Neues vom Büchermarkt
rkriegsNteratur.
„Aus dem großen Kriege/' Dramatische Szenen von Karl Haupt mann. Der Dichter versucl>t cs, in diesen wild phantastischen Einzelszenen das ungeheure Wesen des Krieges in seinem Urgründe zu fassen, das Zeitliche nn Symbolen zum Mythischen zu erheben. Ein Vorhaben, das ganz nur einem Großen gelingen könnte. Bei Karl Hanpt- ' mann gewahrt man das «rohe Streben und Ringen, in manchen visionär geschauten Bildern auch ein Gestalten: die Leiden Opfer der Kosakenwut, die Szene im belgischen Dom oft aber bleibt die Schöpferkraft hinter der Absicht zuruck und der Stil schwankt zwischen Realistik und Phantastik allzu sehr: die letzte Szene: das Genie und die Gespenster, laßt .sich überhaupt kaum m ihren Wirren enträtseln. Etwas mehr von dem unbefangenen Schauen der Dinge, wie sie dem '«roßen Bruder des Dichters eignet, und das Gedankliche hätte sich auf dem sicheren Grunde einer Wirklichkeit empor- geLaut, der sich hier oft verirrende Tiefsinn Ware nur die Steigerung eines klaren Sinnes.
* Tat-Bücher für Feldpost, Heft 6, 8, 9: »Sieg oAer Tod." Reue KriegsgednOe. „Der Äeutsche Bekenntnisse und Forderungen unserer Klassiker, /che Politik" Gedanken von Heinrich von
_f ch k e. sVerlegt bei Eugen Diederichs in Jena.)
Auch diese neuen Heftchen entsprechen ihrem großen Zwecke, mitten im Bölkerkampfe den neuen deutschen Idealismus der Zukunft aufzubauen. Die neuen Kriegsdichtilngen sind meist im Felde entstanden, ihre Schlichtheit und Unmittelbarkeit verleiht ihnen eigensten Wert: auch das so tief ergreifende (ssedicht der deutschen Mutter, der Rachruf an den gefallenen Sohn hat Aufnahme gefunden, daneben stehen Lieder von bereu Dichtern, G. Falke, Rud. Herzog, Presbcr, v. Lauft
ob» er )vo Mensch." '..D e u t s ch Treitsch-
groben Zeit des
kannteren_,_, ,
usw. Rr. 8 enthält Weisheitsworte aus ,
klassisthen Idealismus, darunter vieles, das gerade ftir unsere Tage geschrieben zu sein scheint, längere und kürzere Abschnitte aus den Werken von Goethe, Schiller, Herder, Kant, SB. v. Humboldt usw. So soll unserer nationalen Bewegung der feite Untergrund einer humanen Menschheitsblldung erhalten bleiben. Und besonders wertvoll erscheint der Auszug aus Heinrich von Treitfchkes Vorlesungen über Politik. Hat in England jüngst mit anmaßendem Hochmut em. Gelehrter wieder es verkündet, daß der Staat nichts ist als ein zufällig entstandener Vertrag ohne sittliche oder persönliche Bedeutung, so sagt uns hier der größte Prophet des deutschen nationalen Gedankens, was unS Gemeinsamkeit und Staat bedeuten, was für uns wahre Freiheit i,t, welche sittlichen Kräfte uns in dem monarchischen Gedanken, m unserem Heerwesen verborgen liegen. Auf Schritt und Tritt erkennen wir so die Rückständigkeit und Plattheit der allgemeinen Anschauungen, auf denen die Polemik unserer Gegner, gegen deuische Volkskraft und deren Ausdruck, den „Militarismus , beruht. In diese Dinge sich erneut zu vertiefen, wird durch diese Sammlung auch den Mitkämpfern da draußen cr- miüglicht.
„Vom großen Abendmahl." Verse und Gedanken aus dem Feld von Walter Flex. (C. H. Becksche Verlagshand- !lung Oskar Beck, Münchens In welchem religiös-mystischen Sinne dieser Dichter das Werk unseres Volkes erschaut, verkündigen die schönen Verse des Eingangsgedichtes: es ist ein großes Abendmahl: Gott heiligt unser Volk, und es erlebt im Wcltbrand der Entsühnung Opevffeier. Dasselbe sagt der trostreiche Tiefsinn seines Weihnachtsmärchens von den toten Soldaten, das der Dichter selbst bei der Cbristfeier im Felde vor dein tanneirhekrönzten Altäre der Dovfkirche vortrug. Ob Ähnliches bei unseren Feinden möglich wäre? Und ebenso zeugt der Feldbrief mit seinen „Rochtgedanken" von den heiligen Offenbarungen, mit denen dieser Krieg Licht ,n unser Leben schüttet. Das Büchlein gehört zu den innigsten Schöpfungen, die diese Zeit hervorbrachte.
* „Der deutschen Seele Trost." Weltliche und geistliche Gedichte, gesammelt von Wilh. Vesper. (C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung, OSkar Beck, München.) Unter den vielen poetischen Blütenlesen, die gerade in unseren .Nöten zur Erbauung des Innenlebens mehr als je begehrt .werden, darf dieses Buch als besonders wertvoll hervorgehoben »werden. Ein Dichter hat die Auswahl getroffen, der selber ifür unser Empfinden den rechten Ausdruck fand. Trost in Gott, Trost in der Natur, Lebensmut. Vom Tode, Freiheit /und Vaterland heißen die einzelnen Abschnitte, in denen nur die Stimmen der Vergangenheit ertönen; gerade darin, in der ruhigen Saminlung des Gemütes, die als Grnndstimmung vorherrscht, liegt der eigentliche und einheitliche Charakter dieser feinsinnigen Anthologie.
„Die siebente Großmacht." Ein Roman von Alfred Schirokaner. (Berlin, Oesterheld u. Co., Verlag.) In schwacher Stunde schrieb oer begabte Verfasser des Lassalle-
Rcnnans diese vielfach sensationell ausgepichte Geschichte, an? unserer Zeit mit ihren romantischen Begebenheiten, ihren bösartigen oder edlen Bestrebungen. Als unterhaltend und lebendig dargestellte Gelegenheitsarbeit mag das Buch durchgehen.
„Germanisches Heldentum." Altgermanische Lebens- zeugniffe. (Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena.) Tat- Bücher für Feldpost, Heft 7. Einer der Mitarbeiter an Diederichs großem Sammelwerke Thule hat hier Zeugniffe von altgermanischer Kraft und Tüchtigkeit zusammengetragen, die unseren Kämpfern da draußen den großen.Zusammenhang des nationalen Lebens über Jahrtausende hinweg offenbaren, Bilder aus Geschichte und Sage, eingeleitet durch eine großzügige Charakteristik des gernianischen Volkstums mit seiner wahrhaften Kultur. Daß solche Hefte den Deutschen in die Schützengräben Nachfolgen, ist bedeutsames Symbol unserer Geistesart.
* „Chronik des deutschen Krieges", nach amtlichen Berichten und zeitgenössischen Kundgebungen. Zweiter Band. Von Mitte November 1914 bis Mitte Januar 1915. Mit acht Bildnissen und einem Kärtchen. (C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung, Oskar Beck, München.) Auch der zweite Band der Beckschen Kriegschronik wird dem Leser ein gewissenhafter und zuverlässiger Führer durch die jetzt noch kaum zu überschauende Flut der Ereignisse werden. So weit es eben schon möglich ist, wird das Quellenmaterial selbst in voller Ausführlichkeit gegeben, frei von Men subjektiven Zutaten: die Dinge selbst reden zu uns in ihrer eigenen, gewaltigen Sprache. Neben den militärischen und poliftschen Dokumenten sind auch die bedeutendsten, sicher fcstgelegten Äußerungen führender Männer wiedergegeben. Eine einleitende Darstellung von Oberstleutnant a. D. K. Freiherrn von Luvin orientiert über den Verlauf des Krieges bis Mitte Mörz 1915. Die geschmackvolle Ausstattuiia wie das handliche Format des Bandes wird besonders willkommen sein.
Länder- und Völkerkunde.
* „Deutsch-Nordisches Jahrbuch fürKulturaustausch und Volkskunde 1914." Herausgcgeben von Walter Georgi im Aufträge des Deutsch-Nordischen Touristenverbandes. Mit 22 Abbildungen. (Verlegt bet Eugen Diederichs in Jena.) Im Jahre der großen Baltischen, alle Ostseevölker zur Heerschau ihrer Kultur in Malmö vereinigenden Ausstellung erscheint dieses schöne Jahrbuch, daS das Band noch enger sLtingen will, das die germanischen Nationen verbindet, durch intensivere Kenntnis der nordischen Verhältnisse, ihrer eigenartigen Landschaft, des Völkerlebcns, der mächtig emporstrebenden Kultur. So hängt dies Unternehmen auch zusammen mit dem großen Sammelwerke des gleichen Verlages „Thule" beide dienen dem germanischen Gedanken in seiner tieferen volkspsycholcgi scheu Bedeutung. Der Tourist speziell, der seine jetzt zur Mode gewordene Nordlandsfahrt antritt, wird in dem Buche lernen, seine Reise fruchtbar zu machen zum Eindringen in die gesamte uns im Innersten verwandte Eigenart der skandinavischen Völker. So finden wir hier Landschaftsschilderungen, kleine Aufsätze über soziale und künstlerische Verhältnisse, Fragmente nordischer Dichtungen, alle Stücke wertvoll und anregend, dazu durch vortreffliche Abbildungen erläutert.
* „Die Milchstraße." Bon Dr. Fritz Kahn. Mit zahlreichen Abbildungen nach Zeichnungen und Photographien. Stuttgart, Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde (Franckhsche Verlagshandlung). Hinter dem schlichten Titel dieses Büchleins verbirgt sich eine geistvolle und mit außeroerdentlicher Sachkenntnis und feuriger Hingabe geschriebene Entwicklungsgeschichte des Weltalls. Der Verfasser zeigt uns, ausgehend von dem Weltbild, das sich die Gelehrten des Altertums zurecht gelegt hatten, wie sich uns, von Erfindung zu Erfindung fortschreitend, das Geheimnis der Sternenwelt immer mehr entschleiert hat.
Lehrbücher.
* „Beerenobst". Käthe Roch-Nicolai hat eine Samm- lung von durchweg erprobten Rezepten von der Anwendung des Beerenobstes in der Küche heransgegeben. An 149 Anwendungen, ein stattliches Bändchen der Ratgeber-Bibliothek „Mein Sonntagsblatt". Man findet darunter Aiezepte über die Verwendung von Beerenobst zu Saucen, Mehlspeisen, Cbaudeaur, Bäckereien, Torten, Sulzen, Cremes. Eis- und Eisbomben, Bowlen, Säften, Beerenweinen und Champagner, Essig, Likör. Sorbett und schließlich zum Einkochen in Dunst, zu Marmeladen, Jam usw. Ein Anhang belehrt über die Zuckergrade, über die Bereitung von Chandeaux, Dunstsiederei, Fruchtgelee, Jam und über die Herstellung von Gefrorenem. Dieses Büchlein betitelt „Beercnobst von Käthe Rock-Nicolai ist im Verlag von der L. V. EnderSschen K.-A. in Neutitschein erschienen.
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