hört mein Bruder, der etwas voraus ist, auf einmal einen fürchterlichen Knall. Es war mein Kopf, der auf die Chauffee uufschlug. Ich verlor zuerst die Besinnung, und als ich wieder zu mir kam, da hatte ich sie nur halb wieder. Das heißt, ein Teil meines Denkvermögens war ganz gut und klar, die andere Hälfte war weg. ... Ich erinnere mich noch eines anderen Sturzes. Da ritt ich rasch durch junges Holz in einem großen Walde, weit weg von zu Hause. Wie ich über einen Hohlweg wollte, stürzte ich mit dem Pferde und verlor das Bewußtsein. Ich muß wohl drei Stunden ohne Bewußtsein dagelegen haben, denn es war schon dämmerig, als ich aufwachte. Ich hatte meine Geisteskräfte noch nicht ordentlich wieder. Ich mutz wohl 15 Schritt fortgeflogen sein und war an eine Baumwurzel gefallen, und als der Doktor nach, her den Schaden besah, sagte er, es wäre gegen alle Regeln der Kunst, daß ich nicht den Hals gebrochen hätte." Etwas ganz Ähnliches passierte ihm bei einem Ritt von dem Badeort Polzin. wo er die ganze Nacht getanzt hatte. Überhaupt war er viel an der Nordsee, badete, segelte und fischte und hat in seinem Fischerboot manch ernsthaften Sturm erlebt. Eine dämonische Gewalt ging schon damals von seiner Persönlichkeit aus, und die pamuierfchen Bauern rannten sich zu, der wilde Bismarck sei ein Geächteter, der sich gegen seinen König erhoben; zur Strafe müßte er nun den Vollbart tragen, der damals etwas Neues und Fremdes war, und alle Jahre in der Silvesternacht käme der Scharfrichter und schnitte ihn ihm ab. Die Volksphantasie, die fo unheimlich Mystisches von ihm fabelte, ahnte vielleicht doch einen tieferen Zusammen- hang. Unbefriedigtes Sehnen, Verzweiflung und Trübsinn hausten auf dem Grunde dieser gewaltigen Seele, die sich in Tollheiten und Abenteuern zu betäuben suchte. „So sitze ich hier", schrieb er an den Studienfreund Scharlach aus Kniep, Hof, „unverheiratet, sehr einsam, 2g Jahre alt, körperlich wie- der gesund, aber geistig ziemlich unempfänglich. Mein Umgang besteht in Hunden, Pferden und Landjunkern. So vegetiere ich fast wie ein Uhrwerk, ohne besondere Wünsche oder Befürchtungen zu haben, ein sehr harmonischer und seist lang, weiliger Zustand.' Der Sturm und Drang, der bereits in den Studentcnjahren so mächtig aufgekodert, hatte nun seinen Höhepunkt erreicht, bevor die Einkehr und die Bekehrung kamen. Wie Shakespeares Prinz Heinz, wie der junge Fried- rich d. Gr. oder der junge Goethe ist auch der tolle Bismarck ilns teuer als der laute ungestüme Verkünder des nahenden Genius.
Kus btt KrfensjcH.
Was die englische Kavallerie hinter rer Front tut Die englischen Kavalleristen sind seit fünf Monaten zur Untätigkeit gezwungew Da die Reitübungen die immer fortgeführl Werden, fo schreibt in der „Daily Mail" W Beach Thomas auS Nordfrankreich. .Meder die Zeit ausfüllen noch ihre Kraft erschöpfen müssen sie sich andere harmlose Betätigungen suchen. Die Beschäftigungen des Winters sind vorbei Die Spurhurüde sind längst nach Haufe zurückgelehrt da die Schon- IT- begonnen hat Was soll man da machen?
Auf d-re Beantwortung dreier Frage wird viel Geschicklichkeit und Muhe verwandt. Letzte Woche z. B. wurde eine Pferdeschau ewgehalten, von der nach Meinung der ansehnlichen Zu- schauerschaft die „Olympia" viel hafte lernen können. Wenn der Krieg iiichts anderes für die Kavallerie getan hat, so hat er sie die Kunst des HiuderniSnsbrnens gelehrt. Das Wettrennen mit Hindernissen. das hier gezeigt lourde, übe:traf an Scharfsinn. wenn Nicht a„ Zähigkeit, alles, was man bei der „Grand National oder der „Olympia" sehen kann. „Wenn es so wefter geht," sagte ein Zuschauer, „werden die Pferde bald Stacheldrahtverhaue nehmen können." Aber Pferdeschaustellungen find nicht der einzige Sport, der getrieben wftv. Em paar Kavalleristen, die neulich von ein paar Tagen Urstrud aiiS England zurückkehrtcn, waren mit einer Angelrute und mit verschiedenen Angelkorken aus gestattet. Es gibt zwei Arten der Fischerei in Belgien und Frankreich. In einem Strom gibt es Forellen, die auf die übliche Weife durch Fliegen gefangen werden, aber das ist theoretisch, denn nicht selten berftichten die Kavalleristen vergeblich, sie durch die appetitlichste Marzfliege anzulocken. Die Forellenflüsse sind sellen. und der Fischer muh sich oft mit einfacher Bente guf rieften Leben. Auf dem GrrmdstLck eines dien Schlosses befindet sich ein breiter Graben, in dem sich eine Sorte Fische tummelt, die den Naftirforschern Kopfzerbrechen macht. Es ist eine Ar,
Fisch mit einem Bart. Don gelbkicher Farbe und einem Durch, schnittSgewicht von etwa einem Pfund. Es ist weder «ft« Schlei noch ein Karpfen. Mit der Verfolgung dieser gehst», nisvollen Geschöpfe könnt ihr einige unserer prächtigsten Kavalleristen oft sftrndenlang beschäftigt sehen, durch die erbitternde Eigenart des Fisches, immer nur an dem Köder tu nippen, in steter Erregung. Das sind die Künstler. Dann gibt es wieder andere, die eine schnellere und unbarmherzige«« Weise des Fischens vorziehen. Sie begeben sich zu den Teilen des Kanals, wo man große Mengen von Plötzen und Weist« fischen vermutet. Dem Angriff geht wie bei fevem modernen ein Aufwand an Sprengstoffen voran Aber in diesem Fall macht es keine großen Kosten. Ein kleines Bündel Schieß« baumwolle, das unter der Wasseroberfläche explodiert, ist genug für alle Fische, die sich in der Nähe befinden. Ein paar Augenblicke nach der Entladung steht man die untere Seit« der Plötzen und Weißfische an der Oberfläche auflauchen. De« Frühling hat auch das Golfspielen wieder möglich gemacht, jetzt, wo sich nicht mehr jede Kugel gleich eingräbt, wo sie auch hinfällt. Wir scheinen uns ein großes Stück Wegs von dem Urteil de§ alten Froiffarts entfernt zu haben, der einmal sagte, daß die Engländer sich traurig, gemäß der Sitte ihre» Landes amüsierten. Es ist unmöglich, eine heitere kühne«! Menschenvereinigung zu finden als diese spielende englische Kavallerie. ." Hinter der Front, wie hinzuzufügen ist.
Ganz einfach. Nicht alle Soldaten nehmen die Feldpost sehr in Anspruch. Ein Berliner Wehrmanu, der niemals «in Held der Feder war. schrieb immer nur einmal im Monat ai» ferne Frau, und zwar dos Inhalts, daß es ihm gut gehe wa» ihn eigentlich wundere. Mcht wenig erstaunt war die brav« Berlinerin, als ihr der Mann neulich einen längeren Brwf sandte, in dom er ihr mitteilte, daß er das Eiserne Kreuz er« halten habe. Die Antwort war eine längere Entgegnung, sie schloß mit folgenden Worten: Da du mir schon so wenig schreibst und ich immer vier Wochen lang in Unruhe leben rmiß, ob es dir noch gut geht, so bitte ich Dich wenigstens, mir mitzuteilen, wie du das eiserne Kreuz bekommen hast. Keine« von unseren Bekannten hat es bis jetzt, die schon so lange wie du im Felde sind, urrd ich will dock) zu gern allen er» zählerr. wo und w:e du dich ansgezeichnci hast. Darum bitte ich dich, teile mir mit, wie du das Kreuz bekommen hast. Dl« Antwort war klassisch: „Liebe Frau, das Kreuz habe ich ganz eirrfach bekommen, der Herr Hauptmann ließ mich rufen der Herr Feldwebel hat öS mich anjestochen. So war's. 'Mir geht es immer rroch gut, was mir selbst am meiste» wundert, Gruß urrd Kuß Emil."
Pariser Erfindungen von 1876. Während der Belagerung von Paris im Kriege von 1870/71 war der Erfindergeist außerordentlich tätig und gebangte zu den abenteuerlichsten Vorschlägen, um das französische Vaterland von dom Eroberer zu befreien. Man batte eine wissenschaftliche Kovrmifliun für die Verte-digung von Paris gebildet. an die sich alle wcnrdten. die etwas für die Rettung Frankreichs tun zu könne» glaubten, und aus den Papieren dieser Kommission toill in einer der letzten Nummern der Revue Charles de Wattep-Me einige Proben von diesen Erfindungen mit. Viele darunter sind ganz närrisch oder phantastisch: andere enthalten aber im Keim Gedanken, deren Durchführung m technisch entwickelter Form wir in den Kämpfen des jetzigen WelLftieges sehen. So be« rührt es merkwürdig, daß man schon im Jahre 1870 daran, dachte, die Luftballons, die ja überhaupt bei der Belagerung von Paris eine große Rolle spielien, für das Abwerfen von Bomben zu benutzen. Man regte ferner an, metallische Schanz, werke zu errichten, die mit einem elektrischen Strom in Verbindung standen, durch den die Angreifer zu Boden gc schirret terk werden sollten. Wieder ein anderer Erfinder machte den Vor« fdjkt® Eisenbahn! okomattveri etwa in der Art zu benutzen, wie dies mit den Panzer-automobilen unserer Tage geschieht, indem man sie mit einem fünften Rad für die Steuerung ausrüstote und ihnen breite Räder mit Gummistreifen gab, um die Stöße der Maschine auf den gewöhnlichen Straßen ab» zu schwächen. . Wieder ein anderer wollte die Lokomotiven inik einer Art seitlichen Sichel ausstatten und sie mit Volldampf gegen den Feind jagen. Auch eine Dampfschleuder wurde vor« geschlagen, die imstande sein sollte, 6000 Geschosse in der Minute auf 1000 oder 2000 Mclcr Entfernung zu schleudern. Sogar die Idee eines elektrischen Wurfapparates war schon vorhanden; die motorische Kraft für die Erzeugung der Elektrizität sollte durch eine Lokomobile oder durch ein vor, Menschen gedrehtes Schwungrad geliefert werden. Geschichtliche Erinnerungen kehrten in der Erfindung des Mannes wieder, der wie Archimedes die Sonne und die Spiegel benutzen wollte, um auf weite Entfernungen hin Brände her« borzurufen oder den Feind zu blenden. Ein ganz besonders Schlauer wollte die Kanonen mit Spiegeln versehen, um w verhindern, daß der Feind sie sehen könnte.
