Wiesbs-e
Verlag Lauggaffe 21
„Tagblatt-Haus".
Lchatter-d-lle geöffnet von 8 Uhr morgens bi» 7 Uhr »Send».
wöchentlich
gabeüell« und in den benachl
lsftabesteüei chbarlkn Ll
Landorten und 7 m «heingau' »teH^effenden
«n»e>»e» »««dme: Für dieAbend-Ausg. bi« iLNdr
«mtai*; **- — ~— .
•1
12 Ausgaben.
Fernruf:
„T-gbl.tt-H-uS" Nr. «650-5».
Bon : llbr morgen« bi« » Uhr abend«, anher Sonntag«
" und ^kleiner Anzeiger"
Ingei^ni SU «fs.'tiir alle aniiwärtigen Anjeigen. l «k7i^^liche'Uellamc^"«?^wr^auraÄrii^e Rn nlirt rtS 4 ”** J’“ 1 ?'; drittel und »iertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung — Be, wiederh olter Ausnahme unoeranderler Anzeigen in kurzen Zwischenräumen enrlhrechender Nachlaß,
«nrBeMorgen.Au^,bitsubruachmiltag«, Berliner Schristleitn«,»es Wiesbodener TazlilottS:Berlin-WilmersdorfSüntzelstr.
Samstag. 1. Mai 1915.
Der Krieg.
Der österreichisch ■ ungarische Tagesbericht.
Russische Nachtangriffe blutig abgewiesen.
W TB Wien, 30. Sfprif. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 60. April: An der allgemeinen Lage hat sich nichts geändert.
Wahrend des Tages Geschntzkampf und Geplänkel. Neureiche heftige ruffische Nachtangriffe im O r a A a- und L p o r - T a I c wurden wie stets früher, unter grossen Verlusten des Feindes a b g e w r ej e n.
Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
3um öeut chen Vorstoß in Kurland.
2ie untenstehende Karte wird die Bedeutung der Meldung des Großen Hauptquartiers veranschaulichen, wonach deutsch« Truppen in Kurland vorgestoßen sind und die Bahnlinie Lrdau-Dünaburg (russisch Dvinsk) erreicht haben. Der Or: Schawli (auf unserer Karte unterstrichen), bei dem nach der- Tagesbericht gekämpft wird, liegt ziemlich gleichweit von ä P a u , Riga und Kowno, der nördlichsten ruffiscifen Mcmelfestung, entfernt. — Im übrigen seien hier zwei kleme Fehler im Tagesbericht richtiggestellt. Gleich zu Anfang muß es richtig heißen: Fliegerbomben richteten in Ostend« nur erheblichen Häuserschaden an. Der letzte Abschnitt der Meldungen vom westlichen Kriegsschauplatz heißt richtig dir Küstenfestunig H a r w i ch usw.
Einzelheiten über die Fortschritte bei Suwalki.
»r. Berlin, 30, April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Dem „L.-A." wird aus Suwalki unter dem 28, April gemeldet- An der ganzen Njemen - und Bobrfront herrschte in den letzten acht Tagen trotz der anhaltend günstigen Witterung absolute Ruhe, Unsere Gegner, die an manchen Punkten kaum 300 Schritt von unseren Stellungen liegen, haben ihre Stellung sehr stark ausgcbaut und mit Stacheldrahthindernissen gesichert, so daß daraus zu schließen ist, daß sie sich Mf einen längeren P o s i t i on s k r i e g vorbe- veiten. Überläufer treffen tagtäglich in unseren Stellun- gen ein. Am Mittwochfrüh begann eine beiderseitige mächtige Kanonade an der ganzen Front, die nachmittags 6 Uhr noch immer anhielt. Das Feuer der russischen Artillerie ist auffallend schwach und scheint auf Mangel an Artillerie zu deuten. Die bisherigen Schußleistum gei, waren derart schlecht, daß trotz des ganztägigen Artillerie- gefechtL auf unserer Seite keine Verluste zu beklagen sind. Nachdem unsere Artillerie durch energische Beschießung der feindlichen Stellung den Angriff genügend vorbereitet hatte, ging unsere Infanterie mit unvergleichlicher Bravour zum Angriff vor. Die Russen leisteten mir sch warben Widerstand und räumten ihre Stellung fluchtartig, wobei ( eine Menge Kriegsmaterial in unsere Hände fiel Vorgestern wurden zwei russische Flieger abgeschoffeu und , gefangen genommen.
Einige weitere Lügen über Desterreich.
W. T-B. Wien, 29. April. (Nichtamtlich. Wiener K. K. Telegr.-Korr.-Bur.) Die von feindlicher Seite verbreiteten Nachrichten über eine kritische finanzielle Lage Österreich-Ungarns, die sogar zur Verminderung der Löhnung der Truppen geführt haben soll, über Meutereien tschechischer Regimenter sowie über Demonstrationen gegen die Ausschreibung der 18jährigen oder gegen den Krieg sind reine Erfindungen. Ebenso ist es eine Lüge, daß in Triest das Militär gegen .Manifestanten von der Waffe Gebrauch gciuacht hat.
Der Geheimratötitel für einen österreichischen General.
W. T.-B. Wien, 20. April. (Nichtamtlich.) Der Kaiser har dem Armeegruppenkommandanten Frhr. v. Pflanzer-Baltin die Geheimratswürde verliehen.
Morgen - Ausgabe.
Vas österreichisch-ungarische „U 5" heil zurückgekehrt.
Budapest, 29. April. (Frkft. Ztg.) Die Gattin des Kom- Mandanten des Unterseebootes „bl 8", Linienschiffsleutnant Ritter Georg v. Trapp, die feit Kriegsbeginn mit ihrer wamtlie bei ihreni Schwager Grafen Edgar Hoho- lil F i umrc wohnt, hat gestern früh von ihrem Gatten eine Depesche erhalten, welche die Mitteilung von der Ver- senkung des „Leon Gnmbetta" und Mitteilung davon enthält, uaß er mit unversehrtem Boot auf seine Station zuruckgekehrt ist.
vie Jnternieruilgslager Ungarns.
W. T -B. Budapest, 30. April. (Nichtamtlich.) Der Wiener i panische Botschafter de Castro y Casaleiz besuchte die internierten Zivilpersonen der feindlichen Staaten in den Korizentoatloilslagern von Aszod, Gyüngyöns, Czegöld. Goinbos u^nid Keszkem-et. In diesen Lagern sind deutschfeindliche Staatsangehörige untergebracht, deren ständige behördliche Kontrolle erwünscht sei, während eine große Amzahl feiwN Jtcf}er Staatsangehöriger in Budapest und in ungarischen «tädteu leben und nur der Polizei ihre Papiere vorzeigeu müssen. Der Botschafter ließ sich in Gespräche mit den Internierten ein. Sie bestätigten, daß abgesehen von der Einschränkung der persönlichen Freiheit, sie sich nicht zu beklagen haben und sich einer sehr guten Behandlung erfreuen. Die Internierten könnten in einem Umkreis von 3 Kilometer frei umhergehen. Es stehe ibnen frei sich aus eigene Kosten zu beköstigen und Privalwohnunaer zu mieten. JnGyöngyös sind zahlreiche Kinder zarten Alters interniert, deren sich unsere Soldaten erbarmte», weil ihre Eltern geflüchtet waren. Diejenigen, welche arbeiten wollen, haben überall Gelegenheit gefunden. Der Botschafter versicherte bet der Rückreise dem Minister des Innern, daß die Lage der Gerangenen nichts zu wünschen übrig lasse und daß er in diesem Sinne feiner Regierung berichten werde. Ver Far am Schwarzen Meer.
T-B. Petersburg, 30. April. (Nichtamtlich.) Der Zar ist in S e b a ft o p o l angekommen.
Oie Versorgung ver Juden in Rußland.
Br. Stockholm, 30. April. (Eig. Drcchtchericht. Ktr. Bln.) Die Verfolguitg der jüdischen Bevölkerung in Russisch-Polen dauert mit unverminderter Strenge an. Me russische Heeresleitung hat jetzt, wie bereits früher in den Gouvernements Blonia und Sochaczew, die sofortige Ausweisung aller Juden ohne Unterschied des Alters und Standes aus den in militärischem Operationsgebiet liegenden Gouvernements Radom und K i e l c e ohne Angabe von Gründen verfügt. Beschäftigung von Kriegsgefangenen in Rußland.
„Rußkoje Slowo" vom 14. April berichtet: In Witebsk ist man um Überweisung von Kriegsgefangenen zu Arbeiten in größeren Unternehmungen eiugekommen, in Z a r i z y n um Hilfe bei Feldbestellung: in Tschistopol will man sie zu öffentlichen Bauten, ,n Wladimir sollen sie zur Strn- ßenreinigung verwendet werden; im Gouvernement Risch ni-Nowgorod find insgesamt 1960 Mann erbeten worden. Die Lohnbcdingungen sind in Charkow auf einer Konferenz der Semstwo-Vertreter auf 8 Rubel monatlich nebst freier Beköstigung durch den Arbeitgeber festgesetzt worden, in N o w a t s ch e r k a ß k auf 13 Rubel nebst freiem Unterhalt.
ver Handelskrieg gegen England.
Wieder zwei englische Dampfer versenkt.
W. T-B. London, 30. April. (Nichtamtlich) Der Fisch- l-ampfer „L i l » Dole" ist in der Nähe von T >, u c von rinem deutschen Unterseeboot versenkt worden. Die Besabung wurde gerettet. - Ter Kohlcudampser „Mobile" wurde bei den H c b r y d c n von einem deutschen Unterseeboot versenkt. Tei Besatzung wurde nach Stornowal, gebracht.
wo steckt Englands Kriegsflotte?
Einen Kommentar de^. Verlegenheit gibt die „Times" zu der deutschen Feststellung, daß die deutschen Kriegsschiffe bei ihren letzten Streifzügeu in. der Nordsee nirgends englischen Kriegsschiffen begegnet sind: „Es ist klar, daß wir die Nordsee nicht dadurch abschließen können, daß wir beständig an unserer und der deutschen Küste Patroulllenschiffe fahren lassen. Für die deutsche Flotte besteht kein ernsthaftes Hindernis, um in der Nordsee zu kreuzen. Aber es ist eine Tatsache, daß sie nicht zu einem bestimmten ernsten Zwecke dahin kommt. Wenn sie um die Herrschaft der See den Kamp) wagen will, dann wird ihr Erscheinen uns sicher willkommen sein. Die deutschen Admirale wiffen sehr gut, w o sie Sir John Jellico finden können und wo er die nötigen Schiffe z u s a m m e n h ä l t, um den Streit zu einem entscheidenden zu gestalten. Aber keine Maßregeln unsererseits können einzelne Kreuzer oder kleine Geschwader verhindern, aus den Gewässern Helgolands herauszukommen, nicht allein bis in die Nordsee, sondern auch bis in den A t l a u t i s ch e n Ozean, wenn sie die.Gefahren nicht fürchten, die ibrer dort warten. Wahrscheinlich ist auch seit dem Zuge auf Sca» borough keine bedeuleude dcutscye Seemacht ut unseren Gewässern gewesen. Vielmehr ivnrdc wahrscheinlich die deutsche Flotte nur südwestlich von Helgoland gesehen. Das ist aber nicht der Platz, wo eine britische Flotte sie auffuchcn
Nr. 201. ♦ 63. Jahrgang.
wird." — Die „Kreuzzeitung" bemerkt dazu: Der Kommentar der „Times" wird schon dadurch entwertet, daß dem Blatte in der Eile das Mißgeschick zugestoßen ist, einen wichtigen Punkt aus der Bekanntmachung unseres Admiralstaoes zu übersehen. Es stand dort zu lesen, daß unsere Hochseeflotte ihre Vorstöße wiederholt bis in dic eng- l i s ch e u Gewässer ausgedehnt hat.
Das „NordscegcheimnisA
Der Mariuebcrichterstutter der „T i rn e S" schreibt in einer Überschrift über die Lage zur Sec unter der Aufschrift :., a . ä NordseegeheimuiS" u. a. folgendes: „Schon
l tt -r 8 * Wochen oder, um genau zu sein, seit dem d. April, erhalten sich hartnäckige Gerüchte über Ereig- Nls)c in der Nordsee. Jetzt zugleich mit dem Durchbruchs- ver)uch auf Calais verbreiten die Berliner Agenturen ge- heilmilsvolle Berichte über die Bewegungen der deutschen §-rr l e r e J e ‘ die amtliche Mitlcilung Chur-
chms, daß kein Seegefecht stattgefunden hat, hat die Zungen nicht zum Schweigen bringen können. Die Schließung der , < ^ £n . Grenzen für den Handel und das englische ^Eerbot über die Verbindung der englischen Häfen mit der scheide mag zu der Vermutung beigetrageu haben, daß etwas ,m Werke sei. In Deutschland gelten die Erklärungen des Marineamtes über den Besuch deutscher Kriegsschiffe in englischen Gewäffern, die Vernichtung eines englischen Ilnterseebootes bei Helgoland nnd die Beschlag- nahme eines englischen Handelsschiffes bei der schottischen Kulte bereits als ein Beweis des kommenden Sieges , cr 1?,.'t er **^ en Marine. Diese Erzählungen von der Tätigkeit der deutschen Flotte müssen unzweifelhaft auf die Einbildungskraft des deutschen Volkes wirken. Aber dafür gibt es in England immer noch Leute, die die Grundlagen unserer Strategie und die Gründe ffir die Verteilung un,erer Seestreitkräfte immer noch nicht erkannt haben. Biele von ihnen glauben noch immer, daß zwischen unseren Küsten und denen des Feindes eine aufeinanderfolgende ununterbrochene Kundschafterlin ie ''t' durch die kein deutsches Schiff durchschlüvfen kann, ohne . daß diese Tatsache augenblicklich den Marinebehörden bc- ! rannt ist.
Keine englischen Zeitungen nach dem Festlandr.
Rotterdam, 20. April. (Ktr. Bln.) Der englische ^ampser „Kopenhagen" brachte heute die englische Post nach Soek von Holland. Die englische Admiralität hatte aber würden^^"' ^ Sei tun gen an Bord gebracht
Englische Uebergriffe gegen Schweden.
„„ (Ktr. Bin.) „Svenska Dagbladet" vom
Aprii meldet: Am 2o. April ging bei der Reederei „Nord- stiarnan die Nachricht ein, daß der grotze Linien- d^ampcer ..KroupriuzLssin Margareta" auf dem Wege von «qweüeu mit schwedischer Fracbt nach San Francisco im Atlaiitiicheii Ozean von den Englländern angehalten und nach «lornawal, eingebracht worden ist. Der Generalkonsul - n l on GU fe cri € sich in einer Unterredung dahin, daß , £ ^A8nayme der Engländer ganz sinnlos und n n e r- *“•_ Bisher sind auch die schwedischen Linienscbiffe nördlich um ^Schottland unbehind-ert gefahren. Das recht- loic Verfahren der Engländer macht es immer dringen- der notwendig, der Gesandtschaft in London weitere juristisch gebildete, icerechtskundige Hilfskräfte zuzuweisen. Charakteristisch für die englische Rücksichtslosigkeit ist. daß Schweden über die Behandlung der Schiffe „Oskar Fredrich" und Pacific noch nichts erfahren habe.
Lloyd George Uber die Munitionsfrage.
W. T-B. London, 30. April. (Nichtamtlich.) Im Unler- la-us tuiidigte Llobd George Maßregeln gegen den übermäßigen Genuß von alkoholischen Getränken au, dem ein Teil der mil der Herstellung von >schießbedarf beichäjtia-en Arbeiter huldige. Eine Verdoppelung der gegenwärtigen Verbrauchssteuer auf Spirituosen, eine starke l Besteuerung der Biere mit höherem Alkoholqchalt, eine vierfache Besteuerung des Weines und die Berechtigung der Heeres- und Mariuebehördeu, die Gastwirtschaften in be- stunmtei: Gebieten zu beaufsichtigen, sind hierfür vorgesehen. George betonte die Notwendigkeit einer uiiunierbrocheuen Muniiionszufuhr und sagte: Der Sieg fei zu sehr großem Teile eilte M a i e r i a l f r a g e. Die Zeit nahe heran, m der Sin Angriff der Verbündeten in großem Maßstab statt- findcn werde. Der Feirid müsse aus Flandern und F r a ii k r e ich vertrieben werden. Wenn die Zeit dafür gekommen fei, werde der Munitionsverbrauch in einem bisher nichl bekannten Maße steigen. Das Volk inüsse allanderen Bedürfnisse der Munitionserzeugung unterordnen, um nicht einen späten, sondern ehren schleunigen Sieg, ohne überflüssige Opfer an Menschenleben, zu sichern.
Der englische ksetzfeldzug gegen Deutschland.
Die „Köln. Ztg." meldet von der holländischen Grenze,
29. April: Die zur Erhitzung der Volksseele in England andauernd von der P resse verbre-teien und von der R e g i e - r u n 3 nachgebetete» Perle umd ’.t itgen Deutschlan ds wegen der Be handln ug englischerGefangcn er werden im Anschluß au die Parlameutssitzungeu vom 27. April eifrimt fortgesetzt.
Das „Daily Chronicle" pocht darauf, daß die Behandlung sämtlicher deutschen Kriegsgefangenen m England
