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«8. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezngs-Preis: durch den Verlag a« Pfg. monatlich, durch die Post 1 Wik. e« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

Uo. 470.

Kernsvrechrr No. 52.

Dienstag, den 9. Oktober.

Fernsprecher No 52

1900.

Morgen-Ausgabe-

Die DKeulung der englischen Parlamentswtthlen für das Ausland.

UnserLondoner rv-Korrespüiident schreibt unterm6.ds:

' Obwohl die Wahlen noch nicht vollständig beendet sind, zweifelt doch selbst unter den Liberalen schon im gegen­wärtigen Augenblick Niemand mehr daran, daß Mr. Chamber- lain abermals triumphiren wird. Die Unionisten traten dieses Mal in ostentativster Weise programmlos vor die Wähler, von denen sie auf diese Weise einfach verlaugicu, daß sie der bisherigen Regierung für weitere sechs Jahre freie Hand gäben, und die Nation so gcwissermaßeli segnend die Hand auf das Haupt des ehrcnwerthen Chamberlain mit seiner südafrikanischen Politik lege. In wundersamen Gebeten erflehten seiner Zeit die hohe» Würdenträger der englischen Staatskirche die Zustimmung des höchsten Wesens zu

demKriegc des Cecil Rhodes, und da des VvlkcsStimme ja Gotlcö

Stimme sein soll, so wäre cs nicht überraschend, wenn der Kolonialminister nicht nur die „siegreiche" Deendignng des Krieges, sondern auch noch den Wahlansfall als ein Zeichen des Himmels proklamirte. So viel ist indcß gewiß, daß er fortab uniernehniungslustiger denn je sein wird. Sein diesmaliger Erfolg ist um so glänzender, als ihm daS Volk mit voller Kenniniß all der unsauberen Geschichlen, von der geheimen Korrespondenz im Zusammenhänge mit der Jameson - Affaire an bis zu den Heer- und Marine- lieferungen seiner „Familienfabriken", zu demselben verhalf. Das Gebiet socialer Reformen ist für einen Mann so hoher Ideale, wie Chamberlain, ein viel zu engbcgrenztes. und so dürften wir ihn denn während der nächsten sechs Jahre seine ganze Aufmerksamkeit dem ferneren Aus­bau des britischen Riesenreichcs zuwcnden sehen. Eine bessere Gelegenheit wie die gegenwärtige, einen innigeren Anschlllß derKoionicen an das Mutterland hcrbei- zusnhren, dürfte sich so bald nicht wieder bieten, denn die­selben sind noch immer vom Kricgsficber besessen rrnd fühlen sich von einem vordem fast nngekannlen patriotische» Taumel ergriffen, nur weil Mr. Chamberlain ihnen gestallete, den britischen Truppen in Südafrika ein paar Tausend aben­teuerlustige Freiwillige zu Hülfe zu senden. Voraussichtlich wird der Koloniaiminister nun seinen Plan vom großen britischen Zollverein nochmals Vorbringen, und da eine oder die andere Kolonie bereits mit dem Gedanken umgehen soll, dem Beispiele Kanadas folgend, dem Multerlande Vorzugszölle einzuränmen, so hat er alle Aussicht auf Erfolg. Damit wäre aber alsdann der Schutzzollpolitik, mit der die leitenden Politiker der konservativen Partei, wie Salisbury und Balfour, schon lange liebäugeln, der Weg in England geebnet. Dieselbe würde um so schneller Eingang finden, wenn die vor einiger Zeit begonnene Verflanung in Handel und Jn-

Feuiüetsn.

Urne Moden.

Paris. — Von Sanguinikern wurde von der Welt­ausstellung ein vollständiger Umschwung und etwas wunder­sam Neues für die Mode erhofft und prophezeit; — Andere, die das Wesen der Mode vielleicht tiefer erfaßt hallen, meinten, daß Alles beim Alten bleiben, das heißt, sich ohne gewaltsamen Umsturz ruhig weiter entwickeln würde. Mit dem Beginn der Wintersaison mußte sich nun zeigen, welche

dustric weitere Fortschritte machte, zumal jeder Konsnlar- bcricht, der in England zur Veröffentlichung kommt, von immer weiteren kommerziellen und industriellen Niederlagen der Sühne Albivns in dem Konkurrenzkämpfe ans über­seeischen Märkten spricht. Namentlich die Gefährdung der englischen Baumwoll- und Eisenindustrie durch die Vereinigten Staaten dürfte einen mescniliche» Einfluß ausüben, aber nicht weniger lhun das die geschäftlichen Erfolge Deutschlands, die der Engländer stets als ihm zugefügtcs Unrecht be­trachtet. Die finanzielle Presse, die sich durch ihre wilde Schwärmerei für Chamberlain anszcichnet, redet schon längst der Schntzzollpolttik das Wort; und eins der leitenden Blätter verwies- soeben auf die wundervollen Erfolge, die Deutschland derselben verdanke. Warum sollte aber auch England nicht das Recht habe», ebenso wie andere Kolonial­reiche das nationale Erzeugniß zu schützen und sich seine Koloniecn als Absatzgebiet zu sichern? Einfach, weil der von ihni mit Beschlag belegte Theil der Welt ein so unge­heurer ist, daß eine Monopolisirnng desselben durch die so­genannte englische Rasse ein Verbrechen gegen die Mensch­heit dcdentcn würde. Sic müßte den Ruin anderer Jn- dnstnestaaien zur Folge haben, und diese schließlich nöthigen, aus Gründen der Sclbsterhaltting den britischen Koloß zur Herausgabe der Beute zu zwingen. Die nächsten sechs Jahrel iverdcn vielleicht noch nicht genügen, um es zum Aenßersten z» bringen, und danach kommt man vielleicht in England wieder zu Verstand, aber Chamberlain dürfte inimerhin Zeit finden, um ganze Bände Geschichte zu machen.

Zur jnininimj brr Bäckereien.

Daß cs der Negierung ernst mit dem Bestreben ist, bei der Ncfornl der Bäckerei-Verordnung auch die sanitären Miststände abznstellcn, welche in vielen Bäckcrcibetricbcn vorhanden sind, dürfte u. A. mich aus folgendem Erlast hcrvorgehrn, den der preußische Haudels-nndGewerbe-Minister, Herr Vrefcld, s. Z. hat ergehen lasse»:

„Nach den ans verschiedenen Bezirken vorliegenden amtlichen Ermittlinlgen, die neuerdings durch gerichtliche Feststellungen bestätigt worden sind, kann nicht wohl bezweifelt werde», daß in vielen Bäckereien erhebliche Miststände hinsichtlich der Einrichtung und Beschaffenheit der Arbeits- und BetricbSränme herrschen. Die Arbcitsräume liegen vielfach im Keller und gewähre» zu wenig Licht und Luft, die Temperatur in ihnen ist häufig zu hoch, die Sauberkeit in den Backräumcn, die Wasch- und Sitzgelegenheit für die Arbeiter lassen vielfach zu wünschen übrig. Daneben bestehen auch hinsichtlich der Ilntcrbringung der Gehülfen und Lehrlinge bei den Arbeitgebern nach den vorliegenden Ermittelungen an zahl­reichen Orten äußerst bedenkliche Miststände in gesundheitlicher und sittlicher Beziehung. Um dem gegenüber den Anforderungen, die im Interesse der Gesundheit der Arbeiter an die Einrichtung und den Betrieb der Bäckereien gestellt werden müssen, die er­forderliche Beachtung zu sichern, wird aus den Erlast weiterer reichS- gesetzlichcr Bestimmungen neben den Vorschriften der Verordnung des Bundesraths, betreffend den Betrieb von Bäckereien und Kon­ditoreien, vom 4. März 1896 Bedacht zu nehmen sein. Diese Be­stimmungen würden für alle Betriebe in Aussicht zu nehmen sei», worin Arbeiter beschäftigt werden."

von beiden Voraussagungen die richtige gewesen, und siehe, beide behalten Recht! Das wundersam Rene ist vorhanden in dem „Empire-Gewand", das aber nicht einmal den Anspruch erhebt, zur herrschenden, das heißt, für das tägiiche

Dic zuständigen Aufsichtsbehörden sind daher vom Minister ersucht worden, sich darüber zu äußern, ob diese Vorschriften un­geachtet der Verschiedenheit der Verhältnisse in den einzelnen Be­trieben und an den einzelnen Orten allgemein durchführbar er­scheinen. Im Einzelnen wird Folgendes bemerkt:

1 . Dafür, daß ähnliche Miststände wie in den Bäckereien auch in den Konditoreien bestehe», iit betten neben den Konditorwaarcn auch Väckcrwaarcn hergestcllt werden, bieten die bisherigen Er­mittlungen nur vereinzelte Anhaltspunkte. Indessen erscheint es mit Rücksicht darauf, daß auch in diesen Betrieben die Ocfen vielfach im Keller liegen und daß die Betriebsverhältnisse der „gemischten" Konditoreien denjenigen der reinen Bäckereien sehr ähnlich sind, vorläufig rathsam, die Bestimmungen auch für die­jenigen Konditoreien zu erlassen, welche Konditorwaaren und Bäckcrwanren Herstellen. Für eine solche gleichniästige Behandlung beider Arien von Betrieben spricht zudem auch die Rücksicht auf di- Konkurrcnz, die hinsichtlich mancher Maaren zwischen den Bäcke-n und Konditoren besteht.

2. Es ist davon abzusehen, über das Mindestmaß der Brett» und Höhe der Fenster und der ösfnmigsfähigen Fensterfläche Be­stimmung zu treffen oder die Festsetzung solcher Maste durch die höhere» Verwaltungsbehörden ausdrücklich vorzuschreiben. Rach der Absicht des Entwurfs sollen die in dieser Beziehung in den ein­zelnen Bezirken etwa bestehenden Vorschriften nicht berührt werden. Ebenso soll auch für die Zukunft das Recht der zuständige» Be­hörden, die Frage im polizeilichen Weg zu regeln, unberührt bleiben.

3. Die Bcstimmuuge» über die Beschaffenheit und Einrichtung der den Gehülfen und Lehrlingen vom Arbeitgeber zugewicsenen Schlafräumc werden im Wege einer auf Grund des § 120 o, Abs. 1 der Gewerbeordnung zu erlassenden Verordnung des BundeSrathS nur getroffen werden können, wenn diese Räume nach den eigen­artigen Verhältnissen im Bäcker- und Konditorgewerbe als Arbeits­räume im Sinne des § 120 a des Gesetzes nngesprochen werden können. Indem in dieser Beziehung auf das Erkcnntnist des Ober- vcrwaltungsgerichts vom 15. November b. I. und die vielfach — so insbesondere auch gelegentlich der letzte» Ausstandsbelvegung der Berliner Bäckergesellen — von den Uutcrnehniern ausgestellte Be­hauptung verwiesen wird, daß die llntcrbringung der Gehülfen und Lehrlinge beim Meister mit Rücksicht ans die Eigenart des Bäckerei- bctricbes zur ordnungsmäßigen Dilrchführmig des Betriebes un- erlästlich sei, bedarf cs der Erörterung, ob es nach den Bcrhält- nlsscn der einzelnen Bezirke geboten erscheint, die vom Meis^r gewährten Schlafräume der Gehülfen und Lehrlinge als Arbcils- räume im Sinne des 8 120 s der G.-O. anzusehen.

Aus Stadt und Kaad.

Wiesbaden, 9. Oktober.

— Grschichtsllalrnder. 9. Oktober. 1895: Sieg der

Italiener über Ras Mangascha bei Debra Asiat. 1870: Eröffnung der technischen Hochschule zu Aachen. 1846: * Georg, Fürst zu Schaumbnrg-Lippc. 1841: 's Karl Fricdr. Schinkel, berühmter Architekt, Erbauer des Berliner Museums, des Berliner Schauspiel­hauses. 1813: * Guifcppc Verdi z» Roncolc in Parma, der Komponist des „Troubadour" rc. 1555: f Superintendent Justus Jonas zu Eisfeld, der Freund und Gehülfe Luthers (* 5. Juni 1493 zu Nordhausen).

— Königliche Kchanspiele. Frau Düse hat den Wunsch geäußert, bei ihrem nur einmaligen Gastspicl in einer gewaltigeren Rolle vor das Publikum zu treten, um so mehr, als es auch das

Leben gültigen Modcform zu werden, sondern das sich ge­wissermaßen nur als eine sensalivuellc Episode dem im Uebrigen sich ungestört vollziehenden Eittmickclungsgang der Mode einfügt. So ist augenblicklich vom Rock nicht viel

Gesellschaftskleid in Empire-Form. Gesellschaftskleid mit ausacscknllttener Taille.

Kleid mit eckiger Kragen-Garnitur.