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Erscheint in zwei Ausgaben.
48. Jahrgang.
... „--ei Ausgaben. — Bezugs-PreiS: durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post L Mk. «» Pfg. vierteljährlich für beide
Verlag: Langgasse 27.
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Abend -Ausgabe.
D»s Resultat der „Khaki-Wahlen".
Als Khaki-Wahlen hat man in England die jetzt vollzogenen Wahlen zum Parlament bezeichnet, denn diese Wahlen sollten eine Art Volksabstimmung über die südafrikanische Kolonialpolitik des Kabinetts Salisbury- Chamberlain darstellen und den Prüfstein dafür bilden ob die „Khaki-Begeisterung" im englischen Volk wirklich so groß ist, wie die englische Negierung und die Ncgierungs- presse es behauptet hat. Entspricht nun das Ergebniß der Wahlen, die jetzt bis auf wenige ländliche Wahlkreise abgeschlossen sind, den Voraussagungen und den Hoffnungen der englischen Regierung und vor Allem des Machers der südafrikanischen Politik, des Herrn Chambcrlain?
Diese Frage muß, so wenig auch der entschiedene Sieg der Negierung bestritten werden kann, doch rundweg verneint werden. Die englische Negierung hat doch die Neuwahlen nicht lediglich zu dem Zweck veranstaltet, um sich gleichsam durch eine Volkszählung davon zu überzeugen, ob die Mehrheit im Parlament der im Volk entspricht. Der Grund zu den Neuwahlen war für die englische Negierung der, daß sie angesichts der allgemeinen Verurtheilung, welche die englische Gewaltpolitik in Südafrika bei allen civilisirten Nationen gefunden hatte, das dringende Bedürfniß empfand, M wenigstens im eigenen Land eine gewaltige und kompakte Mehrheit zu schaffen, die bereit war, mit der Negierung durch Dick und Dünn zu gehen. Hatte doch Herr Chamberlain vor den Wahlen erklärt, daß die Negierung nicht nur eine Mehrheit im Parlament wolle, die sie ja schon habe, sondern ein einstimmiges Votum des ganzen Landes zu Gunsten der Negierung.
Wie steht es nun mit diesem von Herrn Chamberlain gewünschten Votum? Es ist ansgebliebcn! Im Vergleich zu den Wahlen von 1895 hat die Negierungsmehrheit sogar einige Mandate verloren, wenn sie auch im Vergleich mit dem Stand vor der Auflösung des Parlaments ihren Besitz behauptet hat. Aber der Vergleich niit dem Ausfall der Wahlen von 1895 ist allein zulässig, denn bei den Nachwahlen im Laufe der Parlamentssession pflegen in England die Parteien der Linken gewohnheitsgemäß etliche Sitze zu gewinnen.
Der Vergleich mit den Wahlen von 1895 ist nun für die Regierung nichts weniger als günstig. Die konservativ- unionistische Regierungspartei erlangte damals 411 von den 670 Mandaten, während sie diesmal, die wenigen noch ans- stehenden Ergebnisse miteingercchnet, schwerlich auf mehr als 404 oder 405 Mandate kommen dürfte. Diese Einbuße die an sich ja klein, in Anbetracht des erhofften glänzenden Sieges der Regierung aber doch von Belang ist, kommt den Liberalen, die bei den vorigen Wahlen 177 Mandate erlangt hatten, zu Gute, während die Iren, die voriges Mal 82 Sitze errangen, ihren Besitzstand behauptet haben. Die Mehrheit der Regierung betrug bei den vorigen Wahlen
* B . 2 t Stimmen. Die genaue Ziffer der jetzigen Mehrheit stsh voch nicht bestimmen, aber sie dürfte kaum de Zahl 110 erreichen.
Als glänzend kann demnach das Ergebniß keineswegs bezeichnet werden. Im Gegentheil, wenn man nicht nur die Ziffern, sondern zwischen den Ziffern liest, Ergebnis der Wahlen mehr nach einer Niederlage, als nach einem Siege der Regierung aus, denn diese hat doch das Parlament aufgelöst, um eine stärkere, eine iveit stärkere als die bisherige Mehrheit ein- znhandcln, was ihr eben inißlnngen ist. Wie wenig das Ergebniß der Wahlen einem Siege Chamberlains entspricht, geht am besten daraus hervor, daß die Begeisterung der konservativen Regierungspartei über Herrn' Chamberlain recht urplötzlich aufgehört hat.
Während Herr Chamberlain bis dahin als der „Macher von s Ganze" galt, spricht die Regierungspresse von ihm plötzlich als einem ganz kommunen Mitglied« der Negierung, der nicht mehr zu sage» habe, als die Anderen auch. Und cs wird bereits ausdrücklich betont, daß Lord Salisbury die Geschäfte der auswärtigen Politik weiter führen werde, da Herr Chamberlain im Kolonialamt „unentbehrlich" sei. Das heißt ans gut Deutsch, die Trauben der leitenden Stellung im Kabinett, nach der Herr Chamberlain strebte und die ihm die Wahlen in den Schooß werfen sollten, sind über Nacht sauer geworden.
Wie wenig bedeutungsvoll der Sieg der Negierung ist, gehl auch daraus hervor, daß die Negiernngspresse schon jetzt eine theilweise llmgcstaltniig des Kabinetts ankündigt. Sowohl der Staatssekretär des Kriegsamts, Herr v. Lansdownc, als auch der erste Lord der Admiralität. Herr Goschen, werden dran glauben müssen und als Sühneopfer für die völlige llnzulänglichkeit des englischen Heertvesens, die in dem Kriege gegen die Buren an den Tag getreten ist, dargcbracht werden. In einer Beziehung freilich bedeutet der Wahlausfall einen Sieg der Negierung, nämlich insofern, als sie eine ge- chlosiene Mehrheit für die Annektion der Burenrcpii- bliken gefunden hat. Dies Ergebniß kann freilich nicht Wunder nehmen, denn noch steht das englische Volkvöllig unter dem Einfluß der berauschenden „Khaki-Stimmung". Eine Ludere 0-rage ist die, wie lange diese Stimiunng noch an- ha tcn wird, besonders nachdem das englische Volk erkannt haben wird, daß weit schwerer noch, als die Bnrenstaaten z>l erobern, es sein wird, sie zu besitzen! Ob das englische Volk noch nach einigen Jahren, nachdem es einige Er- ahrnngen mit dem „neuen Irland" gemacht hat, dasselbe .heil über das Kabinett Salisbnry-Chamberlain füllen wird, wie es durch die jetzigen Wahlen geschehen ist, das wird man vielleicht ernstlich bezweifeln dürfen.
* *
„ London, 15. Oktober. Die liberalen und konservativen Blätter drücken ihre Zufriedenheit aus über die bisherigen Wahlergebnisse. Die ministerielle Presse weist darauf hin, daß die Liberalen in den Grafschaften und in den ländlichen Wahlbezirken Fortschritte gemacht haben, während die Konservativen in den städtischen Bezirken stärker geworden sind.
Deutsches Deich.
Die Konservativen und die Kanalpliine.
Die Offiziösen des Herrn v. Miguel sind beauftragt worden, die Mittheilung des „Hannover'schen Kuriers" über me Einzelheiten der neuen Kanalvorlage als geschickte Zusammenstellung aus bereits vorhandenen und anderweit bekannten Mater,alieu zu bezeichnen. Es wird Sache des
genannten Blattes sein, sich gegen den Vorwurf zu wehren daß man nur eine journalistische Spiegelfechterei getrieben m J! n u ”i? f" r , sich, hat der „Hannover'sche Kurier" die Vcrmnthung für sich, nicht so leichtfertig gearbeitet, sondern wirklich nach neuen, ihr zugegangenen Miitheiluugen ein Bild E?. n J"L U "! tl ß en ^analvorlage entworfen zu haben. Die Hauptsache jebodi ist, daß der Inhalt des dort skizzirten (verincintlichen oder wirklichen) Gesetzentwurfs nicht weiter ^si''ttn, w,rd, und die „Krenz-Zeitnug", die ja wohl auch ihre Verbindungen hat, stellt sich jedenfalls nicht so an, als halte sie bie Angaben des hannover'schen Blattes für er- slliiden. Umso b-merkenswerther freilich muß es hiernach erscheinen, daß ein von Herrn v. Miguel häufig benutztes Organ seinen llnwillen über die Veröffentlichung ansdrückt, zumal ungefähr gleichzeitig in einem süddeutschen Blatt das von Berlin ans offiziös bedient wird, bezweifelt worden ist, ob sich die Weiterverfolgung der Kanalpolitik gegenwärtig empfehlen könne. Thntsächlich wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach Herausstellen, daß dieser Zweifel leider seine gute Be- rechtigung hat, daß also die Kanalfrage wieder einmal ver- sumpfen wird. Es ist ein ausgesuchtes Unglück des
preiißischcn Slaalsministcriums. daß die Kanalpläne regel- maßig mit wichtigen Aktionen im Reichstag derartig ^ udiren, daß Die Regierung dort auf die Unterstützung derselben Konservativen rechnet, denen sie hier, im Abgeordnelen- hausc, tit Lachen der Vcrkehrspolitik entgegentreten muß. ^wso Lage ergiebt sich jetzt wieder, indem im Reichstag das neue Zolltarifgesetz durchberalhen werden soll. Es ist nun einmal nichts daran zu ändern. Die Konservativen haben ■r rl. C, " e von Fehlern, deren sich die Regierung
schuldig gemacht hat, soviel Einfluß bekommen, daß sie schlechterdings über das Schicksal der Kanalvorlage werden bestimmen können. Wer sich darüber noch holden Täuschungen hingiebt, dem wird die entsprechende Enttäuschung nicht Ä.il Die Regierung muß zehn Mal niehr
ihn***!! n !J Ie bisher gezeigt hat, wenn die
Absicht der ostelbstchen Kanalfeinde vereitelt werden soll, der Plan nämlich, die auf den Osten bezüglichen Theile der Vorlage anzuuehmen, das Hauptstück aber, de» Mittellandkanal, abzulchnen. Wie auch sollte dies Schicksal vermieden werden kvilnen, da beispielsweise die Inangriffnahme des Berlin-Stetliner Kanals ivirklich nicht länger hinausaeschoben werden kann.
Gegen die Lebenvmittrlroll».
In der neuesten Nummer der „Nation" regt der Ab- geoldiicte Theodor Barth ein Zusammenwirken von Arbeitern und Arbeitgebern der Industrie bei deu bevorstehenden
Feuilleton.
ägyptische Alterthnmer.
Kairo, Ende September.
Nicht mehr wie einst bildet Egypten das sagenhafte Land, von dem man in der Ferne hört und liest, ohne daran ßu denke,,, es je zu betreten. Seit der Dampf mit so großer Schnelligkeit nach anderen Ländern und Erdtheilen führt, ist 8 an 3 außerordentlich gewachsen, und giebt es anch schon viele Deutsche, die nicht der Studien halber um ihren Drang zu befriedigen, Neues zu sehen,
Ä? r lte ^ anbc ü^ogen sind. Zumeist allerdings
sendet das Vaterland noch immer Gelehrte herüber, die da kommen, um Nachgrabungen in dem Boden dieses uralten Sin f "^»stellen. Und selten werden die Nachforschungen nicht belohnt, denn Egypten birgt eine solche Menge alter Nilinen. Tempel, Grabdenkmäler aller Religionen und Nationalitäten, daß fast stets interessante Uebcrbleibsel der Vergangenheit zu Tage gefördert werden.
Me Führer bieten denn auch den Reisenden Erinnerungs- «egenstände an, die sie durch Zufall gefunden haben wollen. Oesters beruhen diese Angaben auf Wahrheit, im Allgemeinen F"'! ^ut daran thu», mißtrauisch zu sein. Die Wuth der Engländer und Amerikaner, derartige Antiquitäten 5''Lf lm zu nehmen, hat eine stattliche Anzahl von 9 u f eÖ t Cn rfr nfl ’ en ' in de'"" dieselben hergestellt a fften 21 w K 6 ed]t ' dnb-n bie »ln schweres Geld ver- “JXS bMiflg nur einen geringen Werth, da sie die ? gestellter Personen stammen, und nur
bocbaestcll «», ^nig oder doch wenigstens einer
emt also auch durch Zufall vielleicht einmal ein
werthvoller Gegenstand entdeckt werden kann, im Allgemeinen sind doch lange Nachforschungen nöthig, die in methodischer Weise vorgenommen werden müssen. Die Generationen welche aneinander an den Ufern des Nil folgten, haben ihre Monnmente ans schon bestehenden älteren, ihre Gräber auf vorhandenen, ihre Städte ans bereits begrabenen errichtet; nm also volle Resultate zu erzielen, muß man die Hacke nicht aus der Hand legen, bis man wirklich auf jungfräulichen Boden gestoßen ist. Eine zeitraubende Arbeit, die die Geduld oft ans eine harte Probe stellt. Aber nicht nur deutsche Gelehrte, die in dieserHinsicht ja besonders berühmt sind, haben dieselbe besessen, auch die anderen Nationen zeigen sie häufig genug, und bei uns sind es vor Allem die Franzosen, ivelche, wenn sie anch ihr politisches Anrecht auf Egypten sich verscherzten, gewissermaßen in dieser Weise sich einen Antheil an seinen Schätzen verschaffen.
So wurden auch jüngst wieder durch geradezu erstaunens- wer.qe Energie und Ausdauer von einem ihrer Alterthums- forschcr, Loret, Entdeckungen von außerordentlichem Werthe gemacht. Es ist gelungen, das erste vollkommen erhaltene Grabdenkmal frcizulegen, d. h. das vollständig intakt den ^.cmpel zeigt, der den Eingang bildete, die Pyramide, welche als äußeres Zeichen diente, die Stele, die die Stelle der Grabschrift vertrat, und das Mastaba, das eigentliche Grab. Auch die älteste bekannte (?) Skulptur wurde ge- sundeii. Sie zeigt einen Mann, der das Gebirge durchschreitet, um das Todteilfeld, den Ort des ewigen Schlummers, zu erreiche», und der im Moment, da er diese schöne Erde verlassen soll, «ntvillkürlich mit Bedauern zurückschaut, um noch einmal Alles zu grüße», was nun auf immer für ihn versinkt. 1
Bis jetzt sind die Schätze, die man bloßgelegt hat, lbrtgens dem großen Publikum noch nicht zugänglich, da mmer noch gearbeitet wird und die Besichtigung daher vorläufig nicht ganz gefahrlos ist, doch dürfte nian binnen
Kurzem die Aufräumungsarbeitcn beendet haben. Eine Neuerung kommt dabei zur Einführung, mehr noch für den Laien als für den Gelehrten berechnet, da sie das Beschauen der Allerthumer entschieden viel inlerefsantcr und lehrreicher machen wird. Man beabsichtigt nämlich, soweit dies angängig, die Särge, Mumien und die verschiedenen Gegen- H? „ '' in den Gräbern entdeckt werden, an ihrer
Stelle zu belassen. Die Museen besitzen schon eine Blcnge derartiger Antiquitäten, und man findet, daß in groycrer Anzahl in den Sälen vereinigt oder hinter Glaslcheibcn zusammengehänft die Sachen viel von ihrem Reiz verlieren.
So sollen sie denn möglichst an ihrem Platze verbleiben »nd nur die kostbarsten Stücke, deren Beschädigung man befurchtet, in einem eigenen Museum vereinigt werden. Dahin gedenkt man auch die Llinmien zu bringen, die ein spezielles historisches Interesse besitzen. Die anderen werden bis zum Rande des Sarkophags emporgehoben werden, um sie leicht sichtbar zu machen, und dann all die Gaben um sie herum gruppirt sein,. die liebende Hände ihnen vor Zausenden von Zähren mit in das Grab gegeben hatten um ihnen die Reise ins Jenseits, an das die Egypter ja fest geglaubt zu erleichtern. So dürfte Memphis vor den Thoren von Kairo eine Art egyptisches Pompeji werden, wo man ans den Spuren Derjenigen wird wandeln können, die vor so unendlich langer Zeit vor uns gelebt haben.
Dle äußeren Lebensbedingungen sind seitdem andere ge- worden, die Menschen mit ihren Leidenschaften aber so ziemlich dieselben geblieben. Das beiveist z. B. ein Papyrus der letzt auch gefunden ivordcn und von einem Prozeß handelt! der nicht weniger als 600 Jahre gedauert. Der endgültige Sieger halte sich die Beweisstücke mit ins Grab geben lassen, vielleicht um den Vorvätern zu zeigen, daß er endlich durch- gedrungcu war, oder um vor dem letzten, höchsten Richter darzuthun, >v,e sehr er sich in seinem Rechte befunden.
