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Mittwoch, 5. Mai 1913.
ttbend-Ausgabe.
Nr. 208. . 63. Iahr-ang»
weitere Fortschritte in Oft u. West.
Der Tagesbericht vom 5. Mai.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Mai. (Amtlich.)
westlicher ttriegsschauplay.
Neue Zorlschritte vor 1)pern!
Schwere Verluste der Engländer. Gute Fortschritte bei Rillq. Bisher 10 Offiziere» 750 Franzosen dort gefangen.
Mir schwersten Verlusten weichen die Engländer weiter in der Richtung auf den östlich von Mern gelegenen Brückenkopf zurück. Die Banheule Ekternest, der Schloßpark von Herenthage und Hel Pappotje-Ferm wurden von uns genommen.
Zwischen Maas und Mosel herrschte wieder regere Tätigkeit. Im Priesterwalde nordwestlich von Pont - ä Mouffon griffen die Franzosen gestern mit starken Kräften an. Trotz langandauernder Artillerievorbereitung brachen die Angriffe mit starken Verlusten für den Feind in unserem Feuer zusammen. Dagegen gingen wir im Walde von A i l l y und östlich zum Angriff über, der gute Fortschritte macht. Wir nahmen hier bisher 1 v Offiziere und 75 0 Mann gefangen.
Deutlicher Rriegsschauplatz.
Abweisung zahlreicher russischer Angriffe im Norden. 500 Russen gefangen.
Bon S ü d o st e n kommende russische Angriffe auf R o s s i e n i c wurden abgewiesen. Die Verfolgung des Feindes ist im Gange. Auch bei K a l w a r i j a, sowie nordöstlich von S o w a l k i und östlich von Augustow» scheiterten zahlreiche russische Vorstöße. Dort wurden insgesamt etwa 5vv Russe» gefangen genommen.
Auf der übrigen Front fanden einzelne Nahkämpfe statt, die sämtlich zu unseren Gunsten entschieden wurden.
Südöstlicher Rriegsschauplatz.
Fortgang des siegreichen Durchbruchs in Westgalizien.
Oie Siegesbeute noch unübersehbar. Die Rückwirkung auf die Stellung in den Wald« Karpathen.
Der Angriff der verbündeten Truppen nördlich den Waldkarpathen durchbrach gestern bereits die dritte Befcstigungslinie der Russen, die dort auf der ganzen Front geworfen, auf Wislocka zurückweichen. Die Größe des Sieges kann man daraus ersehen, daß infolge deS Durchbruchs der Verbündeten die Russen ihre in der nördlichen Flanke bedrohte Stellung in den Waldkarpathen, südwestlich vom Dukla-Paß zu räumen beginnen. Die Schnelligkeit, mit der unsere Erfolge erzielt wurden, machen eS unmöglich, ein zahlenmäßiges Bild über die Siegesbeute zu geben. Nach den vorlänfigen Meldungen scheint die Zahl der Gefangenen bisher über 3 0 00 0 zu betragen.
Oberste Heeresleitung.
wie e§ heute steht.
O Berlin, 4. Mai.
Der große Sieg in Galizien hat mehr als st r a t e g i s ch e, hat sogar mehr als eine unmittelbar politische Bedeutung, man kann ruhig sagen, daß er von weltgeschichtlicher Wichtigkeit ist. Die sonderbaren Mißverständnisse, die durch eine wenig geschickte Voranzeige des Erfolgs in der Berliner Bevölkerung entstanden (nicht bloß in Berlin; davon wissen wir hier auch nn Westen ein Lied zu singen. Schriftl.), gehen uns hier selbstverständlich nichts an. Die Heeresleitung kann nichts dafür, wenn sich eine übereifrige Legendenbildung daran macht, die Bewertung des erstrittenen Sieges bis ins Groteske hinein zu steigern. Aus den Wert kommt es an, nicht auf die Torheiten, mit denen er übertrieben worden ist. Die Bedeutung des Erfolgs liegt darin, daß die russische Angriffskraft vollkommen zusammengebrochen ist und daß unsere Verbündeten und wir in offenbar unwiderstehlichem Vordringen begriffen sind. Hier ist es nicht die Ausgabe, die militärische Seite des Ereignisses zu besprechen, das vielmehr nur nach seiner einschneidenden Bedeutung für die politische G e s a m t I a g e ge- uürdigt werden soll. Wir haben niemals zu denen ge- gört, die die gewaltige Macht unserer Feinde so leichtinnig unterschätzten, wie es leider auch jetzt noch immer vieder von. überheblichen Leuten geschieht. Ruß- l a n d ist im Lause des Krieges schon oft gewisser- inaßen totgesagt worden, um gleich darauf die wildeste Entschlossenheit und die furchtbar» sten Kräfte zu entwickeln. Jetzt ober glauben wir,
daß die Ereignisse der jüngsten Zeil es in der Tat recht- fertigen, wenn man es ausspricht, daß das Zarenreich beim Anfang vom Ende angelangt ist. Vielleicht könnte es den Krieg wirtschaftlich noch ertragen, aber militärisch scheint es am Verbluten zu sein. Das erfreuliche Gegenbild hierzu ist die mit jedem Tage deutlicher werdende E r - st a r k u n g O st e r r e i ch ° U n g a r n s, das nicht bloß in der Wwehr, sondern nunmehr auch im Angriff eine Energie entfaltet, an der wir allerdings nie gezweiselt haben, deren Betätigung jetzt aber die wirksamste Probe auf berechtigte Erwartungen ist. Die ungeheure Bedeutung der Karpathenkämpse und ihres Ausgangs liegt darin, daß die Donaumonarchie dem denkbar stärksten Anprall, dem sie über- haupt jemals ausgesetzt werden konnte, sieg- r e i ch widerstanden hat und heute im Begriff ist, den Feind vollends zu schlagen. Dies ist es, was wir ein weltgeschichtliches Erlebnis zu nennen uns befugt glauben. Der Krieg kann nach unserer Überzeugung nichts mehr bringen, was dies Ergebnis umzustoßen vermöchte. Rußland kann den Weg nach Konstantinopel weder durch das Brandenburger Tor noch über Budapest und Wien finden, das steht ehern fest, und das Siegel auf Liesen Tatbestand hat die Karpathenschlacht gedrückt. Der Sieg der verbündeten Heere wird aber voraussichtlich weiter bewirken, daß überall dort, wo man sich den Hiuzutritt zur Schar unserer Feinds als ein nicht sonderlich gewagtes Unternehmen dachte, die B e- sinnung zurückkehren wird. Wir hcchen freilich nicht die Sicherheit, daß nicht doch noch auf das falsche Pferd gewettet werden mag, aber wir und unsere Verbündeten dürfen uns ohne Überhebung sagen, daß, falls es so kommen sollte, auch dies Schicksal wird ertragen werden können. In Rom steht die Entscheidung nahe bevor, in B n k a r e st wird man sich nach dieser Entscheidung richten. Wie gesagt, wir wissen nicht, was werden wird, aber das sieht man doch bereits, daß die letzten Nachrichten von den Kriegsschauplätzen einen nützlichen Eindruck machen. Jedenfalls können wir unsererseits demKommenden, nachdem die russischeMacht zusammen- gebrochen ist, mit noch größerer Zuversicht als zuvor entgegensetzen. Die Kriegslage ist im Westen, im Osten und im Südosten, zu Lande und zu Wasser, günstig für uns. Das wissen auch unsere Feinde, und der Unterschied gegen früher ist, daß sie es z u g e st e h e n, während sie sich bis dahin mit Lügen fütterten.
Der Sieg in Westgalizien.
Die zunehmende Verschlechterung der Lage der Russen.
Br. Berlin, 5. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus dem österreichisch-ungarischen Kriegspressequarticr wird der „B. Z." gemeldet: Die ins Rollen gekommene russische Front zieht sich immer mehr zurück. Aus der Höhe westlich der W y s l o ck a, wo sich die erschöpften und dezimierten Kampfreihen hinter den schon vor Monaten geschaffenen Hindernissen und Deckungen sammeln, nimmt die Schlacht ihren Fortgang. Aber trotz vielfacher Reihen von Drahtverhauen, trotz geradezu verzweifelter Bemühungen der ruffischen Führer, Reserven heranzuholen, geht die Offensive unentwegt weiter. Von Stunde zu Stunde wird die Lage der Russen ungünstiger. Der gesamte Erfolg wird sich natürlich erst nach einigen Tagen ermessen lassen. Die Zahl der russischen Toten und Verwundeten ist außerordentlich groß. Auch unsere Verluste sind nicht unbedeutend, lasten aber keinen Vergleich zu mit denen des Feindes. Die Abschubstationeu der Verbündeten sind von einem großen Getüm- mel erfüllt, lange Züge von Gefangenen werden fortwährend zur Bahn gebracht. Neben unseren Verwundeten langen andauernd auch große Transporte russischer Verwundeter an. Die Ruffen machen einen völlig gebrochenen Eindruck. Übereinstimmend erklären sie, daß sie im ganzen Kriegsverlauf noch nie solch fürchterliche Stunden durchgemacht haben.
Ein unparteiilckes schweizerisches Urteil über den Durchbruch der russischen Front.
Die Notwendigkeit des Verzichts auf eine Wiederaufnahme der russischen Offensive. — Tie Wirkung aus die schwankenden Neutralen.
W. T.-B. Bern, 4. Mai. (Nichtamtlich) Ter „Bund" schreibt zur Kriegslage: Längst erwartet, doch über
raschend fiel der große Schlag. Die russische Front zwischen der Weichsel und octn Karpathcnwall ist unterbrochen an einer Stelle, wo der Schlag die ganze V e r - rridiguiigsstcllung über den Hausten werfen
muhte. Die Verluste muffen sehr groß sein. Zweifellos sind ein mächtiges Artilleriematerial und zahlreiche Ge- fangcne in die Hände der Sieger gefallen. Die Breite deS Durchbruchs kann auf 80 Kilometer angenommen werden, damit ist gesagt, daß das Loch an Ort und Stelle nicht geflickt werden kann. Auch ist ein Z u r ü ck b i e g e n der Front unmöglich, denn die Verbindung zwifche« der russischen und polnischen Karpathensrvnt ist gerissen, und oamit auch die Karpathen st ellung gefährdet. Der Durchbruch am Dunajcc an sich ist, vorzüglich mit der gebotenen Heimlichkeit auf breiter Grundlage vorbereitet» eine glänzend durchgesührte Operation großen Stils. Es ist anzunehmen, daß die rnsstsche Heeresleitung nun dock zu einer Neugruppierung schreiten muß, welche den Verzicht aus die Wiederaufnahme der Offensive in fich schließt. Den aus der militärischen Lag« und der dadurch bedingten allgemeinen Konstellation sich ergebenden Folgerungen werden auch die sich nicht entziehen können, die jetzt noch zwischen Neutralität und Intervention zu schwanken scheinen.
wettere neutrale Urteile.
Die Erkenntnis der Bedentnng des DurchstrnchS in Holland.
W• T.-B. Amsterdam, 4. Mm. (Nichtamtlich.) Die hollän» dischePreffe widmet den deutschen und österreichisch-ungarischen Kriegsberichten, die eine Überraschung brachten, lange Besprechungen.
Der „Haager Rieuwe Courant" fragt, tot« eS möglich fei, daß so schnell Fortschritte gemacht wurden, und sagt, das macht die unglaubliche Energie der Menschen und der Industrie einerseits und die koloffale technische Vollendung der Kriegsmitte! andererseits. Beide ergänzen sich. So erreicht man in diesem Kriege Er- folge, die ans Wunderbare 'grenzen. Wer das znerft zu tun vermöge, sei der anderen Meister.
.Handelsblad" schreibt: Wie groß die Veränderung der Lage an der galizischen Front fft, läßt fich noch nicht ab- sehen, aber man kann aus den deutschen und österreichischungarischen Berichten entnehmen, daß den Rosten ein tüchtiger Stoß versetzt wurde.
„x i j d" erklärt: Wer jetzt noch über die Operationen der germanischen Bundesgenoffen zu vernehmen wünscht, kann sich die Mühe sparen, die armseligen Berichte des russischen Stabes zu Rate zu ziehen, die an Unbedeutendheit nicht viel den französischen und englischen über die Kämpfe in Frankreich nachgeben.
Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meint, die kräftige Offensive über den Dunajec, gepaart mit starkem Druck in den Karpathen, nrüsse, wenn sie gelingt, die Russen zwischen dem Uzsoker Paß und an der Stelle, wo die Front nach Norden umbiegt, in eine heikle Lage bringen und sie zum Rückzug nötigen.
Die Rümpfe in den Rarpathen.
Berlin, 4. Mai. (Kr. Bln.) Der Kriegsberichterstatter des „B. T.", Leonhard Adelt, meldet aus dem k. k. Kriegspreste- qnartier: In den Karpathen gingen die Ruffen zu immer neuen Angriffen gegen die von der Südarmee erstürmten Stellungen vor, wurden aber auch hier regelmäßig zurückgeworfen. Die Verfolgung des zurückgeschlagenen Feindes verschärft sich zu einer Offensive, die vornehmlich die Kiczerahöhen östlich des Dorfes Koziowa betrifft. Unbeirrt durch die ruffischen Sturmangriffe bauen inzwischen die Verbündeten die eroberten Bergstellungen aus. Südöstlich des Oporgebietes nahmen die k. k. Truppen die Offensive im Qnellengebiet der Lomnitza ans. Tort hatten die Russen zwischen den 1350 Meter hohen Schlis und dem 1800 Meter hohen Wysoka bei dem Dorfe Osmaloda sehr starke Höhen- stellungtzn inne. Trotz des zähen Widerstandes des Feindes bemächtigten sich die österreichisch-ungarischen Soldaten dieser Stellungen, lvobei es zu den wütendsten Nahkämpfen kam. Danach haben die österreichisch-ungarischen Truppen sich den Ausgang in das Tal von Kolusz erzwungen.
Das Einschreiten gegen die Verbreiter der Uebertreibungen.
Berlin, 5. Mai. (Ktr. Bln.) Zu der (in der Morgen- Ausgabe wiedergegeüenen) Mitteilung des W. T.-B., daß gestern nachmittag in Berlin über die Kriegsbeute der siegreichen Verbündeten in Westgalizien falsche Angaben verbreitet worden sind, die den allein amtlichen Meldungen widersprechen und die Öffentlichkeit irreführen, und daß die Verfolgung der Schuldigen eingeleitet ist, sagt die „Tägl. Rundsch.": In der Tat war «m Diensiagnachmittag ganz Berlin voll von den unsinnigsten zahlenmäßigen Behauptungen. Durch dre Bestimmtheit, mit der sie sich vortrugen (unter Mißbrauch des Kennzeichens W. T.-B.) bewirkten sie überall fieberhaft: Aufregung. Es ist erfreulich (das unterschreiben wir durchaus. Schrift!.), daß durch die Einleitung der Verfolgung gegen die Schuldigen nunmehr Grund zu der Armahme gegeben ist, daß dieser wüste Unfug ein Ende nimmt.
Der deutschevormarjch in den Gfiseeprovinzen
Die „Times" und des Schweigen der russischen Heeresleitung.
Berlin, 5. Mai. (Ktr. Bln.) Während der ruffische Gcne- ralsiabsbericht die Niederlage in den Ostseepr ov i nz cn n er schweigt, wird der „Times" aus Petersburg gemeldet, patz man in russischen Milrtärkrcisen dem Vormarsch der dent- schcn Truppen in den Ostsceprovinzen doch einige Bedeu-a t u n g ommejje.
