18 . Jahrgang.
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it«. 489.
Fernsprecher No. 52.
Freilag, den 19. Oktober.
giir die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
Fernsprecher No. 52. 1990.
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Der Reichskanzler-Wechsel.
Der Rücktritt des greisen Fürsten Hohenlohe von dem schweren und, wenn es richtig ausgefüllt wird, außerordentlich verantwortungsvollen Amte des Reichskanzlers ist zwar überraschend, aber doch nicht unerwartet gekommen. Ueber- raschend insofern, als allgemein die Ueberzeugung verbreitet mar, daß derselbe Staatsmann, unter dessen Verantwortlichkeit die Aktion gegen China eingeleitet worden war, das Bedürfniß empfinden werde, diese auch dem Reichstage gegenüber zu vertreten. Nicht unerwartet aber kam der Rücktritt des Reichskanzlers deshalb, weil augcsichts des hohe» Alters und .der schwachen Gesundheit des Fürsten und angesichts des Umstandes, daß seine Thäligkcit im Laufe der letzten Jahre immer mehr hinter der der Staatssekretäre zurückgelretcn war, der Rücktritt des Fürsten Hohenlohe seit längerer Zeit nur noch als eine Frage der Zeit betrachtet werden konnte. Wenn der Fürst den jetzigen Zeitpunkt wählte, so mag dabei, abgesehen von de» thatsächlich vorhandenen Alters- und Gesundheitsrücksichten, die Empfindung entscheidend gewesen sein, daß es sür ihn nicht recht angehc, dem Reichstag gegenüber eine Politik zu vertreten, die er zweifellos gebilligt hat, an der er aber aktiv kaum noch be- thciligt war.
Wenn man das Wirken des bisherigen Reichskanzlers, der vor 6 Jahren, am 29. Oktober 1894, dies dornenvolle Amt übernahm, beurtheilcn will, so darf man als Maßslab nicht das nehmen, was er in diesem Zeitraum geleistet hat, sondern man mutz die Größe des Opfers in Betracht ziehen, das er mit der llebernahme dieses Amtes brachte, und man muß ferner in Erwägung ziehen, was er in seinem sechsjährigen Wirken zwar nicht positiv geleistet, aber verhindert hat. Erst eine spätere Zeit wird uns völlige Aufklärung darüber bringen, welche Bedeutung dieser verhindernden Thütigkeit des Fürsten Hohenlohe zukam, wie viel unheilvolle Maßnahmen und wie viel gefährliche Konflikte er während seiner Amtslaufbahn verhütet hat.
Es mag freilich wenig rühmlich klingen, wenn man von der sechsjährigen Laufbahn eines Reichskanzlers mehr Negatives als Positives zu berichten weiß. Aber es muß bedacht werden, daß, als Fürst Hohenlohe die Nachfolge Caprivis übernahm, dies ein ganz außerordentliches Opfer war. Ein um so größeres Opfer, als Fürst Hohenlohe über eine rühmliche Vergangenheit verfügte und über politische Leistungen, die ihn znm Genuß eines ruhigen Lebensabends berechtigten. Statt dessen entschloß sich Fürst Hohenlohe, in einem Augenblick schärfster Parteigcgensätze, als keine andere Persönlichkeit von Macht und Einfluß sich fand, um das dornenvolle Amt des Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten auf sich zu nehmen, in die Bresche zu springen, entsprechend der dringenden Aufforderung des Kaisers, welcher damals das Wort sprach: „Abichnen giebt's nicht!"
Auf dem Gebiet der inneren Politik bestand die Regieruugszeit des Reichskanzlers, der in den letzten Jahren in steigendem Maße Gegenstand der Angriffe von Seiten der Rechten war, in einer Kette von Kompromissen, bei denen eine bestimmte Richtung der inneren. Politik nur schwer zu erkennen war. Einen Erfolg erzielte Fürst Hohenlohe insofern, als es ihm, oder richtiger gesagt, als es während seiner Amtsperiode gelang, eine erhebliche Verstärkung der deutschen Flotte durchzusetzen. Aber sowohl hierbei, als auch bei der fast durchweg erfolgreichen Leitung der auswärtigen Politik kam das Hanplverdicnst zweifellos nicht dem greisen Kanzler, sondern dem jetzt zu seinem Nachfolger ernannten Grafen Bülow zu. der schon seit seiner Ernennung zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes als der „kommende Mann" betrachtet worden war.
Der am 3. Mai 1849 geborene, also im Alter von 51 Jahren stehende Graf Büloiv, in dessen Händen bereits die letzte Zeit hindurch die Geschäfte des Reiches zu liegen schienen, hat sich in seiner bisherigen Wirksamkeit jedenfalls nur von einer vortheilhaflen Seite präsentirt. Vor Allem verfügt er über die Gabe, die dem ersten Kanzler des deutschen Reiches in so hohem Maße eigen war, und die dem dritten Reichskanzler, dem Fürsten Hohenlohe, so völlig "dging, über die Gab« der Beredlsamkcit. Auf dem Gebiet der auswärtigen Politik, die v. Bülow, später Graf Bülow, seit dem Oktober 1897 leitete, hat er entschiedene Erfolge errungen, so die Erwerbung Kianlschous im Januar 1898, die Regelung der Samoa-Frage und die Erwerbung der Karolinen-, Palau- und Maricmen-Jiiselu, welche ihm den Grafcnlitel eintrng.
sw kcm Gebiet der inneren Politik, die ja für das neuen Reichskanzlers und preußischen Minisler- ^ ?ndenten entscheidend sein wird, ist Graf Bülow ein un- hnl» k e 'i? § . .wenn auch sein bisheriges Verhalten
3 berechtigt, ihn für einen maßvollen Politiker zu halten.
Es wird abznwarten bleiben, ob es ihm gelingen wird, dem Reichskanzleramt die Bedeutung zurückzucrohern, die es im Laufe der letzten Jahre, sehr zum Nachtheil für unsere politische Entwicklung, verloren hat, und ob er über den Willen, die Entschlossenheit und die Thatkraft verfügen wird, welche erforderlich ist, um den mancherlei extremen und rückschrittlichen Bestrebungen, die sich jetzt mit verstärkter Kraft geltend machen, entgegenzntrelen. Der Kampf um die Handelßvcrtragspolitik im Reich und um die Kanalvorlage in Preußen wird dem neuen Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten Gelegenheit geben, zu zeigen, welches sein Kurs auf dem Gebiet der inneren Politik sein wird.
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L. Kerlin, 18. Oktober.
Fürst Hohenlohe würde in dem Pflichtgefühl, mit dem er sein Amt führte, die Last der Verantwortung vielleicht noch weiter getragen haben, wenn nicht seine nächsten Verwandten immer wieder in ihn gedrungen wären, sich in das Privatleben zurnckznziehen. Sv groß bis vor Kurzem die Rüstigkeit des Fürsten war, so ließ sie in der letzten Zeit doch auffallend nach. Körperliche Beschwerden, von denen er länger als andere Greise verschont geblieben war, machten sich störend geltend. Es wäre eine sehr peinliche Stunde gewesen, in der der Fürst, wie es seine Absicht war, vor den Reichstag hätte treten wollen, um hier die Chinapolitik zu rechtfertigen, . die nicht er geleitet hat, und für die er kaum noch seinen Namen der Form nach hergcgeben hatte. Seine ohnehin nur geringe Rednergabe hätte vollkonimen versagen müssen. Aus Homburg erfährt man jetzt, wie hinfällig die äußere Erscheinung des Fürsten Hohenlohe ist. In Berlin hatte man Pionate lang keine Gelegenheit, sich hiervon zu überzeugen, da der ausgeschiedeue Staatsmann sich nur noch auf der Durchreise flüchtig hier anfzuhalten pflegte. Die Trennung des Fürsten vom Kaiser und von seinen Aemlern erfolgte in denkbar sympathischster Weise, ohne Groll und Bitternis;. Nur ein Zustand, der längst schon bestanden hatte, fand in vornehmen und herzlichen Formen seine unvermeidliche äußerliche Bekräftigung. Am Montag gab der Fürst den Bitten seiner Familie nach, sein Abschiedsgesuch einzureichcn; am Dienstag trug er seine Bitte dem Kaiser persönlich vor. Leicht ist es dem greisen Staalsniann jedenfalls nicht geworden, der Natur und den Verhältnissen zu geben, was sie von ihm erzwange».
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Inl. Kerlin, 18. Oktober. Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht an der Spitze seiner heutigen Abcndiinmincr das nachfolgende schreiben des STatfcrS an facti Fürsten Hohenlohe vom gestrigen Tage: Mein lieber Fürst! So ungern ich Sie auch ans Ihren bisherige» Stellungen im Reichs- und Staatsdienste scheiden sehe, so habe ich doch geglaubt, mich nicht länger den gewichtige» Gründen, welche Ihnen die Befreiung von der Bürde Ihrer verantwortlichen Reichsämter wnnscheiiSwerth erscheinen lassen, verschließen zu dürfen. Ich habe daher Ihrem Anträge ans Dienstentlasinng mit schwerem Herzen stnttgcgebe». Es ist mir Bedürfniß, Ihnen bet dieser Gelegenheit, wo Sie im Begriff stehen, eine lange »nd ehrenvolle Dienstlaufbahn abznschließett, für die langjährigen treuen und ausgezeichneten Dienste, welche Sic in allen Ihnen übertragenen Stellungen dem Reiche und Staate, sotvic meinen Vorfahren und mir mit aufopfernder Hingebung und nnerinndlicher Pflichttreue unter den schwierigsten Verhättnissen geleistet haben, meinen wärmsten Dank noch besonders ansznsprechcn. Möge Ihnen »ach einer so thatenrcichen Vergangenheit durch Gottes Gnade ein langer und. glücklicher Lebettsabend beschieden sein. — Als äußeres Zeichen meiner Anerkennung und meines dauernden Wolflwollens verleihe ich Ihnen den hoben Orden votn Schwarzen Adler mit Brillanten und lasse Ihnen dessen Insignien hierneben znaehen. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter und dankbarer Kaiser und König Wilhelm, l. R.
Der neue Kanzler. Bernhard Heinrich Karl Martin Graf v. Bülow, ein Sohn des Staatssekretärs Bernhard Ernst v. Bülow, wurde nm 3. Mai 1849 zu Klcin-Flottbeck in Holstein geboren. Er stndirte 1367 bis 1870 in Lausanne, Leipzig und Berlin und machte den dentsch-stnnzösischcn Krieg mit. Nachdem er als Referendar zwei Jahre beim Landgericht und beim Bezirkspräsidinni in Metz beschäftigt gelvcsen war, trat er in den Dienst des Auswärtigen Aintes ein und war zunächst Legationssekretär in Rom, Petersburg und Wien. 1877,78 war er Geschäftsträger in Athen. Während des Berliner Kongresses war er den« Sekretariat des Kongresses beigegeben. Nachdem er in den Jahren 1879—84, an- lnngs als zweiter, dann als erster Botschaftssekretär in Paris thätig gewesen, wurde er zum Botschaftsrath iti Petersburg ernannt, wo er sich at? Geschäftsträger wiederholt auszeichncte, so lange die bulgarische Frage im Vordergrund stand. Den Gesandt- Ichafirposten in Bitkarest erhielt er 1888; während seiner Amtszeit dort kam der dentsch-rnmänischc Handelsvertrag zu Stande. Ende 1893 wurde v. Bülow znm deutschen Botschafter beim italienischen Hofe ernannt; im Oktober 1897 ivurde er Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, in welcher Stellung er vom Kaiser den Grafen- titcl erhielt und zitglcich zum Staatsminister ernannt wurde.
bä. Kerl in, 18. Oktober. Die Abendblätter besprechen i» langen Leitartikeln den gestern vollzogenen Kanzlerwechscl Die hochkonscrvativc „Kreuz-Zeitung" bezeichnet den Nücktritt des Fürsten Hohcnlobc als wenig überraschend. Es sei doch im Grund genommen mir die Konstatirnng einer längst schon vollzogenen Thatsache. Dem Fürsten sei es während seiner Amtszeit'nicht gelungen, die immer intensiver sich gestaltenden inneren Schwierigkeiten zu beseitigen. Storni ihm auch mancher tüchtige Wurf gelungen sei, so habe es nicht an den bedenklichsten Schwankungen in der
iimercn Politik gefehlt. De» Grafen Bnlow begrüßt das Blatt gern als denNachfolger des Fürsten Hohenlohe. —Die „Berliner Neuesten Nachrichten" konstatire». daß der Rücktritt Hohen- ohes leibst amt ichcn Kretsen unerwartet gekonimen ist. Politische Beweggründe snen hierbei nicht im Spiel. Ans Pflicht- befühl jel er im Amt verblieben, solange es seine Kräfte rhm gchatteten — Die freikonservative ,',Post" hebt hervor, daß Fnrst Hohenlohe es verstanden habe, die staats- eraattenden Elemente wieder um die kaiserliche Standarte zu sammeln. Er habe auch ziveifellos ungleich erfolgreicher, als dies nach außen hcrvorgctrcten ist, im Sinne einer stetigen und cinheit- tchen Politik zu wirken geionßt. Die Arutsthätigkeit des Grafen Bnlow sc« gekennzeichnet durch das lebhaftere Teitipo tu unserer Kolomalpolittk. — Der konservative „Reichsbotc" meint, Fürst Hohenlohe, der immer mehr liberal als konservativ gesinnt war, Mtbe nicht recht in den Rahmen der preußischen politischen ^rndltlon gepaßt. Er habe immer seine Aufgabe dahin anfqcfnßt,
• "> , ,. „starken Impulse des Kaisers mäßigend einzmvirken,
als selbständige Politik zu treiben. Es sei dringend zu wünschen, daß der neue Rcichskanzler die Zügel wieder straffer in fester Hand zii,ammc»faßt »nd namentlich Zickzack-Bciveqnnqe» zn verhüten sucht. - Die agrarische „Den t sch e Tages, zcitung" will gern einem scheidenden Gegner Gutes »achsagen, denn dag Fürst Hohenlohe für die Wichtigkeit der agrarischen Frage und der Mittelstaiidsbewegmig kein Verständniß hatte, stehe außer Zweifel. Es sei so gut ivie nichts geschehen, »m die berechtigte» Forderungen der Landioirthschaft und des Mittelstandes zn erfüllen. Es liege die Gefabr nahe, daß Graf Büloiv ans dem Gebiete der Wirthschasts-Politik Zugeständnisse an das Ausland machen werde, um die diplomatischen Beziehungen zn fördern und das Ausland z» verpflichten. — Die antisemitische „Staatsbürger-Zc, tu ng" sagt: Die sechsjährige Kanzlerschaft des Fnrsten Hohenlohe habe mir wenige Erfolge, aber umsomehr Mißerfolge zu verzeichne». In den Kreise» des Mittelstandes werde daher der Kanzlerwechsel als eine befreiende That empfnnden werden.
hü. Kerlin, 18. Oktober. Die „National-Zeitung" schreibt: Betreffs der äußeren Vorgänge beim Kanzler-Wechsel wird uns bestätigt, daß Fürst Hohenlohe sein Enttassnngsgesnch am Dienstag de», Kaiser persönlich vorgctragen hat. Wenn ein solches jemals ans „Gesmidi-eitsrücksichten" veraiilaßt war, so ist cs hier der Fall. Fnrst Hohenlohe hat sich überzeugt, daß er am Ende seiner Kraft war. Stoch nach der Rückkehr ans Werk! hat er die Absicht geäußert, eine Kundgebniig zu veröffentliche», durch die er die Nichte,nberiifu,lg des Reichstags begründen und ferner köiistatiren ivollte, daß di« China-Politik des Grafen Bülow im vollen Einverständniß mit ihm, dem Fürsten Hohenlohe, geführt wurde. Er wollte also weiter politisch wirken, die körper- liche Gebrechlichkeit machte dies dem greise» Staatsmanne aber so fühlbar, daß er darauf verzichtete und den Entschluß des Rücktritts faßte Wann der neue Reichskanzler Graf Bnlow nach Berlin znrilckkehrt, ist noch unbestimmt. Zunächst wird die kaiserliche Entscheidung über die Neubesetzung des Postens des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes erforderlich sein. Mau »iinmt an, daß die Wahl ans eine Persönlichkeit fallen werde, welche durch ihr bisheriges Zusammenarbeiten bereits mit dem neuen Reichskanzler vertrant ist. — (Den „Times" wird ans Berlin gemeldet, die Ernennung des Unterstaatssekretärs im Auswärtigen Amte, Frei- hcrrn v. Nichthofen, zu», Nachfolger des Grafen v. Bülow sei so gut wie sicher.)
M. Kerlin, 19. Oktober. Die Berliner.Neuesten Nachrichten" schreiben: An den Kanzlerwechsel knüpfen sich in der Presse bereits allerlei Kombinationen über die Rückwirkung nuf die Zusammensetzung des preußischen Staatsministeriunls. Wir glauben, daß dieselbe» ciintweilen ohne Belang sind. Was die Neubesetzung des Postens des Staatssekretärs im Auswärtigen Amte betrifft, so dürfte die Wahl wohl ans den bisherigen Mitarbeiter des Grafen Bnlow, den derzeitigen llnterstaatssekretär Freiherr» v. Richthofen, fallen. Die „Post" vertritt die Ansicht, daß infolge des Kanzlerwechsels sämmtliche Mitglieder des preußischen StaatSministeriiims dem Kaiser ihre Portefeuilles zur Verfügung ftelleu müßten, obwohl der Wechsel im Präsidium des Staatsministeriums, dessen Grunde vornehmlich auf dem Gebiete der Reichspolitik liegen, weiter keinen Shstcmwechsel bedeute. Die Neubildung des Ministeriums würde nicht mir volle Klarheit über den politischen Kurs der Zukunft bringen, sondern auch Garantie für die Einhciliichkeit und Stetigkeit dieses Kurses in sich schließen.
>>ll. Kerlin, 19. Oktober. Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, hat Fürst Hohenlohe vor 14 Tagen von «snßnitz ans, wo er einen Tag weilte, sein Eiitlassungsgesnch cingcreicht. Am Freitag vergangener Woche hat Fürst Hohenlohe die nothwendlgen Maßnahmen für die Räumung seiner Amtswohnung getroffen.
1,-1. Kerlin, 19. Oktober. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus Homburg v. d. H.: Fürst Hohenlohe ist gestern in aller Stille von Homburg nach Baden-Baden abgereist. Später kehrt der Fürst nach Berlin zurück, um die Geschätke seinem Nachfolger zu übergeben. Nur einige Personen hatte» den Fürsten znm Bahnbof geleitet. Dem Grafen Bülow sind im Lalife des gestrigen Tage« viele Glückivilnschdepeschen zugcgange». Einer der ersten Gratulanten war der Kaiser von Oesterreich.
bst. Wien, 18. Oktober. Die Blätter schreiben zum Rücktritt des Fürsten Hohenlohe, daß derselbe keineUeberraschnng bringe. Höchstens müsse nian sich darüber wundern, daß Fürst Hohenlohe seine Demission erst jetzt eiligereicht habe. Kaiser Wilhelm werde sicherlich dafiir sorgen, daß der neue Reichskanzler mit aller Kraft für Dentschland« Chimipolitik cintrete. Fürst Hohenlohe habe nie eine» Hehl daraus gemacht, daß er mit der Chinapolitik des Kaisers nicht einverstanden ist.
lid. Mir», 18. Oktober. Die Abendblätter besprechen ohne Ausnahme den Kanzlerwechscl in Dentschland und ' drücken ihre Gcnngthnung an«, daß sich der Wechsel rasch und ohne eine besondere Knsis vollzogen hat. Was die Person des neuen Reichskanzlers aulaugt, so vertreten die Blätter vorwiegend die Ansicht, daß Graf Büloiv die einzige Person sei, die Aussicht habe, vom deutschen Reichstage die Zustimmung für die China-Politik zn erhalten. Das „Nene Wiener Tageblatt" betont außerdem, daß int Anstande, insbesondere aber in de» mit Dentschland verbündeten Staate», der Name dieses verhältnihmäßig noch jungen leitenden Staatsmannes einen guten Klang hat und man deshalb vertrauensvoll dem Fortgang der Politik entgegensehen könne.
Ixt. Koudon, 18. Oftober. Die Ernennung des Grafen Biilow ji»in deutsche» Reichskanzler wird hier günstig anfgcnommen. „Times" und „Standard" sagen, diese Ernennung sei eine Garantie dafür, daß der Kaiser nicht beabsichtige, die energische Politik, deren Initiative er China gcgeiliiber ergriffen, aufzugcben.
