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*8. Jahrgang.

S eiut in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis:

den Verlag S« Pfg. monatlich, durch die Post l Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusamincu.

Verlag: Langgasse 27.

Anzeigen-PrelSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen Anzeigen 25 Pfg.-

Die theoretische Auolnldung der jungen Inndmirthe. '

- Kurz vor dem Wiederbeginn der landwirthschaftlichen Winterschulen erscheint es angezeigt, die Aufmerksamkeit der landwirthschaftlichen Bevölkerung wiederholt auf jene An­stalten zu lenken, welche hervorgegangen sind ans dem Be­dürfnisse nach einer besseren Fachbildung, aus der Erkenutuiß, daß die Führung eines geordneten landwirthschaftlichen Be­triebes insbesondere unter den Heuligen Verhältnissen ein verhällnißmüßig hohes Maß von Kenntnissen und Umsicht erfordert.

Der landwirthschaftliche Betrieb ist an keiner Stelle der gleiche; andere klimatische, Boden-, Absatz- und sonstige Verhältnisse bedingen daher stets auch einen veränderten Betrieb, und da selbst innerhalb der cinzclnen Wirtbschafl die Produklionsbediiigungen naturgemäß verschiedenartig gestaltet -•üirl 0 1 * eln ^ euc ^ cn fr/ daß nur derjenige Landwind mit sichtlichem Erfolge zu wirthschaften vermag, der in der Lage ist, bic verschiedenartigen Produktionsbedingungen in ihrer Bedeutung für seinen Betrieb richtig zu erkennen und seine Maßnahmen ihnen entsprechend anzupaffen.

Sogenannte Schablonenarbeit bringt am allerwenigsten in der Landwirthschaft Segen, weil der Landwirth cs nicht mit starren, leblosen Formen zu thnn hat, sondern weil sein Beruf ihn mitten in die belebte Natur hineinführt. Wie kann er da Ersprießliches schaffen, wenn er nicht vermag, die Stoffe und Kräfte der Nalur seinem Betriebe so dienstbar zu machen, daß ihm der höchste Ertrag aus seinen Unter­nehmungen gesichert ist?

Biele Aufgaben und Forderungen treten an den Land- w>rth heran. Der moralische und pekuniäre Erfolg hängt in erster Lime von dem zeitigen und zielbemußtcn Handeln oder mit anderen Worten von der persönlichen körperlichen ® te .„ Ö cl f t tgen Befähigung des Betriebsleiters ab. Diese Befähigung sich in erhöhtem Maß anzneignen, ist Pflicht mies jeden Landtvirthes. Der leider noch zu oft befolgte Ernndiatz, erst abzuwarten, wie und mit welchem Erfolg der Nachbar wirthschaftet, um es dann, „wenn es eiu- geschlagen hat", gedankenlos auf die eigene Wirthschaft zu übertragen, ist ein durchaus verwerflicher, weil darüber die

o V 3erIoren geht und auch in der Landwirthschaft ■o^U „Geld" bedeutet.

In ihrem schwierigen Berufe berathend und helfend, stehen dem Landwirthe in erster Linie die landwirthschaftlichen Bereine zur Seite, die in uneigennützigster Weise stets das M der Gesammthcit, wie das des Einzelnen im Auge

r1? T t)er f ftr j £ben Landwirth und Freund

ihnen die weitgehendste Unterstützung zu Theil werden zu lassen. Aber damit ist nur ein Theil von dem geschehen, was Noth thut. Pflicht ist es ins- besondere für jeden Vater, der sich des Besitzes von Söhnen

erfreut, die das väterliche Anwesen späterhin zu verwalten berufen sind, oder die sich die Landwirthschaft überhaupt a Lebeu»ber»f erwählt haben, diesen Gelegenheit zu geben, rechtzeitig für ihr Fach etwas Tüchtiges zu lernen. Dazu gehört vor Allem, ,m Anschlüsse an die erste praktische Lehr­zeit zu Hause oder auf fremden Gütern, der Besuch einer audwirthschafllichen Winterschule, die in zwei aufeinander­folgenden Winterhalbjahren, also zu einer Zeit, während welcher die W.rlhschast der Beihülfe der Söhne ganz gut entbehren kann, dem jungen Landwirthe diejenigen laud- wirthschafllichen und naturwiffeuschaftlichei, Kenntnisse mit flnf kn 2ebetiSii)e fl giebt, ohne die er im späteren Leben nicht ansznkommen vermag. Ja. in der landwirthschaftlichen Wuiterschule werden ihm die Aufgaben seines Berufes erst recht klar er wird befähigt, das komplizirte Werk eines landwirthichaftlichen Betriebes mehr und mehr zu überschauen sein geistiger Blick wird für die nianiiigfachcn Anforderungen erhöht ^' £b£ r» seinen, Berufe nicht unwesentlich

m,' . ^ussiaben, welche durch den Besuch einer landw. Winterschulc verursacht werde», sind dabei derartig, daß auch dersciiige Landwirth, welcher sehr mit seinem Gelbe zu rechnen hat, seinen Söhnen den Vortheil einer besseren Aus-, bi düng zu The,! werden lassen kann, um so mehr, da die augenblicklichen Auslagen eine Kapitalanlage bedeuten, wie sie besser nicht gedacht werden kann, weil sie eine hohe und zugleich dauernde Nente abwirft, von der unter Umständen da» Wohl und Wehe der Wirthschaft und der Familie in Zukunft abhangt.

nEntlassung der jungen Leute aus der heimathlicheu Schule bis zum Eintritt in den Militärdienst ist kurz und schnell für sie vergangen. Sie ist aber gerade UeMigc Zeit, ,n welcher der junge Landwirth die Wiuter- schule besuchen sollte. Einsichtsvolle Eltern sollten daher diese Zeit nicht voriibergehcii lassen, ohne ihre Söhne der landw,rthschafllicheu Schule anverlraut zu haben, denn leicht ist es zu spat und das Versäumte kann nicht mehr uach- geholt werden. Möchte allen Eltern der Vorwurf später

■ftrTV, a tie T iumt ^bcn, rechtzeitig etwas

T cie 2lu ^ tulblu, n ihrer Kinder zu thun.

Eine solche laiidwirthschafllicheWinterschule, die besonders für ne'Lwhne dcr nassauischeii Kleinbauern empfohlen werden kann

£ b ?f Sa \ brtM Ä )Cl . ftlirf)e Institut zu Hof Geisbcrg. Dasselbe wurde 1818 in Idstein gegründet und seit 1834 auf dem Hofgute Geisbcrg bei Wiesbaden als Winterschule T^,.S £ '" £ stern fortgeführt. Di- meist kleinbäuerlichen Berhaltuisse in Nassau entsprechen dieser Einrichtung um

ir-T-Vs*' r ö S Landwirthe im Sommer ihre

Arbeitskraft zur Stutze ihrer elterlichen Wirthschaft verwenden Densenigc», welche ihre praktische Ausbildnug auf anderen Gütern zu erlangen suchen, werden entsprechende Stellen durch den ^ustltuts-Vorstaud vermittelt. Zweck des Unterrichts und Unterrichtsmethode gehen dahin, den Schülern die wissenschaftlichen Grundlagen unter steter Nücksichtnahine auf die Praxis für Ausübung des landwirthschastlichen Gewerbes zugänglich zu mache».

Das Wintersemester 1900/lsÖH^nt' an den^ge- naiinten Institut am 29. Oktober, Vormittags 10 Uhr, mit folgenden Unterrichtsgegeiiständen: ; '

o und Maschinenkunde. 2. Deutsche Sprache

3. Arithmetik und Geometrie. 4. Physik und Meteorologie.

o ???bau. 7. Thierheilkunde, Rindvieh- Pferdezucht. 8. Ackerbaulehre, landwirthschaftliche Be- trsebslehre und Buchführung. 9. NechtSkunde. 10. Land- wirthschaftlichc Baukund?.

., £ ( f?“Ä IC11 würden sich für solch- Schüler, die

fiir Kost und Wohnung, 4>/z Monate zu je 60—65 Mk

„ rH . 270—300 Mk!

„ Schulgeld für das Winterhalbjahr 50 „ Bücher und Schreibmaterialien etwa 20

M r , r ■ i« Slimma rb. 400 M?

, Nochmals se, zum Schluffe au alle Eltern die ein­dringliche Bitte gerichtet, die ihnen gebotene günstige Ge­legenheit zur Ausbildung ihrer Söhne in ihrem eigensten Interesse nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen. Ö

Ei» al ter Geisberger.

Stadt nnd Fand.

Wiesbaden, 18. Oktober.

^ Die freien Plätze zu Wiesbaden.

f ... .sind ein Hauptbedingniß moderner Städte T T'n clt wuute man in Kleinstädten, die aus dem Mittelalter et?« s rlt ni? nahmen, höchstens einen großen Platz inmitten der Stadt, den Marttplatz, runden sich auch die öffenttichen Baüten- ^-chlob, Aathhaiis, Kirche rc. grnppirten. Die größeren Städte ko nten meist mehrere freie Plätze aufwciseii. Als man dann nach ^ucgc, mtt neuen Stadtgründungen beaann da lautete «^Lastnig- aberinals: ein großer, freier Platz im Innern und breite

N?»wiedT"a'0 d/rgl. Mannheim, Saarlonis,'

-kceuwleo u. a. <zn den alteien Städten und Städtchen bliel, es

„wie cs gewest , und erst feit dein Anfang des scheidenden Kabr' Hunderts, als allenthalben die beengenden Äefestigunaswerke fielen" an. eine andere Bebanm.gsart auf. Das riesiae Wachstbnm

5‘, äur F«ude des Stadisäckcls, den di! Grundstücke-ALB

allerdings nicht viel Bestimmtes wissen Dieser fre^e

^schalle stand, und ohne Zweifel bestand von da nach der Bade- Straße d vielleicht" vT’ ^ tU " fl r bcr ! i ellt '« en Langgasse, -ine"

a-ftsri äÄä z

V-T 0 ! f biC kleine'christlick?KirchI >md"nm"N- dehnt

Nt'nachlLTwird Äft- «I T kSÜ «^draußen.

FeuiUeto».

Weltgericht an der Vleifre.

Gedenkbla,t zur Völkerschlacht bei Leipzig am 16. und 18. Oktober 1813- Von Dr. B. R. Kühl.

^um Werke, das wir froh bereiten nir 7r-i’ ei J lt r>ch wohl ein ernstes Wort!"

* T be - r ® e ‘ er ber Grundsteinlegung zum Völker- T es sich wohl, zurückzudenken an die

furchtbaren Tage, denen dieses Denkmal sein Dasein verdanken

Auf dem rechten Ufer der Pleiße im Süden von Leivna

kvann°s-!°b ^ ^°'"» b erg, Wachau und Liebertwolkwitz ent­spann sich der erste Akt des blutigen Dramas. Gegen die Haupiarme- Napoleons zog der größte Theil des böhmischen Preußen unter Kleist, di- Russen unter Witt- genstein. Eugen von Württemberg, Gortschakoff, die Oester-

alTl f Ti er f Ienau ' insgesammt unter dem Oberbefehl des Gen rals Barclay. Hier befanden sich auch die Monarchen von

w srllb^M ^bland. Um die genannten Dörfer entspann sich M^genstunde ein furchtbar erbitterter Kampf; mehr- Tz wurden sie gestürmt und wieder verloren, auf und ab wogte kamvs immer verstärkter Heftigkeit; einen Geschlltz-

n°ch^ F £ w°lt hatten selbst di- ältesten Veteranen

Wachau^ „„I T ^ k-elßesten war der Kampf um das Dorf heueren b *T ben Namen führt. Unter unge- von WllrtümT" wurde hier der heldenmüthige Prinz Eugen /urückgedrängt. Die Verbündeten, loelche Mittag auf Ä/1Vun»."n # °? ,p waren, sahen sich um weichenden Reiben m Um die wankenden und

völlig auseinander ?" b undetm auf dem rechten Pleiße-Ufer

«tuen gewaltiaen ^ m ^"ugen, ließ Napoleon am Nachmittag

wciltigend. als aber weder T ^ au< ^ anfangs über- 0eber M«öcn noch das Fußvolk nach­

rückten. erlahmte die Gewalt des Stoßes und gegen Abend qe- lang es dem vereinten Vorstoß der Verbündeten, die verlorenen Stellungen größtensheils wieder zu erobern. Bis in die dainmernde Nacht hielten die erbitterten Kämpfe an und doch wurde hier eine eigentliche Entscheidung nicht erzielt; an 20 000 Mann aber hatte der Verlust auf beiden Seiten betragen.

Die siegreiche Entscheidung des Tages, die bei Wachau also nicht erfochten worden war, brachte aber das Eingreifen der Blücher schen Armee im Norden von Leipzig bei Möckern. Um Hauser, und Hecken wurde Mann gegen Mann gefochten, jeder Fußbreit Landes vertheidigt; hin und her wälzte sich der mör- oensche Kampf stürmender Kolonnen.

®nr e huptet- der entschlossene York das Feld; ein Kavallerie-Angriff, bei dem sich viele Offiziere rühmlichst aus-

0a TT n 5r Uä ^ (a9 äU Gunsten der Preußen. Napoleon erschien zur Abendstunde selbst auf dem Schlachtfeld von

K 1 "mT 5 N " b "ö"'gen. daß auf einen glücklichen ntmSr« 0 - b " Niesenschlacht nicht mehr gehofft werden dürfte, zumal seine Truppen ganz bedeutend in der Minderzahl waren.

ber zweite Schlachtentag. ein Sonntag, tn Ziemlicher Ruhe und der 18. sollte ein Schlacht-

SK b0 F e J’' sch5u°rlichsteu Sinne des Wortes werden. Der di- sich am 18. entspannen, bildete die Dörfer Probstheida und Stötteritz, im Südosten von Leip-

h 0 ™°r bet ^°he von Stötteritz leitete von einer An- Schlack? A°"°!I"ken Tabaksmiihle. Napoleon selbst die Schlacht. Der eiserne Nmg, den die Verbündeten von allen

'?> r fX IbTSt-llungen schlossen, war am 17. immer fester und starker geworden. In drei aewaltiaen S,eer-

!oleTT"0 b °? dohmische Heer gegen die Hauptmacht der Fran- Fm entsetzliches Ringen entspann sich; doch unter 9 ^o^en Tapferkeit und trotz ungeheuerer Verluste konnte bis zum Abend kein rechter Erfolg erzielt werden. Die Franzosen hatten Zwar an manchen Orten, namentlich im Südosteu, ihre Stellung behauptet im Ganzen waren sie aber doch näher an die Stadt gedrängt; ste hatten ihre letzten Reserven eingesetzt, furchtbar gelitten und Muth und Vertrauen verloren. Als der

Kaiser am Abend bei einem biiftern Wachtfeuer säst neben ihm stumm und niedergeschlagen einige Generale, da'mochte T^/wkze Seele wohl schaudern vor dem jähen Sturz seines

i?ntT ä V f ® le, f )tD T! bieIt i eine starrsinnige Willenskraft auch unter diesen furchtbaren Erschütterungen aus.

Unter allen Umständen aber mußte der schleunige — Rück- ""llfkreten werden und Napoleon traf noch am Abend die nothigen Anordnungen.

Am 19. lag es wohl nur noch in der Absicht der Fran­zosen die Stadt so lange zu halten, bis der Rückzug ge- sichert war. In früher Morgenstunde setzten sich von drei Seiten die Heere bcr Verbündeten gegen die Stadt selbst in Bewegung, ^n der östlichen, Grimmaschen Vorstadt, kam eS noch einmal zu sehr heftigen und blutigen Kämpfen. Unter erbitterten Straßengefechten mußten sich die Preußen und Russen den Einzug erzwingen. Um die Mittagsstunde waren sie Herren der Stadt und ein unerwartetes Ereiqnist benahm dem F-.nde die letzt- Widerstandskraft. Es wurde durch ein Versehen die Elstcrbrücke zu frühe gesprengt und ganze Haufen der im Ruckzuge und auf der Flucht begriffenen Feinde ertranken in den Fluthen des Stromes. Was nicht die Waffen streckte, wurde medergestochen, und ganze Regimenter ergaben sich ... D« V-rluste. welche die Franzosen erlitten in den vier-

38000 " Ä 15 '° 00 G-f-ngene und auf

38 000 Todte und Verwunde!- berechnet. Der Verlust de„

T-d„» mit. Jtejg, L . "»L

hoher, auf 46-50 000 Mann geschätzt. Ganz Leipzig war

niVZf Ä r ° 6eg STP 3Ü 0 ettofefte PhSs?ist n ’T sich ein Bild des Jammers in so grellen Farben auszumalen, wie es die Wirklichkeit nach der Schilderung von Augenzeugen bot. lieber 100.000 Todte und Verwundete! stöelchc^ geradezu gesagt: Ströme Blutes sind geflosscn> ‘’f» einer Scheune fand mau 10 (zehn!) Tage nach der Schlacht 174 Franzosen, die verwundet und verstümmelt hierher gebracht worden waren — verhungert und verblutet vor! Selig die die

To/sür'? V t eb r lfte K r ' höchster Pflichterfüllung den bitter-süßen Tod fürs Vaterland starben, die im Vollgefühl sittlicher und