««. Jahrgang.
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Kvonnenlerr.
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nachsterschcmenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. ,-mome «ngcreicyrer Anzeigen zur
4T2* Fernsprecher No. 52.
Mittwoch, den 10. Oktober.
Fernsprecher No. 52.
1900.
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Die Kohlenprndutttilm der Welt.
Die andauernde Steigerung der Kohlenpreisc lenkt naturgemäß den Blick auf die Kohlen-Prodnktion der verschiedenen Länder, die ebenfalls eine fortgesetzte Steigerung erfahren hat, aber bei Weitem nicht in dem Maße, in welchem die
dargestellt. Sie ist, von 1883 bis 1886 znnächsh, konstant blechend, vom Jahre 1887 ab stetig gestiegen, mit geringen Schwankungen, und hat sich von 450 Millionen Tonnen (n 20 Centner) auf 780 Millionen Tonnen gehoben. Die Jahre 1890, 91 und 92 zeigen ebenso wie 1897, 98 und 99 eine stärkere Zunahme als die übrigen, das Jahr 1898 allein hat einen Rückgang zu verzeichnen.
Sehr verschieden groß ist, wie der untere Theil der Zeichnung zeigt, die Kohlcnproduktion in den drei Staaten
Jfohlenproduction, der Welt 1883 -M*
Kohlenpreise gestiegen sind. Wir geben unfern Lesern nun beistehend eine interessante graphische Darstellung, die sowohl die Kohlenproduktion der ganzen Welt seit 1883 als auch diejenige der drei Hauptstaaten (Deutschland, England, Amerika einzeln und die der andern Länder summarisch) zur Anschauung bringt. Zu der Darstellung ist Folgendes zu bemerken:
Im oberen Theil der Zeichnung ist durch schwarze Striche ie Totalproduktion der Welt von 1883 bis 1899 jahrweise
Amerika, Großbritannien und Deutschland, sowie den anderen, summarisch dargestellten Staaten. Am größten ist bis zum Jahre 1898 die britische Kohlenproduktion gewesen, die jedoch für 1899 durch diejenige der Bereinigten Staaten überholt ist, von beiden zeigt die letztere auch das erheblich stärkere WachSlhum, das jedoch nicht stetig, sondern vielen Schwankungen unterworfen gewesen ist. 'Noch gleichmäßig bewegte sich die Kohlenproduktion Deutschlands und die gesammte Produktion der anderen, nicht einzeln aufgeführten
Lander aufwärts, nur in den letzten bcidenJahren stieg die deutsche erheblich über die fremdländische Produktion hinaus und überlraf so bereits die englische im Jahre 1890.
Durch die Linieneintheilnng der Tabellen nebst den eingeschriebenen Zahlen und Bezeichnung in Tonnen ist der Leser in den Stand gesetzt, die Bewegung der Kohlenproduktion deutlich zu verfolgen; die einzelnen Länder in den, unteren Theil der Zeichnung sind durch verschiedenartige Signaturen kenntlich gemacht.
Bon Interesse ist für Deutschland, wie sich das zum Gebrauch verfügbare Quantum Steinkohle in den letzten Jahren gestellt hat. Wenn man die Gesammtproduktion und die Gesammt-Ein- und Ausfuhr in Betracht zieht, so ergiebt sich für da? zum Verbrauch verfügbare Quantum eine regelmäßige jährliche Zunahme, die gegenüber dem Jahre 1892 folgende Entwicklung anfwcist:
Steinkohle
Jahr
1892 . . . .
1893 . . . .
1894 . . . .
1895 . . . .
1896 . . . .
1897 . . . .
1898 . . . .
1899 . . . .
Verbranchsmenge in 1000 To.
. . . 66,838 . . 68,839
. . . 71,808 . . . 73,925 . . . 79,568 . . . 84,737 . . . 88,141 . . . 93,899
Zunahme gegen 1892 in Proc.
2,99
7,44
10,60
19,05
26,78
31,87
40,49
Aus Stadt und Knrrb.
Wiesbaden, 10. Oktober.
— Im Cnteignnngsvrrfnhrei, in Sachen der flucht- linicnplanmätzigen Freilegung der Schützen st ratze und der fluchtlinienplanmäßigen Freilegung der Elisabcthenstraße Seitens der Stadtgenieinde Wiesbaden ist nunmehr Termin an- bcraumt bei der König!. Polizeidirektion, und zwar für ersterc auf Dienstag, den 16.. für letztere auf Mittwoch, den 17. Oktober, jedesmal Vormittags 11 Uhr. In beiden Fällen handelt es sich um je fünf Grundstücke von Anliegern genannter Straßen.
— Leguminoseni-rod. vr. R. Fanto-Wien hat Versuche gemacht, angesichts des hohen Eiweitzgchalts der Erbsen, Bohnen und Linsen sic zur Brodbereitung auszunützen, indem er den Legnminosenmehlen Weizenkleber zumischte. Wcizenkleber kann gewonnen werde» durch Anrührcn von Weizenmehl mit Wasser und Ausknetcn in Tüchern oder Centrifugiren, wobei das Stärke, mehl durch die Filtertücher geht, während der dick aufgequollene Kleber zurückbleibt. Dieser frisch ausgewaschene Kleber, der in feuchtem Zustand sehr leicht der Fäulniß unterliegt, trocknet, wie Dr. Fanto in der „Zeitschrift für angewandte Chemie" mitthcilt, in nicht zu dicken Schichten bei einer Temperatur von 40 bis 45 Grad Celsius im Vacuum in ganz kurzer Zeit zu einer gelblichen, glasharten und spröden Masse ein, die sich leicht pulvern läßt und'von unbegrenzter Haltbarkeit ist. Der Kleber verliert durch diese Behandlung nichts von seiner Qnellungsfähigkeit. Durch Zumischen von 4 bis 5 pCt. dieses Klebers zu Bohnenmehl, welches wegen seiner Hellen Farbe in erster Linie zu den Versuchen heran- gezoaen wurde, wird dasselbe backfähig und liefert nach dem Backen ein Brod von tadelloser Beschaffenheit. Der an sich schon hohe Eiweißgehalt der Leguminosen wird dadurch noch vermehrt. Bei einem Bohnenbrode z. B.. das ans cinem Mchl von 22,2 PCt. Eiweißgehalt durch Znnüschen von 4 pCt. des getrockneten rohen Klebers hergestellt wurde, war der Eiweißgehalt auf 24,45 pCt. gestiegen. Der hierzu verwendete Kleber erhielt noch Stärke beigemengt. ' Werden
Fe uilleto n.
In den Tagen des Oktobers.
Von Gustav Heick.
Jede Jahreszeit hat draußen in der Natur ihre eigene Färbung. Der Frühling kleidet sich in das rosige Weiß der Anemone und Baumblüthe, das zarte Gelb der Primeln, das Veilchenblau und all der zum Frühlingshimmel, zum Frühlings- hoffe» stimmenden Farben, zart und einschmeichelnd.
Glühend aber malt der Sommer: brennendes Roth, leuchtendes Gelb, tiefes Blau, alle Farbentöne satt, sommer- und lebensfroh.
Im Winter stimmen die Farben zur Ruhe; das weiche, flaumige Weiß des Schnees, das eintönige, einschläfernde Grau des Winternebels, das Schwarzblau der fernen Wälder und Berge. Nun aber der Herbst I
Lenz und Sommer haben so verschwenderisch mit Farben, Blumen und Sonnenschein gcwirthschaflet, daß für den Herbst, den Spätherbst, ivenig Leuchtendes, von Blumen nur noch einige Reste, übrig bleibt. Aber er weiß sich zu helfen. Sind es nicht Blumen, so sind es die Blätter, die den schönen Herbsttagen einen besonderen Glanz und Reiz verleihen.
Nun fängt er an, stimmungsvolle Farben auszutragen, Farbeit, die in ihrer ernsten, bunten Pracht keine Scheide- gcdanken aufkommen lassen. Die Eiche steht noch in ihrem tiefen, glänzenden Grün, später erst kommt etwas Roth und mehr Gelb hinzu, das daun sachte in das winterliche Braun übergeht. Die Buche aber prangt in Gold, sie sieht aus wie ein vergoldeter Baum ans einem Märchengarten. Schaut aber den europäischen Spindclbaum, das Pfaffenhütchen (Lvon^mno ouropoa) an! Da leuchten nicht nur
die so seltsam geformten, pfirsichblülhenfarbenen Früchtchen, bei denen cs noch feucrfarben zwischen der geplatzten Schale hcrvorbricht, es leuchtet auch glühend roth auf einzelnen Blättern, während die meisten noch in strotzendem Grün stehen.
Das versteht der Herbst meisterlich, mit Wenigem große Wirkungen zu erzielen, denn wir finden öfter an dem in üppiger Blatlfülle stehenden Strauchwerk einzelne Blätter in glühender Hcrbstfarbc, die dann um so leuchtender und auffallender aus dein dnnklen Grün hervortritt.
Prächtig ist der Brombeerstrauch geschmückt. Seine Blätter geigen die Mannigfaltigkeit der Zeichnung und Farben, wie wir sie an tropischen Gewächsen, den Begonien und dem Colens, bewundern. Wir scheu die Blätter geadert, gesteckt, punktirt und gerändert, mit Gelb, Roth, Bronce und Braun, alle Farben in einer Gluih, die jedes Blatt zu einem Kunstwerk des Meisters Herbst machen. Die Gluth der^Farben verblaßt, aber bis zum tiefsten Winter hinein finden wir noch die bunt bemalten Blätter am Brombeerstrauch, Erinnernngsblätter an vergangene Sommer- und Herbstherrlichkeit.
Aber nicht nur die hervorragenden Pflanzen in der Landschaft, die Bäume und Sträncher, erhalten ein so festtägliches Kleid, auch sonst ganz verachtete und unansehnliche Gewächse erhalten statt der ihnen fehlenden bunten Blumen jetzt noch zum Schluß der Sommcrfcicr ein glänzendes Gewand.
Da ist der Wegerich, zertreten und unbeachtet am Wegrand, wie schön gezeichnet ist jetzt sein Blatt, braunroth geadert und gefleckt. Am Wasser oder an feuchten Gräben steht die Minze; auch ihr ist eine andere Färbung geworden, schöner wie im Sommer sieht sie jetzt aus. Und so finden wir noch Vieles, manches einzelne Blatt, das wie ein Feuerfunkcn aus dem Grün leuchtet oder wie ein glitzernder Rubin.
Wirkliche Bewunderung verdient auch das Rübenfeld. Wie sind doch die rauhen, sonst so wenig anziehenden Blätter der Brachrübe so merkwürdig verändert! Wir sehen hier Farben, die wir sonst in der herbstlichen Farbenshmphonie kaum finden. Neben dem häufiger hervortretendcn Braun und der schillernden Bronce, neben Roth und Rothbraun finden wir ein Violett, so rein, so satt, daß das rauhe Rübcnblatt kaum wieder zu erkennen ist. Da möchte man schon diese Blätter ans dem Blumentisch neben den Tropenkindern stehen haben.
Doch auch die Möhre oder Mohrrübe bekommt ihr Theil; und cs kleidet sie nicht schlecht, daß jetzt zwischen den fein zerschlitzten, farnartigen grünen Blättern allerlei rothe und braune Wedel auftauchen.
Aber nicht nur das bunte Blattwerk verschönert die herbstliche Landschaft, auch die Beeren betheiligen sich an der Ausschmückung.
Der Früchte ves Pfaffenhütchcnstrauchcs haben wir schon gedacht, zu ihnen bilden die blauschwarzen Beeren der Schlehe einen schönen Gegensatz. Und dann noch die blau- schwarzen Früchte des Brombeerstrauches und die des Fanlbaumes! Aber das Roth, das leuchtende, blendende Roth, ist doch vorherrschend. Von Weitem sehen wir allenthalben diese glühenden Beeren aus dem Lanbtverk leuchten: die Hagebutten, die Beeren des wilden Schneeballes und des Weißdorns; wo aber die Eberesche steht, da glüht es wie rothe Rosen oder rothwangige Aepfel in Ueberfülle aus dein Laube. So eine Eberesche ist in ihrem Beercnschmuck doch ein Prachtbanm.
Bald finden wir diese Vogelbeeren im Walde wieder, aber nicht an den Zweigen der Eberesche — in dem Bügtzi hängen sie, roth und lockend, und die Vögel können nicht lviderstchen, sie schmausen die leckere Frucht und dann, y weh! zieht die heimtückisch verborgene HaarschlyM D»
