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Verlag Lauggafse 21

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Zreilag, 30. Kpril 1915.

Morgen- Ausgabe.

Nr. 199. ♦ 63. Jahrgang.

Oie kZohenzollern 500 Iahre in der Mark.

Der 30. April ist der Tag. an dem vor 500 Jahren dem Burggrafen Friedrich vonNürnberg die Kur- und Erz- tämmererwürde mitsamt dem erheblichen Besitz der brcmden- burgischen Lande vom Kaiser Sigismund urkundlich über- tragell wurde. Seit diesem Tage gibt es Kurfürsten von Brandenburg aus hohenzollernschem Stamm. In die Mark selbst gekommen ist Friedrich als Statthalter des Kaisers schon 1411; in den Jahren darauf vollendete er die Nieder­werfung der widersetzlichen Landstände, insbesondere der Ouitzows, so datz er nach der Belehnung auf dem Reichstag in Konstanz in ein befriedetes Land kam. Klein war das Ländchen und des deutschen Reiches Streusandbüchse hieß es; nicht viel mehr als 300 000 zählte die Einwohnerschaft Bran­denburgs, und lange, mühselige Arbeit war nötig, bis es für den Tatendurst der tzohenzollern eine ausreichende und ge­nügend feste Grundlage bot, bis sie also von ihren Aufgaben in den Ämtern des Reichs sich zurückzogen, um im Norden das eigene Haus zu bauen und das eigene Feld zu be­stellen. Es gehört zu den Ruhmestiteln unseres Kaisers, datz er seinen Vorgängern bis zu den ersten Kurfürsten hin immer rege Dankbarkeit bewahrt und dafür gesorgt hat, datz ihr An­denken nicht im Volk der Mark verschwinden kann. Stolz pfleg: bei allen großen Gelegenheiten auf dem Kaiserschloß an der Spree neben der Kaiserlichen und Königlichen Fahne das brandenburgische Panier zu wehen mit dem roten Adler im weißen Felde. Und wenn auch jetzt in Kriegs- zeiten, wo Deutschland von der Großmacht den Schritt zur Weltmacht tut, kaum viel Mutze sein wird, fünfhundert Jahre den Blick zurückschweifen zu lassen, das „Hie guet Zollern allerwege" und das Trutzwort aus Kleists „Prinzen von Homburg": „In Staub mit allen Feinden Brandenburgs" ist foweithin in Stadt und Land bekannt, das; auch die Er­innerung an den 30. April 1416 freudigen und dank­baren Widerhall wecken wird.

Deutschlands Feinde haben den Sinn der deutschen Geschichte nicht begriffen. Mit Staunen haben wir er­lebt, datz sie nicht bloß auf den Hader der Parteien, son­dern auch auf die alten Gegensätze deutscher Stam­meseigenarten ihre Hoffnung setzten. Ein geistig blinder englischer Lord hat der Jnsulanerbeschränktheit seiner Landsleute sogar das Bild vorgegaukelt: Deutschland als

harmloser Packesel, wie es geritten und vorwärts gespornt wird von dem unersätzlichen Preußen. Die Wahrheit selbst schmerzt eben allzu sehr. Daß Deutschlands Volk nun endlich in den Kranz seines Volkstum? alle Kräfte seiner Stämme vereint gesammelt hat um die starken, monarchischen Gewal­ten seiner Fürsten und diese mit dein Volk wieder um den Träger der Kaiserkrone, das muß ihnen zum zweitenmal in gewaltigen Schlägen zu Gemüts geführt werden, diesrnal so durchgreifend, datz sie es nie mehr vergessen. Aber auch von den Feinden soll man lernen. Es ist doch nicht ganz ohne unsere Schuld geschehen, daß sie in Preußens herber, aber gewaltiger, männlicher Geschichte so schlecht bewandert find. Auch Braiidenburgs und Preußens Werdegang ist mehr als ein Aneinanderreihen von Ländern, als der Aufbau eines Sonderstaatswesens mitten in Deutschland. ES handelte sich von Anfang cm um eine großehistorischeMissi o n, als das Zollernhaus sich eine Hausmacht gründete, und wunderbar hat der Lenker der Völkergeschicke von kleinsten Anfängen zu den höchsten Höhen dies Haus, das aus Süd­deutschland nach dem Norden verpflanzt wurde, geleitet, da­mit es Deutschlands neues Reich schuf und diesem Reich in märkisch-preußischer Zucht, Ordnung und Organisation ein starkes, bewährtes Gerüst, dem Reichsvülk ein allen Stürmen gewachsenes Staatsgefühl geben konnte. Was „Vaterland" im großen, im ivahrhaft politischen Sinne des Wortes ist, das will erlebt sein. Wir können uns die brandenburgische und preußische Geschichte nicht hinweg­denken, ohne ärmer zu werden im Erleben deutschen Vater- landsgesühls. Wa's die Zollern uns Deutschen, gleichviel welchen Stammes und ohne die Verdienste der andern alten deutschen Fürstengeschlechter zu verkleinern, gewesen sind, von dem Tage an, da sic vor fünfhundert Jahren den Boden der brandenburgischen Mark betraten, das läßt sich nicht ohne ehrfürchtige Schauer aussprechen: so wunderbar hat Gott

über diesem Hause gewaltet und es zu Deutschlands Heil und Segen geleitet. Auch die Erinnerung an diese Tatsache wird und kann nur die Siegeszuversicht unseres Volkes in seinem jetzigen schweren Kampf erhöhen. Hobenzollern heißt das Geschlecht, den: unser Kaiser angehört, zur Höhe geht sein Weg, und kein Feind, kein Dreiverband wird imstande sein, diesen Weg zur Höhe zu verbauen. „JnStaubmitallenFeindcnBranden- b u r g s!"

Der Krieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen.

Sven Hedin über die Rarpathenhelden.

W- T.-B. Wien, 29. April. (Nichtamtlich.) Sven H e d i n, der sich gegenwärtig bei den Karpathentruppen auf­hält,'erklärte dem Berichterstatter des „Neuen Wiener Jour­nals": Die Haltung Ihrer Truppen hatte für mich ge­

radezu etwas Feierliches. Diese Männer haben im winterlichen Gebirgskrieg an Strapazen und Entbehrungen vielleicht mehr als irgend welche Menschen früher erduldet. Sie können nicht genug bewundert werden. Daß die Soldaten diese Leistungen zu vollbringen vermochten, ist nur so erklärlich, datz jeder einzelne sich bewußt war, wieviel für das Vaterland von seiner Haltung abhing. Sven Hedin expo- nierte sich bei seinem Besuche der österreichisch-ungarischen Stellungen so stark, daß eine russische Granate in seiner nächsten Nähe explodierte, so daß er und sein Begleiter mit Erdstücken überschüttet wurden.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Keine größeren Veränderungen.

W. T.-B. Wien, 29. April. (Nichtamtlich. ) Amtlich verlautet vom 29. April: Die allgemeine Lage ist un­verändert.

An der Front in Russisch-Polen und in den Karpathen an mehreren Abschnitten heftige Ge­schützkämpfe. Unsere Artillerie feuerte mit sehr guter Wirkung gegen russische Unterkunft s- stellen und Munitionsobjekte. Im O p o r- t a l e versuchte der Feind nach mehrstündigen erfolg­losen Kämpfen noch einen Vorstoß gegen die Höhcn- stellung unserer Infanterie, wurde jedoch nach kurzem Kampf an der ganzen Front a b g e w i e s e u.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Die Gründe der wirtschaftlichen Mitzstände in Rußland.

W. T.- B. Petersburg, 28. April. (Nichtamtlich) Menschikow gibt einen Überblick über die Taffachen, die aus dem Handclskongreß als Ursachen der M i ß - st ä n d e in Rußland aufgestellt wurden, nämlich die Vermin­derung des Kredits, das Abziehen der Arbeiter in die Armee, das Sinken des Rub elkursc s und die Er­nüchterung des Volkes, das deshalb nicht mehr gezwun­gen sei, sein Getreide für Schleuderpreise zu verkaufen. Er führt weiter aus, daß die kaufmännische Spekulation trotz­dem bei den Mitzständen eine große Rolle spielt.

vie «„geminderte Trunksucht in Rußland'

W. T.-B. Petersburg, 28. April. (Nichtamtlich) „Rjetsch" führt in einem Leitartikel aus, daß das Alkoholverbot seine Wirkung verfehlt habe. Dies beweise die Entdeckung vieler heimlicher S ch n ap s b r e n n er e i e n und die Verwendung zahlreicher Surrogate. Außerdem verbreitet sich aus dem flachen Lande dadurch das Hasardspiel. Das einzige Mittel, der eingewurzelten Alkoholsucht wirksam zu begegnen, sei die Beschaffung besserer Unterhaltung für das Butt und die Einführung von Lesehallen und volkstümlicher wissenschaftlicher Aufklärung. Sonst sei zu befürchten, daß nach dem Kriege alles im alten Geleise bleibe, da mit dem Verbot allein nichts zu erreichen sei.

Russische Getreideausfuhr nach Frankreich.

W. T.-B. Lyon, 28. April) (Nichtamtlich.) Blättermel- duugen aus Petersburg zufolge hat die Regierung sür April die Ausfuhr von 60 Millionen Pud Getreide im Werte von 100 Millionen Rubel nach Frankreich gestattet..

Die Gründe der Schließung des Hafens von Abo.

Stockholm, 28. April. (Ktr. Bin.) Der Hafen von Abo ist seit einiger Zeit für schwedische Schiffe gesperrt. Man hatte diesen Schritt in Schweden auf eine unloyale Kon­kurrenz der finnlandischen Schiffsgesellschaft zurückgeführt. Nun hat der hier weilende finnische Kommerzienrat Krogius in einer Unterredung mit einem Mitarbeiter von „Dager.s Nyheter" diese ungerechte Beschuldigung zurückgewiesen und mitgeteilt, daß die Schließung des Hafens von der russi­schen Marinebehörde veranlaßt worden sei, die zu dieser Sperre durch das fortgesetzte Austauchen deutscher Unterseeboote gezwungen wurde.

Geraubte deutsche landwirffchaftliche Maschinen in Rußland.

Berlin, 28. April. Die „Rjetsch" vom 14. April teilt mit: Die in Ostpreußen erbeuteten landwirtschaftlichen Maschinen wurden unter die notleidende Bevölkerung der Gouverne­ments Wilna, Kowno, Grono und Suwalki verteilt.

Aus dem ungarischen Abgeordnetenhaus.

W. T.-B. Budapest, 29. April. (Nichtamtlich) Abgeord­neter Stefan begründete im Abgeordnetenhaus einen An­trag, datz durch eine Ergänzung zum Wahlrechtsgesetz für das Abgeordnetenhaus a.lle u im Felde stehenden Soldaten das Wahlrecht verliehen werden soll. Ministerpräsident Tisza lehnte den Antrag mit dem Hinweis darauf ab, daß das Wahlrecht nicht als. eilte Belohnung aufzufassen sei, und daß die Annahme des Anloags die Bedeutung hätte, daß auf Umwegen das allgemeine Stimm: wecht

eingeführt würde, was er grundsätzlich bei aller Achtung für den Heldenmut der Truppen nicht für zulässig erachte. Der Antrag wurde mit Stimmenmehrheit abgelehnt.

Noch einige Gerettete vom „Löon Gambetta".

Br. Mailand, 29. April. (Gig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die beiden von Brindisi aus zur Hilfeleistung des „Leon Gambetta" entsandten italienischen Torpedoboote 32 und 38 fanden, als sie gestern mittag, also 32 Stunden nach dem Untergang des Schiffes, eintrafen, noch einige Dutzend

völlig erschöpfte!: französischer Matrosen aus dem Meere treibend. 25 von ihnen wurden noch gerettet, darunter der einzige Offizier, der von dem Offizierkorps des „Leon Gambetta" übriggeblieben ist. Die Zahl der Opfer beträgt demnach rund 700.

*

Eine neue serbische Verleumdung unseres Bundesgenossen.

W. T-B. Wien, 29. April. (Nichtamtlich.) Die „Poli­tische Korrespondenz" meldet: Die von dem serbischen Regie­rungsorgan in Fettdruck gebrachte Nachricht, österreichisch­ungarische Offiziere seien in das serbische Kloster Rava- n i c a in Fruskagora eingedrungen und härten die dort aus­bewahrten Gebeine des serbischen Zaren Lazar in barba­rischer Weise vernichtet, beruht auf reiner Erfindung. Die von dem Kommando der Balkanstreitkräfte angevrdneten Erhebungen haben ergeben, wie nicht anders zu erwarten, daß auch die Ortschaft Ravanica in keiner Weise ge­plündert oder zerstört worden ist. Die von der „Samou- prava" aufgegriffene Tatsache, daß die Gebeine, des serbischen Nationalhelden von Kossowopolja seit 1889 in der Monarchie' ruhen, konnten jedoch zum Anlaß genommen werden, daran zu erinnern, wie sie dahin gekommen sind. Sie wurden nach der Schlacht in der Kirche von Prieschtina beigesetzt, 1391 nach Ravanica im Marawatale übergeführt und gelangten erst im 17. Jahrhundert, als die Bewohner des heutigen Serbiens, dem Drucke der Türken weichend, unter dem Szepter der Habsburger gastliche Aufnahme fanden, nach Südungarn, und zwar zuerst nach Szentandras, dann nach dem Kloster Brdnik, welches erst später nach der früheren Ruhestätte der serbischen Zaren Vrdnik-Ravanica genannt wurde. Wie die Serben unserem Königreich die Gast- fr e u n d s ch a s t, die ihre Volksgenossen auf ungarischem Boden fanden, lohnen, beweisen die groß-serbischen Wühle­reien der letzicn Jahre, welche den Anlaß zu dem Weltkriege gegeben haben.

vom ersten Nampf um die Dardanellen.

„ . . «•*)

Langsam und vorsichtig glitt gegen 2 Uhr nach­mittags des 26. Februar zunächst ein englisches Linien­schiff mit drei Zerstörern in die Einfahrt. Seine mittlere Artillerie belegte wieder die stark beschädigten Außenforts. Die schweren Geschütze begannen noch halbrechts vorwärts gegen Fort Dardanos zu wir­ken. Doch vor der Heftigkeit der türkischen Antwort sah der Gegner sich genötigt, zwei weitere Linien­schiffe in die Enge zu schicken. Um drei Uhr lag eine Salve auf dem ersten Briten und zwang ihn zum i- drehen und Auslaufen. Urn fünf Uhr folgten die bei­den anderen nach. Im Dunkel der anbrechenden Nacht schickte der Feind mit schwachen Kräften sich v e r g c b- lich zu einem Landungs versuch bei den be­schädigten Außenforts an. Am nächsten Tage wiederum m der Enge erscheinend, unterhielt er nur für kurze Zeit ein schtvaches Bombardement, das trotzdem ein hallendes Echo in seiner Presse fand. Überhaupt ar- beiten die Engländer oft nur für die Zeitungen. Nach Abgabe weniger Schüsse ohtle Resultat meldete ihr Admiral der Heiinai von langer wirkungsvoller Beschießung. Wenn das Meer spiegelglatt und das Wetter paradiesisch schön war. berichtet er, Seegang und schlechte Witterung hätten seine Flotte zu Untätigkeit verdammt. England sollte wähnen, daß er in Vorbe­reitung eines entschlossenen Angriffs die Hände rühre, während sein Tun gerade in jenen Tagen wieder be­stätigte, daß der Reiso n s ch e A n g r i sf s g eist von britischen stzommandobrücken geflohen ist.

Am letzten Tage des Februar ruht 'der Feind, am Nachmittag des 1. März trägt er mit vier Linien­schiffen einen zaghaften Angriff in die Ein- fahrt. Ein türkischer Flieger streut von oben Bomben. Unsere Haubitzenbatterien, die der Feind vergeblich zu erkunden versuchte, halten ihn ständig in Bewegung, erzielen sieben Treffer und schicken ihn heim. Im Dunkel des Abends gelingt den Engländern das Lan­den schwacher Kräfte zu beiden Seiten der Einfahrt, aber türkische Infanterie jagt die Briten bald zu den Booten zurück. Nach Mondaufgang werden feind­liche Minensucher in der Enge sichtbar und durch Feuer verscheucht.

Beim Angriff des 3. März liegen zum erstenmal britische Granaten in Fort Dardanos. Aus fernen Bc- obachtungsständen sieht die Beschießung gefährlich aus, doch richtet sic keinen S ch a d e n an. Der nächste Tag bietet das gleiche Schauspiel. Ein Flieger unter­stützt das feindliche Feuer durch Bombenwerfen.

Fort Dardanos liegt zwei deutsche Meilen vom Mund der Enge auf dem asiatischen User. Begleitet von einer weißen Landstraße steigt cs zu flachen Hügeln mit Weinbergen und Gärten an. Steilere und oft steinige Höhen treten dichter an das europäische Ufer. Doch pflügt auch hier auf buckliger Erde der Bauer sein Feld. Häuschen, scheinbar uralt und grau wie die

*) Ver«l. Nr. 194 des „Wiesbadener Tagblatts?.