger sei denn jedes Dorf im Schwabenland". Dann habe die Batterie an den Kämpfen gegen die Festung Liangschansien theilgenommen. Der Brief schließt: „Seit der Zeit haben wir Ruhe hier in Peking gehabt, trotzdem, daß es wohl noch Tausende von Boxern hier giebt, denn es werden täglich sestgenommen. Mit uns Deutschen sind die Chinesen noch am freundlichsten, weil wir sie zu gut behandeln müssen. Die Russen nehmen sie für uns mit; der Russe ist der liebenswürdigste Soldat zu uns von allen Nationen, der theilt sein letztes Stück Brod mit einem deutschen Soldaten. Noch eins vergessen: vom ersten Gefecht erbeuteten wir zwei Kanonen und zwölf Fahnen, beim zweiten Gefecht sechs Fahnen. Sonst geht es bis jetzt noch gut in dem ferne» Osten. Viele Grüße rc."
Ans Stadt und Land.
W i e s b a d e n, 8. Dezember.
— Kurhaus. Heute Samstag, den 8. Dezember, findet Operetten-Abend der Kurkapelle statt.
— Nachmittags-Thcefest. In Verfolg unserer vorgestrigen Notiz können wir heute melden, daß auch Mitglieder unserer Kgl. Hofbllhne mit einer Blüthenlese von Vorträgen aus dem Programm des Theefestes verzeichnet stehen. Wir bemerkten, wenn wir nicht irren, die Namen Profeffor Mannstaedt, Fräulein Robinson, Herrn Valeniin, welches allein schon hinreichen dürfte, einen reichen Kunstgenuß zu versprechen. Auch noch die übrigen Mitwirkenden aus den Gesellschaftskreisen zu ver- rathen, überlaffen wir der „Festzeitung", welche, wie wir hörien. in einer besonderen Sonntagsnummer erscheinen wird und außer dem ausführlichen Programm noch eine ganze Anzahl höchst wichtiger Orientirungen enthält. Mit Rücksicht auf die schlechte Witterung der letzten Tage, sowie auf die beiden Andreasiage, ist auf vielseitigen Wunsch die Einiauschfrist von Mitgliederbons bis heute Samstag Vormittag 12 Uhr verlängert worden. Bekanntlich sind die Karten nur bei Herrn Wolfs. Wilhelmstraße 30, oder an der Tageskasie des Saales (bet letzterer aber um 50 Pf. erhöht) zu haben.
— Oberst Pnlch. Anläßlich des Todtenfestes übersandte die Kapelle des 98. Infanterie-Regiments in Metz an die Hinterbliebenen ihres verstorbenen Regimentskommandeurs einen prachtvollen Kranz. In dem Begleitschreiben wurde daI Bedauern ausgedrückt, nicht an dem Begräbniß betheüigt gewesen zu sein und die letzten Ehren erweisen haben zu können, mit der Bitte, den Kranz jetzt noch auf dem Grabe niederzulegen. Gewiß ein schöner Beweis von der großen Beliebtheit und Achtung, die der Verstorbene überall genoß.
— NationaNibcraler Wahl-Verein. Am Mittwoch, den 5. Dezember, Abends 6y 2 Uhr, hatten sich auf die Einladung des Vorstandes des „Nationalliberalen Wahl-Verems" zahlreiche Mitglieder desselben im „Hotel Hahn" dahier versammelt. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden des Landesausschusies, Herrn Stadtrath Bartling, wurde auf Vorschlag desselben zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. An Stelle des langjährigen verdienten Vorsitzenden, Herrn Architekt W. Kaufmann, wurde als Vorsitzender Herr Rechtsanwalt Fritz Sieberi und als dessen Stellvertreter und Schriftführer Herr Rechtsanwalt Dr. Fritz Scholz und als Kasienführer Herr Dr. L. Dreher gewählt. Außer den bereits dem weiteren Ausschuß angehörigen Mitgliedern wurden in denselben noch einige von den erschienenen Herren hinzugewählt. Der Vorsitzende des Landesausschusies, Herr Stadtrath Bartling, verbreitete sich sodann über den heutigen Stand der Partei und die Organisation des Vereins. Auf die darauf folgende Diskussion. an welcher sich u. A. die Herren Dr. Dreher, Professor
