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48 . Jahrgang.

heint in zwei Ausgabe». — Bezugs-Preis: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. CO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Der englische Wahlkampf.

Unser Lonvoner u-Korrespondent schreibt unterm 9. Oktober: Die Wahlen nehmen ihren normalen Verlauf, d. h. die Liberalen vermögen keinen Eindruck auf die Wähler zu machen, weil diese von Kricgsbegeisterung erfüllt sind. Waffengelöse, kriegerische Heldenthatcn und besiegte Gegner haben von jeher auf ganze Nationen einen magischen Einfluß ausgeübt. Etwas Altgewohntes aber bezeichnen wir nur zu gern als das Normale, und so sind denn auch die Engländer vollständig befugt, bei ihren diesmaligen Wahlen alle Vernunft hintenan zu setzen, indem sie ihr Geschick für weitere sechs Jahre Chamberlain, dem großen Krieger vom grünen Tisch, anvertrauen. Ganz so glücklich wie früher scheinen die Tories indes; jetzt nicht im Besitz dieses Mannes zu sein, denn ihre Presse sprach sich neuerdings recht bedenklich darüber aus, daß ihm die außerordentliche Nolle, die er bei den diesmaligen Wahlen zu spielen Gelegenheit hatte, leicht einen allzu dominireuden Einfluß im Kabinett geben könnte. Wenn es anginge, würden ihn die Tories nun gewiß gerne sicher irgendwo einschließen, und vermöchten dann während der kommenden LWlatur- periode ruhig schlafen zu gehen. Aber cs fiele Chamberlain niemals ein, sich einschließe» zn lassen. Frei will er sein und anrempeln, wer immer ihm dazu Gelegenheit giebt. Jenes Bild voll Zauber und Poesie vom Staatsschiff und dem Manne oder der Partei am Ruder, das so lange Zeit jeder Politiker in der Tasche umhcrzuschleppcn pflegte und so gern zur Jllustrirung einer seiner Reden aus der Tasche zerrte, ist länger nicht mehr am Platze. Das Schiff ist zur Reisekutsche geworden. Auf dem Bocke sitzt Chaniberlai». die Cigarre im Mundwinkel, das Monocle ins Auge ge- kniffc», und im Knopfloch die übliche Orchidee. Hei, wie die Peitsche knallt und der Viererzug den alten Kasten über Stock und Stein reißt, während das ganze Kabinett sich angstvoll und krampfhaft anklammert. Altmodischen Be­griffen mag die neue Gestaltung der Dinge vielleicht be­denklich erscheinen, und an solche im Ausland sich mit einigen beruhigenden Worten zu wenden, hielten daher soeben die „Times" für angebracht, indem sie schrieben: „Wenn wir auch durchaus zugcbcu, daß Mister Chamberlains mächtige Persönlichkeit bei den Wahlen den Ausschlag gab, und daß er mit abermals vermehrtem Ein­fluß ins Parlament zurückkehrt, möchten wir unsere aus­ländischen Freunde doch bitten, eins im Auge zu behalten. Kein einzelner Minister eines englischen Kabinetts, wie begabt und mächtig er auch immer sei, vermag nämlich eine so despotische Macht auszuüben, wie die, mit welcher sie Mr. Chamberlain nun ausgestattet glauben." — Es ist das um so bcmcrkcnswerther, als dasselbe Blatt zu Beginn der Wahlen jenen Mann als den stärksten in der Regierung be- zeichnete, neben dem all die anderen nur Nullen seien. Ganz besonders angelegen aber läßt es sich sein, die Vereinigten Staaten und Deutschland günstig für ihn zu stimmen, indem es soeben besonders darauf hinwies, daß ein engerer An­schluß an beide behufs Erhaltung des Weltfriedens stets eins der Chamberlaiu'schcn Ideale gewesen sei. Dabei hat dieser Mann aber in öffentlichen Reden unter anderen Deutschland aus territorialen Gründen höhnisch als einen Knirps bezeichnet, den Czaren mit dem Teufel verglichen und Frankreich mit „fürchterlichen Folgen" bedroht, wenn

es sein Benehmen England gegenüber nicht änderte. All das dürften die verschiedenen Negierungen wohl noch nicht vergessen haben und Chamberlains Erfolg als eine Warnung betrachten.

wo. Amioon. l], Oktober. Bis heute Früh 1 Uhr sind ge wählt: 355 Ministerielle, 128 Liberale, 77 Nationalisten. Di. Ministeriellen gewannen 27, die Oppositionellen 26 Sitze. Campbell Banner,»mm wurde in Stirling mit 630 Stimmen Majorität wieder gewählt. 1895 betrug seine Majorität 1127 Stimmen

Deutsches Uerch.

Dir Thraterrrnfur.

Die Frage, was an die Stelle der Theatercensur gesetzt werden könnte, dünkt uns ebenso schief formulirt, wie falsch beantwortet, wenigstens nach den Antworten zu nrtheilen, die man neuerdings zu hören bekommen hat. Da unter den bestehenden Verhältnissen an die Aufhebung dcrThcater- censur nicht zu denken ist. so bleibt es das einzig Wünschens- werthe, daß sie mit Verstand und mit Achtung vor der Kunst gehandhabi wird. Weder die Wildenbruch'sche Anregung, einem Gerichtshof von Schriflstellern die Entscheidung über die Aufführbarkeit der eingereichten Stücke zu übertragen, noch der Vorschlag, dem Censor einen begulachtenden Schrift­steller beizugeben,. kann einer ernstlichen Prüfung Stand halten. Mögen die Theatercensoren nur wieder zu der Praxis langer Jahrzehnte zurückkehren, also möglichst wenig von sich reden machen und sich aller ästhetischen Würdigungen enthalten, dann wird man über sie verhältnißmäßig so wenig wie früher zu klagen habe». Verständige Instruktionen ver­ständig ausgcführt, nur diese Kleinigkeit ist nöthig; alles sonstige Gerede mag Sinn habe», hat aber keinen Zweck.

No» Kiiberlr bis Kra»de»l>urg.

Das Urtheil deS Amtsgerichts zu Brandenburg a. H., das die Lübccker Polizeiverordnung, betreffend das Verbot des StreikpostenftchsnS, für rechtsungültig erklärt, wird ver- muthlich angefochten werden, sodaß auch die höheren Instanzen über diese wichtige Frage zn entscheiden haben werden. Das Brandenburger Urtheil muß Jeden, der nicht durch blinden Hab gegen die Socinidemokralie voreingenommen ist, mit lebhafter Genugthuung erfüllen. Unter den Jmisten konnte ja niemals ein Zweifel darüber sein, daß der Senat von Lübeck eine» schweren Verstoß gegen die Reichsgesetze sich hatte zu Schulden kommen lassen, als er das Slreikposten- st.ehe» untersagte. Man hat es dem früheren Kolonial­direktor v. . Buchka besonders hoch angerechnet, daß auch er die Ungültigkeit jener Verordnung (in einem Aufsatze in der „Deutschen Juristen-Zeitung") betonte. Die Anerkennung soll ihm nicht versagt bleiben; denn cs ist immer deS Beifalls werth, wenn Jemand das Rechte thut und ausspricht. Aber Herr v. Buchka wäre ein sehr schlechter Jurist, wenn er über die llngültigkeit der Lübecker Ver­ordnung auch nur einen Augenblick hätte im Ungewissen sein können. Bisher hat überhaupt kein Fachmann den Muth gehabt, den krassen Widerspruch zwischen jenem Ver­bote und den Reichsgesctzen vertuschen zu wollen, nach denen das Slreikpostcnstehen erlaubt sein muß, weil es zur Aus­übung des guten Rechtes der Arbeiter, sich bessere Lohn­bedingungen zu verschaffen, unlösbar gehört. Jetzt also ist das durch ein Gerichtsurtheil anerkannt worden, und der Reichskanzler wie der Senat von Lübeck können sich fragen, ob es nützlich war, ein Vorgehen zu dulden bezw.

zu beschließen, das durch ein einfaches Amtsgericht für null und nichtig erklärt werden konnte. Nachdem das Mißgeschick einmal geschehen ist, ivird von Negierungs- und Bnndes- raths wegen irgend etwas versucht werden, um die Sache wieder in Ordnung zn bringen, nur daß die Aufgabe nicht so leicht durchführbar ist, denn wenn nun etwa vom und im Bundesrath behauptet werden sollte, daß das Lübecker Verbot doch rechtskräftig sei und den Einklang mit. den Reichsgesetzeu nicht vermissen lasse, so wird sich' stets von Neuem die Möglichkeit einstcllen, daß dieses oder jenes Gericht dem Beispiele des Amtsgerichts von Brandenburg folgt. Sollte aber der Reichskanzler den Anlaß für geeignet halten, um die Frage des Streikpostenstehens durch ein besonderes Gesetz zu regeln, so droht wieder die Gefahr, daß sich eine solche Vorlage zu einem jener „Umsturz- und Zuchthausgesetze" auswächst, vor denen den leitenden Männern beinahe noch banger ist als andern Leuten, banger jedenfalls als der Socialdemokratie. Man hat in dieser Lübecker Angelegenheit wieder ein Beispiel dafür vor Augen, zu welchen Mißlichkeiten es führen muß, wenn die Zügel des Regiments am Boden schleifen. Der Reichs­kanzler hätte niemals zulasseu dürfen, daß der Senat von Lübeck seine Verordnung erließ. Der Einwand, daß die Einzelstaaten in ihrem Berordnungsrccht unbeschränkt seien, kann aus inneren wie aus äußeren Gründen nicht zutreffen. Auch einem mächtigeren Bundesstaate gegenüber hat der Reichskanzler die Pflicht, Verletzungen von Reichs- gesctzen zu verhindern, und einem 'Kleinstaate gegen­über, wie es Lübeck ist, würde ein bloßer Wink genügt haben, um Unzutrüglichkeiten solcher Art aus- zuschließcn. Merkwürdiger Weise allerdings konnte sich der Staatssekretär im Reichsjuslizamt, Herr Rieberding, in der Reichstagssitzung vom 11. Juni, in der die Lübecker Ver­ordnung beinahe vom ganzen Reichslage verurtheiit wurde nicht auf den Standpunkt stellen, daß diese Verordnung gegen die Reichsgesetze sei. Umso schlimmer, daß Herr Rieberding durch ein preußisches Amtsgericht eines Anderen belehrt werden muß.

. vor Mißhandlung und Bestechung. Bei

der Besichtigung des Netrutciilehrpersonuls in den verschiedenen Gariiisonortcn des Reiches ist, nach dem „Hnnnov. Cour.", in diesem Jahre ganz besonders darauf hingewiesen worden, sich keiner Rekrutemiiißhandluug schuldig zu mache», da in Zukunft alle Fälle von Mißhandlungen zur gerichtlichen Verhandlung und Entscheidung gelangen werden und nicht mehr, wie früher, von der Compagnie oder dem Regiment geahndet werden. Auch ist den Ansbildungs- mannschaften jede Annahme von Geschenken untersagt wordcii, da diese unter Umständen unter die Bestiinnmiig über die Duldung unbewußter Bestechung fallen und deren Verhaiidluiig ebenfalls vor die Militärgerichte gehören würde.

Ausland.

Mr. Chamberlain.

Aus London, 9. Oktober, berichtet unser n-Korrespon- deut: Joe Chamberlain hat, wie mau in Deutschland zu agen pflegt, „ins Feltnäpfchen getreten", und zwar so tief, daß ihn sogar die beiden maßgebenden Organe der im­perialistischen Presse: „Daily Mail" und „Times", des- avouiren. Bekanntlich zeichnet sich der Kolonialmiuister durch eine Rücksichtslosigkeit aus, die man besser mit dem Aus­druck Brutalität belegt. Der bekannte Ausspruch des röniischen Kaises Caligula: Oderint dum metuant — sie mögen mich hassen, wenn sie mich nur fürchten — bildet auch für ihn das Leitmotiv seines Handelns. Kürzlich sandte

FeuiUrlorr."

Ave, Caesar!

$vo(og für die Grüudsteinlcgung des Prätorinms in der Saalburg von Joses Lnuff.

Der Legat spricht:

„Ave Caesar!“ Sagenhaftes Raunen Umspielte sonst das todte Trümmerfeld;

Doch wie der Weckruf hallender Posaunen Dringt es von hier jetzt weithin durch die Welt. —

Hier dehnte sich die trntzigste der Vesten,

Dem Krieg gesetzt, dem Friedensmerk geweiht;

Der Bode» hier mit seinen Trümmerresten,

Er spricht in Zungen aus verklung'ner Zeit.

Hier funkelten die schlachlgewohnten Zeichen,

Die Grenzwacht stand auf hohem Felseiithron;

Hier einte sich dem Rauschen deutscher Eichen Der Tubaruf der stolzen Legion.

Beim Tribunal, umkrünzl von Lorbeerschatten,

Hob sich des Adlers königliche Macht,

Und bei ihm hielt, das Antlitz nach den Chatten,

Im Rauhfell der Aquilifer die Wacht.

Hier, vom Kastell aus, streckte er die Klauen, l

Er äugte scharf das Blachgefild entlang,

Wenn nngefüg aus den empörten Gauen Des Challenlands das Sturmbardiel erklang.

Von hier aus wallte über Forst und Kümnie Des Brandaltarcs leichtgekrauste Spur;

Hier pfropften wir auf die Germaneustämme Das Edelreis der römischen Kultur.

Von, Schwert bemacht — das war ein frisch Erstarken! — Es trieb das Reis, von Saft und Kraft geschwelt,.

Und sein Gekörn befruchtete die Marken Vom Rhein zur Memel, von der Alp zum Bell.

Und wie es schattend seine Zweige streckte Hin über Pflugschar, Winkelmaß und Scheit —

Da brach ins Land, das Finstcrniß bedeckte.

Das Morgenfrühroth einer neuen Zeit. —

Ein markig Volk wuchs auf ln seinem Lichte,

Von Haaren blond, von Angen blau und hell —

Jedoch im Strom der eilenden Geschichte

Sank unsre Macht — und mit ihr das Kastell. —

Nun treibt ein neues Keimen auf der Erde —

Von fern herüber grüßt der alte Rhein.

Der Kaiser naht und sein gebietend: „Werde!"

Giebt Leben dem zerfallenen Gestein.

Nun schlägt zum Himmel feierlich Geloder;

Das Kaiscrwort hat neu den Ort geweiht.

Es hebt sich rings aus Scherben, Schutt und Moder Des Antoninus glanzumstrahlte Zeit.

Die Ara flammt. — Und hell beim Funkentanze Trifft Schwertgcklirr und Schildschlag unser Ohr, Und niächtig schon streckt über Wall und Schanze Die korta äeeninana sich empor.

Froh spannt der Eichwald seine grünen Fahnen, Das Trutzkastcll ist blüthenfrisch umziveigt . . .

Den Hammer hebe, Kaiser der Germanen,

Daß unter'», Prall das Cacsarenin steigt.

Und hat der Hammer schaffensfroh geschlagen.

Dann wird die Stunde zauberisch belebt,

In der sich wieder, wie in alten Tagen,

Der Adler beim Praetorium erhebt.

In diesem B«u giebst Du der Welt ein Zeichen Dein Wollen zieht auf flügelstarker Spur. —

Am Schwert die Faust, ein Schirmherr ohne Gleichen, Bist Du ein Mehrer sch«ffendcr Kultur.

Jetzt stehst Du hier, das stolze Werk zu krönen;

Der Hamnier h«rrt der kaiserlichen Hand . . .

Drum: „Ave Caesar!“ — laß den Grundstein tönen, Mit Gott für Ehre, Ruhm und Vaterland.