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Montag, 3. Mai, morgens.
Sonder - Ausgabe.
1913.
Oer Urieg.
Oer Tagesbericht vom 2. Mai.
Neue erfolglose Angriffe ver Franzosen und Engländer bei Ypern. Gute Fortschritte im Argonnerwald. Ein französischer Massen««- griff im Priesterwalde abgeschlagen. — Der deutsche Vormarsch auf Riga.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 2. Mai. (Amtlich.)
westlicher Kriegsschauplay.
., Au Flandern versuchte der Gegner nach sehr starker^ Artillerievorbereitung wiederum gegen unsere neue ^Stellung nordwestlich Apern anzurcunen, und zwar griffen die Franzosen zwischen Kanal und tz-traße Ypern-St. Julien energisch, die Engländer östlich davon matt an. Die Bemühungen waren namentlich infolge unseres sehr wirksamen FI a n k e u- und Rückenseuers aus der Gegend von ® 0 J l n g he und Beldhoek gänzlich erfolglos. Drei Maschrnengewehre fielen in unsere Hand.
In den A r g o n n e n machten unsere Angriffe «örd- Ilch von Le Four de Paris gute Fortschritte. Trotz heftigster Gegenwehr verloren die Franzosen mehrere Gräben und 156 Gefangene.
Zwischen Maas und Mosel kam es nur im Priesterwalde zu heftigen Kämpfen, wo die Frau- zosen mehrmals in großen Massen angriffen. Wir schlugen diese Angriffe, dre stellenweise bis in unsere Graben gelangten, unter starken Verlusten für den Feind ab und machten 90 Gefangene.
Gestern wurden wieder 2 feindliche Flugzeuge außer Gefecht gesetzt, eines wurde bei Re,ms zu. fammengeschoflen, das andere nordwestlich von V er- dun aus einem Geschwader zur eiligsten Landung ge- zwungen.
Destlicher Kriegsschauplatz.
Unsere Operationen im nordwestlichen Ruß- I a n d mache» gute Fortschritte. Bei S ch a w l i wur- den weitere 4 0 0 Russen gefangen genommen. In der Verfolgung der flüchtenden Russen erreichte die deutsche Spitze die Gegend südwestlich von M k t a u.
Russische Angriffe in Gegend Kalwarija wur- den unter starken Verlusten für den Feind abge- schlagen. 300 Gefangene blieben in unseren Hauden. ^ Oberste Heeresleitung.
Günstiger Beginn des ,0. Rriegsmonats.
Österreichische Betrachtungen.
W. T.-B. Wien, 2. Mai. (Nichtamtlich) In Besprechung der Kriegslage ver abgelaufenen Woche beben die Blätt« übereinstimmend neben der glänzenden Tai des österreichi- scheu Unterseeboots „17 5" sowie der andauernd günstigen Nachrichten von der Karpat h en fr o nt die nachhaltigen Erfolge der Deutschen an der Westfront und den Beginn lebhafterer Tätigkeit in R u s s i s ch. P o l e n sowie daS Scheitern des neuen Angriffs auf die Dardanellen, bezw. die Halbinsel Gallipoli hervor. Als bedeutungsvollstes Ereignis besprechen die Blätter das Bombardement der Festung Dünkirchen, das wiederum die artilleristi- sche Überlegenheit der verbündeten Zenttalmächte gegenüber den Ententemächten bezeugt. Ebenso bedeutungsvoll sei der unerwartete Einmarsch zweier Armeekörper in Litauen und Kurland. Die bekannte, von den Russen so sehr gefürchtete Strategie Hindenburgs vewnochte wieder gewissermaßen aus dem Schweigen und der Unsichtbarkeit heraus vollendete schwerwiegende Tatsachen zu schaffen. Die Zusammenfassung dieser Erfolge eröffnen die gunstigstenAuspizienfürden Beginn des 10. Kriegs- Monats.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Die Beschießung Dünkirchens.
Die Schäden in der Stadt.
Sr. Haag, 2. Mai. (Eig. Drabtbericht. Ktr. Blin.) Die Beschießung von Dünkirchen dauerte nahezu eine halbe Stunde. Über 40 Häuser sind vernichtet, über 300 mehr oder weniger stark beschädigt worden. Besonders gelitten haben die Hafen an lagen. Die amtlich mit 22 angegebene Zahl der Toten und mit 50 der Verwundeten bleibt hinter der Wirklichkeit zurück. Unter den Trümmern der zerschossenen Häuser werden noch fortgesetzt Tote hervorgezoaen. Die Zahl der Verwundeten übersteigt sicher 150. Ms die Beschießung vorüber war, begann die große Flucht nach Calais, wo gestern morgen 2000 Personen aus Dünkirchen ankamen. Sie erzählten über den Erfolg der Beschießung allerlei Einzelheiten. DasersteGeschoß schlug darrach um die Mittagsstunde ein, das letzte zwei Stunden später. Den ganzen Nachmittag blieben die Straßen menschenleer.
Lange nach Sonnenuntergang verließen die Arbeiter im Lauf- schritt^ die Werkstätten. Aus den Berichten des englischen und französischen Hauptquartiers geht hervor, daß die deutscher- seits zur Beschießung von Dünkirchen gewählten Punkte nicht annähernd bestimmt werden konnten.
Lin englischer Bericht.
w. T.-B. London, 2. Mai. (Nichtamtlich.) „Daily Mail" meldete gestern aus Frankreich: Die Dentschen «öffneten am Donnerstagftnh ein heftiges Bombardement auf Dünkirchen, das kurz nach 11 Uhr begann, bis 3 Uhr nachmittags fortgesetzt wurde und dann plötzlich anfhörte. Mehr als sechzig 30L- Zentimeter-Granaten wurden in die Stadt geworfen. Zuerst war jedermann erstaunt, denn niemand konnte sich erklären, woher dir Granaten kamen. Eine Granate fiel aus die Kaserne und zertrümmerte das Dach. Andere fielen in verschiedenen Teilen der Stadt nieder und richteten furchtbaren Schaden an. 150 Personen, meist Bürger, wurden getötet oder verwundet. Man eilte in die Keller, in denen Hunderte sich verbargen, bis die Beschießung vorüber war. Heute früh kamen über 2000 Flücht- linge in Calais an. Später folgten noch mehr. Geftdru waren entfernter Kanonendonner und das Rolle« der Schüsse weit im Süden an der Küste deutlich hörbar.
Marineminister Rugagneur über die Beschießung
W. T.-B. Paris, 2. Mai. (Nichtamtlich.) Über die Beschießung Dünkirchens beftagt, erklärte Marineminister Augagneur einem Journalisten, daß die Festung Dün- firchen durch deutsche schwere Artillerie zu Lande vom nächsten Frontpunkt aus beschossen wurde.
Der Eindruck in Holland.
DaS Raten über die Geschütze.
W. T.-B. Amsterdam, 2. Mai. (Nichtamtlich) Die Beschießung Dünkirchens hat in Holland großen Eindruck gemacht, um so mehr, als fie gänzlich unerwartet kam. Gleichzeitig waren Gerüchte verbreitet, daß es deutschen Kriegsschiffen geglückt sei, auf die Höhe von Dünkirchen zu kommen und von See aus das Feuer zu eröffnen. — „Nieuws van den Dag" schreiben in einem Leitartikel: Das Rätsel von Dünkirchen ist noch nicht gelöst. Obschon keine Bericht- von einer Seeschlacht kamen, bleibt es doch die wahrscheinliche Lösung, daß die Beschießung nicht vom Lande aus geschah, sondern durch schweres Schiffsgeschütz. Das Blatt nimmt an, daß die beiden größten neuesten deutschen Schiffe „Ersah Kaiser Friedrich III." und „Ersah Wörth" die Beschießung durchgeführt hätten. Daß, wie aus England gemeldet wurde, die Flieger der Alliierten keine feindlichen Schfffe entdecken konnten, schreibt das Blatt dem an der Küste herrschenden N e b e l zu. — Der „Haager Nieuwe Courant" nennt die Nachricht von der Beschießung Dünkirchens eine Sensation, glaubt aber nicht, daß Kriegsschiffe im Spiele waren, sondern das Bombardement vom, Lande aus mit neuen, besonders weittragenden Geschütz e n ausgeführt wurde. — Der „Rotterd. Courant", der die verschiedenen über die Beschießung der Festung ein- gelaufrnen, sich terlweffe widersprechenden Meldungen einer krittschen Untersuchung unterzieht, kommt zu dem Schluß, daß man weitere Nachrichten ab warten müsse, mn eine Erklärung zu finden. Die englische Taktik zur See sei, s p a r s a m mit der F l o t t e umzugehen, um die Beherrschung des Welthandels zu behalten und deshalb das Gebiet deutscher Kriegsschiffe und Unterseeboote zu meiden. Das sei prakttsch, mache aber keinen heldenhaften Eindruck. Wenn die deutsche Flotte wirklich Dünkirchen bombardiert habe, so könnten die Engländer nicht mehr sagen, daß die Deutschen fich dort nWglichst außerhalb des Bereiches der englischen Schiffsgeschütze hielten. Die englische Flotte würde dann zwar die Weltmeere beherrschen, aber den Kanal doch nicht ganz.
Die deutschen Flieger im westen.
W. T.-B. Paris, 1. Mai. (Nichtamtlich) Der „Temps" meldet: Ein deutsches Flugzeug überflog am 29. April den Güterbahnhof Estrees in Saint Denis bei Eompiegne. DaS Flugzeug kam anscheinend aus Lassigny. Zwei oder drei Bomben wurden auf die Signalapparate und Tclegraphenlinien geworfen. Der Schaden ist uribedeutend. Der Verkehr wurde nicht gestört. Zwei Tauben überflogen in der Nacht vom 29. zum 30. April Dünkirchen.
Die Beunruhigung in Compiegnc und Umgebung.
Sr. Haag, 2. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Bevölkerung von Comprcgne und der angrenzenden Oise-Bezirke sind seit der vorgestrigen Zerstörung des Bahnhofs von Estrees-St. Denis durch deutsche Flugzeugbomben rn großer Aufregung. DaS Pariser Gouvernement untersagte die für Sonntag geplanten Ausflüge von Vereinen in die ivettere Umgebung ohne Angabe eines Grundes.
Ypern und poperinghe von der Bevölkerung geräumt.
Sr. Rotterdam, 2. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktt. Bin.) Das „20. Jahrhunderl" meldet, daß die schwer beschossenen Orte Aper «und Poperinghe nunmehr von der Zivilbevölkerung gänzlich geräumt wurden.
Bon der holländffchrn Grenze, 1. Mai. (K. Z.) Laut MeLmngen holländischer Mätter ist der kürzfich von den
deutschen Geschützen unter Feuer genommene Ort Poperinghe, aus dem die belgischen Lazarette fortgebracht werden mußten, schwer mitgenommen. Dasselbe wird von denk Städtchen Veurne gemeldet, dessen Marktplatz mit der Hauptstraße nurmehr eine Ruine bilden soll. Die Stadt war längst von den Einwohnern verlassen.
vke französischen Tagesbericht«.
W. T.-B. Paris, i. Mai. (Nichtamtlich.) Der rilichnfittags ausgegebene amtliche Bericht lautet: Seit dem gestrigen Abendbericht wird keine Änderung auf der Gesamtheit der Front gemeldet. Etwa zehn Granaten fielen gestern abend auf Dünkirchen. Mehrere Personen wurden getötet und verletzt.
Amtlicher Bericht vom 1. Mai, abends: Der Tag war verhältnismäßig ruhig. In Belgien nichts Neues. In den Argonnen wurden in der Nacht vom Freitag zum Samstag zwei deutsche Gegenangriffe in der Nähe von Bagatelle leicht zurückgewiesen. Im Priesterwalde nahmen wir mehrere SchützengrÄen ein, machten 130 Gefangene und erbeuteten ein Maschinengewehr. Wir behaupteten uns auf dem gewonnenen Gelände. Eines unserer Flugzeuge, das morgens Somme überflog, wurde von einem Granatsplitter getroffen, der den Benzinbehälter durchschlug. Das Flugzeug konnte trotzdem in unsere Linien zurückkehren, indem es die erste deuffche Linie in nur 40 Meter Höhe überflog. Während der schwierigen Passage wurde es durch Geschosse durchsiebt. Fm Augenblick der Landung wurde das Flugzeug unter feindliches Artilleriefsuer genommen. Die Flieger kehrten unversehrt zurück.
Belgische Kriegsberichten
W. T.-B. Le Havre, 2. Mai. (Richtcrnttlich.) Das gestern! abend veröffentlichte Kommunique lautet: Auf der belgischen Front herrschte den ganzen Tag Ruhe. Einige Geschosse wurden auf die Umgebung van Ramscapelle und Oost- kerke abgeworfen. Seit dem 22. April überflogen belgische Flieger unaufhörlich Tag und Nacht das Gebiet von Aixschoote, Steen st raate und Het Sas. Trotz heftiger Beschießung durch die deuffche Artillerie konnten sie zahlreiche Photograp hi en aufnehmen und zur Regelung des Schießens tatsächlich beitragen. Sie bombardierten mehrmals die Ansammlung feindlicher Truppen.
W. T.-B. Le Havre, 1."Mai. (Nichtamtlich) Die „Agence Havas" verbreitet folgende Mitteilung des belgischen Hauptquartiers: In der Nacht zum 29. April warfen die Belgier einen heftigen, aus Steenstraate verstoßenden Angriff erfolgreich zurück. Am 29. April war die feindliche Artillerie ziemlich tätig. Sie beschoß verschiedene Teile unserer Front mit Unterbröhungen.
Richtigstellung falscher Berichte der Feinde.
W. T.-B. Berlin, 1. Mai. (Nichtamtlich) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Leider sind wir schon wieder genötigt, einige Veröffentlichungen unserer Feinde richttgzustellcn, da sie offensichtlich bestimmt find, im Ausland falsche Eindrücke zu erwecken. Von englischer Seite wird heute behauptet, das Dörfchen St. Julien in Flandern sei nur wenige Stunden in deutschen Händen gewesen und wäre dann von Kanadiern, Schotten und Iren zurückev- cbert worden. Diese Angabe steht mit der Wahrheit im Widerspruch. St. Julien ist f e st in u n s e r e r Hand. Unsere Vor- stellungen sind noch einige hundert Meter darüber hinaus gegen den Feind vorgeschoben.
Die Franzosen wollen nach ihrem heutigen Bericht i» Lothringen aus einer Breite von 25 Kilometer 4 Kilometer Boden gewonnen haben. Sie vergessen aber hinzuzufügen, daß es sich nur um ein Vorrücken in Französisch- Lothringen handeln kann, und nur um ein Vorrücken in ein« Gegend, in der sich keine deutschen Truppen befiw> den. Denn an deren weit in das französische Gebiet vorgeschobenen Linien hat sich in der Rückwärtsrichtung seit vielen Monaten nichts geändert, wohl aber wurde« sie, wie aus unseren Tagesberichten ersichtlich ist, bis in die jüngste Zeit erheblich nach vorwärts verlegt.
Lin neues neutrales Urteil über die Gasbomben
W. T.-B. Basel, 1. Mai. (Nichtamtlich) Die „Bafler Nachrichten" bezeichnen es in einer Besprechung d« Kriegslage als nicht sehr wahrscheinlich, daß es möglich ist, wie General French berichtet, dichte Qualmwolken et> stickender Gase in einer bestimmten Richtung vor sich bertreiben zu lassen. Der Kritiker meint vielmehr, daß die Deutschen vielleicht bei der vorbereitenden Beschießung durch die Artillerie eine neue Füllung ihrer Geschosse ver- wcndet hätten, wodurch vor die feindlichen Stellungen eine dichte Rauchwolke gelegt wurde, die den Hauptzweck gehabt hat, die Annäherung der Angriffstruppen zu verdecken. Alle derartigen Sprengnrittel wirken betäubend od« vergiftend. Das stehe keineswegs im Widerspruch zur zweiten Haager Konvention von 1899, die nur solch« Geschosse verbiete, deren einziger Zweck dies sei.
Französische Flieger über Südbaden.
Freiburg, 1. Mai. (Ktt. Frkft.) Nach einem Bericht des „Markgräfler Tagblatts" warf gestern ein Flieger 8 Bomben auf einen Güterzug der Statton Rredöschingen int Schwarzwald. Ein Brems« wurde leicht verletzt. Dtp Materialschaden ist unbedeutend.
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