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Nassauer Hof. — Telephon 2161

erläge jum Wiesbadener Tagtilatt.

48 . Jahrgang. 190 ^.

(85. Fortsetzung ) (Nachdruck verboten.)

Standesgemäß.

Roman von Karl v. Keistner.

-'Gewiß!" versetzte die Berichterstatterm. »Ich Latte schon mehrfach Gelegenheit dazu. Dillheims Be­nehmen, der von mir ohnedies schon längst beargwöhnten Französin gegenüber fand ich geradezu bartlos- wollte Sie aber nicht früher aufmerksgm machen, al» » ich meiner Sache ganz sicher war. Gestern empf g s wieder Briefe zur Besorgung von rhm und hetz sichMo gleich einen sehr vertraulichen Botenlohn dafür m zahlen. Ich trat in dem betreffenden Momente zur kln

26it %\£ ifeL'ÜÄtn“> mir Clarisse ge»

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in dasselbe zu vertiefen schien. Frau Gallmann verließ das Boudoir ziemlich unbefriedigt, und nach einigen Minuten kam Mademoiselle Trognom,, welcher sie Las Weisung überbracht hatte Die Künstlerin verhandelte geraume Zeit mit ihrer Zo^- Obwohl das Gespräch in gedämpftem Tone geführt wurde, mußte es doch ein sehr erregtes sein. Die Französin wollte zu­erst gar nicht mit der Sprache heraus. Cora kannte aber den Schlüssel, dessen es bei dieser Kreatur bedurfte, um deren Zunge zu lösen, und bald öffneten sich die Schleusen ihrer Beredtsamkeit. ...

Unter solchen Umständen trug die Sangerm kein Bedenken mehr, durch jedes ihr zu Gebote stehende Mittel über Dillheims Charakter zur raschen Erkenntmtz m gelangen. Für eine namhafte Summe Geldes ward die habsüchtige Zofe zur Verrätherin der ihr anver­trauten Geheimnisse, und ihre Herrin erfuhr durch sie Sie Namen der Leute, mit deneii ihr nunmehriger Ver­übter unter Vermittelung von Clarisse Trognon ver­kehrte. Nachdem diese gebeichtet hatte, kamen die sonstigen Zutraulichkeiten, welche zwischen ihr mu Viktor stattgefunden hatten, nur noch ganz kurz zur Sprache, und die unmittelbare Folge davon war, daß Sie Französin mit dem ihr von Cora eingehanmgten Gelde schon am Abende dieses Tages den Dienst und das Haus der Sängerin verlassen mußte. Auf Frau Gall­mann schleuderte sie deshalb beim Hinausgehen wuth- sprühende Blicke. Cora aber ließ sich alsbald einen Wagen holen und suchte diejenigen Persönlichkeiten auf, die ihr von der Französin bezeichnet worden waren.

Auch dieser Abend verstrich, ohne daß Dillheim sich Zeigte. Erst am nächsten Tage stellte er sich wieder bei seiner Braut ein. Die letztere empfing ihn, wie wenn nicht das Geringste vorgefallen wäre. Sie vermochte es sogar, sich heute besonders liebenswürdig zu zeigen, und gab sich den Anschein, als ob sie zärtliche Besorgmß wegen des Ausbleibens ihres Bräutigams gehegt hatte. Auf seine vagen Entschuldigungen erwiderte sie:

„Lieber Viktor, wie konnten Sie mich so vernach lässigen, wenn keine zwingenderen Gründe Vorlagen, als die, welche Sie mir soeben'angaben? Haben Sie denn

Ihre Braut schon so bald satt bekommen?"

„Was glauben Sie von mir, beste Cora?! Schatze

mick ia auf Ehre fabelhaft glücklich!" versicherte der oeu nmit die Hand des Mädchens küssend. Der Ton aber, in welchem er diese Behauptung aussprach, war Mvon seinen früheren Liebesbetheuerungen und ließ Zweifel darüber aufkommen ob er das gerühmte Glück wirklich für ein „fabelhafte» halte

Viktor'" sagte die Sängerin, nachdenklich das Haupt senkend „Mir will es trotzdem scheinen, als wenn ein mir unbekanntes Etwas zwischen uns Beide getreten wäre das Ihnen eine gewisse Zuruckhaltung auferlegt. Sonst drängten Sie mich täglich, die Vorbereitungen unserer Hcirath zu beschleunigen, während Sie in fungster Zeit keüi Wort mehr darüber verlieren. Haben Sie Vertrauen w Ihrer Braut! Liegt vielleicht noch irgend ein Hemm- niß dazwischen, welches sich durch meine Berhulse be- fettigen läßt?"

„Ein Hemmniß? Wie kommen Sie darauf? Die kleinen Arrangements, deren es meinerseits noch bedarf, sind ja leicht zu treffen", versetzte Dillheim verlegen.

„Sollten Sie etwa pekuniäre Verpflichtungen noch drücken, die vor unserer Vereinigung ausgeglichen werden müssen?" forschte die Künstlerin weiter. „Meine Kasse ist gefüllt. Verfügen Sie über dieselbe."

„Kleinigkeiten!" wehrte der junge Mann, noch be­fangener als vorhin, ab. „Nicht der Rede werth. ^>ch bin von Ihrer liebenswürdigen Bereitwilligkeit uber­zeugt, aber das drängt ja nicht. Mit den nächstjährigen Revenüen meiner Güter werden sich die unerheblichen Rückstände des Garxonlebens leicht begleichen lassen. Wenn wir einmal Eheleute sind, läßt sich über solche Tinge reden, aber jetzt von meiner Braut kann ich doaf

nicht wohl ..." . ..... .

Sie sind, wie es scheint, außerordentlich diffizil tn

diesem Punkte, lieber Viktor", unterbrach ihn Cora. Aber was ist es dann, das Sie bedrückt? Sie versuchen umsonst, mich glauben zu machen, daß Alles noch sei w:e ftüfißt"

Der Leutnant sah nachgerade ein, daß er Farbe be­kennen müsse, und sagte deshalb zögernd:

Mein Gott! Wenn Sie doch einmal darauf bestehen, Theüerste — nun ja — es hat sich da noch eine kleine Fatalität herausgestellt, die mir noch unbekannt war, als

wir uns verlobten-"

„Me? Und das wäre?" fragte die Sängerin ge­spannt, als Viktor hier inne hielt.

„Es ist mir eine iinangenehme Thatsache zu Ohren gekommen, über die ich mich allerdings noch beruhigen

muß, bevor ich . ." . ,., r r

„Bevor Sie? Warum bedenke,: Sie sich so lange, ehe Sie es aussprechen", forschte das Mädchen unge-

^^Nun denn — bevor ich mich entschließen kann darüber hinwegzusehen", fuhr Jener fort. ,,^ch selbst natürlich hege keine Vorurtheile, aber — man hat eben Verwandte — einen altadeligen Namen . ."

„Werde ich endlich von diefer Thatsache unterrichtet werden, an der Sie Anstoß nehmen?" drängte die Künst­lerin, und eine heiße Blutwelle stteg zu ihren Schlafen empor, während sie dies sagte. ,

„Riesig albernes Gerede überall — verblümte und doch" verständliche Bemerkungen der Kameraden wre

das in solchen Fällen zu gehen pflegt — mem Gott! Cora, Sie verstehen Mich fa wohl langst — ^hr Vater, der Hofmarschall von Blank, und gewisse Begebenheiten auf einem fürstlichen Schlosse - ich selbst hatte davon keine Ahnung, als unsere Liaison zum Abschlüsse kam „Ah! Das ist es also, Herr von Dillheim? st nef Cora, sich hoch aufrichtend. „Sie halten es, wre uh sehe, für eine Schande, die Tochter des unglücklichen Biann zu Ihrer Gattin zu macken, auf dessen Andenken leider ein Makel haftet? Dünkt Ihnen vielleicht eine solche Ehe nicht standesgemäß?!" ,

„Echaufsiren Sie sich doch nicht, siebe Cora. be­schwichtigte Viktor. „Ich werde mich ja Mit der Zeit wohl an den Gedanken gewöhnen können, „diese aller­dings nicht ganz nnbedeutendenBedenken zu überwinden. Nur müßten Ihrerseits vielleicht einige kleine Zugestand- iiisse dazu beitragen, diese — wie Sie stch richtig aus­drückten — standesgemäßen Skrupel zum Schweigen zu bringen. Ich müßte zuerst aus meine Offizierskari-'.ere verzichten, und da werden Sie zugeben, daß un­vorhergesehene Verlegenheiten nach sich ziehen kann, wenn ich iiiich aus unbegrenzter Liebe zu ^hnen bereit zeige, dieses Opfer zu bringen."

So mein Herr? Also zu diesem enormen Opfer wären Sie allen Ernstes fähig?" Die Stimme des Mädchens vibrierte bei diesen Worten.

„Was thut man nicht um des Herzens willen! Aber Sie werden doch nicht böse sein wegen memer Auf­richtigkeit, die Sie selbst - - -" _

,Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen, Herr Leutnant von Dillheim", unterbrach ihn Cora, indem sie ihre durchbohrenden Blicke, die ein fast unheimliche» Feuer sprühten, auf den vor ihr Stehenden richtete. Aennon Sie den A§raoliton üevt Ältoiorsohn.

Viktor erblaßte und wiederholte stotternd:

Levi — Meiersohn? Wie — kommen Sie auf ihn? , „Er scheint mir die geeignetste Person zu sein, ber welcher Sie sich über den Begriff der Stande»ehre Rath erholen könnten."

„Ich verstehe Sie nicht, auf Ehre!

„Es wäre sehr zu empfehlen, daß Sie mit der Ver­pfändung Ihrer Ehre in Zukunft vorsichtiger verfahren

würden. Levi Meiersohn wenigstens hat auf dieselbe, nüe er mir erklärte, so wenig Vertrauen mehr daß er nicht gesonnen ist, sich nüt der sehr fraglichen Garantie Ihres bereits zweimal gebrochenen Ehrenwortes noch­mals zu begnügen. Er hat deshalb Schritte gethan, um fein Guthaben von zweitausend Mark ans anderem Wege zu erlangen, denn auf die nächstjährigen Revenuen Ihrer Güter — wo liegen sie doch? Ich weiß es m der >rhat gar nicht — scheint er sich gleichfalls Nicht viel Hoffnung

^ ^Viktor von Dillheim war von diesen, mit eisigem Hohn gesprochenen Worten wie niedergedonnert.

„Eine ganz unbegreifliche Impertinenz von fenem Menschen!" stammelte er. „Wie kann er sich nur unter- stehen. Derartiges zu behaupten?"

„Bemühen Sie sich, von diesem Paprer Emsicht zu nehmen", sagte die Sängerin mit verächtlichem Lächeln. „Es wird Ihr Gedächtniß ohne Zweifel auffrischen.

(Schluß folgt.)

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