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»Ä^^tt?Rr^°rgen.Au»g^«"3kNw^nachu„nag? 8etStttt Schriftleitung desWiesbadenerTagblatts: Berlin-WilmersdorfGüntzelftr.66»Feruspr.: Amtllhland 450u.451. Tagen'lind Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Sonntag» 2. Mai 1915.
Morgen-klusgabe.
Nr. 203. ♦ 63. Jahrgang.
Der Krieg.
Der österreichisch - ungarische Tagesbericht.
Russische Angriffe überall blutig abgeschlagen. S00Gefangene. Eine SchlappederMontenegriner
W.T.-B. Wien, 1. Mai. (Nichtamtlich.) Amtlich
verlautet vom 1. Mai: In Russisch-Polen lebhafter G es ch ü tzka m p f, der stellenweise auch nachts andauerte. Russische Sicherungstruppen wurden aus mehreren Stellungen vertrieben. An der Front in W e st g a l i z i e u und in den Karpathen keine Veränderung. Gegen die von uns eroberten Seen zwischen O r a w a- und O p o r t a l ' richtete der Feind auch heftige Angriffe, die abermals unter sehr großen Verlusten für die Russen a b gewiesen wurden; hierbei wurden 500 Mann gefangen.
In Südostgalizien und der Bukowina zeitweise Artilleriekampf. Südlich» Za leSzcyzki schoß eine unserer Batterien ein russisches Muni- tionsmagaziu in Brand.
Am südlichen Kriegsschauplatz außer vereinzeltem Geschützfener in der letzten Zeit keine Ereignisse von Bedeutung.
Östlich T r c b i n j c wurden montenegrinische Kräfte, die sich zu weit vorgewagt hatten» durch unser Artillerieseuer zerstreut. Ihre Unterkunft wurde
-erstört.
Der Stellvertreter des Chefs des Gcncralstabs: v. Hofer, Fcldmarschalleutnant.
Die rrarpathenoffensivs der Verbündeten.
Englische Beschwichtigungsversuche.
Bv. London» 1. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Tie Petersburger Berichterstatter der Londoner Plätter melden fast übereinstimmend, daß die neue österreichische Offensive in den Karpathen sich mehr und mehr auf das Gelände um den Uzsokex Paß konzentriere. Aller Wahrscheinlichkeit nach mühte hier mit. einem entscheidenden Angriff deS Gegners gerechnet werden. Es ist wahrscheinlich, so meint die „Times", daß der russische Gencralstab eine Verkleinerung seiner Front vornehmen werde, da aus anderen Eeländeabschnitten Ruhe herrscht. Die Unterbrechung des russischen Vormarsches ist nicht so dem Drucke deS Feindes zuzuschreiben, wie anderen ürlvägun- g e rt, die zurzeit noch nicht veröffentlicht werden können.
Die Vergeltung für die Nuffengreuel in Ostpreußen.
W. T.-B. Berlin. 1. Mai. iAmtlich.) Als Vergeltung für dir bei dem Einfall der Russen in Ostpreußen verübten Greuel und Wegnahme von Eigentum deutscher Sraatsange- hyriger beauftragte der Oberbefehlshaber im Osten die Zivilverwaltung für Russisch-Polen mit der Beschlagnahme der in ihrem Bezirk belogenen sogenannten Donatio ns - güter. Es handelt sich hierbei um Güter, welche der russische Staat bei den verschiedenen polnischen Revolutionen konfisziert hat und dann russischen Militärs und Beamten zur Nutznießung überließ. Beim Ausstetzben der Familien der Beliebenen fallen die Güter an den russischen Staat zurück und ebenso in verschiedenen anderen Fällen. inS- bssondere wenn kein Erbe griechisch-orthodoxen Glaubens vorhanden ist. Die Beschlagnahme ist jetzt im wesentlichen durchgeführt worden; sie erstreik t-stch aus etwa 232000 preußische Morgen. Von dieser Fläche sind ungefähr 107 000 Morgen für die Pachtsumme von jährlich 856 000 M. — also wmchschnittlich 3.33 M. pro Morgen — verpachtet. 21 700 Morgen Äcker und Wiesen, 97 000 Margen Wald und 6400 Morgen Wasser werden von der beschlagnahmenden Behörde seichst verwaltet. Die Pächter, so weit sic Polen oder Deutsche, nicht Nationalrussen sind, wurden im ungestörten Pachtvesitz gelassen. Sie haben die Pacht an die Staatskasse abzuführcn und sind unter dauernde AÜ7- stcht der Zivilverivaltung gestellt. Auch die Mehrzahl der polnischen und deutschen Verwalter verblieb im Amte, nur dort, wo zuverlässige Beamte fehlten, sind deutsche oder polursche Verwalter eingesetzt worden. Für die Frühjahrsbestellung ist Vorsorge getroffen. Wo Saatgut fehlte, wurde solches beschafft. Bei fehlender Bespannung wurde mit Motorpflügen nachgeholsen.
Amerikanische Flugzeuge bei den Russen!
Königsber«, 30. April. (Ktr. Bln). Ein russisches Flugzeug wurde über Sterken bei Eydtkuhncn abgcschossen. Beide Insassen sind tot. Das Flugzeug ist amerikanisches Fabrikat.
Kusmanek in Nischni-Aowgorod.
Kopenhagen. 30. April. (K. Z.) Feldzeugmeister Ku§- ma nek, der tapfere Verteidiger van Przemhsl» wurde nach Nrschni-Nowgorod verbracht.
Eine kindische russische Ableugnnng.
W. T--B- Berlin, 1. Mai. Die Petersburger Tele- graphenagentur verbreitete am 7. April eine Meldung, noch welcher in den Karpathen mehrere Kavallerie! ivisioneu ihre Pferde an die Artillerie abgegeben und sich in Jn-
fanterieavteilungen verwandelt hätten. Diese früheren ftcitex hätjxu jedoch leine Bajonette» was eine
empfindliche Beeinträchtigung sei, da es bei den meisten Kämpfen zum Handgemenge komme. Diese Offenherzigkeit scheint der Petersburger Agentur verübelt worden zu sein, daher versendet sie jetzt iir das neutrale Ausland eine Meldung, in welcher behauptet wird, die Petersburger Telegraphenagentur habe ni e m a l s eine Nachricht dieser Art verbreitet, sie sei vielmehr vom Wolffschen Telegraphenbureau in die Welt gesandt worden, um die Aufmerksamkeit von der bekannten Tatsache der „erschreckenden Verminde- rung" des Pferdebeftandcs im deutschen Heere abzulcnken. Dieser kindische A b l e u g n u n g s v e r s u ch hat um so weniger Aussicht auf Erfolg, als man natürlich in Dänemark, Schweiz üsw. ganz genau weiß, daß die fragliche Depesche nicht aus Berlin, sondern aus Petersburg kam.
Aus der deutschen Verwaltung Polens.
Br. Posen» 1. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Rechtsanwalt v. Prondzynski in Hohensalza wurde zum Bürgermeister und Staatsanwalt von K a l i s ch ernannt. Neue Einzelheiten zur Vernichtung des „Lvon Gambetta"
- Der Tod des Kommandanten.
Br. Paris» 1. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Aus den Berichten der überlebenden vom „Leon Gambetta" ergeben sich noch einige interessante Einzelheiten. Der Kommandant Dcperiere, der in voller Uniform war, verließ darnach, trotzdem ihn die die Schaluppe besteigenden halbnackten Mannschaften mitrertzen wollten» nicht die Kommandobrücke, sondern rief ihnen zu: Denkt an euch selbst, ich sterbe m i t m e i n e m S ch i f f. Vive la France!" In dem Augenblick, als der „Leon Gambetta" zu sinken begann, etwa sieben Minuten nach dem zweiten Torpedoschuß, schoß er sich aus seinem Revolver eine Kugel in den Kopf. Auch der iir- zwischen wach gewordene Steuer Wachoffizier hatte bereits vorher, von Gewissensbissen gepackt, Selöstmord verübt. An den Seitenwändcn des überfüllten einzigen Rettungsbootes klammerten sich zahlreiche nackte, sin Meer schwimmende Unglückliche an, von denen viele erschöpft wieder in das Meer zurückfielen und ertranken. Nach sechs Stunden wurde von den durch den Leuchtturmwächter her- heigerufenen i t a l i e n t s ch e u Torpedobooten 186 Leute gerettet. Die «eisten waren infolge ausgeftandenen Schreckens und Anstrengungen mehr tot als lebendig.
*
Montenegrinische Mordtaten an der albanischen Grenze.
Be. Sofia» 1. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) An der albanischen Grenze erfolgte ein blutiger Zusammenstoß zwischen Montenegrinern und Albanesen. Die Montenegriner überwältigten die kleine Truppe und verfuhren mit ihr in schmachvollster Weise. 110 Personen wurden erschlagen-und 36 Häuser in Brand gesteckt. Unter den Getöteten befinden sich nur 4 Männer, die übrigen sind Frauen und Kinder.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Die veschietzung Dünkirchens.
38-Zentimetcr-Granaten aus Landgeschützcn.
Paris» 30. April. (Fr. Z.) Die Agenre Havas nieldct:
Nachrichten über die Bombardierung von Dünkirchen ergeben, daß der Feind aus die Stadt 38-Zentimeter-
Granaten abgeschossen hat. Während der Beschießung konnten englische und französische Wasserflugzeuge bei ihren Ausklärungsflügen kein feindliches Schiff aus der Höhe von Dünkirchen entdecken. Ein deutsches Gösch io a d e r von zehn leichten Panzerschiffen befand sich vor Ostende. Die auf Dünkirchen geschleuderten Geschosse stammten aus Geschützen an den deutschen Linien.
Die Geschütze mit Bomben belegt'?
London, 30. April. (Fr. Z.) Reuter meldet: Die Admiralität berichtet, daß die Stellung der deutschen Kanonen,
die Dünkirchen beschossen hatten, durch Flieger aufgeklärt worden sch. Im Laufe des Abends sei die Stellung angegriffen worden; 12 kleine und 2 große Fliegerbomben seien darauf geworfen worden.
Der Erfolg der Beschießung.
Br. Gens, 1. Mai. (Eig. Drohtbericht. Ktr. Bin.) Dem vollkommen geglückten Erkundungsfluge zweier Tauben, die kurz vor der Beschießung die Stadt Dünkirchen umkreisten und unversehrt wieder verschwanden» schreibt die französische Fachkritik den wesentlichsten Anteil an dem starken Prozentsatz wichtiger Treffer der 10 schlveren Geschossen zu, die man als „3 8 e r" bezeichnet. Anfangs vermutete die von Panik ergriffene Bevölkerung ein Bombardement von der Seeseike, nun aber wurde es klar, daß der von den Deutschen erzielte G e l ä n d c g c w i it tt die Aufstellung schwerer Geschütze ermöglichte. Im Hafen von Dünkirchen wurden die ernstesten Verheerungen angerichtet. Einzelne Geschosse durchdrungen die Kellergcwölbe. Eine breite Bresche zeigte der Landungskai. Die Zahl der zerstörten Häuser wird auf 15 angegeben. Der Brand dauerte noch gestern abend fort. Unter den Toten und Verwundeten, der» Gesamtzahl 100 übersteigt, befinden sich mehrere Engländer. Die Züge von Dünkirchen nach Paris sind überfüllt.
' Frenchs Bericht über ppern.
W. T.-B. London» 1. Mai. (Nichtamtlich.) General French berichtet: Die Lage an unserer Front ist unverändert. In der Ebene von Upern fand ein heftiges Artillerie- g c f c ch t statt. Die Franzosen, durch unsere Artillerie unterstützt, gewannen an unserem linken Flügel beträchtlich an Boden. Ein deutscker Flieger wurde in unserer Stellung östlich von Ipern durch unsere schwere Artillerie heruntergeholt.
Die Verluste der Verbündeten in derpserschlacht
Kopenhagen» 30. April. (Ktr. Bln.) „Politiken" meldet aus Dünkirchen: Die Verluste der Verbündeten in der Iser- Macht müssen fürchterliche sein. Denn alle Lazarette in der Umgebung sind überfüllt, weshalb die Verwundeten vielfach liegen*bleiben und nicht transportiert werden können, weil es überdies an Lozarettzügen und an Bedienungsmannschaften fehlt. Allein tm Walde von Ostvlet- tern lagen über 1500 verwundete Franzosen und Belgier, die noch nicht abtranspoctiert worden waren.
Die Aufregung in Paris.
Br. Basel» 1. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die nachmittags hier eingetrosfenen Pariser Blätter weisen in den Artikeln über den Untergang deS „Leon Gambetta" und die Lage bei Ip crn weiße Zensurfleckc auf. Die Erregung über den Verlust des Kreuzers mit fünf Sechstel seiner Besatzung war gestern in Paris um so größer, ats die Zensur vorgestern einer zweifelhaften Agentur erlaubt hatte, zu melden, der Kreuzer Halle sich über Wasser. Die Blätter geben zu, daß die Nachricht vom Untergang des Kreuzers die Pariser Börse ungünstig beeinflußte.
General Cherfils betont im „Echo de Paris" den Ernst der Schlacht bei Ipern, versichert aber, zur Unruhe sei für die Franzosen kein Grund. Der Oberst Fehler bespricht im „Journal' die Möglichkeit einer Einnahme Iperns durch die Deutschen, erklärt aber tröstend, das Ereignis hätte nur moralische Bedeutung.
Die Schäden der letzten Veschietzung in Reims.
Br. Genf, 1. Mai. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die durch die Beschießung von Reims verursachten Brände zerstörten auch öffentliche Gebäude; mehrere Privat- häuser drohen, einzustürzen.
Der 2. deutsch-französische Invalidenaustausch
W- T.-B- Berlin, 30. April. (Nichtamtlich.) Der zweite Austausch schwervcrwundeter Deutscher und Franzosen, dessen Beginn etwa auf den 1. Mai vorgeschlagcn worden war, muß leider verschoben werden, da das Einverständnis Frankreichs noch nicht eingegangen ist.
Weitere fcindlichc Firmen in Belgien unter Zivangs- vcrwaltung.
IV. T.-B. Brüssel, 1. Mai. (Nichtamtlich.) Der Gcncral- kommissar sür die Banken hat folgende Unternehmungen unter ZwangSvcrwaltnng gestellt: H. W. Stevens (Antwer
pen); British Lianosoff Whrte Oil-Co. Ltd. (Antwerpen): Societe Franraisc d'Exploitation dcS Produits Lianosoff (Antwerpen); Agence Havas (Brüssel); Societe Anonvme des Travaux Dyle et Bacalau (Löwen).
Der Handelskrieg gegen England.
Zur Torpedierung der „Lily Dalc".
W- T-B. London» 1. Mai. (Nichtamtlich. Reuter.) Über die Versenkung des Fischdampfers „Li ly Dalc" wird noch gemeldet: Das Unterseeboot' wurde von einem
Flottillcnboot verfolgt, das Schüsse abgab. Das Unterseeboot gelangte nach langwierigem Verfolgen außer Bereich des Patrouillenbootes.
Zur Unterbindung dcs euglischcn Ostscehandcls durch Deutschland.
Swtncmünde, 30. April. Gestern sind in Swine- münde die fünf schwedischen Dampfer „Presto", „Oskars-
