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I Beilage mm M iesüllüener Tnnlilntt.

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Novelle von M. Schmidt-Agricoka.

„Ach, warum bist Du damals nicht bei mir geblieben?" erwiderte sie mit etwas weicherer Stimme; wer weist, was dann noch hätte geschehen können?

Er glaubte einen Eindruck gemacht zu haben, und um M verfolgen, bat er in eindringlichstem ''WE meine Königin nicht den Arm ihres getreuesten

um biS zum Beginn des nächsten Tanzes einen Gang ins Freie zu machen?"

Sie folgte ihm ohne Widerstreben aus dem Gewühl der Neugierigen, die sie umdrängten; und draußen unterm Sternenhimmel schlug sein Herz um so lauter, um so ver-

XfRf 1 ’ ^ Cm entgegen, der seine Wünsche

uonca sollte. Er preßte den Arm der Geliebten fester in den icinigen und flüsterte in überströmender Zärtlichkeit: „Son;a meine Sonja, mein geliebtes Leben, last es genug s°!« des gwusamen Spiels und sage, daß Du mein sein willst auf Tod und Leben!"

„Ja, soweit es die Maskenfreiheit gestattet", entgcgnele sie in ubermuthigem Scherze, ihre Maske lüftend, „Du darfst mir einen Kuß geben zum Andenken an unsere schönen ^ugendtraumc."

,,® on i a * mein!" jauchzte er in trunkenem Ent­zücken, sie umfassend und ihre dargebotene Wange in feurigem Kusse berührend. y

.. nicht so ungestüm, kühner Magyar! Wir sind

per nicht allein, und selbst diese Bäume haben Argns- angen. ^a, sie waren schön, die Träume unserer Jugend, ~ Träume sind Schäume. Das kindische Schul- madchcn Son;a Michailowna hängie sein Herz an den schonen ritterlichen Gabor, und - es hängt noch daran. E' die^ucstin Lubinski hat andere Pflichten. Ich kann von der Stelle, zu der mich das Glück erhoben, nicht wieder herabsteigen, mich nicht mehr in andere Lcbensverhälinisse ^dhnen. Du bist zu spät gekommen, mein armer Freund Ich habe mich heute mit dem Prinzen Egon von Hohen hausen-Grelffcnhorst verlobt."

Wie vom Donner gerührt, ließ Gabor den Arm seiner Dame fahren. „Das ist zu viel!" stammelte er fassungslos.

„Nehmen Sie s nicht so tragisch, und lassen Sie uns hier keine Scene für neugierige Zuschauer spielen", sagte fie nach einer peinlichen Panse, selber erschrocken über die Wirkung ihrer Worte. Warum war dieser junger Mann io »horicht, aus dem zärtlichen Spiele, das ihm die Masken- frciheit gestattet hatte. Ernst machen zu wollen? Er konnte sich doch nicht im Ernste einbilden, daß sie ihn einem Punzen von Geblüt, der Antwartschaft auf einen Thron belaß, vorziehen sollte.

Gabor nahm sich gewaltsam zusammen. „Verzeihung, Durchlaucht brachte er mit Anstrengung hervor. „Der S.urz aus allen Himmeln war zu plötzlich, zu erschütternd M - oroiultre Ihnen. Gestatten Sie, daß ich Sie Jhlein Verlobten wieder zuführe."

Er faßte ihre Hand, aber nur wie der Tänzer der ftme Dame auf ihren Platz zurückführt. Sein eisiges Schweigen beängstigte sie.

!ch»Än"» SLt“'"” mta ’ °°. fi« i«.

beleb?"^k "*?* Durchlaucht. Sie haben mich

velehrt, daß unsere Lcbensjphären zu verschieden sind Leben Sie wohl! Dort kommt Ihr Prinz, der Sie sucht "

demmm»r r b E Herzen des so grausam aus

n- Hlurniel seiner Traume herabgeschleuderten Jünglings.

se'ue Thorheit. trotz aller Warnung doch A k bie A trügerische Irrlicht geglaubt zu haben Die lachenden, scherzenden, schäkernden Masken um ihn her kamen ihm vor wie Schaaren von Dänionen, die ihn ver- ^ Flügel haben mögen, um dem tollen Gewühl zu entrinnen. Einen Augenblick wandelte ihn die

überfluch.'^ m'ss b ^ "on magischen Lichtern

b sturzen. um seine Fi-b-rgluth zu

J5«. .begriff er Ollinpio, der in den nächtlichen crhnn* Ä*“ 1 ?! 1e ' r fein . em Verhängillß entgegen. Mußte

Misse,M f?“ a CU ^ 2 6£n,feen ' was er Jenem ohne Wissen und Wollen angetha»? - Aber die Stimme des bedächtigen Freundes mahnte ihn: Nimm Deinen Stolz zu­sammen! Gönne ihr nicht de» Triumph, Dich vernichtet

Wh,mf C V lnb c ber ® eift Witter Mutter umschwebte den Kämpfenden, in den Aufruhr seiner Siimme flüsternd: Zeige, daß Du ein Mann geworden bist, mein Sohn!

... dreimal umkreiste er im Sturmschritt das

Male den lüstete ihn nicht zum zweiten

Male, den Saltomortale zu wagen, der ihn eher in den

Kugen einer schaulustigen Menge lächerlich gemacht, als le'ne« Leben und Leiden ein Ziel gesetzt hätte

„Wohin so eilig, tapferer Magyar?" rief ihn ein

e i lfü s nime " be < n "' beu er beinahe nmgerannt Hütte. „Oilt e,«, den Türken zu schlagen, daun bin ich dabei." Es war der- schmucke Spanier, den die schöne Germania als 5"N Bruder bezeichnet hatte. Er lachte über den Doppel- MNl seines eigenen Witzes, und der Ungar, in dessen S 'mmung dies gerade paßte, wehrte sich nicht, als Jener ihn vertraulich beim Arme faßte: „Germania, Hispania und

SÄ5“' l ,n "» Ue r Dreibund gegen den Islam, der seinen Guinhsatz her Vielweiberei hier zu öffentlich zur Schau trag,, scherz bei Seite: Meine Schwester Laura, die Sie alv Germania kennen gelernt haben, fühlt sich dem ungarischen Kavalier zu Dank verpflichtet, dessen Höflichkeit mi^°/i^«'!^'""'"/urhmeii Begegnung bewahrte. Ich muß ^ a r U /\? £I ^ue« bedanken, denn meine ttn- J T!' WuIb hw'wl, daß sie in diese Verlegenheit

' 'rb balle mich eben von einer sehr niedlichen, aber auch recht ,chmppi,cheu Carmen kapern lassen. Laura ist ziii» ersten Mal auf einem Maskenball; sic ist solch tolles Dalben nicht gewöhnt; der kecke To», zu dem die meisten ^rrechtigt glauben, widert sic an. Deshalb

48. Jahrgang. 1900.

JJ t: Ueber ganz vom Tanze zurückgezogen, wenn ich nicht ihr Partner bei der Quadrille geworden wäre."

„Ist die junge Dame wirklich Ihre Schwester?" fragte gestimmt eiUt I1CUefteU Erfahrungen zum Mißtrauen

, lh "f u “ n fi beren ‘ Orte müßte ich diesen Zweifel beleidigend ch 0 ^': Aber ev ist. mir nichts daran gelegen, wenn Sie ehe wir uns dcniaskiren, außer meiner Schwester auch mich und die ganze Familie kennen lernen. Ich habe wirklich

L-ruras BruderU, uud hciße Rudolf von Wulfshai», meines Zeichens Neferendar. Unser Vater ist Präsident ln Königsberg. Unser Name hat überall guten

fh«; 10 «.' auf nichts bin ich so stolz, wie auf meine einzige Schwester."

r ■ ®' e wir die Ehre erweisen, mich Ihrer Fräu­

lein Schwester vorzustcllen und um einen Tanz für mich b'l'eu, erwiderte Gabor. „Ich bin nicht bloß unter der Ma^ke, sondern auch in Wirklichkeit ein Ungar, ebenso stolz auf meme Familie, wie Sie auf die Ihrige, obgleich ick, leider keinc schöne Schwester habe. Mein Name ist Gabor von Szelmyl."

Die jungen Herren schüttelten sich die Hände. „Mit größtem Vergnügen werde ich Sie meiner Schwester zu- fiihren, sagte her Referendar, und ich bin gewiß, daß sie Ihnen den Tanz nicht verweigert."

„Erlauben Sie, daß ich nur im Vorbeigehen noch einen Gruß mit jenem Bergschotten tausche, der eben ans dem Saale kommt. Wir sind alte Freunde."

«i’Yf Sir Olivor", redete er den Hochländer an. ^>5ch habe ^hnen wichtige Neuigkeiten mitzutheilen. Wissen Sie, was man in Deutschland einen Korb nennt? Den jd) ?ur meine Thorhcit davongctragen. Sie werden vielleicht heute noch den Nachfolger des Fürsten Lubinski

j£, m l en . mi 5"' ^ber ich will meine Rache nach Ihrer Methode nehmen."

Er drückte ihm herzhaft die Hand und folgte dem Referendar zu seiner Schwester, die an einem möglichst verborgenen Plätzchen „eben ihrer Mutter saß und sich mit dem Anschauen des flotten Karnevals begnügte. Dem Türken hatte sie geantwortet: Ich tanze nur mit einem Bekannten; dem Ungarn reichte sic nach erfolgter Vorstellung willig die

fw b mw b ’ e ^ ^ ’ u b ' c Sitzen der Tanzenden führen. Das Walzen war durch das große Gedränge allerdings sehr

jnurftn**^' öbcr be ^ ü i^ttressanter ivareu die Ilnterhaltungs-

Als der Tanz eben zu Ende ging, schlug die Mitternachts- stuudc — das Signal zur allgemeinen Demaskirung. Alle siehen bleiben, wie sie eben standen! gebot der Festordner.

^ r '? m ' 0e Disi^llo, der seine geistreiche Feindin nicht eiitdeckt hatte, saß schon mit weißem Gesicht und schwarzen Händen in einer Nische, um das Augenblicksbild steno­graphisch festzuhaltcn und für seine Zeitung zu verwerthen.

„O weh", klagte die blondhaarige Germania neben ihrem Tänzer. „Mama hätte gewünscht, daß wir nach Hause gingen, che die Masken abgenommen würden."

„Ich danke meinem Glücksstern, daß ich Sie noch so äuge festhalten durfte^, antwortete Gabor. „Ein glück­licher Zufall hat mir schon früher Ihr Gesicht unverlarvt gezeigl; es i>t nicht mehr als billig, daß Sie nun auch das mei»,ge k-"nen lernen. - Ich hoffe, daß wir uns nicht zum letzten Male ge,chen haben", fügte er hinzu. „Morgen werde ich Ihren Eltern meine Aufwartung machen."

s llewahrte, indem er die Maske abnahm, wie ein schüchterner Blick seiner holden Nachbarin seine Züge mnsterte und dann ein Ausdruck freudiger Befriedigung ihr schönes Antlitz verklärte. ^ a ‘

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