1. Beilage nun Wiesbadener Tagblatt.
♦ 470* Morgen-Arrsgaire.
Dirnstag, ders 0. Okioksr»
L8. Jahrgang. 1800.
(3. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Italienische Uächte.
Novelle vou M. Schmidt -Agrlcoka.
Schon so eifersüchtig? dachte Sonja bei sich. Aber tiefe Wahrnehmung schien sie gar nicht unangenehm zu berühren. Sie lächelte ihm freundlich zu und sagte dann, indem sie ihn einer hübschen sehr elegant gekleideten jungen Dame vorstellte: So müssen Sie seine Stelle bei Comtcssc Vera Davidoff vertreten, die ihn schmerzlich vermissen wird.
Die junge Dame nahm den ihr ans diese Weise ange- bolencn Ersatz mit Grazie auf und schien sogar eifrig bedacht, durch die Lebhaftigkeit ihrer Unterhaltung zu beweisen, daß sie den Abwesenden auch zu entbehren wisse.
Alle tugendhaften Vorsätze hinderten nicht, daß Gabor oon nun an ein täglicher Gast im fürstlichen Hause wurde, sichtlich bevorzugt vou der schönen Fürstin, eifersüchtig bewacht von Don Olimpio, wenig beachtet von dem an neue Eroberungen seiner Gemahlin hinlänglich gewöhnten Fürsten. Die anderen weiblichen Zierden des Kreises, selbst die nette Comiesse Vera, gewannen ihm nicht mehr Aufmerksamkeit ab, als die Höflichkeit verlangte. Machtlos verstrickt im Banne der Strahlenaugen Sonja Michailownas, nannte er sie wieder, wie ehedem in Meran, seine Sonne, und rechnete alle Stunden für verloren, die er nicht in ihrer Nähe zubringen durste. Doch — seltsamer Widerspruch des Menfchenherzens! — wenn die gesellschaftliche Etikette ihm jemals einen Augenblick ungestörten Alleinseins mit ihr vergönnte, wie er ihn, fern von ihr, so heiß ersehnte, dann versagten ihm alle die feurigen Liebesworte, die er sich im Stillen ausgcsonnen, dann mar er wieder der blöde Schulknabe, den der Geist seiner Mutter zu beherrschen schien, und je entgegenkommender die sieggewohnte Schöne ihn zu ermuthigen suchte, desto scheuer zog er sich zurück. War es die Stimme des Gewissens, die ihn vor dem ersten Schritt über die schmale Grenze des Erlaubten warnte? war es noch ein anderes dunkles ahnungsvolles Gefühl, das den Erguß seiner leidenschaftlichen Empfindung znrückdräugte? Gewiß war es nicht die Furcht vor den Drohungen eines eifersüchtigen Nebenbuhlers; aber selbst die Argnsaugen des Letzteren fanden keinen Aulaß, einen Streit vom Zaun zu breche».
* * *
Man hatte an heißem Tage einen Spazierritt auf schönen Waldwegen unternommen; aber ein aufsteigendes Gewitter mahnte die Gesellschaft, früher als erwünscht, den Rückweg nach der Stadt anzutreten. Selbstverständlich waren es nur jüngere Herren und Damen; der Fürst sowohl wie die mütterliche Duena waren weislich zu Hause geblieben. Gabor ritt meistens neben der jungen Fürstin, in lebhafter, vorzugsweise deutsch geführter Unterhaltung, selig wie nur ein Jüngling im begeisterten Anschauen seiner :rsten Flamme sein kann. Wie herrlich kleidete sie wieder das enganliegende Reitkleid von feinem russischgrünem Tuche und der kleine mit Federn geschmückte Reithut, den sie mit souveräner Umgehung des von der Mode beliebten, aber für Damen doppelt unschönen Cylinders gewühlt hatte! Ihre Augen sprühten von feuriger Lebenslust, ihre Lippen flössen
über von neckischen Scherzen, oft begleitet von einem silberhellen Lache», in das ihr Kavalier mit etwas tieferem Tone fröhlich einstimmle. In um so üblerer Laune befand sich dagegen der beiden nachfolgende Don Olimpio, was seine Danie, die anninthige Comtesse Vera, ganz unverdientermaßen entgelten mußte. Statt ihr seine Aufmerksamkeit zu widmen, horchte er mit fieberhafter Spannung auf jedes Wort, das er etwa von dem fröhlichen Geplauder des anderen Paares erhaschen konnte, das aber für ihn meistens gar keinen Sinn hatte, weil seine Kenntniß der deutschen Sprache sehr unvollkommen war. Deshalb ärgerte es ihn doppelt, daß jene beiden sich mit Vorliebe der ihm so unstzmpathischeu Sprache bedienten, besonders wenn sie, wie eben wieder, ihre unerschöpflichen Meraner Erinnerungen anstanschien. Ihr Lachen und Scherzen, wie völlig harmlos es auch war, klang ihm wie eine Verhöhnung. Ohne allen Grund spornte er sein Pferd zu rascherem Trabe. Aber seine Mißstimmung und Unachtsamkeit hatte nur den Erfolg, daß das Thier über eine Baumwurzel stolperte und einen unfreiwilligen Kniefall ausführte, er selbstverständlich mit. Beschämt überein Ungeschick, das ihm, dem sonst so gewandten Reiter, nicht hätte zustoßen dürfen, richtete er sich schnell wieder empor und bemühte sich, den kleinen Unfall mit Lachen abznthun; aber das Pferd hinkte, und sein Fuß schmerzte empfindlicher, als er cingestehcn mochte. Die besorgten Fragen der Damen, ob ec sich weh gethan habe, reizten ihn zu immer herberer Stimmung. In Sonjas Augen eine nur halbwegs lächerliche Figur zu spielen, war ihm ein unerträglicher Gedanke. Aber er hatte wenigstens die Genugthuung, ihrer übermüthigeu Laune ein Ziel gesetzt zu sehen; denn ihn auszulacben durfte doch das einfachste Anstandsgefühl weder ihr noch ihrem Gefährten erlauben.
Die in ihm kochende Wuth mit Mühe verbeißend, sagte er, zunächst gegen Vera gewendet: „Zur Strafe für meine Ungeschicklichkeit, die Sie erschreckt hak, werde ich dort beim nächsten Wege abschwenken nach der Villa des Tourelles. Ich kann nicht mehr in gleichem Tempo mit Ihnen bleiben, und Sie müssen sich beeilen, die Stadt zu erreichen, ehe das Gewitter losbricht. Herr von Szelinyi wird wohl die Güte habe», mich zu begleiten."
„Warum nicht gar?" fiel Sonja eifrig ein. „Wollen Sie auf einmal dem Unfall, über den Sie eben gelacht, so große Bedeutung beimessen, daß Sie deshalb fahnenflüchtig werden und uns auch noch einen andern Kavalier entführen möchten? Der Groom kann Sie ja begleiten, kann für das Pferd sorgen, und Sie können uns später Nachfolgen. Sie wissen ja, daß der Fürst zu seiner Spielpartie auf Sie rechnet."
„Ich fürchte, Seine Durchlaucht wird mich heute entschuldigen müssen. Sie sehen, daß ein sehr schweres Gewitter heranzieht, und Herr von Szelinyi wird wohlthun, gleich mir den nächsten Weg nach Hause einzuschlageu."
„Die Nothwendigkeit sehe ich gar nicht ein", entgegnete die Fürstin. „Im schlimmste» Falle könnten ja die Herren in unserem Hotel übernachten."
Dieser an sich ganz unverfängliche Vorschlag schien für den südamerikanischen Othello mit Jdeenassociationen verknüpft, die ihn mit wahnsinnigem Entsetzen erfüllten. „Auf die Gefahr wird es Herr von Szelinyi docht nicht ankommen lassen", versetzleer, immer eifriger in den Letzteren dringend.
daß er ihm folgen solle. Aber gerade dieses Drängen reizte nun auch Gabors Trotz.
„Bin ich denn ein Kind, daß ich mich vor Blitz und Donner fürchte» soll? Sie sind zwar beträchtlich älter als ich, aber zum Hofmeister über mich hat Sie doch Niemand gesetzt."
„Bravo, Gabor!" trinmphirte die Fürstin. „Befehle nimmt ein edler Ritter nur von seiner Dame an. Lassen wir Don Olimpio thnn, was er will; aber wir bleiben bei der Fahne."
Die vertrauliche Anrede seines Nebenbuhlers steigerte den verhaltenen Grimm des Eifersüchtigen bis zur Wuth. Dicht an Jenen heranreitend, raunte er ihm zu: „Wissen Sie noch, was ich Ihnen damals in der Nacht nach dem Fest auf uuserm gemeinschaftlichen Heimweg gesagt habe?"
„Ich weiß es noch ganz genau, und Sie werden sich ebenso gut erinnern, ivas ich Ihnen antwortete. Ich verlasse mich ans Ihre Ehre, wie Sie auf die meinige vertrauen können."
„Auf Tod und Leben?" knirschte Olimpio.
„Auf Tod und Leben!" wiederholte Gabor mit ruhiger Entschiedenheit.
Dann wandte er sein Pferd und folgte der Fürstin, welche die von ihrem Kavalier verlassene Vera an ihre Seite gezogen hatte.
„Das klang ja wie eine Herausforderung", sagte das junge Mädchen ängstlich. „Sie werden sich doch nicht mit Don Olimpio schlagen wollen, Herr von Szelinyi?"
„Dazu sehe ich noch keinen Grund ein", antwortete dieser. „Ich begreife überhailpt nicht, warum er so aufgebracht ist. Vermnthlich hat er sich bei dem Fall doch mehr verletzt, als er eingestehen will, und ich bereue eigentlich, daß ich nicht kameradschaftlich mit ihm gegangen bin."
„Welch sentimentale Idee, die einem Peustonsmädchen besser anstehen würde, als einem jungen Kavalier! Der Brausekopf wird sich schon wieder beruhigen, und wenn er uns nicht nachkommt, muß er sich auf eine Strafpredigt gefaßt machen, die ich ihm morgen halten werde. Uebrigens leisten Sie ihm ja einen kameradschaftlichen Dienst, indem Sie jetzt zwei Damen unter Ihren Schutz zu nehmen haben."
„Die als gewandte Reiterinnen meines Schutzes gar nicht bedürfen", erwiederte er galant; „und vor Blitz und Donner kann ich Sie doch nicht beschirmen."
Der erste Blitz hatte schon das dunkle Gewölk durchfurcht; der Donner folgte schnell genug, um zu bezeugen, daß Gefahr im Verzage sei. Die Kavalkade setzte sich in rascheren Trab; doch gelang es ihr nicht, die Stadt zu erreichen, ohne wenigstens eine kleine Probe von der Unbill des Wetters davonzutragen, die allseitig mit gutem Humor entgegengeuoninien wurde. Der Fürst war sichtlich erfreut, seine Gemahlin wohlbehalten zn Hause zu sehen, anfangs sehr ungehalten über die Abwesenheit seines gewohnten Spielgenossen, bald jedoch philosophisch getröstet durch den Ersatz, welchen ein gefälliger Nachbar versprach. Bei der bekannten reizbaren Gemüthsart des Brasilianers fiel es Niemand ein, dem Zwischenfall eine ernstere Bedenlnng beizulegen; im Gegcntheil schien das Souper, trotz der obligaten Begleitung von Blitz und Donnerschlägen, gemüth- licher ohne den Gast, dessen Empfindlichkeit schon manches Mal unliebsame Störungen verursacht hatte.
lNorttetznng solgt.)
Webergasse 2i.
Telephon 700*
Webcrgasse 21.
Telephon 7ßO.
Bedeutend vergrössert
sind die Räume für meine Putz-Abtheilung.
Oie Ausstellung ist eröffnet
und empfehle ich dieselbe *ur Besichtigung.
Ausgestellt sind: Original-Modell-Hüte, garnirte Hüte, Sport-Hüte in Wiener und engl. Genre,
ungarnirte Filzhüte, deutsche, Pariser und Wiener Qualitäten, Kinder-Hüte, Federn, Sammet, Bänder und alle Zuthaten für Putz.
Grosses Sortiment in Neuheiten von SdllGlGril,
beginnend von 17 Pf. per Meter mit Tupfen.
13709
