«8. Jahrgang.
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Uv« 546. Redaktions-Fernsprecher No. 52. Freitag, d-N 23. UovemKer. Berlags-Ferusprocher No. 2266. 1900.
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„Wiesbadener Tagblatt"
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Die Statistik der Reichspost
für das Jahr 1899 ist dem Reichstag soeben zugegangen. Darnach ist die Zahl der durch die Post beförderten Sendungen im Jahre 1899 gegen das Vorjahr um 364 Millionen und damit auf 4,4 Milliarden gestiegen. An Telegr am me n wurden 41,2 Millionen, d. h. 2,3 Millionen mehr als im Vorjahr, befördert. Schon 1898 sind mehr als eine halbe Milliarde Telephong espräche vermittelt morden; 1899 stieg diese Zahl noch um 52 Millionen auf 574 Millionen. Aus dieser Statistik erfährt man, wie sehr der Fernsprech- den Telegrammverkehr überragt. Die Zahl der im Fernsprechverkehr vermiltclten Gespräche ist 14 Mal so groß und selbst die der Gespräche zwischen Sprechstellen verschiedener Orte noch fast doppelt so groß als die Gesammt- zahl der beförderten Telegramme. 24,5 Milliarden Mark erreichte der Betrag der Werthangabcn und des durch die Post vermittelten Geldverkehrs im Jahre 1899. Allein in Jahresfrist betrug die Zunahme 1,4 Milliarden Mark. Die Ge sammteinnahmen der Post stiegen 1899 um 24,5 Millionen auf 373,6 Millionen Mark. Der lieber* schuß der Postverwaltung betrug 41,5 Millionen Mark, d. h. 3,7 Millionen Mark mehr als im Vorjahre.
Das dem Staatssekretär v. Podbielski unterstellte Be- amtcnheer zählte Ende 1899 181,702 Köpfe, hatte sich also iu Jahresfrist um 7722 vermehrt. Schon 1898 war wohl auf Betreiben des Staalssekretärs v. Podbielski die Zahl der weiblichen Postbeamten von 297? auf 4665 angewachsen; sie ist im Jahre 1899 noch weiter auf 6105 gestiegen. Außerdem hat sich bei den außerhalb des Beamtcnverhält- nisses stehenden, dauernd oder regelmäßig wiederkehrend beschäftigten Personen das weibliche Personal von 1568 auf 1948 erhöht. Mit der Zahl der Posthaltereien ist wie schon in früheren Jahren auch die Zahl der Postillone und ber Postpferde 1899 in einer wenn auch langsamen Abnahme begriffen gewesen. An eigentlichen Personenposten waren nur noch 769 gegen 866 im Vorjahre vorhanden. Die Gesammtzahl der mit den Posten beförderten Personen hat sich weiter von 1,579,966 auf 1,466,374 vermindert. Im vorigen Jahr zeigte die Zahl der Extraposten, dieses besonderen Verkehrsmittels aus der guten alten Zeit, eine kleine Zunahme, und zwar von 223 aus 370; im Jahre 1899 ist dafür der Rückgang um so größer geworden; es sind nur noch 129 Extraposten befördert worden.
Von den 4,4 Milliarden aller durch die Post beförderten Sendungen nehmen den weitaus größten Theil die
Briefsendungen mit 4,2 Milliarden ein. Unter diesen Briefsendungen sind allein 1,46 Milliarden Briefe. Ihre Zahl wuchs gegen das Vorjahr um 93 Millionen. Noch größer war die Zunahme der beförderten Postkarten; sie stieg um 104 Millionen ans 736 Millionen, also fast auf s li Milliarden. Zu den Briefsendungen werden auch die mit der Post beförderten Zeitungsnummern gerechnet. Sie wiesen mit 1,1 Milliarden eine Zunahme gegen das Vorjahr um 86 Millionen auf. Die durch die Post bezogenen Zeitungsexemplare stiegen gegen das Vorjahr von 3,8 auf 4,1 Millionen. Die Unhöflichkeit der Zusendung unfrankirter Briefe im Verkehr der Reichspostanstalten zu anderen Reichspostanstalten hat im Jahre 1899 wieder zugenommen, nachdem 1898 eine Abnahme gegen das Vorjahr von 16,7 auf 15,6 Millionen Stück zu verzeichnen war. 1899 aber ist ihre Zahl wiederum um etwa 200,000 gewachsen. Der Betrag der Briefe mit Werlh- angabe meist gegen das Vorjahr wieder eine geringe Abnahme von 10,9 auf 10,6 Milliarden auf. Dagegen ist der Werth der Packete mit Werthaugabe von 4,7 auf 5,2 Milliarden gestiegen, lieber die Konkurrenz der Privat- postaustalten hatte die Reichspost auch 1899 keine Ursache, zu klagen, denn nach der Statistik des Briefverkehrs ist gerade bei den Ortssendnngen die Zahl der Briefe um fast 21 Millionen iu Jahresfrist gestiegen.
Postanweisungen innerhalb des Reichspostgebietes wurden 107 Millionen, d. h. 9 Millionen Stück mehr als im Vorjahr, befördert. Der Gesammtbeirag der auf diese Postanweisungen eingezahltcn Geldsummen stieg gegen das Vorjahr um rund 1 Milliarde, von 5,7 auf 6,7 Milliarden Mark, der durchschnittliche Betrag einer Postanweisung von 58,68 auf 62,39 Mk. Von diesen Postanweisungen sind auf telegraphischem Wege zur Auszahlung überwiesen morden 373,364 Stück mit einem Betrag von 66,6 Millionen Mark.
Eine ganz erhebliche Zunahme wies wiederum die Zahl der endgültig unbestellbaren Postsendungen auf. Ans eine Million Postsendungen kamen 1897 279, 1898 367 und 1899 gar 401 endgültig unbestellbare Sendungen. Im Ganzen stieg die Zahl der unbestellbaren Sendungen gegen das Vorjahr von 871,018 auf 1,038,180 Stück. Bei 15,7 pCt. dieser Sendungen verweigerte der Empfänger die Annahme, 17,4 pCt. blieben wegen Todesfall oder Auswanderung unbestellbar. Die Kartenbriefe haben sich nicht einzubürgern vermocht. 1898 wurden 8,1 Millionen, 1899 nur noch die Hälfte, 4,2 Millionen, verkauft. Mit der neuerlichen Mode der Ansichtskarten hängt unzweifelhaft die ganz gewaltige Zunahme des Verkaufs von Fünfpfennigmarken zusammen. Allein 1899 wurden m;hr als 1 Milliarde Stück mehr als im Vorjahre von diesen Postwerlhzeichen abgesctzt.
Die Zahl der an die Fernsprecheinrichtungen angeschloffenen Theil nehmet stieg im Reichspostgebiet in Jahresfrist von 141,724 auf 159,561. Die Theilnehmer zeigten also gegen das Vorjahr eine Zunahme um 12,5 pCl. Orte mit Fernsprechanstailen gab es 1898 720, 1899 1024. Von den 574 Millionen vermittelter Gespräche fielen auf Fernsprechstellen innerhalb der einzelnen Orle 498,6 Millionen, nach außerhalb zwischen Sprcchstellen verschiedener Orte 75,3 Millionen.
Für das finanzielle Ergebniß der Reichspost-Ver- maltung ist eine vergleichende Uebersicht bemerkensmerth. Danach betrug 1879 der Ueberschuß der Reichspost 15,4 Millionen; 10 Jahre darauf (1889) 27,3, 1897 33,8, 1898 37,7 und 1899 41,5 Millionen Mk.
Aus Ktadt und Land.
W i e s b (i b e n, 23. November.
— Zitlier-Konrert. Der zweite Vortragsabend der Wiesbadener Zithcrschnle, Inhaber O. Kilian, findet Spnütag, den 2. Dezember, Abends 8 Uhr, im Saal des „Katbolkschen Lese- vereins", Luisenstraße 27, statt. Für denselben ist auch Herr Opernsänger E. Habich (Bariton) gewonnen. Den Besuchern dürfte, wie immer, ein genußreicher Abend bevorstehen.
— Vollrsvorlesuugrn. Wir machen nochmals auf den heute Freitag Abend 8'/- Uhr in der Oberrealschüle stattfindcnden letzten Vorträg des Herrn Professors Schmidt über das Thema: „Wind, Wetter und Wettervoraussage" aufmerksam. Der Herr Vortragende wird nach einem kurzen Eingehen auf das Thema des letzten Vorteages (Feuchtigkeit, relative Feuchtigkeit) zum Schluffe behandeln das beständige Wetter in den 4 Zonen vom Aequator bis zum 40. Breitengrad, dann das veränderliche Wetter in unseren Gegenden unter dem Einfluß der Maxima und Minima und seine Voraussage. Damit wird diese Vortragsreihe beendigt sein und den nächsten Freitag wird Herr Dr. Grünhut vom chemischen Institut des Herrn Professors Fresenius über Gewinnung und Verwerthnng des Petroleums sprechen. Eintritt für Männer und Frauen frei.
— Erweiterte Znlastnng ran Frldpostjendungen. Zur
Beförderung an die mobilen Landtruppen des Heeres und der Marine in Ostasien sind fortan in Privatangelegenheiten der Empfänger Gcldbriefe bis zum Betrage von 1500 Mk. einschließlich und bis zum Gewichte von 250 Gramm einschließlich zugelaffcn. Die Geldbriefe bis zum Betrage von 150 Mk. und bis zum Gewichte von 50 Gramm einschließlich find portofrei. Für die der Portozahlung unterliegenden Geldbriefe beträgt das Porto bei einer Werthängabe bis zu 150 Mk. und einem Gewicht von mehr als 50 Gramm 20 Pf., bei höherer Werthangabe ohne Unterschied des Gewichts: über 150 bis 800 Mk. 20 Pf., über 300bis 1500 Mk. 40 Pf. Das Porto ist vom Absender zu entrichten. Die Aufschrift muß denselben Anforderungen entsprechen, wie bei den gewöhnlichen Feldpostbriefsendungen. Zur Herstellung des Siegelverschlusses ist feiner Lack zu verwenden. Es empfiehlt sich, auf der Siegelseite den Absender namhaft zu machen. Die Beförderung der Geldbricfe erfolgt mit den alle 14 Tage abwechselnd von Bremerhaven und Hamburg nach Ostasie» abgehcnden Reichspostdampfern. In Betreff der Postsendungen an die Besatzungen der Kriegsschiffe in Ostasien verbleibt es bei den zur Zeit bestehenden Festsetzungen. In der Richtung vom Feldheere nach der Heimath werden nunmehr ebenfalls Geldbriefe bis zum Betrage von 1500 Mk. und bis zum Gewichte von 250 g, ferner Postanweisungen bis zum Betrage von 800 Mk. einschließlich befördert.
— Schlecht verpackte Gelder bei Postsendungen. Das „Amtsblatt des Reichspostamts" enthält fast in jeder Nummer Bekanntmachungen über „ansgefundenes Geld", welches den Post- packeten entfallen ist. In der letzten Nummer sind 7 solcher Fälle aufgeführt. Es ist deshalb die Mahnung an die Absender zweckmäßig, solche Gelder — es handelt sich meistens um Beträge bis zu 10 Mk. — fest zu verpacken, denn schließlich fällen die herrenlosen Gelder dem Postarmenkasseufonds zu. Wenn es auch nicht verboten ist, Gelder undeklarirt abznsenden, so thäten die Absender doch weit besser, die Beträge per Postanweisung abzusenden, umso mehr, als Beträge bis 5 Alk. nur 10 Pf. Porto kosten.
--- Der gesetzliche Ladenschluß, der auf der einen Seite als eine Wohlthat, als eine sowohl den Geschäftsinhabern, als auch den Handelsangestellten Gelegenheit zur wohlverdienten Erholung bringende Maßnahme lebhaft begrüßt worden ist, auf der anderen Seite aber manchen Eiferer» Veranlassung gegeben hat, ein Wehgeschrei über die nun zu befürchtende Unsolidität des
Feuilleton.
MurninotHermre.
Das neue eigenartige Verfahren zur Erzeugung von Temperaturen bis zu 3000 Grad nach Goldschmidt, bei d^m als lebendiges Feuer nur eine Streichholzflamme wirkt, wird bereits in größerem Umfange in der Technik Wr Darstellung von reinen Metallen, wie Chrom, Maggan, und zur Herstellung von Erwärmungsgemischen Mlgeivendct. Der Erfinder benützt zur Erzielung der hvySn Temperatur eine Erwärmungsmasse — bestehend aus Aluminiumpulver und Metalloxyden, welche ihren Sauerstoff leicht abgeben — die dadurch zur Verbrennung
f Kracht wird, daß man eine Zündkirsche (Kügelchen aus luminium und Baryumsuperoxyd mit eingesetztem Magnefiumstreifen) in die Erwärmungsmasse legt und mit einem Streichholz in Brand setzt. Um z. B. schmiedbares Eisen herzustellen, giebt man eine Mischung von Eisenoxyd und Aluminiumpulver in einen mit Sand aus- gekleibeten Tiegel, bettet eine Zündkirsche in das Gemisch ein und zündet den aus letzterem hervorragenden Magnesiumstreifen an. Die Reaktion setzt bald mit hellster Weißgluth ein, die Außenwand des Tiegels bleibt, trotz der Hitze von 2900—3000 Grad im Innern, völlig kalt, sodaß man diesen in der Hand halten und mit der weißglühenden Masse, gleichsam wie mit einem Scheinwerfer, die Umgebung beleuchten kann; es entsteht nun durch Reduktion des Eisenoxyds reines kohlenfreies' metallisches Eisen, welches sich in etwa vier Minuten als weißglühender Regulus am Boden des Tiegels sammelt. Ein circa 10 Millimeter dicker Eisenstab^ in die feurig
flüssige Masse eingetaucht, schmilzt in wenigen Sekunden ab. Gleichzeitig bildet sich eine aus Aluminiumoxyd bestehende Schlacke, sogenannter künstlicher Korund, der weit härter ist, als das natürliche Produkt und ein vorzügliches Material für Schleifzwecke bildet. Die praktische Verwendung des Verfahrens findet, laut einem Berichte desPatent- und technischen Büreaus Richard Lüders in Görlitz, nach drei Seiten hin statt: 1. Gelingt es dadurch im großen Maßstabe und im reinsten Zustand kohlenfreie Metalle darzustellen. Diese Metalle werden selbst in größerer Menge in einfachen tiegelförmigen Oefen, die einige 100 Kilogramm Metall fassen, in der Zeit von kaum einer halben Stunde abgeschieden. Bisher wurden vorzugsweise, neben Eisen, Chrom- undMangan- metall für Legirungszwecke im Großen hergestellt. 2. gewinnt man gleichzeitig mit den Metallen das oben Gezeichnete äußerst harte Schleifmaterial, das zur Herstellung von Schleifscheiben und als Polirmittel Anwendung findet. Besonderen Werth besitzt aber 3. das Verfahren als Wärmeerzeugung zur Metallbearbeitung, das darauf beruht, daß auf kleinem Raum sehr große Wärmernengen hervorgerufen werden können, sodaß eine Stelle oder ein Stück gleichmäßig erhitzt wird, während die benachbarten Theile kalt bleiben. Indem man nun eine bestimmte Menge des Gemisches, z. Bi von Aluminium mit Eisenoxyd, anwendet, ist man in der Lage, die jeweilig aufzuwendende Wärmemenge direkt abzuwiegen. Das Verfahren findet so Anwendung zum Härten, Enthärten und zum Hartlöthen. Hier wird an Stelle eines großen Kohlenfeuers die nur geringen Raum einnehmendeErwärmungsmasse auf die zu löthende Stelle aufgestreut. Mit geringer Abänderung wird dieses Verfahren — in der Werkstatt wie auch im Freien — ohne
umständliche Apparate in einfacher, sicher funktionirender Weise zum Schweißen benützt. Eine z. B. geschweißte Schienenstrecke hat eine große Druckfestigkeit und bietet den Vortheil des stoßfreien Fahrens und damit eine Er- sparniß am Oberbau tute am rollenden Material. Auch defekte Stellen an größeren Maschinentheilen, Wellen, Zahnrädern ec. sind auf diese Weise ohne Kohlenfeuer oder elektrische Erhitzung auszubessern. Auf der Chemiker- Versammlung in Hannover hat Dr. Hans Goldschmidt nach der „Deutsch. Schlosserztg." einen Vortrag über sein neues Verfahren zur Erzeugung hoher Temperaturen durch Aluminium (Thermit) gehalten, worin er noch folgende interessante Daten zu diesem Gegenstände mittheilte: Feurig-flüssiges Thermit auf einen Eisenblock gegossen, schmilzt ihn, wie heißes Wasser einen Schneehaufen. Diebe- und feuersichere Kassen widerstehen nicht mehr. Panzerplatten werden durchlöchert. In Essen und Braunschweig werden die Straßenbahnschienen nach diesem Verfahren geschweißt. Die Schweißung wird ausgeführt, indem ein Tiegel mit einigen Löffeln Thermit gefüllt, etwas Entzündungsgemisch darauf gestreut und mit einem Sturmstreichholz angezündet wird. Es ist vollkommen ungefährlich. Dr. Goldschmidt demonstrirte das Verfahren auf dem hölzernen Experimentirtisch der tech- nischen Hochschule in Hannover. Temperaturen von mehr als 3000 Grad nehmen Operationen von nur zwei bis drei Minuten in Anspruch. Die Operation verläuft so rasch, daß der Tiegel kalt bleibt und in die Hand ge- nommen werden kann. Die feurig-flüssige Masse im Tiegel besteht aus geschmolzenem Eisen, es ist alumino- thermisches Eisen. Obenauf schwimmt Korund, das ist Aluminiumoxyd. Mit diesem Verfahren ist ein neuer Wissenszweig, entstanden^ die Aluminothermie,
