Einzelbild herunterladen
 

1. Anlage nun Mestmüener Tagtllatt.

Uo. 482. Ulorgen-A«sgal>e.

Dienstag» den 16. Oktober.

48. Jahrgang. 1900.

(9. Fortsetzung.)

(Nachdruck verboten.)

Italienische U ächte.

Novelle von M. Schmidt-Agric»la.

Gabor antwortete mit einem französischen Verse, der ihm eben einficl:

„U'adsenco est xour l’amour cc qn’est pour feu le vent:

II eieint le petit, il allume le grand.“

„Hatte ich sonst, da ich jetzt frei bin, diese Bäderreise unternommen, wenn nicht in der Hoffnung, auf ihre Spur zu kommen?"

„Lieber junger Freund, erwiderte Sir Oliver", einen überlegenen, fast väterlich mahnenden Ton annehmend, „um Sie zu knriren, will ich Ihnen ein Gcstündniß machen, bas noch kein Mensch vor Ihnen gehört hat. Wir Beide wissen, daß der unglückliche Don Olimpio sein vorzeitiges Ende nur durch die Naserci der eifersüchtigen Leidenschaft fand, die ihn bei Nacht und Sturm in den Wald hinaus- trieb. Es war immerhin noch besser so, als wenn Sie Beide sich in jener Nacht begegnet wären und das wahr gemacht hätten, was die Leute fabelten. Gewiß ahnen Sie aber nicht, daß der phlegmatische Oliver auch einmal solch ein rasender Noland war und schon den Revolver in der Hand hatte, um sich oder seinen Nebenbuhler todtzuschießen. Ihn znm Duell zu fordern, hatte ich eigentlich kein Recht, und ich bin zu sehr als Gentleman erzogen, um durch eine pöbelhafte Beleidigung die Herausforderung erzwingen zu wollen. Es blieb mir also nichts übrig, als mir selber die Kugel vor den Kopf zu schießen — wenn einer von uns Beiden durchaus vom Platze weichen mußte. Da — es war auch in einer Sturmnacht, die -Thüre verschlossen, der Revolver geladen, auf meinem Schreibtisch das Blatt znrccht- gelegt, das der wankelmüthigcn Sirene meinen letzten Abschiedsgruß bringen sollte — da fiel mir plötzlich ein, darüber nac^udenken, welchen Eindruck wohl die Nachricht meines Todes auf sie machen würde? Würde sie weinen und klagen, sich Vorwürfe machen? — Nein, das sah ihr nicht ähnlich; vielleicht würde sie sich gratulircn, den über­flüssigen Liebhaber ein für allemal los geworden zu sein. Den Triumph gönnte ich ihr nicht. Mein Stolz empörte sich. Sie sollte sehen, daß ich auch ohne ihre Gnade zu leben vermöge. Rasch packte ich den Revolver wieder ein, schrieb auf zwei Visitenkarten: „p. p. o." und adressirle die­selben an Fürst und Fürstin Lubinski. Am andern Morgen reiste ich ab, und als wir uns später in Homburg nnvcr- muthct wiedertrafen, hatte sich mein Blut so weit abgckühll, daß ich der geduldige Spielpartuer des alten Fürsten und der unverdrossene Lavallere servente der launenhaften Fürstin werden konnte, ja an einem Tische mit dem bevorzugten Nebenbuhler sitzen, ohne Mordgclüste zu verspüren. Ich hatte auch meine Rache, als an ihn die Reihe kam. von einem Andern ausgcstochen zu werden; aber, bei Gott! sein Tod that mir herzlich leid, und Ihnen, lieber junger Freund, rathe ich ernstlich: folgen Sie lieber meinem Beispiel, als dem Olimpios, nehmen Sie die Eis­königin für das, was sie ist, eine schöne Maskenfigur, mit der wir uns unterhalten, ohne mehr von ihr zu begehren. Ist aber Ihr jugendliches Blut dazu noch nicht ruhig

genug, so meiden Sie lieber die gefährliche Nähe der Circe, begleiten Sie mich auf meiner Nheinreise. Ich habe den Rhein vom St. Gotthard bis- Mainz verfolgt und will nun auf dem Heimweg den Strom hinab bis Rotterdam fahren. Wollen Sie auch mit mir den Kanal kreuzen und mein Gast in London und in Grehme House bei Exetcr sein, so sind Sie mir herzlich willkommen."

, „Sie reden wie der weise Odysseus selbst, thenrer Sir Oliver. Ich danke Ihnen von Herzen und finde noch viel mehr an Ihnen zu bewundern, als Ihre Fortschritte in Sprachkenntnissen. Aber wenn Sie in meinem Alter wären, und Ihre Liebe so heiß wie die meinige, würden Sie nicht für möglich halten, daß ich jetzt, da keine Gcwissenspflicht mehr mich abhält, das Spiel aufgebe, ohne einen Sturm zu wagen."

„Thun Sie, was Sie nicht lassen können. Ich habe Sie gewarnt."

Mit diesen Worten brach der treugesinnte Mahner den nach seiner Natur so außergewöhnlichen Erguß seiner Beredsamkeit ab. Schweigend begaben sich Beide nach dem Saale, wo jetzt unter Meister Dornewaß' kundiger Leitung eine flotte Quadrille getanzt wurde. Mit Ilnmuth bemerkte Gabor, daß die Eiskönigin abermals den Türken zum Partner hatte. Warum hatte er sich abhalten lassen, recht­zeitig bei der Hand zu sein? Vielleicht hätte ihm doch ein kühner Wurf das ersehnte Glück gebracht. Nun blieb ihm nichts übrig, als die Nolle des Zuschauers zu spielen, wie der Engländer.

Dem von ihm eifrigst beobachteten Paare gegenüber stand ein anderes, das sich ebenfalls unter der Fülle schöner Erscheinungen als eins der schönsten auszeichnete: Die Dame, von schlankem ebenmäßigen Wachse, war als Germania kostnmirt. Eine prachtvolle Fülle blonden Haares floß aufgelöst Über ihren Rücken hernieder; um das schöne Oval des Kopfes wand sich ein Eichenzweig; unter der Larve hervor strahlten ein paar scelenvolle blaue Augen, verklärt von unschuldiger Lebensfreude. Ihr Tänzer, in der kleidsamen Tracht eines spanischen Majo, zu der seine schlanke, geschmeidige Figur vortrefflich paßte, schien sehr vertraut mit ihr, was ihn jedoch nicht hinderte, gelegentlich bewunderungsvolle Blicke auf die reizende Eiskönigin zu schießen, die von allen Seilen einem Kreuzfeuer heraus­fordernder, begehrlicher oder schalkhaft neckischer Angriffe ausgesetzt schien, wie cs eben nur das tolle Treiben eines Maskenballes gestalten kann, und in dem ihr eroberungs- lustig herumschweifendes, sprühendes, zündendes Augcnspicl sich ganz in seinem Elemente zeigte, znm peinlichsten Ver­blüffe des von ihr unbeachteten Zuschauers, der, hinter der blonden Germania stehend, sich vergeblich bemühte, einen Strahl seiner Sonne zu erhaschen. Ob sie ihn nicht sah, wenn sie an ihm vorüber mit dem schmucken Spanier lieb­äugelte, oder nicht sehen wollte, blieb zweifelhaft. Daß ihr Tänzer, der Türke, sich sehr lebhaft für sein blondes Gegenüber intcrcssirte, störte sie nicht; aber der jungen Dame schien die sichtliche Aufmerksamkeit desselben unan­genehm und lästig; sie flüsterte mehrmals ihrem Partner eine hastige Bemerkung zu, worauf dieser jedoch lachend den Kopf schüttelte. Wahrscheinlich war sie mit dem über- müthigen Tone eines Maskenfestes wenig vertraut und

fühlte sich deshalb peinlich berührt, wo andere nichts Be­fremdliches fanden. Ohne von einander zu wissen, waren die blonde Germania und der hinter ihr stehende junge Mann im Magyarenkostüm von ähnlichen Nculings- cmpsindungcn bewegt. Gabor konnte das Ende der Qua­drille kaum abwarten. Sein Herz brannte vor Ungeduld, sich der Geliebten zu nähern und zu versuchen, ob sie ihn nicht erkennen würde. Endlich kam der Schluß; die Paare verneigen sich nach allen Seiten: die blauäugige Germania, sich rasch umdrchend, um den immer zudringlicher werdenden Blicken des Türken ausznweichen, hat das Mißgeschick, daß ihre Larve sich loslöst und zu Boden fällt. In höchster Verwirrung bückt sie sich danach, der Gesellschaft den Rücken kehrend; der Magyar, ihr zunächst stehend, beeilt sich, ihr zuvorzukommen, hebt dak leichte Gespinst auf und hält es ihr entgegen — und so wird er belohnt durch den unver­hüllten Anblick eines holdseligen Mädchengesichts, das ihm dankbar zulächelt, aber nur einen Augenblick, denn schnell die Maske wieder vornehmcnd. sieht sie sich ängstlich nach ihrem Tänzer um, der unterdessen- mit einer anderen weib­lichen Maske Scherze wechselt.

„Ihr Kavalier scheint seine Pflicht zu vergessen; wohin darf ich Sie begleiten, gnädiges Fräulein?" fragt Gabor höflich.

„Es ist mein Bruder", antwortete sie entschuldigend; „bitte, geleiten Sie mich nur zu ihm; ich wünsche nicht, dem Türken zu begegnen."

„Wissen Sie, wer der Türke ist?" fragt Gabor eifrig, von seinem eigenen Gedankengange hingerissen.

„O nein, ich habe keine Ahnung. Ich bin fremd hier; wir sind erst seit Kurzem in Wiesbaden, weil Mama hier die Kur gebrauchen muß."

Wäre Gabor nicht zu sehr von dem leidenschaftlichen Verlangen nach einer Aussprache mit Sonja beherrscht ge­wesen, so hätte es ihm wohl Vergnügen gewähren können, noch länger mit dem lieblichen Mädchen zu plaudern, das, mährend es so scheu und ängstlich der aufdringlichen Be­wunderung eines galanten Weltmannes auswich, ihm gegen­über sich sicher genug zu fühlen schien, um sich natürlich und ungezwungen gehen zu lassen. Reine, unverdorbene Gemüthcr fühlen oft instinktmäßig, wo sie vertrauen dürfen oder nicht, und wenn solch erster Eindruck gegenseitig ist, endigt er nicht leicht in Täuschung.

Nachdem Gabor sich seines Ritteramts entledigt, beeilte er sich, den günstigen Augenblick, den er ersehnte, zu er­obern, und so energisch war sein Ansturm durch den Schwarm, welcher die allbewunderte Eiskönigin umdrüngte, daß Andere ihm unwillkürlich auswichcn.

„Hat Sonja Michailowna ihren Judendfreund ver­gessen?" fragte er. dicht an sie herantrctend. „Einst war sie meine Sonne; jetzt brennt die Sonne der feurigsten Liebe vor Ungeduld, das Eis der nordischen Majestät zu schmelzen."

„Warum ist der feurige Magyar nicht früher gekommen?" entgegnete sie ganz im Tone des leichten Maskenscherzes.

„Warum hat meine Königin mich nicht gerufen?" ver­setzte er. „Sie versprach, mich zu sich zu rufen, sobald kein Hinderniß mehr zwischeu uns stände, und ich schwor ihr zu: Dann bin ich Dein für immer!"

(Fortsetzung folflt.)

Winter-Strümpfe

für Kinder, patent-gestrickt, ächt scliwarz, englisch lang, für das Alter von 1 Jahr 2 Jahr 3 Jahr 4 Jahr 5 Jahr 6 Jahr 29, 36, 43, 5Ö~ 58, 67 Pf.

7 Jahr 8 Jahr 9 Jahr 10—12 Jahr 12—14 Jaiu* 76, 85, 94, 106, ~ 112 PfT“

Kinder-Strümpfe

aus reinwollenem engl. Strickgarn, mit doppelt. Knie und Fersen, in allen Grössen vorräthig, das Paar 45, 52, 67, 80, 95 Pf. u. s. w.

Damen-Strümpfe,

englisch und deutsch lang, das Paar 50,

72, 80, 95 Pf., 1.10, 1.25, 1.40, 1.60, 1.75, 2.—, 2.25 Mk.

Halbseidene und seidene Damen-Strümpfe

das Paar von 2.25 bis 10 Mk.

Herren-Socken

3as Paar 23, 33, 46, 58, 67, 76, 87 Pf.,

I.-, 1.25, 1.50 und 1.75 Mk.

Unterzeuge.

Wollene und halbwollene Normal-Herren- Hemden in allen Grössen 90 Pf., 1.10, 1.25, 1.50, 1.85, 2.20 u. s. w.

Wollene und halbwollene Unterjacken

für Damen und Herren.

Wollene u. halbwollene Normal-Unterhosen, Kniewärmer, Leibbinden etc.

Seidene|1Jnterzeuge für Damen u. Herren. Aechte Prof. Dr. Jäger’s

Normal -Unterzeuge

von W. Benzer Söhne

zu Original-Preisen.

Unterjäckchen, Hand- u. Maschinenarbeit, für Kinder.

Unterröcke für Damen und Kinder.

Deutsche und englische Strickwolle in

vorzüglichen Qualitäten zu den billigsten Preisen

Korsetten

für Damen und Kinder, nur gutsitzende

Formen; als besonders vortheilhaft empfehle

ich Korsett

Lula, grauer Drell, mit Gürtel und Spitzengarnirung, 26 Stahl­einlagen, hochschnürend, neue Form, 1.85.

Erna, dunkelcrömcr Drell, Spitzen- und Bandgarnirung, 26 Stahl­einlagen, niedere neue Form, 2.25.

Elsa, creme und grauer Drell, mit reicher Spitzen- uud Band­garnirung, feines elegantes Korsett, niedere neue Form, 3.00.

Lotte, grauer Satin-Drell, mit feiner Ausstattung, mittelhohe neue

Form, 3.50.

Grete, grauer Drell, Brüsseler Fagon- Iiorsett, mit Fischbein und feiner Ausstattung, 5.00.

21. Webergasse.

Tclcphou 700.

XJOTTl m OV Webergasse

\*^XX» AjLlZ/XXXXXXt/X j Tcleplion 700.

14095