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Wiesbadener TsgbM

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Dienstag» 4. Mai 1915.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 206. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

(Ein siegreiches Gefecht eines Marine­luftschiffs mit englischen Unterseebooten

Ein englisches Unterseeboot vernichtet.

W.T.-B. Berlin» 4. Mai. (Amtlich.) Am 3. Mm hat ein deutsches Marincluftschiff in der Nordsee ein Gefecht mit mehreren Unterseebooten gehabt. Es be­warf die Boote mit Bomben und brachte eines von ihnen zum Sinken. Die Unterseeboote beschossen das Luftschifs mit Geschützcn» ohne es zu treffen. Das Luftschiff ist wohlbehalten zuruck-

**** Stellvertreter des Chefs des Admiralstabs: gez. B e h n ck e.

Nriegsfrühling.

Der große Lieg im Südosten.

Neun Monate des großen Krieges liegen jetzt hinter uns. Hochsommer, Herbst, Winter und Vorfrühling find darüber hinweggegangen und mit diesen Jahres­zeiten haben Freude, Sorge und Kummer Mer die Kriegsgeischicke wie Sonne und Regen, heiteres Wetter und Sturmgetöse gewechselt. Immer Mer blreo für uns der G r u n d t o n in allen wechselvollen Stimmun­gen die f e st e Z u v e r s i ch t auf den Sieg unserer Waffen, auf den nach noch so schweren Kämpfen end­gültigen Erfolg der gerechten Sache, die wir in diesem Krieg unter einem verzweifelten Ansturm von Feinden aus aller Welt zu verteidigen hMen. Harte Aus­dauer ist dabei freilich von unseren Soldaten wie von den Daheinrgebliebenen gefordert worden. Der monatelange SchützengrMenkrieg stellte an dre Ruhe und Geduld unserer Heere schwere Ansprüche, und für die ungeduldig auf Erfolge und Siege wartenden Dolksmassen in der Heimat war es zweifellos auch nicht immer leicht, nur von der tapferen Abwehr feindlicher Angriffe zu hören, wo wir so gern wie am Anfang des Krieges einem raschen Siegeszug der Unsrigen und unserer Verbündeten gefolgt wären.

Wer es machte sich kein schwächlicher Mißmut gel­tend. Wir wußten, es müsse so sein, vertrauten aus unsere Heeresführnng, und die ausharrende Geduld werde, das erwarteten wir voll Zuversicht, ihren rerchen Lohn finden. Jetzt schlägt d iese Stund e Ww auf Windesslügeln ist der Frühling über dre Lande ge­kommen nach den kalten Tagen des April, und mit ihm hält auch über die Schlachtfelder im Osten und Westen ein hoffnungsreicher und verheißungs- voller Kriegs frühling seinen Einzug.

Auf den blutgetränken Gefilden von Ipern, wo viele Tausende unserer Braven den Tod gesunden .haben, hat sich zuerst dieser Kriegs- und Siegesfrüh­ling geregt. Wo Franzosen und Engländer unsicher, wirklich feste Stellungen einzunehmen schienen, ist Schlag auf Schlag unser plötzlicher Angriff zum Erwlg geworden. Schon reichen unsere Geschütze bis Dünkirchen und richten dort schweren Schaden an, und auch auf der ganzen übrigen westlichen Front rückt es nrit unwiderstehlicher Gewalt vorwärts. Roch überraschender fast kam, was in den letzten Tagen ans dem Osten gemeldet wurde, daß, wovon niemaM eine Ahnung hatte, unsere Truppen schon zwischen Li bau itnJ) Dünaburg in breiter Front vorruck­ten, und nun müssen gar russische Berichte bereits zu- gestehen, daß deutsche Vorposten sich vor L i b a u zeigen. Unser Hauptquartiers-Bericht aber kann in ruhiger Gelassenheit verkünden, daß wir den bereits auf Riga flüchtenden Russen Geschütze, Maschinengewehre und mehrere taniend Gefangene Mgenommen haben.

Aber der Siegesfreude erster großer Höhepunkt wird doch jetzt erreicht durch die Kunde von der glor­reichen Waffentat des Generalobersten v. M a ck e n s e ii. Daß dieser Sieg Mer die weithin reichende Durch­brechung der russischen Front von nMe der ungarischen Grenze bis zur Mündung des Dunajec in die Weichsel umfassen werde, hatte auch die kühnste Hoffnung nicht vorher zu sagen gewagt. Welch eine Genialität der Strategie tritt hier zutage! Während inan noch den russischen linken Flügel um die letzen Positionen in den Karpathentälern rin-

& !ätzt und HindeMurg auf dem linken Flügel der schen Armee zur Überraschung der ganzen Welt auf Riga zustößt — bricht Mackensen die breite . Front der Russen in Westgalizien mitten durch! Der Feind flieht in aufgelösten Reihen zurück, schleunigst die Rettung nach Osten zu suchen, und dre Sieges­trophäen der oerbüMeten Arnreen Deutschlands und Österreich-Ungarns versprechen so groß M sein, daß man sie noch gar rricht übersehen kann.

Das ist ein Kriegsfrühling von herrlicher Pracht, den wir jubetvid begiLtze». Der Wintzer dieses langxn.

bangen Wartens ist vorüber — es ist Arühüns geworden im Völkerringen des Weltkriegs. , ffruhli g für Deutschlands Waffen und dre ferner B e - ch rindeten! Die Einzelheiten des schaurigen KrregS- spi-els in Westgalizien werden erst durch dre ausführ­lichen Berichte der nächsten Tage geklärt werden. Oi H a u p t s a ch e Mer ist Kreits klar, nämlich daß dre durch die deutsche Südarmee unterstützten Truppen Österreich-Ungarns, in den Karpathenkämpsen gestaM, ein den Russen überlegener Gegner geworden sind, der in der offenen Feld schlacht der g all S t 3 scheu Ebene unbesiegbar uM unwider­stehlich sein wird. Zu früh hat man mrt chean Zaren in Lemberg eine Komödie der russischen EMwrung Galiziens aufgeführt. Zu früh hat man die Straßen der Städte umgetaust und die russischen Geiidarmen m die Dörfer gesetzt. Der Sturm der Mackensen- Armee wird alles wieder h i n w e g f e g e n, was sich an Rufsentum in Galizien ernnrsten wollte. Uno dieses große Reinemachen wird auf der ganzen Rresenfront wr Osten das letzte starke Wort des Siegers sprechen.

Oie Zreude in Wien.

Wie», 4. Mai- (K. Z.) Die Meldung vom *» cybruch der russischen Front in Westgalizien, deren Bedeutung duwh oen ' deutschen Bericht in ein noch helleres Licht geruckt wird, wurde der hiesigen Bevölkerung sofort durch Sonrncr- blätter bekannt gemacht und erregte cme um w freu­digere Stimmung, als man auf ein offensives Vorge.,en an dieser Stelle nicht gefaßt war. Sofort nach dem Bekannt­werden der Meldung wurden österreichische und deutle Fahnen ausgesteckt. Die Zuversicht auf eine baldige günstige Wendung an der gesamten Ostfront ist nunmehr allgemein.

Deutsche pressestimmen.

Berlin, 4. Mm. Der Sieg der verbündeten Arnreen auf deur westgalizischen Kriegsschauplatz wird von den Morgen- blättern gewürdigt, indem man die a m t l i ch e n Berichte der deutschen Heeresleitung und des Österreichisch- ungarischen stellvertretenden Generalstabschefs zusammenfügt.

Im „Berliner Tageblatt" sagt Major Moraht: Wir dürfen den 2. Mai feiern als eineii Tag, welcher zähe Vertei­dig u n g und energischen Angriff durch einen Erfolg auf dem südöstlichen Schauplatz des Krieges krönte, der nur durch treuestes Zusammenwirken .unserer verbün­deten Heere gegen die russische Übermacht der Zahl zu er­ringen war. _ _

In der „Deutschen Tageszeitung" heißt es: Die He«e der verbündeten Kaffermächte haben schon manche rühmliche Waffent'st in di wem Kriege in treuestem Zusammenwirken errungen. In Westgalizien haben sie jetzt in vollster taktischer Kampfgemeinschaft emen großen Sieg von noch gar nicht äbzuschätzend«, vielleicht entschei­dender Bedeutung für den ganzen Feldzng erfochten.

Die „Kreuzzeitung" sagt: Es handelt sich diesmal nicht um eine vernichtende Schlacht ähnlich der Winter­schlacht in Masuren, aber dennoch um einen Sieg, der für die endgültige Entscheidung bedeutsam werden kann. Wir müssen das der Zukunft überlassen. Für jetzt fteuen wir uns des schönen Erfolges und danken den wackeren Truppen, die ihn unter Führung des schon bei den Kämpfen in Polen so glänzend bewährten Generalobersten v. Mackensen er­fochten haben. Aufs herrlichste hat sich wiederum die Waffen­brüderschaft mit unserem österreichisch-ungarischen Verbün- deten betätigt.

Die „Tägliche Rundschau" bemerkt: Daß dieser große Sieg gemeinsam von unseren Truppen mit denen unserer Verbündeten errungen ist, erhöht seine moralische Be­deutung. In Blut und Feuer hat sich die Waffenbrüder­schaft als ein unverbrüchliches, unlösliches, herr­liches Bündnis bestätigt. Der Sieg um Dunajec be­deutet, daß die Zeit des StMegens im Stellungskampfe vor­über ist und daß c n t s ch e i d e n d e Sch l ä g c sich vorbereiten.

D:e „Bossische Zeitung" führt aus: Der Feldmarschall drüben, der General drüben, sie sind Klinge und Griff eines Schwertes und dieses Schwert saust nieder mit u n w i d e r - stehlicher Wucht. Die Schlacht in Westgalizien ist eine der ruhmvollsten Waffentaten dieses Krieges und wird ihre militärische und moralische Wirkuirg nicht verfehlen. Wir hoffen daß dieser Sieg denen zur Warnung dienen wird, die etwa das Gelüste tragen sollten, aus ihrer Neu­tralität hcrauszutretcn und mit den Verbündeten die Waffen zu kreuzen. ^ _ ,

Die „Kölnische BolkSzeitmrg" schreibt u. a.: Man sagt wohl nicht zu viel, wenn man in dieser glänzenden Waffcn- tat den Anfang der Befeiung Galiz.icns erblickt. Jedenfalls muß sich die Wirkung dieses Sieges auf der ganzen qali-ischen Front, durch die Karpathen hin bis zur Bukowina, bemerkbar machen. Die nächsten Tage werden uns wohl unsere und die österreichisch-ungarischen Truppen beim Ein- heimsen der Siegesfrüchte und bei der Ausnutzung

res großen Erfolges zeigen. Der moralische Eindruck wird sich nicbt auf die von der Niederlage zunächst betroffenen Russen beschränken. Er wird sich auf der ganzen Osffront be­merkbar machen und auch im Westen und bei den Neu­tralen wirken. Die russische Dampfwalze wird zuruck- gewälzt. Sie hat keine von den überschwänglichen Hoff- mmWm «füllt, die En^änder und Franzose» auf sie setzten.

Die „Kölnische Zeitung" schreibt: Nach einem alten Ge­setz der Kriegsgeschichte zieht sich der geschlagene Teck m der Richtung des entscheidenden Stoßes zurück, hier ist durch dre Bahn von Krakau nach Przemhsl und Lemberg vor» vornherein die Richtung der Flucht gegeben, ebenso !me durch die parallel werter südlich laufende Strecke Gorirce- Scrmbor-Lemberg. D« Besitz dieser Lrnren ernug- lichte es den Russen, Truppen und H«resbÄ>arf von Ofwu nach vorn vorzufchieben, um di« entstehenden Lücken recht­zeitig auszusüllen. Je weiter die Verfolgung nach Osten geht, desto schlimmer wird die Lage der in den K arpath e a stehenden russischen Srreitkräfte, die im Rücken bedroht sind. Die Folgen des großen Sieges werden erst m den nächsten Tagen greifbarer hervortreten, wenn man auch dre Beute gezählt haben wird, die der sofortige Preis des Kampfes gewesen ist.

Der Vormarsch in Nurlanö und Nowno.

(Drcchtbericht unseres zum Ostheer entsandten Kriessbericht-. eritatters.)

Schawle, 2. Mai.

Nachdem «nsere Pioniere eine Schiffsbrücke^ zur Überführung größerer Truppenverbände auf der Memelstrecke östlich Tilsit geschlagen hatten, begann in der Mitte der ver­gangenen Woche der deutsche Bormarsch in die Gouver­nements Kurland und Kowno. Der Widerstand der Rußen, die keine Zeit gefunden hatten, den unerwarteten deut­schen Schlag abzuwehren, war iiberall unerheblich; nur bm der Kreisstadt Schawle, die einen wichtigen Verkehrspunkt bildet, loeil sich die ausgezeichnete große Reichsstratze Tau- roagen-Mitau und die Bahnlinie Libau-Wckua und Lrbau- Dwinsk hier schneiden, versuchten die Russen energischerm Widerstand zu leisten.

Trotzdem unsere Truppen, die hier vorgrnyen, 80 Kilo­meter Marsch fast ohne Ruhepause hinter sich hatten, warfen sie in achtstündigem Dur ch g a n g s ge fech t die Russen aus Schawle heraus und hatten am ^sreitagsruh Schawle fest in der Hand. Die Russen hatten die großen lagernden Holzvorräte rm Nordwesten der Stadt mit Petroleum getränkt und beün Abzug angezündet, ebenso wre die großen Heu- und Hafervorrüte in den Lager^iuseru ny Osten der Stadt. Deutsche Granaten hatten bei der Be­schießung in der Mitte der Stadt gezündet. D« sturmartige Nordwestwind trieb die Funken und Flammen mit unheim­licher Schnelligkeit weiter; als die von den Rüsten angezun- deten Naphihavorräte im Westen der Stadt auch noch zu voller Entzündung kamen, schien Schawle kaum noch zu retten.^ ^I.s ich am Frertagvormritag in die Stadt fuhr, fing das weiter schon an, mit rasender Wucht um sich zu greifen. In wer Stunden wurden ganze Straßenzüge vernrch.et, zumal die überall verstauten Holzhäuser das Überspringen forderten. Unsere Pioniere arbeiteten die ganze Nacht unter gewaltig« Anstrengung, oft mit Einfchung des eigenen Lebens au d« Rettung der Stadt. Geyen Morgen gelang es, das u-lamm-en- mecr einzudämmen, nachdem sich von Mitternacht an -ce ge. samte deutsche Garnison an dem RettiMgswerk be- teiligt hatte. Die kopflose und in Parteien Juden und Polen gespaltene MrgersckM leistete keinerlei Hilfe mrd mußte «st mit Gewalt zum Wafferholen gezwungen w«den. f Bei den mitternächtigen Nettungsarbeiten, dre an urvf^ve übermüdeten Truppen gewaltige Anforderung^ stellten.

^ konnte ich bei dem Versuch, zu helfen, dre geradezn une­ben erliche Trägheit und Gleichgültigkeit der Ernwohn« ftst- stellen, die selbst unter dem Schau« des Eindruckes d« ganzen brennenden Stadt und der prastelnden Flanmien nur an kleinliche Einzelinteresten dachten uüd rede Rettungsaktrou den deutschen Truppen überließen. . . ™ „

Der gerettete Teck d« Stadt birgt noch reich« Bor- r ä t e Auch gelang es, den größeren Teck d« rustffchen auf- oeitavesien Arincevorräte vor der Vernichtung zu bewahren;

£SS s^r «ratze Mengen Rindleder m ta

Speubern. Aber ar^h Arm«erref«ungen b« Berfd^-nften A« Ein großer Zu« mit Liebesgaben, bet von Lü«u kam und für die 10. russische Armee bestimmt war, führ los in Schawle ein und wurde (wie schon gemeldet. Schrrftt.)

^^Kwallerieckbtellungen, die iveit auf der Straße Schowke- Mrtau vorqingen, stellten fest, daß ^G-geM voll, «vom F e i n d e f r e i wäre. DaS bish« b-sehte Gebiet ist d e u t. sch cs Ordensland, da der Fluß Nrewiaza.die Ost- arcnze deS Deutschordenslandes bildet. Auch Schawle liegt innerhalb dieses ehemals deutschen Gebietes.

’ Rolf Brandt, Kriegsberichterstatt«.

Die Umfassung der Russen von Norden.

2 : lf u 3 Mai. (Ktr. Bln.) Nach Meldungen aus Schatze beffnden sich "die feindlichen Truppen _ auf dem all« e- meinen Rirckzuge. Die Russen versuchten, ans S t f> e » nnb Mitau herbeigeholtc Truppen in P o P e l, a n v und Sadow gegen unsere vsrdringenden Truppen emzusctzen. Eie zogen «ich jedoch vor unserer Kavallerie flucht artig Zurück und werden von den Deutschen weiter verfolgt. Dre allgemeine BorwärtSbewegung der deutschen Offensive ist <mf "amen Linie in vollem Gange. Das ausgeze.chnet- Wctter »nd die guten Wege begünstigen unsere Operatrom». Das Urteil eines Schweizer Militiirkriti.ers.

-Eü T-B. Basel, 3. Mai. (Nichtamtlich.) D« Mckitär- kriiiker der .Basler Nachr." hält die n c u e Um f as jung der Rusteu von N-ord e u für ziemlich vorgeschrrtten. Ware