»erlag Langgaffe 21
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Montag. 3. Mai 1915. ft beit6*£tU$ QClbe. Nr. 204. . 63. Jahrgang.
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(Ein großer Sieg in den Karpathen!
Siegesfeier in Berlin.
Die Reichshauptstadt ohne nähere Nachricht.
8. Berlin, 3. Mai/ (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Der
neue Erfolg im Osten hatte heute in Berlin eine u n g e - »oöhnliche Aufregung hervorgerufen, obwohl man bis in die zweite Nachmittags st unde nichts weiter wußte» als was an zahlreichen Polizeirevieren angeschlagen wurde: „Großer Sieg in den Karpathen. Näheres noch unbekannt/' In den ersten Morgenstunden schon hatte der Obcrkommandierende in den Marken auf direkten Befehl des Kaisers die Beflagg»n g der öffentlichen Gebäude angeordnet, und diesem Beispiel folgten viele Privatgebaudr, so daß schon gegen 11 Uhr ganz Berlin eine einzige mächtige Flaggenzier war. Ebenso wurde der Unterricht in den Schulen abgebrochen, und bald darnach ertönte auch von allen Kirchen Glockengeläutc. Taufende und Abertausende waren in das Innere der Stadt geeilt, wo sich, namentlich am Potsdamer Platz und Unter den Linden, ungeheure Menschenmassen stauten. Die merkwürdige Situation beurteilt ein Leitartikel der „B. Z." wir folgt: „Eine solche Situation ist wohl in der Hauptstadt eines Landes, das in einen riesenhaften Kampf verwickelt ist, noch nicht dagewefeu. In aller Frühe hatte das Oberkommando den Berliner Regimenter» den Befehl zugehen lassen» zu flaggen, und staatliche und städtische Behörden hatten gleichfalls an sämtliche Ressorts die Weisung erteilt: „Großer Sieg. — Gleich flaggen." Aber kein Mensch hatte eine Ahnung, um was es sich handelt, selbst die große offizielle Quelle unseres konzentrierten und monopolisierten Nachrichtendienstes, das Wolfssche Telegraphen - burean — schwieg! Gebäude, wie Rathaus. Schule» und Kasernen, wie Museen, zogen ihre Fahnen auf, die Pri- dathäuser folgten dem guten Beispiel, deutsche, österreichische und türkische Zeichen flatterten an Fenstern und Balkonen. Wie ei» Lauffeuer jagte das frohe Gerücht durch die Straßen: Gewaltiger Erfolg in den Karpathen, glanzende Wasfentat der Österreicher und der deutschen Garde! Aber das Wolfssche Telegraphenbureau — schwieg! Wir lebe,» im Burgfrieden und sollen ihn respektieren, aber hier muß deiur doch gesagt werden: Das geht nicht! Mau kann nicht an dir Bevölkerung den Befehl ausgeben, sich zu freuen, ohne daß mau hinzusetzt, warum. Alan kann nicht einer Stadt Anweisung erteilen, sich zu s ch m ü ck c », ohne ihr zugleich und sofort die positiven Gründe dafür anzugeben."
Der Vormarsch kfrndenburgs auf Riga.
Das Aufsehen im Ausland.
Berlin, 3. M-ri. (Ktr. Bln.) Die deutsche Offensive gegen dir Libau-Rigacr Linie wird in der englischen, französischen und holländischen Prcffc laut „B. T." lebhaft besprochen. Das Borgehen wird als ein Ereignis von allergrößter Bedeutung und von vielleicht unabsehbaren Folge« bezeichnet.
Der deutsche Vorstotz nach Mitau.
Do. Berlin, 3. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In
einem Bericht der „B. Z. ' über den deutschen Borstoß auf Mitau heißt es: Während zweier Tage war ich Zeuge des breit angelegten Borstoßes, den unsere Truppen von der Liuie M e m e l - T i l s i t - S ch i r w i n d t in nordöstlicher Richtung tief nach Kurland hineingetragen hat. Dir südliche Kavallerirdivisio» hatte den Memrlstrom auf einer rasch geschlagenen Brücke überschritten. Teile unserer Infanterie sind in iy 2 Tagen 80 Kilometer marschiert, worauf sie ohne Pause den Feind in achtstündigem Kampfe über S ch a w l i hinausjagte. Russische Bataillone, die östlich davon in Schawli ausgeladcn wurden, haben die Wogen der allgemeinen Flucht mitgerissen, so daß sie gar nicht in Aktion traten. Die Kopflosigkeit und Verwirrung war so groß, daß ein russischer Liebesgabenzug vorgestern in Schawli einlief, nachdem unsere Truppen die Stadt schon besetzt halten; er wurde festgchalten. Teilweise war die BerpfleguugSkolonne außerstande, dem gewaltsamen Borstoß auf dem Fuße zu folgen, so daß unsere Truppen gezwungen waren, sich im Lande selbst zu verproviantieren. Bei ihrem Abzug hatten die Russe» mehrere Brände in Schawli gelegt, die bei dem herrschende» Sturm und infolge der vorhergegangenen Trockenheit leider zu einer verheerenden Feuersbrunst führten, »«bei war cs zunächst unmöglich, den Löschdienst zu organisic- rejn, weil unsere Truppen nach kurzem Aufenthalt -immer, wieder aus der Stadt ulußten, um weiter vorzustoßen. Gestern, während unsere Truppen die Stellung jenseits der Stadt räumten, konnten Patrouillen 20 Kilometer nordöstlich von Schawli vom Feind nichts mehr erblicken Offenbar hat sich dir ganze Berteidigungslinir tu regellose Flucht aufgelöst.
Auffallende Gffiziersverluste der russischen Dstseeflotte.
Sr. Wien, 3. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Das „Wiener Tagbl." meldet: Insgesamt sind in den letzten zwei Wochen 15 Offiziere der russischen Ostsceflotte als tot gemeldet worden. Die Häufung von Todesanzeigen in der russischen Preffe bestätigt die Gerüchte von einer schweren Meuterei vor Kronstadt.
Lin neuer Erfolg in den ttarpathen.
Sr. Wien, 3. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus dem Kriegspressequartier wird unter dem 2. Mai gemeldet: Das unter dem Kommando des Feldmarschalleutnauts H o f - manu stehende Korps errang in den Karpathen neuerdings eine» Erfolg. ES nahm nach erbitterten Kämpfen eine Höhe jenseits des H o l o w c z k a - T a l e s, erbeutete viel Kriegsmaterial und machte zahlreiche Gefangene. An den übrigen Fronten herrschte mächtiger Geschütz kampf.
Die 2. österreichisch-ungarische Kriegsanleihe.
w. T-B. Budapest, 1. Mai. (Nichtamtlich.) Unter dem Vorsitz des Finanzministers fand heute nachmittag im Finanzministerium eine Konferenz in Angelegenheit der Emission der zweiten Kriegsanleihe statt, an der Vertreter aller jener Geldinstitute teilnahmen, die bei der Emission der ersten Kriegsanleihe die offiziellen Subskriptionsstellen waren. Sämtliche Teilnehmer der Konferenz fanden sowohl den Zeitpunkt wie auch die heutige Lage des Geldmarktes zur Emission der zweiten Kriegsanleihe günstig und so wird voraussichtlich ein Ausiuf zur Zeichnung in den allernächsten Tagen erfolgen. Hinsichtlich des Typus und des- Zinsfußes der Titres wie auch des Emifsionskurses wird die zu emittierende zweite Kriegsanleihe der ersten völlig gleichen.
Stiftung eines Diploms sür Kriegs Helden durch Kaiser Franz Joseph.
W. T.-B. Wien, 2. Mai. (Nichtamtlich.) Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht folgendes kafferliche Handschreiben an dev Ersten Olierfthosirreister Fürsten v. Montenuovo: „Ich ordne an, daß jedem, dem ich für Verdienste im gegenwärtigen Kriege einen Orden oder das Militärverd-icnstkwuz verleihe, hierüber ein besonderes, mit meiner Unterschrift versehenes Diplom ausgefertigt werde, welches ihm und den Seinen zugleich ein Erinnerungsblatt sei. Ich betraue Sie mit der Durchführung dieser Anordnung, (gez.) Franz Joseph, M. p. Wien, den 29. April 1915."
Günstiger Saaten stand in der Donaumonarchie.
W. T.-B. Budapest, 2. Mai. (Nichtamtlich.) Die Saaten- standsberichte aus Österreich sowie aus Ungarn sind fortgesetzt günstig.
Die gute Wirtschaftslage Österreich-Ungarns.
W ■ T.-B. Wien, 2. Mai. (Nichtamtlich.) Auch im April zeigen die GesthäftSanswcrse der Sparkassen das günstige Mld der früheren Monate. Bei dem Postsparkassenamt bat sich das Einlagesaldo im Sparverkehr um 2,3 auf 184 Millionen Kronen, das Ernlagesaldo im Scheckverkehr um 25HL Millionen auf 689 Millionen Kronen erhöht. Bei der ersten österreichischen Sparkasse in Wien waren im April etwa 17 Millionen Kronen eingelegt und 8,3 Millwnen Kronen abgehoben lvorden. Auch die anderen Sparkassen zeigen ein bedeutendes Itberwiegcn der Einlagen gegenüber der Rückzahlungen. Der Geld stand ist andauernd ungewöhniltch fküsfig.
Uanalgespenster.
War schon die an zwei Stellen, bei S t e e n st r a t e und H e t S a s erfolgte Überschreitung bes Äser- oder Upernkanals den Engländern schwer auf die Nerven gefallen, da durch den Ausbau der Stellungen ans dem westlichen Ufer die Basis für einen weiteren Vormarsch geschaffen ist, so hat die ganz unverhofft er- folgte Beschießung der Festung Dünkirchen auf unsere Gegner mit der g a n z e n W u ch t einer recht unliebsamen Überraschung gewirkt. Und zwar ans ganz verschiedenen Gründen. Einmal -hat dies nach allen Berichten sehr wirksame Bombardement, ob es nun aus der Richtung des 28 Kiloineter entfernten L o m b a r t z y d e oder des 33 Kilometer entfernten Di^muiden oder des 35 Kilometer entfernten H e t S a s kam, die Engländer und Franzosen über die Tragweite der hier in Aktion getretenen Geschütze belehrt, welchen in den Berichten ans Dünkirchen ein 38-Zentimeter-KaIibec zugeschrieben wird. Zweitens haben diese neuen deutschen Erfolge das kunstvoll ausgebaute L ü g e n s y st e m -der Engländer über die angeblichen „Erfolge in Flandern" mit einem Schlage über den Haufen geworfen. Und drittens — das aber ist der Kern- und Hauptpunkt — werden die Briten hier an ihrer empfindlichsten Stelle ge
troffen, nämlich auf. ihrem eigenen Grund und Boden.
Diese letztere Behauptung kann vielleicht im ersten Augenblick überraschen, und man könnte -meinen, daß sie auf geographischer Unkenntnis beruhe. Aber sie ruht in Wahrheit auf der Kenntnis der Geschichte nicht nur, sondern auch der strategischen Gegenwart. Von französischer Seite ist zuerst die Behauptung ausgetreten, und sie wird von den Mißvergnügtem in Frankreich immer entschiedener wiederholt, daß die in diesem Kriege am heißesten umstrittene Kanalküste «icht mehr in französische m, sondern vielmehr längst m e n g l i s ch e m B e s i tz sei. In Pariser Blättern ist mit unverhohlener Entrüstung festgestellt worden, daß die Engländer sich an der Kanalküste vollkommen häuslich eingerichtet hätten, daß sie sich dort als die Herren fühlen. Sie haben in Calais und Dünkirchen Kasernen für die Truppen und Villen sür die Offiziere gebaut, sie haben Bcfestigun- g -e n angelegt, und die Verwaltung, nicht etwa nur die militärische Leitung, ist völlig in e n g li s ch-e Hände übergegangen.
Über die Beweggründe zu diesem Vorgehen des „perfiden Albions" — diese Bezeichnung haben bekanntlich die französischen Republikaner im Jahre 1798 dem heutigen Bundesgenossen Frankreichs beigelegt — kann kaum ein Zweifel sein, sie find militärischer und politischer Natur. Einmal liegt es auf der Hand, daß sich England die Herrschaft im Kanal weit besftc sichern, daß es die Zufuhr nach dem Britenveiche weit wirksamer gegen die deutschen Unterseeboote schützen kann, solange es Calais und Dünkirchen im Besitz hat. Dann aber — und das ist von höchster Bedeutung für das Verhältnis ,des Dreiverbandes nutereinander — haben die Briten mit -der französischen Kanal-- küste ein Faustpfand in der Hand, dessen Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Daß Sir Edward Grey zu Beginn des Krieges den lbeiden Bundesgenossen einen Vertrag ausgenötigt hat, demzufolge sie nur g e- m e i ns a m Frieden schließen dürfen, will wenig de- sage,:, dem: was gelten heute internatiopale Vertrüge, wo ihr Britch die Regel, ihr Einhalten -die bestaunte Ausnahme ist: Jenes, wertvollstc Stück französischen Bodens aber ist mehr wert als alle ^schriftlichen Abmachungen. Ms nach den ersten Kriogs- monaten infolge der schnellen Erfolge der deutschen Heere in Frankreich eine starke Friedens st immun g entstand, sollen -die Engländer jene Stimmung mit der Androhung einer Beschießung der französischen Küste bekämpft haben. -Heute ist diese Drohung n i ch-i mehr erforderlich, denn die Engländer haben diese Küste im Besitz, und die Art, wie sie sich -dort einrichten, zeigt, daß sie mit dem französischen Sprichwort denken: Hier bin ich, hier bleibe ich! Um so schmerzlicher für sie muß daher-jetzt die Ent- t ä u s ch u n g sein, daß diese Küste nunmehr unter denn wi r k s a ni st e n Feuer von offenbar eine ganz neue Überraschung bedeutenden deutschen Riesen- g e s ch ü tz e n ist. Das „Rätsel" von Dünkirchen aber stellt sich der berühmten „dicken Berta", die die betzischen Festungen bezwang, und unseren 17 - B o o t e n als ein weiterer glänzendster Triumph den deutschen Technik würdig an die Seite. Ebenso groß wie die peinfiche Überraschung ini Lager der Gegner, über die sie sich auch durch die üblichen V-er- Keinerungs- und SelbstberuhigaingsversuchL nicht hinwegzutäuschen vermögen, sei darum aber u n s e re Freude! ^
Die Beschießung Dünkirchens.
W. T.-B. London, 2. Mai. (Nichtamtlich.) Der Der icht- erftaiter der „Times" in Nordfrankrerch meldet über die Beschießung von Dünkirchen am Donn-erstagnachnrittag, laß gleichzeitig mit der ersten Granate, die -um sy 2 Uhr erstlo- bierte, drei deutsche Flugzeuge über der Stadt er- schienen, die augenscheinlich das Feuer leiten sollten. Die Besatzung der Stadt war außerstande, das Feuer zu beantworten, da sie nicht entdecken konnte, wo die deuffchen Geschütze ausgestellt waren. Schließlich brach ein gewaltiger Brand aus, der die Flugzeuge in die Flucht trieb.
Die Feinde aus der Suche nach den deutschen Geschützen.
Beschießung der belgffchcn Küste.
Berlin, 3. Mai. (Krr. Bln.) Aus Kopenhagen wird verschiedenen Morgenblättern gemeldet: Die englische Flotte beschießt die belgische Küste in der Hcfftvuutz, Jk, deutschen G e s chü tze zerstören zu lärmen.
