Einzelbild herunterladen
 

I. Skilage nun Wiesbadener Tagblntt.

Uo. 841. Al»en)»-Arrsgabe. Montag, den 10. November.

Kt****'* *******************-**-****** «**«

tt

«t

•*

*

*

Nicht die Gewohnheit, das Opfer ist das feste Baud, welches das Volk an fein Recht kettet, und welchem Volke Gott wohl will, dem schenkt er nicht das Recht. Denn Kampf, welchen das Recht cisordert, ist nicht ei» Fluch, foiidern ein Segen. Jhcring.

fr

»

fr

»

*•

fr

*¥¥¥¥¥¥¥¥¥?¥¥¥¥¥*¥?*TV¥¥¥¥¥*¥W¥**WW#9*

(3. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Die Göttin des Glücks.

Roman von Ueinhold Hrtma.in.

„Und auch die Familie Deiner Braut ist völlig ver­armt, wenn ich die Andeutungen in Deincni Briefe richtig verstanden habe/

»Ja, JugeS Vater hat fein Vermögen bis auf den letzten Pfennig verloren. Durch eine Reute, die ihm ans einer Familienstiftung zuflicßt, fristet er recht kümmerlich sein und seiner Angehörigen Leben/

„Ist er denn schon so eilt, daß er durch eigene Arbeit nichts mehr erwerben kann?"

Bernhard machte ein etwas verlegenes Gesicht.

„Das eigentlich nicht. Aber er — er hat so seinen besonderen Stolz. Und dann giebt es da auch noch eine Art von fixer Idee, die ihn leider verhindert, energisch an der Aufbesserung seiner Verhältnisse zu arbeiten. Du wirst das Alles aus eigener Beobachtung viel besser und gründ­licher erfahren, als ich es Dir schildern könnte. Denn Du hast doch nichts dagegen, daß ich Dich morgen schon bei den Restorps cinführe?"

„Ich bin selbstverständlich sehr neugierig, Deine Braut zu sehen. Aber wie bist Du denn eigentlich an diese Leute gekommen? War es Dein Freund Harro Voyscn, der die Bekanntschaft vermittelt hat?"

„O nein! Er wäre dazu gar nicht in der Lage gewesen, denn er unterhält keinen Verkehr mit seinen Verwandten, und es besteht sogar ein ziemlich gespanntes Vrrhältniß zwischen ihm und dem Oheim. Die beiden Brüder halten seiner Mutter die Heiralh mit einem bürgerlichen Maler niemals verziehen, und er ist sehr stolz ans seinen Vater/

„Nun denn, wie kam die Anknüpfung sonst zu Stande?"

„Herr von Restorp erschien vor einigen Monaten hier in meinem Büreau, um wegen eines Prozesses Rücksprache mit mir zu nehmen. Später mußte ich ihn wiederholt aus­suchen, weil er durch ein Unwohlsein an das Zimmer ge­fesselt war, und so entwickelte sich die nähere Bekanntschaft ganz von selbst."

„Natürlich — wie es eben zu gehen pflegt, wenn der Vater eines armen, heirathsfähigen Mädchens auf einen unerfahrenen jungen Mann stößt, ans dem sich bei einiger Geschicklichkeit ein Bciverbcr machen läßt."

„Pfui, Hanna! — So darfst Du nicht von den Restorps sprechen, auch nicht im Scherz! Sie haben nicht nur keine Geschicklichkeit aufgcwcndet, um mich zu fesseln, sondern Inges Vater hat sogar erst nach längerem Zögern seine Einwilligung gegeben. Ein simpler bürgerlicher Rechtsanwalt ist als Schwiegersohn im Grunde garnicht sonderlich nach seine», Geschmack."

„Desto »lehr wirst Du Dich vermuthlich beeilen, Deinen glücklich errungenen Schatz in Sicherheit zu bringen. Zn wann muß ich meine Hochzeitstoilettc bestellen?"

„Du brauchst es nicht zu überstürzen. Wir machen uns auf einen ziemlich langen Brautstand gefaßt. Denn meine Praxis gestattet mir vorläufig noch nicht, eine Familie zu gründen."

„So hätte sie Dir auch nicht gestatten sollen. Dich zu verloben. Nichts für ungut, Bernhard — aber cs lhnt mir leid, daß ich nicht schon ein paar Monate früher gekommen bin, wie es ja auch in der That meine Absicht war."

„Wirklich? War es das? In Deinen Briefen hast Du niemals etwas davon verrathen."

„Es giebt Dinge die sich brieflich nicht gut erörtern lassen. Würdest Du es denn begriffen haben, wenn ich Dir geschrieben hätte, daß ich in hohe», Maße unzufrieden mit Dir sei — daß Du meine stolzen Erwartungen getäuscht hast und Dich meiner Ansicht nach auf dem besten Wege befindest, Dein Leben gründlich zu verderben?"

„Ich wäre davon allerdings einigermaßen überrascht worden. Denn bis zu diesem Augenblick lebte ich in dem Wahn, so ungefähr meine Schuldigkeit zu thun/

„Und Du warst glücklich, wenn sich irgend ein Schuster oder Schneider entstellte, um seine Rechtshändcl durch Dich ausfechten zn lassen, nicht wahr? Du wärst es ganz zu- srieden, wenn Du nach zehn oder fünfzehn Jahren von Deiner mühselig zusammengcscharrten Praxis in bescheidener Gemächlichkeit leben könntest — vielleicht mit der beglückenden Aussicht, Dich als Siebziger zur Ruhe zn setzen. Sage doch aufrichtig. Bernhard; ist dies nicht das Bild der Zu­kunft, wie sie Dir bisher vorgcfchwebt hat?"

„Daß sie sich wesentlich glänzender gestaltcn werde, wage ich allerdings kaum zn hoffen. Bis jetzt wenigstens sind keinerlei Anzeichen dafür vorhanden."

„Weil Du selbst noch nicht das Geringste dazu grthan hast. Weil'Dn Dein Pfund vergräbst, statt damit zn wuchern."

„Mein Pfund — das sind vermuthlich meine großartigen Talente?"

„Großartig oder nicht — sie sind immerhin bedeutend genug, Dir eine Stellung zu machen, Dir den Weg zn An­sehen und Rcichthum zu ebnen. Du hast Beredsamkeit, Schlagfertigkeit »nd eine lebhafte Phantasie. Das ist Alles, was man braucht, um ein gesuchter Anwalt und vor Allem um ein berühmter Vertheidiger zu werden. Bringe Deinen Namen in Verbindung mit einigen Sensationsprozessen, die das Publikum ein paar Tage oder Wochen lang in Athem halten — gieb den Zeitungen Gelegenheit, Deinen Geist, Deinen juristischen Scharfsinn, das Feuer Deiner Rede zu rühmen — r,nd Dn bist ein geniachtcr Mann."

„Ganz so leicht, wie Dn Dir's vorznstcllcn scheinst, ist das doch vielleicht nicht. Und dann, woher soll ich diese SensatioUSprozcsse nehmen?"

„O, sie sind immer da. Man muß sich ihrer nur zu bemächtigen wissen. Wenn ich an Deiner Stelle wäre, bei Gott, ich hätte meinen Fuß längst auf der Leiter, die zn Reichthnm und Macht empor führt."

„Rcichthum und Macht — sind das denn wirklich die höchsten und crstrebcnswcrthcsten irdischen Ziele?"

Sie lachte kurz auf, und ihr Lachen hatte diesmal nicht den holden, bestrickenden Klang, der Harro Boysen vorhin so entzückt hatte.

„So fragt ein Knabe, Bernhard! Wer sich nicht in jämmerlicher Schwäche von vornherein damit abfindet, das Leben als ein armseliges Vcgetiren anznsehen, der kann kein anderes Ziel haben als dies. Beglücke meinetwegen die Welt mit großen und erhabenen Ideen — erweise Dich als ein Wohlthäter der Menschheit — erst aber mache Dich zum Herrn über sic, damit sie Dich nicht als einen Narren unter die Füße trete! Nein, es giebt nichts Größeres und Herr­licheres als die Macht, nichts Schimpflicheres als jene Ab­hängigkeit, die Tag für Tag vor der Dummheit und Er­bärmlichkeit zn Kreuze kriechen muß. Herrschen allein ist leben! Ein verächtlicher Feigling der Mann, dessen Streben nicht darauf gerichtet ist, über seine Umgebung zn herrschen."

Ihre Augen glänzten und ihre Wangen hatten sich höher gerölhet. Bewundernd blickte der Bruder auf ihre Schön­heit. Ihre leidenschaftlichen Worte aber nahm er dem An­schein nach nicht allzu ernst.

„Du hättest in den Tagen des Mittelalters leben müssen, Hanna! Vielleicht würde auch ich mich dann zu Deiner

Auffassung bekannt haben. Heute aber-lieber Gott,

was für eine Sfrt von Herrschaft sollte ich als einfacher Rechtsanwalt wohl erstreben?"

„Daß Du so sprechen kannst, beweist, wie wenig Dn mich verstanden. Wir sind keine mittelalterlichen Menschen

48. Jahrgang. 1900.

— leider! Aber unsere werthen Zeitgenossen sind eS glück­licherweise auch nicht. Die Waffe, durch die man zur Herr­schaft über sic gelangt, ist nicht mehr das Schwert, sondern das Geld! Reich sein und klug sein — das heißt über ein Heer dcmüthiger Sklaven gebieten, die Dir willig Alles hin­geben, was Du von ihnen verlangst: ihr Gewissen und ihre Ehre, ihren Leib und ihre Seele."

„Schlimm genug, wenn es sich so verhält! Und eS ver­langt mich herzlich wenig nach einer solchen Herrschaft. Die Unabhängigkeit eines ehrlichen Mannes, das ist Alles, was- ich für meine Person begehre."

„Aber D» wirst niemals unabhängig sein, so lauge Du nicht reich bist. Wer die Ueberlcgenheit seiner Kenntnisse und Fähigkeiten nicht diesem einzigen großen Zwecke nutzbar zu machen weiß, der lebt und stirbt als ein Knecht."

„Und Du selbst, Hanna? Hast Du Dich dem Studium nur deshalb gewidmet, um durch Deine Wissenschaft Reich- thümcr zu erwerben?"

„Ich hatte mich für diese Laufbahn entschieden, weil ich in einem thörichtcu Jrrthum befangen war. Dadurch, daß ich mir die Bildung eines Mannes aueigncle, wähnte ich, den Kampf um die Macht auch mit den Waffen eines Mannes führen zu können. Aber ich habe das Unsinnige dieses Glaubens längst erkannt. Ein paar glücklich bestandene Prüfungen und ein Doktorhut hebe» den Unterschied zwischen Mann und Weib nicht auf. lind cs ist gut, daß eS so ist. Denn wehe den: Weibe, das sich bei dem Ringen um die Herrschaft auf andere Waffen verläßt, als auf die natürlichen seines Geschlechts!"

„Darum also hast Du Dein Studium abgebrochen? Und nun — was gedenkst Du nun zn beginnen?"

„Ich habe noch keinen bestimmten Plan — abgesehen davon, daß ich entschlossen bi», vorläufig hier zu bleiben. Du wirfst mich doch nicht hinaus?"

„Welche Frage! Die Wohnung, di- ich von meinem Vorgänger übernommen habe, ist für mich ohnedies viel zu groß. Dn kannst zwei recht hübsche Zimmer haben, die soweit abseits von den Büreauräumen liegen, daß Du durchaus nicht gestört wirst."

„Gut! Und wir werden den Haushalt von heute an auf gemeiuschafllichc Kosten führen. Das ist eine Bedingung, von der ich nicht abgehe. Du weißt, ich liebe in solchen Dingen keine Unklarheit — auch nicht zwischen Dir und mir."

„Ja, bist Du denn so wohlhabend? Ich meine, die Studienjahre müßten Dein kleines Ecbtheil nahezu aufge- zehrt haben."

„Ich habe kaum die Hälfte davon gebraucht. Du siehst mich ungläubig an; aber ich lüge nicht. Die Natur hat mich zur Verschwenderin bestimmt; aber ich besitze einiger­maßen die Kraft, meine Triebe nicderzuhalleu. Der Tag wird kommen, an dem ich das nicht mehr nöthig habe. Und daun — ah, dann —"

Sie breitete die Arme aus, als ob sie damit eine Fülle von unsichtbarer Herrlichkeit umfassen lvollte, und in einem tiefen Athemznge hob sich ihre Brust.

„Du bist Deiner Sache sehr gewiß, und ich wünsche von Herzen, daß Deine Hoffnungen sich erfüllen. Aber ich fürchte, Hanna, auch Du wirst eines Tages die Macht jenes kleinen geflügelten Gottes empfinden, vor dem wir allzunial schwache Sterbliche sind. Mit einer einzigen Bewegung seiner Schelmenhand wirft er unsere festesten Grundsätze über den Haufen, und mit einem Hauch seines Mundes bläst er unsere schönsten Luftschlösser in alle Winde."

„Dein geflügelter Gott wird mir nur wenig anhaben, Bernhard! Er wird cs gewiß nicht sein, der meine Pläne stört."

In lächelnder Warnung erhob der Rechtsanwalt die Hand.

„Fordere ihn nicht heraus, Schwesterchen! Mau soll der Gefahr nicht spotten, bevor man sic bestanden hat."

„Ich aber habe sie bestanden."

Er horchte verwundert auf.

(Fortsetzung folgt.)

Unser Räumens-Ausverkauf

24 Wilhelmstrasse 24 (Promenade-Holel) dauert nur noch kurze Zeit.

Ausser den noch vorräthigen Paletots, Havelocks, Joppen, Eiernden, Socken, Stiefeln und Schuhen haben wir noch zurückgesetzt und empfehlen als ganz ausserordentlich billig in guter, gediegener Qualität:

15685

Eine

Ae?zah!

Schiafröcke,

99

99

Reisedecken,

99

19

Hüte gGsiei Stützen,

99

99

Reise-Recessairesi

Der zurückgesetzte Preis ist an jedem Gegenstand neben dem früheren Preis notirt.

Verkauf nur gegen Baar "" d n ” Kft™" £3 T jj 24 Wilhelmstrasse 24 (Promenade-Hotel).

I Rosenthal Sc David.

!

absolut geruch- und gefahrlos, grössteHeiz- kraft bei geringem Petroleum - Yerbrauch, empfiehlt billigst 13859

Wellritzstrasse 6

ELektr.Miugeranragen

in «auze» Bauten, sowie in einzelnen Etagen und Zimnierinverden angelegt. Zu eifrag Oranienstr.3, Part, bei Seliirli. 14703

Badewannen

für Erwachsene und Kinder,

Sitzwannen, Badeöfen und Bade-Einrichtungen

empfiehlt billigst 15091

P. J. Fliegen,

C»r «Sold- und Metzgergafle 37.

/