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Srcitog, 30. April 1915.

Abend «Ausgabe.

Nr. 200. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Oer Türkensteg an den Dardanellen.

Der türkische Tagesbericht.

ver Feind nur noch am Kapa - Tepe. — Vas asiatische Oardanellenufer gesäubert. — ver französische Panzerkreuzer „Jeanne d'Arc" und die englischen Linienschiffe „Majestie" und

„Triumph" beschädigt.

W. T.-B. Kvnstantiuopel, 30. April. (Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier teilt mit unter dem 23., abends: Der Feind, welcher in der Gegend um Kum K a l e h gelandet war, wurde trotz der Bemühung, sich unter dem Schutze des Feuers seiner Schisse am Lande zu behaupten, vollständig verjagt. Kein Feind steht mehr auf dem asiatischen Darda­nellenufer. Die feindlichen Streitkräste auf der Spitze von Kapa-Tepe behaupten sich hartnäckig unter dem Schutze des feindlichen Schiffeuers. Bon dem ande­ren Teil der Halbinsel G a l l i p o l i ist der Feind vertrieben. Das Feuer unserer Batterien be­schädigte am 28. April den französischen Panzerkreuzer „I e a n u e d'A r c", so daß er sich nach Tenedos zurück­zog. Ein englischer Torpedobootszer» störer sank infolge eines Brandes, der durch unsere Granaten verursacht worden war, am 28. an der Ein- ; fahrt in die Meerenge.

j I Der Angriff von 16 Panzerschiffen und vielen Torpedobootszerstörern gegen eine unserer vorgeschobe» »en Batterien an der Meerenge am 27. hatte folgendes t\ t Slfis: Tausende gegen unsere Batterie- und »,. 5 ' 3 1 ieriestellnngen abgeschossene Granaten v e r- U ped , e t e n bis zum Abend einen Soldaten leicht, i wurden zwei Transportschiffe wieder-

M oft: ^lon Granaten getroffen, so daß eines sofort auf I G-» «d lief. Wir versenkten eine Reihe von »Booten und S e g e I s ch i f f en, die mit S o I- I baten besetzt waren und die sich mit Schleppdampfern ! bei Transportschiffen befanden. Die englischen Linien- , schisse „M a j e st i c" und „T r i u m p h" wurden b e - schädigt und zogen sich aus der Schlachtlinie zurück. An den letzten beiden Tagen unternahm die feindliche Flotte nichts weiter mehr gegen die Meerenge, k Auf den anderen Kriegsschauplätzen ist nichts Bedeutendes geschehen.

weitere Einzelheiten.

\V. T.-B. Konstantinopel, 29. April. (Nichtamtlich.) In ten ergänzenden Berichten Wer die Vorgänge an den Dar- l banellen treten die Tapferkeit und der Schwung der t osmanischen Offiziere und Soldaten immer deutlicher zutage.

. Während der Kämpfe auf der Halbinsel Gallipoli, insbesondere ■ bei Kapa Tepe, kämpften die türkischen Truppen zwei Tage und eine Nacht hindurch ununterbrochen und ohne die geringste Erschöpfung zu zeigen, gegen stets von neuem heran- [ rückende feindliche Kräfte. Bei den ersten Kämpfen von Kum kKaleh gaben die türkischen Truppen keinen einzigen Gewehrschuß ab, solchen, warfen- den Feind bloß mit i dem Bajonett zurück.

Während der Kämpfe beschossen 40 feindliche Kriegsschiffe, darunter der russische Kreuzer „Askold", i der zur Beobachtung aufgestellt war. zeitweise Sed ul Bahr und Kum K a l e h. Die türkischen Forts erwiderten ( das Feuer mit Erfolg und brachten zwei Torpedoboote s Und ein Transportschiff zum Sinken. Ein schwer l beschädigter Kreuzer mußte, wie schon gemeldet, nach Tenedos | geschleppt werden. Die von den Türken gewonnene Kriegs- . beute umfaßt eine große Zahl von. Gewehren und eine j Wenge Munition.

Die „vengeance" beschädigt.

> W. T.-B. Konstantinopel, "SO. April. (Nichtamtlich.) i Wie „Tasvir-i-Efkiar" aus den Dardanellen erfährt, wunde das englische Schlachtschiff „Dengeance" von ! den türkischen Batterien beschädigt.

Die erfolgreiche Tätigkeit der türkischen Flieger.

| A Br. Athen, 30. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die der 1. und 5. türkischen Armee zugeteilten Flieger entfalten noch Meldungen aus Mytilene «ine lebhafte \ Tätigkeit. Sie unternehmen f a st täglich Erssun- dungsslüge. Vor einigen Tagen erschienen zwei Flug­zeuge über dem Truppenlager auf Tenedos und warfen mehrere Bomben ab, die erheb­lichen Schaden angerichtet haben. Trotz der hefti­gen Beschießung vom Land und den Kriegsschiffen aus gelang es beiden Flugzeugen unbeschädigt zu ent- kämmen.

Die Engländer noch angriffslustig.

| ' Br. London, 30. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. kHln.) Wie eine Depesche der „Daily Mail" aus Tene- LMs erkennen läßt, scheinen sich die Engländer vor- Wuffg noch nicht völlig geschlagen zu geben. Das Wlatt meldet, daß die Lanbungsoperationen

fortgesetzt werden. Das Landungskorps sei an verschiedenen Stellen auf einen überlegenen Feind ge­stoßen und infolgedessen hätte eine Änderung der Dispositionen an manchen Orten stattfinden müssen. Die Beschießung der Küstenforts ist gleichfalls wieder aufgenomnen worden. Der Kampf be­findet sich zurzeit in vollem Gange.

ver Iubel in der Türkei.

W. T.-B. Konstantinopel, 29. April. (Nichtamtlich.) Die gesamte Presse hebt in begeisterten Worten die Wichtig­keit des gestrigen großen Sieges hervor -und findet nicht genug Worte, um ihre Dankbarkeit für die tapferen Vertei­diger der Türkei cmszudrücken.

Ein feierlicher Selamlik.

W. T.-B. Konstant nopel, 29. April. (Nichtamtlich.) Der nächste Selamlik wird am Freitag bei großem Gepränge in der Sophien mosche« stattfinden, wobei zum ersten­mal in dem Gebet der Name des Sultans mit dem Bei­namen Ähazi gewann: werden wird. Zu der Feierlichkeit find die Abgeordneten, Senatoren, Generale, höheren Offi­ziere und Würdenträger geladen.

Eine Spende des Sultans für die Waisenkinder.

W. T.-B. Konstautinopel, 29. April. (Nichtamtlich.) Der Kriegsnlinister hat an die Armee einen Tages» hgfehl gerichtet, in dem der Befriedigung des Sultans über die bisher errungenen Erfolge Aus­druck gegeben und mitgeteilt wird, -daß der Suüan für den zugunsten der von gefallenen Soldaten hinterlafse- nen Waisenkinder errichteten G r u n d st o ck 70000 Piaster gespendet hat.

Die Treue der Aegqpter Konstantinopels zum Kalifat.

W. T.-B. Konstautinopel, 29. April. (Nichtamtlich.) Anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung des Sultans hat der hiesige Ägyptische Klub dem Sultan eine Glückwunschadresse überinittelt, in der auch dem Wunsche nach dem Siege der osmnm- schen Waffm Ausdruck gegeben wind.

vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Ypern und Poperinghe völlig zerstört.

W.T.-B. London, 29. April. (Nichtamtlich.) Die „Times" vernehme» aus Nordfrankreich, daß infolge der letzten Gefechte die Verwüstung Aperns jetzt v o 11- ständig ist. Die Tuchhalle ist zerstört, kaum ein Haus steht noch. Poperi-nghe hat eben­falls schwer gelitten. Die Station, auf der die englischen Verwundeten in die Züge gebracht wurden, liegt in Trümmern, so daß die Verwundeten in den Kellern der benachbarten Häuser in Sicherheit gebracht werden mußten.

Die Gefährdung der Stellungen der Alliierten bei Ypern.

Eine Schilderung des Kampffcldrs.

Berlin, 30. April. (Ktr. Bln.) Der militärische Sach­verständige des „Daily Mail" führt nach einer Meldung des „Lok.-Anz." aus, daß die Alliierten sich bemühen, daS ihnen entrissene Gebiet zurückzueroOern, weil ihre Stellung in Ipern gefährdet sei. Die Deutschen ständen nur rund 11 Kilometer von Poperinghe und ihre schweren'Geschütze hätten eine Schußweite von mindestens 14 Kilometer. Sie brauchten daher ihre Geschütze n i ch t d i ch t an die Front zu bringen. — Der Berichterstatter der „Exchange Telegraph Company", welcher Zeuge der Schlacht bei Ipern war, erzählt folgendes: Der Anblick des Schlachtfeldes hätte Cäsar und Napoleon verwirrt. Es sei unmöglich, zu sagen, wie viele Geschütze verwendet wurden. An einer kleinen Brücke am Dserkanal kämpften 20 deutsche gegen 18 französische Kanonen. Die französischen Geschütze feuerten so schnell, daß es wie ein tausendfacher Donner dröhnte. Der Munitions­verbrauch loar fabelhaft. So weit man mit dem Feld­stecher beobachten konnte, sah man die weißen Wolken der Schrapstells, die grauen Wolken der deutschen Riesenkanonen und die flatternden Federlvolken der Fluggeugabwehrkanonen. Am Himmel flogen deutsche und englische Flieger hin und her. Nachts beleuchteten die Flammen viele Meilen das Kampfgebiet. Der Turm der Tuchhalle von Ipern und zwei Kirchturmspitzen zeichneten sich gegen die Scheibe der untergehenüen Sonne sichtbar ab, und in der Stadt loderten die Flammen zahlreicher Brände empor.

Line englische Varstellung unserer Erfolge am yserkanal.

»r. Ruttcidam, 30. Ap»il. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Der Berichterstatter der „Times" in Nordsrankreich telegra­phiert: Die Verbündeten behaupten sich noch immer auf dem westlichen Ufer des Kanals. Die Versuche, sie von dem Kanaluser zu vertreiben, sind vereitelt. Die engli­schen Truppen haben jetzt eine neue Lausgrabenlinie riöxdlich und nordöstlich von Ipern iune. Die K a n a d i er wurden von den viertägigen Gefechten gänzlich erschöpft

hinter die Linie gebracht.- Ihre Reihen sirld traurig ge­lockert. Der Kampf auf der kurzen Linie nördlich von Ipern ist'vielleicht so wüteiid gewesen, wie je ern Gefecht in diesem Kriege. Es ist wahr, daß der gemd z-unächft einen Erfolg errungen und unsere Linie nördlich Ipern und längs des Kanals zurückgetrieben hat, aber schon sind die Verbündeten wieder in der Offensive. Samstag und Sonntag schien die Lage kritisch zu werden, die Deutschen führten schwere Artillerie nach der vordere« Linie, warfen Granaten auf Ipern, und eS regnete F eu e r auf den Straßen, über die unsere Truppen Ver­stärkungen erhalten konnten. Bei dieser Gelegenheit ist fast alles, was in Ipern noch anftecht stand, dem ErdbodoM gleichgemächt worden.

Die Beurteilung der Lage in Flandern durch eine« holländischen Fachmann. *

Fm „Nieuwe Rotterd. Courant" unterzieht ein hollän­discher Offizier die deutschen und franzöflschen Kriegs­berichte über die jüngsten Kämpfe an der Iser einem Ver­gleich und kommt zu dem Schlüsse, daß die Deuffchen >rn- zweifelhast einen sehr großen Erfolg errungen haberi. Der Fachmann schließt feine Ausführungen wie folgt: „ES ist klar ersichtlich, daß durch die Gefechte der letzten Tage die ge­samte englisch-französische Front in Flandern nach dem Süden zurückweichen mußte. Voraussichtlich treiben sich in den nächsten Tagen wichtige, vielleicht ent­scheidende Gefechte abspielen."

Rauchmasken für die englischen Truppen.

Kopenhagen, 29. April. (K. Z.) „Berlingske Tidende" e» fährt aus London, das Kriegsministerium fordert dringend das englische Volk auf, für die Truppen in Flandern Respi-e ratoren herzuftellen zum Schutz gegen deutscherseits an« gewendete giftige Gasartm.

Die englischen Offiziersverluste.

Amsterdam» 29. April. Die „Daily Mail" veröfftnWP folgende Verlustliste- an Offizieren bei dem Arsgriff atif Hügel 60: 50 Offiziere getötet und 98 verwundet.

Die Trauer in Kanaäa>

Kopenhagen, 28. April. (Ktr. Bln.) Die „Berlingske Tidende" erfährt aus Montreal über London, ganz Kanada habe weger^des Verlustes zahlreicher tapferer Kanadier bei Ipern die Flagge auf Halbmast gesetzt. Kanada habe niemals so tief getrauert wie nach dem Eintreffen der Un­glücksbotschaft am Sonntag, doch herrsche gewaltige Be­geisterung, um den Kampf zum Sieg zu führen. Dev Zustrom Frestvillrger zu dem in der Bildung begriffenen dritten Korps sei gewaltig.

Drei deutsche Flugzeuge acht Stunden lang über Dünkirchen.

Bt. Genf, 30. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr Bln.) Vor­gestern erschienen über Dünkirchen drei Flugzeuge, deren Ge­schosse mehrere Mrlitäranstalten beschäftigten. Sie erzielten einen Rekord, indem sie volleacht Stunden Beobachtun­gen im Dünkirchener Umkreise anstellten und verschwände» unverletzt.

Ein deutscher Flieger über Nanzig.

IV. T.-6. Paris, 29. April. (Nichtamtlich) Nach einer Meldung des „Ternps" aus Ranzig überflog ein deutsches Flugzeug, da? sehr hoch flog, das Zentrum von Nanzig. Drei Bomben fielen in der Nähe des Justizpalastes herab- drei Personen wurden getötet und sechs schwer verletzt. Aridere Personen, deren Zahl und Identität nicht feststeht, wurden leicht verletzt. Das deutsche Flugzeug wurde heftig beschossen, verschwand aber schnell. — Nach einer anderen Meldung wurden fünf Personen getötet.

vie französischen Tagesberichte.

Die unverbesserliche»» Lügner im französischen Hauptquartier.

W. T.-B. Paris» 29. April. (Nichtamtlich) Amtlicher Nachmittagsbericht: In Belgien rücken wir fortgesetzt gegen Norden vuf dem rechten Ufer des Iserkanals in Verbindung mit belgischen Truppen vor. Wir machten 150 Gefangene und erbeuteten zwei Maschinengewehre. Auf den Maashöhen und in den Vogesen ereignete sich nichts Neues. Der Feind belegte durch Flugzeuge die offene Stadt Epernay, welche ausschließlich von Sanitätsformationen besetzt ist, mit B r a n d g e s ch o s s e n. Genaue Nachrichten melden, daß der Zeppelin, welcher letzte Woche Dünkirchen mit'Bomben belegte, auf Bäumen bei Brügge scheiterte. Der Zeppelin ist vollständig verloren.

W. T.-B. Paris, 30. April. (Nichtamtlich) Amtlicher Be­richt von gestern abend: Der Tag war ruhig. Zwei deuffche Angriffe, der eine gegen die belgischen Truppen nördlich von Ipern, der andere bei E p a r g e s, wurden leicht zurückge- worfen.

Das Dämmern der Wahrheit in Frankreich.

Br. Genf, SO. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie ein Mitarbeiter des „Echo de Paris" erzählt, hat ihm die Post wieder ein mit Maschinenschrift hergestelltes und mit unleserlicher Unterschrift versehenes Schristftück ins Haus ge­bracht, das unrer der Überschrift „Franzosen, man b e» »rügt euch" heftig gegen den General st ab und dio Regierung zu Felde zieht und sie beschuldigt, daß sie dem Volk über den militärischen Stand der Dmge nur Un­wahrheiten vorsetzten. Die Wahrheit sei, daß diq Deutschen die Oberhand hätten und behalten würden^