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«• Jahrgang.
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Verlag: Langgasse 27.
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Städtische Socialpolitik.
Die Verwaltung der deutschen Stadtgemeinden wird immer mehr von socialpolitischen Erwägungen beem- sluht Es hat lange gedauert, ehe man m der Ver waltung deutscher Städte der Socialpolitck größere Rechte einräumte; in den meisten Gemeinwesen, besonders Nord- und Mitteldeutschlands, ch noch gegenwärtig eine erhebliche socialpolitische Rückständigkeit zu beklagen Aber die Roth der Zeit drängt auch die schwerfälligste Verwaltung schließlich vorwärts Nachdem dre veralteten Anschauungen gewichen wwd auch endluh Bresche in die veralteten gesetzlichen Bestimmungen unserer Städteordnungen gelegt werden, die dw Erwerbung und Ausübung der Bürgerrechte für vrele Em- ivobner erschweren. Vor Allem muß dre vielfach gesetzlich verbürgteMachtstellung derHausbesitzer gebrochen werden.
Unter diesen Umständen ist es ohne Zweifel werth- voll. die Grundsätze kennen zu lernen, die m einer Groß stadt befolgt werden, deren Gemeindevertretung auf Grundlage eines modernen demokratischen Wahlsystems gewählt ist. Dieselben finden sich dargelegt m der vom tAemeinderath herausgegebenen »Chromk der Stadt Stuttgart für 1899", ein stattlicher Band, dessen ^nhalt Ur dm Socialpolitiker manches Werthvolle enthalt. Oberbürgermeister Gauß betont mit Rechü die socmb politische Bedeutung einer gerechten städtischen Steuer Politik Dieselbe soll die Leistungsfähigkeit der Steuer^ träger gehörig berücksichtigen und die Mittel gewahren, um ungerecht wirkende Kopfsteuern, Wohnsteuern, Fleischsteuern, Besteuerimg nothwendiger Lebensmittel, die Arme verhältnißmäßig harter al- Reiche trifft, z beseitigen. Sparsamkeit ist in der städtischen Verwaltung selbstverständliche Pflicht, aber sie ist nur nützlich iin" rechten Ort. Unter der Bezeichnung »sociale Fragen" läßt sich Alles zusammenfassen, was em Stadt- üorstand neben der laufeiiden Verwaltung zu thi.n hat. Fm letzten Ende läuft der Zweck der ganzen Gemeinde- Verwaltung darauf hinaus, neben der Pflege der.Realen Interessen die wirthschaftlichen Interessen der rm G^ meindeverband Vereinigten zu fordern. Es ist darum aewiß auch die Pflicht einer Gemeindeverwaltung, den wirthschaftlich Schwachen zu Hülfe zu kommen und sre möalichst zu kräftigen. Beispielsweise wird sie nach Kräften dafür zu sorgen haben. Kleingewerbetreibenden billige mechanische Kraft zu verschaffen . Oberburger-
nieisterHruß weist ferner darauf hin daß sich die öffentlichen Arbeitsnachweisestellen bewahrt h?den. Er bezeichnet es als eine Aufgabe der Stadt, ähnliche Vortheile, wie sie hierdurch den Arbeitgebern und Arbeitnehmern gewährt seien, den Miethern imd Hausbesitzern durch die Einrichtung eines Wohnungsamtes mit dem Zweck der
Wohnungsvermittelung zu verschaffen. . .
Aufaabe der Stadtverwaltung kann es Nicht sem. einzelnen Bevölkerungsklassen zu Lasten der anderen Geschenke zu spenden, wohl aber ist es ihre Pflicht, rede Maßregel, die sie zu treffen beabsichtigt, zuvor sorgfältig und vorsichtig nach der Richtung hin zu überlegen und zu prüfen wie sie auf die Erwerbsverhältnisse und auf die Lebensgestaltung aller Klassen, insbesondere auch der minderbemittelten, wirkt. Dieser Grundsatz soll auf d e Wohmingsfrage. auf den Lebensmittelmarkt, auf die Verbrauchssteuern. Vorortsbahnen undStraßenbahnen angewendet werden. Es ist eme schone Aufgabe für den Stadtvorstand, im Fall von Streitigkeiten Zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf Anrufen eines Theiles vermittelnd einzugreifen und so unter Umstanden zu verhüten, daß Kämpfe dieBürgerffchaft zerfleischen von denen nicht selten beide kampfende Therle schaden habem Eine größere Aufmerksamkeit will man künftig m Stuttgart namentlich dem Wohnungswesen zuwenden. Nach der letzten Wohnungsstatistiklebten dort bei einer Einwohnerzahl von rund 200,000 nicht weniger als 14,814 in übervölkerten Wohnungen, also unter gesundheitsgefährdenden Verhältnissen, ^aber gelten als Maß stab 'für die Uebervölkerung 6 und mehr Personen in der einzimmerigen und 10 und mehr Personen m der -weizimmerigen Wohnung em äußerst weites v. i B, Hessen Verringerung auch nur um je eme Person eme noch -.mverhältnißmäßig größere Zahl überfüllter oder
wenigstens an der Grenze der Ueberfullung stehender Wohnungen ergebe,i hätte. Seit 1895 sind diese ungünstigen Wohnungsverhältnisse m Stuttgart und
auch wohl in den meisten anderen großen Städten — m stetiger erschreckender Zunahme begriffen Es haben sich im Zusammenhang mit den hohen Preisen für kleine Wohnungen außerordentlich schwere Uebelstande m den Wohnungsverhältnissen der ärmerenBevolkerung heraus- gestellt. die natürlich auch die Seuchengefahr mcht nur für diese, sondern auch für die ganze Stadt entsprechend erhöhen. Um eine Besserung in dieser Beziehung herber- zuführen, soll in Stuttgart jede unnothige Vertheurung des Bauens vermieden und die Errichtung kleiner Wohnungen durch zweckentsprechende Gestaltung, des Stadterweiterungsplanes und der Bauordnung gefordert werden. _ . ... 1
Feuilleton.
-gleite Wo den.
Die Nummer vom 15. Dezember der .Modenwelt^nd Jllustrirten Frauenzeitung" tragt der herrschenden Weih- nachtsstimmung in verlockendster Weise Rechnung, davon
überzeugt uns ein vorzeitiger Blick in die betreffenden Blätter; wir hoffen daher, unfern Leserinnen eme Freude zu bereiten, wenn wir ihnen Einiges daraus bereits heute mu- ,heilen: Berlin. Das Ziel vieler weihnachtlicher Wunsche
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Aus Stadt und Kand.
Wiesbaden, 7. Dezember.
— Alterthumsmuseum. Es war bisher ein fühlbarer Mangel, der namentlich von Fremden oft genug unangenehm empfunden wurde, daß die an schönen und sehenswerthen Denkmälern aus der Vorzeit des Nassauer Landes so reichen Sammlungen unseres Alterthumsmuseums während der kälteren Hälfte des Jahres dem Publikum geschloffen bleiben muhten, da die Ausstellungsräume nicht heizbar waren. Ließ sich auch dann und wann ein besonders intereffirter Alterthumsfreund oder ein Gelehrter zu Studienzwecken für seine Person das Museum öffnen so wurde er daraus doch bald wieder durch die eisig- feuchte' Temperatur, welche hier zu herrschen psicgts, vertrieben. Durch das dankenswerthe Entgegenkommen der stadtilchen , Behörden ist es jetzt ermöglicht, wenigstens einen Therl der Raume heizbar zu machen. Infolge dessen können die Sammlungen auch während der Wintermonate, zunächst zweimal in der Woche (Mittwochs und Sonntags in den Stunden von 11 bis 1 Uhr), bem Publikum geöffnet sein und wird damit bereits am nächsten Sonntag, den 9. d. M., der Anfang gemacht werden.
— Volksbibliothcken. In den Monaten Oktober und November wurden in den vier Volksbibliotheken (Schule an der Castellstraße. Blücherschule. Schule an der oberen Rh-mstraß-, Steingaffe 9) im Ganzen 11,304 Bücher ausgeliehen, gegen 10 371 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Benutzung der Bibliotheken ist Jedermann gestattet gegen eine Leihgebühr von 3 Pf. für den Band, bei einer Lesezeit von 14 Tagen. Kataloge sind an den Ausgabestellen zu haben.
ä Der Andrcasinarkt hat gestern Morgen dennoch über das scheußliche Sturm- und Regenwetter gesiegt und seinen Sieg auch bis gestern Nachmittag hoch gehalten. Schoner lohnte das Wetter eigentlich garmcht gut sein, als es geworden war, nachdem es sich in der Nacht zum Donnerstag ausqetobt hatte. Allerdings, zur Zeit, wo w,r diese Zeilen schreiben, macht der Himmel ein sehr zweifelhaftes Gesicht, es kann jeden Augenblick wieder eine kleine Sundfluth nieder- aeben. Hoffen wir das Beste! Der Verkehr auf dem Markt war gestern übrigens ein recht lebhafter und das Markibild ein ungemein buntes. Nun scheint es uns doch als ob der Andreasmarkt dort, wo er gegenwärtig sich befindet, am besten
untergebracht ist. . . ..
— Lokal" - Chronik. Paffanten der Friedrichstrage seien auf"den neu ausgestatteten Laden des Herrn Metzgermeisters Heinrich Vollmer, neben der „Loge Plato aufmerksam gemacht. Er verdient es, denn auch in ihm ist das Bestreben der Wiesbadener Geschäftswelt, die Waaren-Auslagen in einen modernen, anziehenden Rahmen, zu bringen, in ge- schmackvoller, gediegener Form ausgeprägt. Der geräumige Ladenrau m wurde von Künstlerhand rm^ugendsthl^amgema .t
mühsame Nadelarbeit. die aber immerhin billiger zu stehen kommt, als die wundervolle, aber recht kostspielige weiße irdische Seide mit eingewebten Valenciennes-Einsätzen, zwischen denen sich weiß gestickte Ranken oder farbige Chinö-Streifen. auch goldener Durchbruch hrnziehen. Zur
Schneiderkleid. Kostüm mit Formblenden.
sind die eleganten hellfarbigen Blusen, mit denen sich so gut die Anforderungen der kleineren Geselligkeit bestreiten lassen. Taffet und Faille, die letztere vielfach breit gestreift, decken den Hauptbedarf. Taffet wird neuerdings gern durchweg von allerschmälsten Guipure-Einsätzen unterbrochen, eine
Ballkleid mit Miedergürtel. Gesellschafts-Toilette mit Bisensäumen.
Bluse verarbeitet man den Stoff futterlos und hebt das reine Weiß der durchscheinenden Seide durch eine farbige Unterbluse, mit der dann wieder das Futter, und dlt Balayeuse eines weißwollenen Kleiderrockes uberelnstimmen
n ’ Uf |ßon fleißigen Händen in den meisten Fällen selbst her- zustellen sind die auch für die elegante Toilette so sehr
