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Seite 2. 15. November 1»Q0, Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Langgasie 87. 48. Jahrgang. No. 535.

* Freisinnige Forderungen. In Bezug auf das China-

llniernchmen stellt dieFreis. Ztg." folgende Forderungen auf: Es muß Sicherheit gegeben werden, daß die durch die China­wirren nach dem 1. April entstehenden Kosten nicht in derselben Weise unter dem Vorbehalt nachträglicher Genehmigung, sondern nur auf Grund eines vor dem 1. April zu publizirenden Kreditgesetzes geleistet werden. Die Regierung hat in etats­widriger Weise den Offizieren und Beamten in dem Expeditions­korps Stellen verliehen, ohne, wie dies bei der Ernennung von Kriegsformationen der Fall ist, Vorbehalte zu machen für die Zeit nach Herstellung des Friedens. Es muß bestimmt werden, daß alle diese Offiziere und Beamten sofort ein- zurangiren sind in die in der Militär- und Marrneverwaltunz vakant werdenden etatsmäßige» Stellen. Es muß ferner aus­drücklich bestimmt werden, daß die Truppenformationen für vaS Expeditionscorps nach der Rückkehr in die Heimath sofort aufgelöst werden, da dieselben in dem Militärgesetz nicht vor­gesehen sind. Es ist nicht minder Bestimmung zu treffen in Bezug auf die Einnahmen, welche die Expeditionen in China mit sich bringen, sei es, daß es sich um örtliche Kontributionen, Lerpflegungsgclder oder Kriegsentschädigung im Ganzen handelt. Nach dem Kriege von 1870 bis 1871 hat bekanntlich die Militär­verwaltung einige Dutzend Millionen Ersparnisse aus den von Frankreich für die Occupationsarmee nach Herstellung des Friedens gezahlten Berpflegnngsgeldern, ohne Vorwissen des Reichstags bei Seite gebracht und Jahrelang heimlich zu be­sonderen Zwecken verwendet. Auch die Genehmigung des Friedensvcrtrags mit China muß dem Reichstag Vorbehalten werden, sofern darin dauernde Lasten, beispielsweise durch Unterhaltung von Truppenabtheilungen in Peking oder in der Provinz Petschili, dem Reich auferlegt werden. Wichtiger aber noch als Vorstehendes ist die Frage, wie in der Zukunft einer ähnlichen Beiseiteschiebung des Reichstags durch vorschußweise Deckung von Kosten auf die zu anderen Zwecken belvilligten Mittel durch Verstärkung finanzieller Kontrollen vorgcbeugt werden kann. Auch wäre zu erwägen, ob nicht die Einberufung des Reichstags verfassungsmäßig vorzuschreiben ist, sobald außeretatsmäßige Ausgaben in einem gewissen Betrage in Frage kommen. Auch die Frage der Ministerverantwortlichkeit knüpft hier unmittelbar an. Verschiedene Blätter behaupten, in England und Frankreich seien den Parlamenten ebenfalls nicht vorher Summen für die China-Expedition abgefordert worden. Diese Behauptung ist unrichtig. Sowohl das fran­zösische wie das englische Parlament sind mit der China- Angelegenheit befaßt worden und haben entsprechende Summen (60 resp. 70 Millionen) bewilligt.

* Prinz Max und der sächsische Hof. DieChemn. Allg. Ztg." theilt mit, daß ihr von zuverlässiger Seite versichert worden sei, König Albert habe seinem tiefen Be­dauern über das herausfordernde Auftreten seines Neffen, des Prinzen Max, in unzweideutigen Worten Ausdruck gegeben. Die Zahl der Städte, in weschen die Zwcigvereine desEvan­gelischen Bundes" gegen die fernere Thätigkeit des Prinzen in Sachsen protestiren, mehrt sich bedeutend. Die Resolutionen werden vom Borstand des Landesvereins gesammelt, der s. Z. die Weitergabe an das Kultusministerium besorgen wird.

* Maschinengeschüsic. In militärischen Kreisen ver­lautet bestimmt, daß der nächste Militäretat die Mittel fordern werde, um dauernd vier Maschinengeschütz-Abtheilungen zu er­halten. Damit würde dann wohl die Einführung der Maschinen- geschütze in die Armee als entschieden zu betrachten sein. So lange man Versuche machte, hat man sich durch Abkomman- dirung von Pferden der Feldartillerie, die in dem Etat blieben, für die Frühjahrs- und Sommerszeit bis zum Schluß der Herbst­manöver beholfen, das wäre aber auf die Dauer nicht angängig, da die Friedensstärken der Batterieen so knapp wie möglich be­messen sind. Man hatte dabei außerdem nicht die Möglichkeit, die Bewegungsfähigkeit der Maschinengeschütze im Winter bei tiefem Schnee zu erproben und die Abtheilungen durch Aus­bildung unter ihren Führern im Winter auf die Verwendung im Frühjahr vorzubereiten.

'* Oesterreich-Ungarn. Sonntag fand in Innsbruck die erste Luther- und Reformationsfeier statt; der Wiener Pfarrer Antonios hielt eine glänzende Fest­rede. Alle farbentragenden deutsch-nationalen Studenten-Ver- bindungen nahmen daran Theil. Das finanzielle Ergebniß fließt dem Fonds zur Erbauung einer neuen evangelischen Kirche in Innsbruck zu.

tropisch, und wir empfinden besonders schmerzlich, daß die Luft wieder von hinten weht.

2 2. S e p t e m b e r. Die Hitze steigt bis auf 36 Grad. Alles erscheint in Pyamaanzug (ganz leichte Eiswolle) ohne Hemd. Die Mannschaft läuft von heute an barfuß. Es ist verboten, mit dem wachhabenden Seeoffizier zu sprechen, wegen der Gefährlichkeit des Fahrwassers. Wir kommen an ver­schiedenen Korallenriffen und kleineren Jnselchen vorbei. Den ganzen Tag kommt sonst kein Land in Sicht. Wir befinden uns in der Höhe von Medina und Mekka. Gegen Abend dreht sich zu unserer großen Freude der Wind. Er kommt aus Süd­ost, ist zwar sehr heiß, da er über die arabische Wüste fährt, aber man spürt doch wieder einmal Lustzug. Den ganzen Tag war man, obwohl fast nackt, förmlich in Schweiß gebadet; jetzt athmet Alles auf. Die Nacht verbringt man auf Deck.

2 3. September (Sonntag). In der Früh herr­liches Bad in unseremSchwimmbassin": es wird ein großes Segel ausgespannt, mit Wasser gefüllt, und darin plätschert das ganze Offiziercorps. Die Mannschaften werden sämmtlich pro Tag mindestens zweimal abgespritzt. (Ist immer ein Volksfest.) Um 10 Uhr findet Gottesdienst statt. Hierauf wird, seitdem cs so heiß ist, statt der üblichen Bouillon mit belegten Broden, jetzt auch für die Mannschaft Citronen-Limonade gereicht. Ueber- haupt nehmen wir eben möglichst wenig feste Nahrung zu uns, da sie schlecht bekommt. Unser Port Said-Ochse ist immer noch am Leben, ebenso die Kälber, während es dem Geflügel schon an den Kragen geht. Es ist ein Glück, daß wir so viel Eis mithaben, sodaß wir tagtäglich noch frisches Obst (Trauben, 'Datteln, Orangen ec.) essen können. Während der freien ^Zeit studirt man die in Port Said erhaltene Post. Es ist übrigens überraschend, mit welcher Präzision die Feldpost arbeitet. Briefe und Zeitungen, die am 14. in Deutschland ab­gegangen sind, haben wir bereits am 19. über Berlin-Genua in Port Said erhalten. Das ist doch eine Leistung! Der Dienst ist wegen der Hitze sehr reduzirt, Eigentlich nur um den

* Frankreich. Die Nachricht, daß der Czar an Unter­leibstyphus erkrankt ist, macht in Paris großen Eindruck und erregt ernste Besorgnisse, da die körperliche Konstitution des Czaren nicht allzu stark ist.

* Nustland. Eine Mittheilnng des Ministers des kaiser­lichen Hauses, Barons Fredericks, besagt: Die Influenza, die sich bei dem Kaiser am 8. d. M. mit allen für diese Krank­heit charakteristischen Zufällen, abgesehen von häufigem Schweiß, sich zeigte, nahm am 13. d. M. den Charakter eines typhösen Prozesses an. Ueber den Verlauf der Krankheit werden täglich Bulletins ausgegeben. Das heute um 10 Uhr Morgens über den Gesundheitszustand des Kaisers ausgegebcne Bulletin lautet: Der Kaiser brachte die Nacht gut zu. Das Allgemeinbefinden ist gut. Temperatur 38,7, Puls 72. Kopf frisch. Kräfte völlig befriedigend. Die Diagnose ergab Unterleibs­typhus mit für den Augenblick völlig befriedigendem Ver­lauf. Leibchirurg Hirsch, Arzt Tichonow, Minister des kaiser­lichen Hauses Fredericks.

* Serbien. Aus Belgrad wird demNeuen Wiener

Tagblatt" mitgetheilt: König Alexander von Serbien hatte vor Kurzem durch seinen Leibarzt bei einer ausländischen Ver­sicherungsgesellschaft vertraulich anfragen lassen, ob die Gesell­schaft geneigt wäre, das Leben des Königs auf den Betrag von anderthalb Millionen Francs zu versichern. Diese Anfrage vcranlaßte die Einberufung einer Sitzung des Berwaltungs- raths der betreffenden Versicherungsgesellschaft, und in dieser Sitzung wurde folgender Beschluß gefaßt: es sei dem Leibarzt des Königs mitzutheilen, daß ein etwaiger Bersicherungsantrag des Königs nicht angenommen werden könnte. Der Grund hierfür sei folgender: Die Gesellschaft habe bisher Anträge auf Lebensversicherungen von regierenden Fürsten angenommen und auch schon öfter Versicherungssummen ausbezahlt. Doch seit der Ermordung des Königs Humbert, dessen Leben bei der Ge­sellschaft auf drei Millionen Francs versichert war, hat der Verwaltungsrath prinzipiell beschlossen, keine Berstcherungs- anträge von gekrönten Häuptern mehr anzunehmen. So­mit sei die Gesellschaft nicht in der Lage, den Wunsch des Königs Alexander zu erfüllen. Der König möge dies also nicht als eine gegen ihn gerichtete Unfreundlichkeit, sondern als eine ein­fache, allgemeine Entscheidung des Verwaltungsrathes auf­fassen. ____

Dev AnfKand i« China.

Die früfterc Besatzung Pekings.

wb. Krolitt, 14. November. Nach einer Meldung des Ober­kommandos aus Peking vom 11. d. Mts. befindet sich die ehe­malige chinesische Garnison von Peking zwischen Huailai und Hsuenhwa (83 und 142 Kilometer nordwestlich von Peking). In dieser Richtung wurde deshalb, sowie zur Unterstützung bedrohter Katholiken auf den dringenden Wunsch des Bischofs Favier unter Oberst Graf Aork von Wartenberg eine Expedition entsandt, be­stehend aus dem ersten Bataillon des Regiments Nr. 1 ohne die dritte Conipaguie, einer Jägercompagnie und der zweiten Eskadron, ein Zug Gebirgsartillerie, eine Compagnie Ocstcrreicher, sowie ein Bataillon und eine Gebirgsbatterie Italiener.

* * *

hd. Krrlin, 14. November. DiePoll" kann feststcllcn, daß die Nachricht eines englischen Blattes, wonach demnächst 12,000 Mann deutsche Truppen als Verstärkung nach China abgehen sollen, jeder Begründung entbehrt.

wb. London» 15. November. DerStandard" meldet ans Shanghai: Die dortigen chinesischen Beamten erwarten nächste. Zeit einen Mohammedaner-Aufstand unter FührungTmiqfuhsiangs tu der Provinz Scheust. Ein Telegramm der'Daily News" aus Shanghai meldet: Ein konservatives Chincsenblntt fordert in einer Besprechung der Expeditionen nach Paotingfn die noch nicht verhafteten Chinesmbmmteii, deren Leben die Verbündeten bedrohten, ans, dem schimpflichen Tode durch Selbstmord znvor- znkonunen.

. wb. Tientsin, 13. November. (Reuter.) Es verlautet, es sei ein kaiserliches Edikt erlassen worden, welches nnkündigt, es sei die Absicht des Kaisers und der Kaiserin-Wittwe, nach Peking zurückznkehren. Eine russische Kolonne ging um 4. d. Mts. ad und kehrte am 9. d. Mts. zurück. Sie bestund aus 380 Mann mit 4 Geschützen unter Hanptmanli Kranofsky. Die Russen berichten, daß sich nichts von Belang ereignete, bis sie Hsiatsang erreichten, wo sie erfuhren, daß kaiserlich chinesische Truppen uns Lntai die Ortschaft plünderten. Die Chinesen forderten die Russen ans, den Ort zu betreten. Die Russen weigerten sich und sandten ein Ultimatum, daß, wenn nicht die Chinesen binnen einer Stunde abgezogen wäre», sie feuern würden. Die Zeit verstrich und die Russen 'eröffnetcn das Feuer. Die Chinesen, die 2!00 Mann mit 19 Geschützen zählten, flohen, nachdem sie 200 Mann verloren hatten, mit ihren Geschützen. Die Russen hatten keine Verluste. Sie fanden bei Durchsirchung des Ortes einMagazin mit einemMniüUonsvorrath und 200 modernen Gewehren. Sie sprengten das Magazin in die Luft. Die chinesische Bevölkerung der Stadt Tientsin zählt jetzt

Leuten die Zeit nicht zu lange werden zu lassen und sie etwas anzuregen, findet er von 7 bis 10 Uhr statt. Am Abend sehen wir zum ersten Mal das Meerlenchten: die vom Kiel durchfurchten Fluthen scheinen wie das Eisen am Ambos Funken zu sprühen; ja, man könnte die schäumenden Fluthen fast für fließendes Erz halten. Es ist ein wundervolles Schauspiel.

2 4. .September. Es scheint, als sollten wir heute einen Hitze-Rekord aufstellen. Früh 6 Uhr sind es bereits 38 Grad im Schatten. Das Thermometer steigt bis 46 Grad. Mollig warm, was? Um die Leistung der Heizer einmal be- urtheilen zu können, begebe ich mich in den Kesselraum. Eine öligriechende Gluthwelle von 60 bis 70 Grad schlägt einem ent­gegen und benimmt einem im ersten Moment völlig den Athem. Man kann nicht glauben, daß Menschen in diesem Raum stundenlang leben, geschweige denn angestrengt arbeiten können. Allerdings kommt es unfern Heizern heute auch hart genug an. Fast jede Stunde wird einer ohnmächtig herausgetragen und durch Bereiben mit Eisstllcken, sowie durch Eingiehen von Cognak und Eis wieder zum Bewußtsein gebracht, um dann nach kurzer Pause wieder hinunterzusteigeii, denn der Dienst muß gemacht werden. Tritt man aus dem Kesselraum wieder heraus, so überfällt es einem im ersten Moment trotz der Tem­peratur von 46 Grad thatsächlich, als käme man in einen Eis­keller. Die Mannschaft hat heute auch einen schlimmen Tag. Wie die Mücken fallen die Leute. Stabsarzt, Schifssarzt und Sanitätsunteroffiziere haben nicht Hände genug, um die Schein- todten wieder zum Bewußtsein zu bringen. Jeder faßt zu, wo er kann, und so geht, Gott sei Dank, Alles gut vorüber. Die Hitze hält während der ganzen Nacht an. Das ist etwas, was man sich im schönen Deutschland garnicht vorstellen kann. Wenn dort die Tage auch noch so heiß sind, so kann man sich doch auf den kühlen Abend freuen. So etwas giebt es hier nicht. Offiziere und Mannschaften schlafen auf Deck, fast nackt; man kann es einfach nicht anders aushalten. Man sieht da aller­dings oft Bilder, bei denen man das Lachen nicht verwinden

600,000 Menschen, von denen ein Drittel, wie man glaubt, Boxer sind. Die Verbündeten verstärken die Garnison für den Fall eines Aufruhrs.

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wb. London, 15. November. Nach einem Telegramm der Daily Mail" aus Pretoria vom 14. ds. soll Botha Lord Roberts initgetheilt habe», unter welchen Bedingungen er bereit sti, sich zu ergäbe,>. (?) DerStandard" meldet ans Lissabon. Die portugiesische Regierung zog am 13. ds. durch aus telegraphischem Wege nach Lourenco Marques gesandte Instruktion das Exequatur zurnck, das den disherige» Generalkonsul der beiden südafrikanischen Republiken, Pott, ertheilt worden mar.

wb. Kex, 14. November. DieGelderland" traf hier ein. Niemand erhalt Erlaubniß, die Kabine des Präsidenten Krüger zu betreten. Auch Krüger zeigt sich nicht ans Deck. Wie die Schiffs- ofpziere sagen, ist seine Gesundheit gut, er bat guten Appetit und schlaft gut. Unter de» Personen, die an Bord kamen, befand sich auch ei» Abgesandter des Comitös für die Empfangsfeierlichkeiten in Marseille. Der BcstinunnngSort derGelderland" ist iliibckannk. Sie erwartet Ordres r» Port Said, wo sie Kohlen ciuninimt. In den, delltsch-ostafrikanlschen Hafen Dnr-es-Salanm wurde Krüger eine Ovation bereitet.

bd. London, 15. November. Ans Suez wird gemeldet: Präsidenr Krüger weigerte sich, den bolländischen Konsul von Suez zu empfangen, weil dieser Beamte englischer Nationalität ist. Auch der Konsular-Agent in Port Said ist englischer Abstninmimg Der KreuzerGelderland" ist ui» 1 Uhr 50 Min. gestern Nachmittag im Kanat eingetroffcn und heute Morgen 6 Uhr in Port Said. In Port Said erwarteten zwei Säcke mit Briefen und Telegrammen den Präsidenten Krüger.

Ans Kunst rmd Fevers.

» Konrr»-t. Das von dem Pianisten Th. Braun ver. anstaltete Konzert hatte den großen Saal des Kasino am Mittwoch dis ans den letzte» Platz gefallt. Biele Besucher »iiißteii soqar mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Kanin eines der besseren Küiistler- Konzcrte unserer Stadt darf sich eines solchen Zuspruchs rühmen Hier war cs nicht das Kunstinteresse, sondern das Miilcid, welches Herzen und Taschen geöffnet hatte. Herr Th. Braun ist ein erblindeter Pianist wir hörten geslein u. A. von ihm Mozarts ^-moll-Sonate: er verdient durchaus dies ihm so allgemein entgegcngebrachte Mitleid. Zur Mitwirkung im Konzert war Frau Bussard-Langlotz gewonnen. In Liedern von Tanbert, Umlauft und Fräulein Julie v. Pfeiltchiftcr (welche letztere auch das Accompagne- inent besorgte) zeigte sich die L-ängerin von ihrer bestell Seite. Sie besitzt ein ganz nngeiiehmes Vortragstalent für leichteres Genre. Manche guten Absichten blieben allerdings auf halbem Wege stecken, da die Stimnie in der Höhe nicht so leicht aniprnch. Vielleicht vorübergehende Indisposition. Die Mittcllage erfreut durch hübsche, weiche Tonfarbe. Zwischen den Solo-Vorträgen spielte die Kapelle des 80. Regiments unter der ruhigen und sicheren Leitung des Hern, E. Gottschalck. Die unter dem TitelOuvertüre aus Elisabeth" angekündigte Konipositiov ist wohl besser unter dem TitelOnvertnre aus Bärbier von Sevilla" bekaniit. Rossini hat sie aus jener, seiner älteren Oper, entnommen De», Wunsche des Konzcrtprogramms:Es wird gebeten, nicht zu rauchen" wurde schon mit Rücksicht auf die in erdrückender Mehrheit anwesenden Damen gern entsprochen. -ck-.

* U-rfchirdrne Mitthettuwsen. JnWien starb, 75Jahre alt, Herr Andreas Streicher, der Sohn des Klavicrfabrikantcn Johann Baptist Streicher und ein Enkel jenes Tondichters und Klaviernmchcrs Johann Andrens Streicher, der ein treuer Freund Schillers war und dem Dichter im Jahre 1782 zur Flucht aus Sinttgnrt verholfen hat.

Eine englische Frciligrath-Biographie, die besonders de» langen Aufenthalt des Dichters in England behandeln soll, wird deninüchst von seiner Tochter, Mrs. Freiligrath-Kroeker. heransgegeben werden.

AAS Stadt mtb Fand.

Wiesbaden, 15. November.

Personal - Nachrichten. Stenersirperniimerar Rossel bei der Einkonmienstener-Beimnlaqimgs-Kommissioil des Landkreises Wiesbaden ist vom 1. November d. Js. ab zum Königl. Steuer- sckretär ernannt worden.

Usvierungs - Jubiläm,» des Gnojssterzogs vo» Lurrmdnrg. Am 23. November sind es 10 Jahre her, daß Se. König!. Hoheit der frühere Herzog Adolf von Nassau die Negicriiiig des Großherzogthums Luxemburg antrat. Schon früher, znm ersten Mal während des Aprils des Jahres 1889, hatte Herzog Adolf an Stelle des schwer erkrankten Großherzvgs Wilhelm III., Königs der Niederlande, die Regentschaft in Luxem­burg geführt und schon damals das Zntranen uno die Anhänglich­keit des gesammte» luxemburgischen Volkes gewonnen. Als nun Wilhelm 111. als letzter männlicher Sprosse des Nassnu-Oranischen Geschlechts starb, übernahm Herzog Adolf endgültig die Regierung, die er nun ein volles Jahrzehnt zum Segen seines Landes'geführt

kann. Man stelle sich z. B. einen dicken Offizier vor, wie er noch vor 3 Wochen im eleganten Anzug Unter den Linden herum- stiefclte, und jetzt, nur mit der Badehose bekleidet, ganz ge- müthlich die Cigarre rauchend, hernmstolzirt! Der Soldat paßt eben seine Mode den Verhältnissen an, und macht auch einmal die Badehose zum Promenadcnkostüm. Nur beim Essen be­hauptet sich die Etiquette noch siegreich. Dort erscheint Alles ini tadellosen Weiß; allerdings ist der Anzug dann nachher auch reif für den Wäscher. Am Nachmittag fahren wir zwischen einer Unmenge von Klippen und kleineren Inseln durch, die ich, offen gestanden, bei dichtem Nebel nicht passiren möchte. Der Kapitän weicht nicht von seinem Posten; er ist sich der Ge­fahr bewußt. Abends 11 Uhr erreichen wir die . engste Stelle, und damit den Südausgang des Rothen Meeres, die Straße von Bab-el-Mandrb, welche durch die Insel Prim vollständig gesperrt ist. Ha, wie da Alles aufathmet! Der weitaus ge­fährlichste und aufreibendste Theil der Reise liegt hinter uns. Es ivar doch kein besonders anheimelndes Gefühl, alle die Klippen in den letzten Tagen mit Wracks hier gescheiterter Schiffe besät zu sehen, sodaß thatsächlich, wie unser Kapitän sich ausdrückte, kein Platz für uns mehr frei war. Nun aber geht's wieder mit frischem Muth der Zukunft entgegen. Ja, von der Insel Prim wollte ich noch ein Stückchen erzählen. Sie gehört natürlich, wie alle Schlüsselpunkte auf dem Meer, den Engländern; aber wie stad sie in ihren Besitz gekommen?' So lange der Suez-Kanal noch nicht eröffnet war, begnügte sich England mit der Felsenfest!,ng Aden. Der Kanal wurde be­kanntlich größtentheils mit französischem Geld erbaut. Es ist klar, daß die Franzosen, nachdem sic den Eingang ins Rothe Meer in ihrer Gewalt hatten, auch darauf hinausgingen, sich den Ausgang zu sichern, um so den Weg nach Ostindien zu be­herrschen. Es wird also ein französisches Geschwader beauf­tragt, ohne allen Lärm die bis dahin neutrale Insel Prim, di-, wie schon erwähnt, thatsächlich die ganze Meerenge weit besser beherrscht^ als Pas 80 Seemeilen entfernte Aden, für Frankreich