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Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-Preis: durch den Verlag SO Pfg. »»»»«rlich, durch die Post L Alk. «O Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Uo. 463 .

Fernsprecher No. 58.

Freiing, den 3. Oktober.

— Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

Fernsprecher IM». 52. 1900 .

Abend ■Ausg«ite.

FmMW Serial- utiü ftoloäial-jMitili.

Unser Pariser ^.-Korrespondent schreibt uns unterm Z. Oktober:

Immer und ewig der „cas Millerand!“ Hatte schon der internationale Socialisten-Kongreß so ziemlich seine ganze Zeit darauf verschwendet, um ihn endlich mit Ach und Krach und allerlei sophistischen Wortklaubereien erledigen zu wollen, aber nicht zu können, so hat der am letzten Sonntag beendigte nationale Socialisten-Kongreß diese unglückliche Frage mit ungleich gröberer Vehemenz ausgenommen und behandelt, um auch diesmal kläglichen Schiffbruch zu erleiden.

Hatte dir Anwesenheit der Ausländer am internationalen Kongreß den Franzosen einige Zurückhaltung im Austragen ihrer Händel auferlegt und sie einige Würde in der Ver­handlung beobachten lassen, so fiel diese Rücksicht beim zweiten Kongreß weg. und die Folge davon war die Secession der Gursdistcn, sobald sie sich gänzlich der Hoffnung beraubt sahen, ihre Sache im Augenblick zum Sieg gelangen zu lassen. Der Ausfall dieses Kongresses muß für die socialisiische Partei als wenig erfreulich an­gesehen werden, da dieser nach der Secession rechtsgültig ja nicht mehr allgemeiner Socialisten-Kongreß mar, und seine Beschlüsse von einer starken Minorität nicht im Geringsten anerkannt wurden. Der Kampf zwischen den beiden Parteien wird nun in allen socialdemokratischen Kreisen heftiger als je fortgesetzt, und wie feierlich man auch die „Einheit* der kollektivistischen Parteien verkünden möge, man ist in Wirklichkeit sehr weit davon entfernt.

Die heutige Krise der französischen Socialisten ist eine überaus charakteristische Phase in der Entwickelung dieser Partei und findet oder wird sein Pendant bei den Social­demokraten aller Länder finden. Sobald diese Partei eine gewisse Stärke erlangt und in einer Schichte der Bevölkerung genügend Wurzeln geschlagen, empfindet sie das Vednrfniß, am Regieren Theil zu nehmen und reüssirt auch mehr oder minder in diesem Bestreben. Da man nun aber die Menschheit und die Gesellschaft nicht im Hand­umdrehen verändern kann, so muß man wohl oder übel an seiner catonischen Prinzipienstrcnge ein wenig Nachlassen. Insbesondere muß man in einem Prinzip nachgeben, welches den Kampf gegen die Gesellschaft bedingt, denn es ist ein Unding, etwas zu gleicher Zeit zu regieren und zu vernichten suchen. Je mehr die Partei sich befestigt, umso mehr läßt sie nach, das zn sein, was sie sein will. Man hat dieses zuerst in England beobachtet, wo die Mehr­heit der Socialdemokraten das Prinzip vom Klassenkampf aufgegeben hat und sich nunmehr wenig von einer anderen „bürgerlichen" Partei unterscheidet. Man sieht diesen Eul- wickelungsprozeß jetzt auch in Frankreich. Nun ist es ganz natürlich, daß eine gewisse Gruppe von starren Prinzipien - Reitern diesem Entwickclungsgange einen mehr »der minder heftigen Widerstand entgegen­setzt. Eine solche grimmige Feindschaft, wie sie sich aber auf diesem Kongreß zwischen den Unabhängigen und

der französischen Arbeiterpartei zeigte und die schließlich mit einem vollen Bruch endigte, ist aus einer Prinzipicnfrage schwer zu erklären. Die Feindschaft der beiden Socialistcnparteien hat einen viel reelleren Grund — es ist der Brodneid. Nicht das ist Herrn Guesdes größter Schmerz, daß ein Socialdcmokrat Minister ist, sondern daß dieser Minister nicht durch seine eigene Person reprüsentirt wird. Da liegt des Pudels Kern! Wenn er mit seiner Partei ans dem Kongreß hinauszog, so geschah das lediglich, nm ja um jeden Preis die Herstellung einer socialistischen Einheit zu verhindern, in welcher er Führer der gedcmüthigtcn, zum Gehorsam gezwungenen Minorität gewesen wäre. Er denkt eben ähnlich wie Cäsar, lieber in seiner wenn auch besiegten und im Ansehen geschwächten Partei der Erste, als in der großen Verbrüderung der Zweite zu sein. Und schließlich haben Milleraud und Genossen in ihm einen ge­fährlicheren Gegner und Konkurrenten um den Fleischtopf, als die verhaßte Bürgerklasse, die sie, die bedauernswerlhen Proletarier, so heftig bekämpfen sollen. Man sieht, Frank­reich kann sich nicht der besten Regierung rühmen, da es unter seinen Ministern einen giebt, welcher es seinen Grund­sätzen geniäß bekämpfen müßte.

Aber auch in unseren Regionen ist bekanntlich so Manches faul, und die Affaire des Thronfolgers von Kambodscha wirft ein interessantes Streiflicht auf die fran­zösische Kolonialthatigkeit und auf die Verwaltung in den Kolonieen selbst. Prinz Jnkanthor, welcher, wie es offiziell hieß, zum Besuche der Weltausstellung gekommen war, ist, anstatt in sein Vaterland znrückzukchren, nach Brüssel gcstvhen, weil er bei seiner Rückkehr die Rache des fran­zösischen Gouverneurs Doumcr fürchtet. Man hat es hier nicht mit dem rohen Häuptling eines barbarischen Landes zu thun, sondern mit einem intelligenten, gebildeten Menschen, welcher das durch die Franzosen über sein Land gebrachte Unglück nicht länger mitansehen konnte und gegen die sich aus dem Protektorat entwickelte Kolonialverwaltung protestirrn wollte. Bei der Negierung fand «r taube Ohren, und so wandte er sich mit seinen bitteren Klagen an die große Oessentlichkeit, indem er einem Mitarbeiter des „Figaro" gegenüber die Zustände in der anneklirten Kolonie beleuchtete, als deren Mittelpunkt der französische Gouverneur und nicht sein nur noch die Figur einer Puppe darstellender Vater betrachtet würde.

Die Franzosen haben sich nie als Kolonisatoren bemerkbar geniacht, sie erfreuten sich aber wenigstens des Rufes, die Eingeborenen menschlicher zu behandeln als die Engländer. Dieser Zwischenfall spricht nicht sehr dafür.

Intimes nns Ksnjtnntinsprl.

(Von unserem Korrespondenten.)

Konstantinopel, 1. Oktober.

Der Besuch des Schahs von Persien am hiesigen Hofe erregt hier außerordentliche Befriedigung, weniger weil so die beiden Häupter der mächtigsten muselmanischen Staaten zusammentrcffen, als weil dann im Jubiläumsjahre doch wenigstens ein Herrscher erschienen, um den Sultan zu be­grüßen. Daß von den europäischen Fürsten keiner anläß­

lich dieser Gelegenheit nach Kvnstantinopel gekommen, hat beim Padischah nicht geringes Mißvergnügen hervorgerufen.

Und doch mutz ein unparteiischer Beobachter zugestehcn, daß Abdul Hamid selbst die Aufmerksamkeiten, die ihm erwiesen wurden, kaum beanspruchen durfte, ja, es ist sehr wahrscheinlich, daß sie ihm, wäre das Jubiläum um einige Jahre früher gewesen, bei Weitem im gleichen Maße nicht zu Theil geworden wären. Seit einiger Zeit ist ja aber ein Unischwung in der Stellungnahme der europäischen Mächte der Türkei gegenüber eingelrcten, an Stelle des tadelnden, fast befehlenden Tones, den man ihr gegenüber anzuschlagen pflegte, herrscht jetzt eine merkwürdige Kordialität Verschiedene Gründe haben mitgewirkt, um diese Aenderung herbeizuführen, einer der hauptsächlichsten ist wohl, daß das „Konzert" der Mächte nicht in Ucbereinstimmung zu bringen ist und man sich in dieser Hinsicht keinen Illusionen mehr hingiebt.

Denn daß Reformen, die im ottomanischen Reiche vor- genommen worden sind, die freundschaftlichere Haltung hervor- gerufen haben, möchten die Staaten zwar gern sich und die Well glauben machen, in Wahrheit wissen sie es ja aber besser. Es ist hier genau beim Alten geblieben; wie immer sind die schönsten Versprechungen gemacht worden, aber nicht zur Ausführung gelangt, nach wie vor herrscht das System des Ausspionirens und der Angeberei, ja, mau kann sagen, daß es in dieser Beziehung eher schlimmer geworden ist. Nicht nur unterhält der Sultan seinen besonderen Polizeidienst, der nur von ihm Befehle empfängt und direkt an ihn Bericht erstattet, jeder Günstling hat Leute, denen die lieber,vachung Anderer obliegt. Jeder, der irgendwie eine Rolle zu spielen sucht, ist fortwährend auf dem Ausguck, um Komplotte zu entdecken, und falls diese sich nicht finden lassen, so konstruirt er sie und ist ständig darauf bedacht, Staat und Thron vor den Verschwörern zu schützen. An Personen, die als Ver- räther denunzirt werden können, mangelt es ja nie, man braucht nur von den armenischen Comites, den Anhängern Murads V., den Jungtürkcn zu reden und ist sicher, ein gefälliges Ohr für die Anschuldigungen zu finden.

Niemand übrigens, und sei er noch so hochgestellt, ist gegen letztere gefeit, und wehe Jedem, gegen den sie in die Welt gesetzt werden. Selbst wenn ihre Grundlosigkeit sich erweist, bleibt an dem Beschuldigten immer etwas hängen, sodaß es gewöhnlich) nicht lange mährt, bis der Betreffende in Ungnade füllt. Wenn Einer fest in der Gunst des Sultans zu stehen schien, so war es der Kammerherr und Privatsekretär des Herrschers, Jzzet Beh. Vor einiger Zeit wurde dem Padischah aber zugetragen, daß derselbe mit den Jungtürken Beziehungen unterhalte. Ein paar Tage darauf benachrichtigte man den Günstling, ein Kolli sei aus Paris an ihn adressirt und befinde sich auf dem Zollamt. Da Jzzet verschiedene Kostbarkeiten aus der französischen Hauptstadt erwartete, die er anläßlich des Jubiläums seinem Herrn überreichen wollte, so sandte er seinen Haushofmeister nach dem Zollbürean. Kaum hatte dieser aber das Packet in Empfang genommen, so fielen Polizisten über ihn her und arretirteu ihn. In der That enthielt das Kolli eine Menge von Blättern, die in Frankreich, England, der Schweiz re

Feuilleton.

Schönheitspflege des Gesichts in früherer Zeit.

‘ ' Von vi. Otto «otihilf.

Alt zu werden, ist Gottes Gunst,

Jung zu bleiben, des Menschen Kunst.

Allen Menschen gemeinsam war von jeher der Trieb, sich zu schmücken und hübsch zu machen, um Anderen und sich zu gefallen. Besonderen Vorzug erfuhr dabei stets der sichtbarste und edelste äußere Theil des Körpers, das Gesicht, „der Spiegel der Seele". Der wilde Indianer bemalt Stirn und Wangen mit verschiedenen Farben; die Grönländerin f färbt ihr Gesicht gelb und weiß; dieDame im altenEgypten und die Dame der Jetztzeit schminkt Angen und Wangen, Pudert Antlitz und Haar. Die angewandten Mittel find vielfach verschieden, Zweck und Absicht bleiben dieselben.

Vor Jahrtausenden schon schmückten sich die jungen Mädchen in Babylon, Persien und Aegypten rosa und weiß, färbten ihre bleichen Lippen rosa, sowie Wimpern und Augenlider schwarz, uin ihrem Blick höheren Glanz zu ver­leihen und das Auge größer erscheinen zu lassen. Zur Toilette der Assyrer gehörte das Bestreichen der Augen mit Antimon und das Bemalen des Gesichts mit Bleiweiß. Sogar die Männer huldigten in den vornehmen Stünden der Assyrer und Meder in hohem Grade der Schönheits­pflege. Sardanapal ließ sich die Augenbrauen schwarz färben Und die Gesichtshaut mit Bimsstein abreiben, um ihr ein zartes, milchweißes Aussehen zn geben. In den Begräbnißhöhlen zu Sakara in Mittel - Egypten hat man außer anderen, zum Putztisch der Schönen ge- A bürenden Merkwürdigkeiten Nadeln und schwarze Pulver

zum Färben der Augenlider und Augenbrauen gefunden. Gerade diese Mode hat sich seit den ältesten Zeiten eines steten Beifalls zu erfreuen gehabt. Königinnen und Frauen aus dem Volk suchten dadurch ihre Reize zu erhöhen. Der schwarze Rand, der sich durch die Bemalung rings um die Augenwinkel bildete, warf einen dunkeln und zugleich majestätischen Schatten über die Augen, verlieh ihnen außer einem schmachtenden Liebreiz einen helleren, volleren Glanz und schien die natürliche Größe derselben ebenso prachtvoll zu erweitern, als die Weiße des Augapfels selbst reizend zu heben. Ein arabisches Sprichwort verlangt ausdrücklich: „Heirathe nicht ein Mädchen, das in dem Auflegen der Augenschminke sich nachlässig zeigt." Auch die Hebräerin glaubt nur dann vollkommen geputzt zu sein, wenn sie diesen Schmuck dem­jenigen Theile ihres Gesichtes, der allein durch deL Schleiers Verhüllung durchblicken durfte, auf die anmulhigste Weise verliehen hatte. Meist wurde gepulverter Spießglan; zur Augenschmiuke verwendet, aber ärmere Hebräerinnen wußten sich diese aus wohlfeileren Dingen zu bereiten: angebranntc Mandeln, Ruß mit Oel verrieben, Holzasche mit Wasser oder Oel gerührt u. dergl. Ueberhaupt hatten die Juden von dcn Egyptern wie so manches Andere auch die Toilelten- geheininisse gelernt. Im Talmud (11, 28) finden sich deutliche Anspielungen auf die Sitte, durch künstliche Mittel die Haut zu glätten und roth zu färben. Auch die Bibel verzeichnet zahlreiche Beispiele. „Da die Boten kamen, badetest Du Dich und schminktest Dich ihnen zu Ehren." (Hesekiel 23, 40.) „Da Isabel das erfuhr, schminkte sie ihr Angesicht und schmückte ihr Haupt." (II. Könige 9, 30.) „Die Töchter Zions gehen mit geschminkten Angesichtern einher." (Jcsaias 3, 16.) Im Buche Hiob (42,14) giebt ein entzückter Vater seiner süßgeliebten jüngsten Tochter den ausdrucksvollen Schmeichelnamen „Schminkbüchschen" (Kerenhapuch). Die

Salben müssen damals in gewaltiger Menge gebraucht worden sein; im 133. Psalme heißt es, daß Aaron sein Haupt dergestalt salbte, daß ihm der köstliche Balsam über Gesicht und Bart bis in das Kleid, wie der Th.au vom Berge Hremvn, nicdergeflossen sei. Auch die kosmetische Wirkung des Waschens mit Schncewasser war den Juden schon früh bekannt (Hiob 9, 30).

Bei den Griechen stand die Schönheitspflege des Ge­sichtes ebenfalls in großem Ansehen. Pastillen von kohlen­saurem Blei dienten als weiße Schminke, von Zinnober als rothe. Sic kannten auch die Puder, welche größten- theils aus gepulverten wohlriechenden Blumen bestanden und einerseits als schweißanfsaugende Mittel dienten, ander­seits wie unsere Sachets zur Parfümirung von Wäsche und Kleidern in den Kästen.

Von den Griechen kam diese schöne Wissenschaft zn den Türken, die auch, wie Bollonius berichtet, ihre Augen in Form eines Schwibbogens mit Spicßglanz schwärzten; „daher jener türkische Liebhaber gesagt hat, er wollte gern seine Liebste küssen, doch fürchte er sich vor dem Skorpion­schwänzchen über ihren Augen".

Auch die Römer übernahmen diesen Luxus von den Griechen und erweiterten den Gebrauch, nachdem sie zur Weltherrschaft gelangt waren, immer mehr, bis er endlich eine Ausdehnung hatte, die fast der modernen Kosmetik zum Vorbild dienen kann. Ovid, Catull, Martial, Petronius, Lucian geben so vollkommene Angaben, daß man sich die Gcsichtsloilette einer römischen Dame vollständig vorstellen kan», vr. Paschkis schildert dieselbe folgendermaßen: Abends wird das Gesicht mit Pasten bedeckt, welche aus Brodkrnme mit Milch oder aus fetten Bohnen bestanden. Um diesen nicht sehr angenehnienUeberzng Morgens zu entfernen, erfolgte eine Abwaschung mit Wasser oder Milch von Eselinnen, deren

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