418. Jahrgang.
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Uo. 488.
Fernsprecher No. 52.
Dienstags den 2. Oktober.
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Fernsprecher No. 52. 1900.
Hlorgeii-Atisgjaibe.
Der Ä«reige«tKeIl
des
Mesbsckener Tsgblstts
wird vom 1. Orkober 1900 ab
vierlpsltlg
erscheinen.
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Der KirchkiiKlingrch in Newcastle.
Unser Londoner n.-Korrespondent schreibt uns: Der alljährlich stattfindende englische Kirchenkongrcß wurde dieses Mal in Newcastle, einer Stadt abgehalten, die in mehr als einer Hinsicht für das große „Meeting" geeignet war. Zn- nächst ist es ein außergewöhnlich lebhafter Platz, in dem rs geschäftig wie in einem Bienenstock zngeht, und diese milde Form der Weltlichkeit muß enlschieden einen erfrischenden Eindruck auf die Nerven so manches, mit seinem getreuen Ehegespons auf den Kongreß gezogenen Landpfarrers ausgeübt haben. Nicht etwa, daß die englischen Landgeistlichen gar so schlichte, einfache Leute wären, aber auf die Dauer werden eben selbst Fuchshctzcn und andere ländliche Sports monoton, denen sie in der Regel obliegen. Sodann hat Newcastle eine ungemein interessante, mit vielen historischen Begebenheiten verknüpfte Umgebung, und im Küstenbcreiche der Grafschaft, deren Hauptstadt es ist, liegt die Hvly Island oder heilige Insel, die Wiege des Christcnthuins in England. Also was konnten die frommen Herren mehr verlangen. Freilich, für prnnkhafte Umzüge, die man stets mit dem Kongreß zu verbinde» liebt, und bei welcher Gelegenheit sich die Theilnehmer immer in gar wunderlichem, die Gläubigen aber jedenfalls mit doppelter Begeisterung erfüllendem Aufputz zu zeigen lieben, eignet sich die Stadt nicht.
Selbst der offizielle Empfang durch den Bürgermeister oder Mayor ließ in Bezug auf Würde zu wünschen übrig, und zwar der, wie der Wiener es nennt, fürchterlichen Wnrstelei wegen, die in den engen, dem geistlichen Gedränge nicht annähernd entsprechenden Räumcii des Nathhanses herrschte. Wenn man auch heute sogar noch fleißig Reden hält in Newcastle, so ist der eigentliche Kongreß, der drei Tage, vom Mittwoch bis Freitag, währte, nun doch vorüber, und seine Resultate — hm — nun, natürlich hat er Resultate geliefert, nur ist der Laie nicht ganz die geeignete Persönlichkeit, sie zu diagnostizircn. Daß der Kongreß viel, ja sogar sehr viel erstrebt, unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, schon weil jedes einzelne Mitglied desselben besondere Wünsche zu haben scheint. In einem aber begegnen sich sämnttliche Mitglieder der Staatskirche wenigstens, und dieser läuft darauf hinaus, dem Parlamente das Zugeständniß der Autonomie für dieselbe abzuringen. Zur Zeit steht sie in einem gewissen Abhängigkeitsverhältniß zu jener großen gesetzgeberischen Körperschaft, dem Untcrhause. Ehedem, wo dieses sich nur ans Angehörigen der Staatskirche znsammen- setzte, mag das ja erträglich gewesen sein, aber heute, wo es »ich! nur römische Katholiken und Nonkonformisten, sondern sogar Juden in demselben giebl, muß die Kirche unbedingt auf ihre Autonomie bedacht sein. Ein Theil der englischen Presse behauptete soeben, das Haus der Gemeinen würde niemals die Tollheit begehen, seine Einwilligung zu derselben zu geben. Es ist das indeß entschieden ein ganz voreiliger Schluß, denn die Regierung läßt. mit sich handeln und eventuell würde vielleicht Mr. Chamberlain für die Heiligsprechung von Cccil Rhodes der Kirche gewähren, was sie sich wünscht. — Im großen Ganzen verlief der Kongreß dieses Mal recht uninteressant, denn wenn er auch allerhand svciale Reformen erörterte, so handelte es sich doch wieder nur um die verschiedensten bekannten Vorschläge, wie der Trnnksncht zu steuern, der llebcrfüllung der Armenviertcl abzuhelfen wäre n. dergl. ni. Wie geivöhnlich, wurden auch diese« Mal wieder die Bibel- Kritiker in heftigen Reden angegriffen. Ganz besonders zeichnete sich in dieser Hinsicht ein Grieche, Professor Margolionth, ans, der vor Allem über^die deutschen Skeptiker Hersiel. Nichtsdestoweniger hatten aber einige englische, indeß nicht der Staatskirche angehörende Geistliche de» Muth, jenen Kritiken eine gewisse Berechtigung ziizugestehen. 0r. Wnce vom Kings College ging so weit, zu erklären, daß Forschungen die Unzuverlässigkeit der religiösen Geschichte der Inden, die in der Bibel dnrgestellt ist, erwiesen hätten. Damit hängt cs nach seiner Ansicht auch zusammen, daß sich immer weniger junger Leute für den Geistlichensiand fände», denn sie wollten ihre Gewissen nicht belasten, indem sie zu glauben vorgäben, Gott habe dieses oder jenes gesagt, während ihre Vernunft sie eines Besseren belehre. — Solche Worte bei einem englischen Kirchenkongreß! ES ist ein Glück für Dr. Wace, daß die Scheilerhanfcn in Spitalficld nicht mehr brennen dürfen. Wie würde sich aber Thomas Paine über dieselben freuen, der vor hundert Jahren bereits sein „Zeitalter der Vernunft" (Age of reason) also fürchterlich verfrüht schrieb.
Ans Stadl und Land.
Wiesbaden, 2. Oktober.
— Geschick,isltaleubrr'. 2. Oktober. 1870: Ausfall ans Metz zurückgcschlagcn. 1853: P Dominique Franyois Arago zu Paris, berühmter französischer Physiker (* 26. Februar 1788 zu Estagel). 831 v. Chr.: Schlacht bei Arbela, der letzte Sieg Alexander des Großen über Darius.
o. personal-IIachrichte,,. Se. Excellenz Herr Generalleutnant v. Kessel, Generaladjutaut S. M. des Kaisers und Kommandeur der 1. Garde-Jufanteric-Brsgade. ist gestern hier ein- gctroffeu und hat im Kavalierhaus des Kgl. Schlosses Wohnung genommen, um einen mehrwöchigen Erholungsurlaub hier zu verbringen.
— Der ..Tagl>latt"-Lol,rplau für den Winter 1900/1901 liegt der heutigen Morgen-Ausgabe unseres Blattes bei. Er geht allen Abonnenten kostenfrei zu, ist außerdem aber auch, zu 10 Pf. das Stück, an unseren Verlagsschaltern käuflich. — Der dem „Tagblatt"-Falirplan bcigegebcnc Anzcigen-Auhang sei dem Interesse der Empfänger des Fahrplans besonders empfohlen.
o. Da» Gartenfest, welches die Kurverwaltung am Sonntag veranstaltete, bildete einen glänzenden Abschluß der diesjährigen im Allgemeinen vom Wetter sehr begünstigten Saison. Der Kur- aavteu prangt zwar augenscheinlich noch in vollem Schmucke, doch die Blätter, welche Wege und Wiesen dichter und dichter bedecken, weisen nnerbittlich darauf hin, daß der Herbst seine Herrschaft bereits angetretcn hat und die schönen Tage gezählt sein werden. Das prachtvolle Wetter hatte eine nach Tausenden zählende Menschenmenge in den Kurgartcn gelockt, der noch einmal eines jener großen, buntbe- wegten Bilder bot, wie sie in dem gleichen anziehende» Rahmen sonstwo nur selten zu finden sein dürften. An, Nachmittag war es die Luftballon-Auffahrt des Luftschiffcrpaares Kapitän Fere» und Miß Polly und Abends das glänzende Feuerwerk des Herrn Hofknnstfcncrwerkcrs Becker von hier, welche das Interesse der Garte,ifcstbesucher, darunter, wie erwähnt, der indische Fürst Maharaja Gaikwar mit Familie und Gefolge, in hohem Grade fesselten. An der Ballonfahrt nahm alsPassagier Herr Sciffert, Ileichsbankbeamter ans Mainz, Theil. Die Landung erfolgte glücklich unweit des Dorfes Fischbach bei Eppstein. Das Feuerwerk bot wieder einige ganz hervorragende pyrotechnische Kunststücke, das gauze Programm war überhaupt sehr reichhaltig und machte ebenso wie die flotte Abwickelung dem Herrn Becker wieder alle Ehre.
— Wir muß «ine Wohnung übergebe» «»««de»»?
Diese Frage, die angesichts der bevorstehenden UmzugSzeit wieder aktuell wird, ist von, Reichsgericht folgendermaßen beantwortet worden: Wen» es in den Miethsverträqen heißt, daß der Miether die Wohnung so zu übergeben habe, wie sie von ihm übernommen worden fii, so ist dies iinmcr mit dem Zusatz zu verstehen, „soweit sie nicht durch ordnungsniäßigen Gebrauch abgenutzt oder abgewohnt ist". Der Miether hat mir allen durch uiipflegliche Behandlulig verursachten Schaden zu ersetzen. So hat er u. A. abgerissene oder mit Schmutz und Fettflecken besndelteTapeten repariren zu lassen; verlorene Schlüssel müssen durch neue ergänzt werden. Dagegen hat er für abgelanfenc Dielen, durchgcbraiinte Ofcnplatten. schadhafte Schlosser und Thürklingeii nicht aufziikoniiiien. Nur wenn sie durch gewaltsanies oder fahrlässiges Behandeln rninirt oder beschädigt worden sind, muß sie der Miether in Stand setzen. Der Miether hat die Wohining vollkomme» zu räumen und die Schlüssel de», Besitzer oder Hausmeister zu übergeben. So lange er dies nicht gethan hat, setzt er den Micthvertrag fort und muß den Miethpreis weiter bezahle». Ferner hat der Miether die Wohnung gereinigt, d. h. beseurcin, zu übergeben. Eine besondere Reinigung von Fensterscheiben, Thürcn und Wänden muß nicht vorgenominen werden
— Gbstmarkt. Der vorjährige Obstmarkt des Wander- KasinoS für den Landkreis Wiesbaden hat Schule gemacht. Allerorten werden iu diesen, Jahre ähnliche Einrichtungen getroffen, ein Beweis, daß Käufer und Verkäufer bei uns nicht schlecht
Ans Knust ttitfc Kebcn.
. I>. Jvrtiihftutev Ktadltheatcr. 30. September. Wenn wir ennge Zeit geschwiegen haben, so darf daraus nicht geschloffen werden, daß unsere Theater stille liegen. Im Gegentheil. es wird außerordentlich gearbeitet. In der Oper hatten wir ein Gastspiel der Signora Prcv osti; der alte Erfolg in allen Nöllen. Abgelost wird die Künstlerin durch Herrn van Ro oy; auch er hat den Wotan und Sachs schon hier gesungen. Darüber brauchen wir nicht zu berichten. Hervorheben oürfen wir aber aus berechtigtem Lokalpatriotisnins, daß unser Max Pichler sich nachgerc.de zu einem benierkeliswerthen „Tristan" ausgewachsen gat; er ist den wenigen guten Vertreter» dieser Rolle, die Ktzt leben, durchaus ebenbürtig. - I», Schauspiel war uns nach Ablauf der Ferien ein „Cykliis nordischer Dramen" beschecrt. Eine 60c schwere Kost, wenn man das schöne Herbstwetter berück- sicht,gt. Mit Ailsliabmc der ^Gespenster" standen alle Stücke des „Cyklus" in unserem Repertoire; gerade aber die Aufführung der „Gespenster" erforderte cnie recht nachsichtige Bcurtheiliiiig. Man verdenke »ns daher nicht, wenn wir „in den „Cyklus" »ns herumgedrückt haben. Eine nmso angenchniere Pflicht ist uns das Referat über die gestrige erste Alifführiiiig der „Weber" von Gerhard Hauptmann. Mag man bnuoit absehc», daß der schlesische Dialekt nicht allseitig gut gesprochen wurde, und daß kleinere Rollen—bei de» großen Ansprüchen der „Weber" an die Zahl der Solisten — nicht alle auf der Höhe standen, so war doch die Jilsceiiesktzuiig, überhaupt die gauzc Alisführung des schweren Schauspiels jo abgerundet, so trefflich bis in die Einzelheiten, daß sich mischwer die leitende Hand uiisercs Jiitendanten Claar erkennen ließ. Die Wirkung der düsteren Dichtung auf die Hörer war eine gewaltige. Vielfache Hervocrufe nach den Aktschlüssen lohnten die große künstlerische Arbeit. Das Hans war ausverkalift bis auf den letzten Platz.
* „Ioliauuisfener", das neue Werk Hermann Suder»ian»s, wielt nach Miktheilnngen, die durch Berliner Blätter gehen, in den achtziger Jahren auf einem ostprenßischc» Gutshof. Die Tochter des Gutsherrn ist mit ihrem Vetter Georg verlobt, und die Hochzeit steht nahe bevor. Mit aufopfernder .Hingebung trifft Marike, da« niigeiiomincnc Kind des Gutsbesitzer« ittib die Tochter einer verkommenen littauischen Landstrcicherin, die Vorbereitnngen für den künftigen Haushalt des jungen Paares in Königsberg. Aber Schwiegervater und Schwiegersohn, Beides harte, selbständige
Natnre», gcrathen miteinander in einen Konflikt. Der alte Vogcl- reuter hat dem Vater Georgs vor langen Jahren den ehrlichen Namen gerettet und wirft seinem Neffen, den die Dnnkesschiild ohnehin schtver genug drückt, Undank unb Eigensinn vor. Verbittert und empört findet sich Georg in seinen Empfindungen mit der jnngeii Littanerin zusainnien, die sich trotz der Lüde, die man ihr eiitgegeiibringt, doch immer noch als Fremde, als „Nothstaiidskind", in dem deiltscheu Hause fühlt. Sie ward aus Mitleid von ben Deutschen ausgenommen, als im Nolhstnndsjahre 1867 ihre Mutter sich mit der Neugeboreilen vor den Schlitten Vogclreuters ivarf; sie hat Alles erfahren, was Erziehung und bequemes Leben ihr gebe» konnten: aber in ihrem Herzen fühlt sie sich unfrei, uub durch angestrengte Arbeit versucht sic, den Dank abzuverdiene», den sic widerwillig den Pflege-Eltern schuldet. Und Marike liebt seit ihrer Kindheit Georg. Diese Liebe flammt jetzt auf, als sie Um für immer verlieren soll; wie ihre Mutter, die betninkene Diebin, stiehlt, so stichlt auch sie: sic stiehlt ihrer Pflegeschivcstcr die Liebe des Verlobten.
* Einige Urthriie von Konrad Ferdinand Metzer aus einem Gespräch, das Dr. Fritz Koegel vor zehn Jahren mit d in großcii Schweizer Dichter auf seiner Aesitziing in Kilchberg ha te, dürfen noch heute auf Interesse rechne». Wir geben ztvci der »r K. F. Meyer charakteristischen Aclisiernngen nach ciiieni Aufsatz der vortrefflichen ucne» Monatsschuft „Die Rheinlande" <A. Bagcl, Düsseldorf) wieder. Bon Kaiser Wilhelm II. entwirft Mencr f lgendc selbständige Schilderung' „Mir ist der junge Kaiser eine i'.hr anziehende Erscheinung, ich habe Zug zu ihm. Er unternimmt viel, hat Veraiitmorttichkcitsstolz. hat in seiner Jugend sich so schnell entwickelt. Aber es ist ein Bangen in dein Aiitheil: er könnte eine tragische Natur werden. Er hat Anlagen dazu, in keiner Schwere, dem fast düsteren, entschlossenen Ernst, mit dem er Alles umfaßt, und da er Aufgaben nngreift, die vielleicht unlösbar sind für den Einzelnen und für die Zeit. Und er ist nur ernst, ihm fehlt, was Friedrich der Große hatte, die Ironie, der befreiende Zug de« Spottes, des Selbstspottes. Er nimmt nichts leicht, auch sich nicht. Er ist offen, rückhaltlos offen, keine diplomatische Natur, zerhaut Knoten, ist entschlossen, imgestüm — all das kann verhängniß- voll werden. Eine anzieycnde, noch halbvcrhstllte Räthselgcstalt." — Und von BiSinarck heißt es mit ebenso erfrischendem Freimuth: „Die Disscrenzcn ztvische» dem Kaiser unb Bismarck über die sociale Frage tvarcn wohl mehr ein Zwiespalt des Tempos und Temperaments, als grundsätzliche. Bisniarck hielt cs für unrichtig, so schitcll vorzilgeheii, um nicht die Begehrlichkeit zu w.'cken, für
»„stantsmännisch, sich mit solcher Wucht ans die eine Seite zu legen, deren Begehre» schon Wucht genug hatte. Und ist es nicht wohl in der menschlichen Natur begründet, daß man nur geben darf, indem inan zugleich mit der Faust nicderdrückt? JnBismarcks Charakter finde ich die Züge der echten, harten Bauernuntnr, die ich hier täglich in meiner Umgebung beobachten kann. Geiz. Hart- näcklgkeit, Dickköpfigkeit, Rachsucht. Und Bismarck ist als Junker doch echter Bauer."
O Die Kchwindjnchti» den verschiedenen enrop,rischen Äeeren findet eine wichtige Beleuchtung in einem Aussatz der letzten „Lancct'-Ansgabe. Zunächst wird ans eine Berösfcntlichnng aufulerksam gemacht, die jüngst durch eine» russischen Arzt »ach anitlichcn Quellen über die Verbreitung der Krankheit im russischen Heere veröffentlicht wurde. Danach sollen in der Zeit 1890-1897 die Erkrankungen an Schwindsucht dort 4 vom Tausend, die Todesfälle über 1 vom Tausend jährlich betragen haben. Dieses Ber- hältniß ist außerordentlich ungünstig, obgleich es in anderer europäischen Heeren noch Überrrosfen wird. Im deutschen Heere beträgt der jährliche Zugang zu den Schwlndsnchtskranken nur 2,3 vom Tausend, im österreichischen Heere 3,4, im französischen aber 5 auf je 1000 Mann. Die Sterblichkeit an dieser Seuche nimmt den sechsten bi« dritten Theil aller Todesfälle unter den Soldaten ein. Die näheren Angaben sind besonders für das französische Heer interessant: Von 1000 Soldaten, die wegen Schwindsucht für invalide erklärt werden muffe», haben dort nun 116 die Krankheit schon vor der Einreihung erworben, 197 während des ersten, 278 wahrend des zweiteil Halbjahres des Militärdienstes, wettere 254, nn zwelten Jahr, die übrigen 155 noch später. In Rußland scheint die Ansteckungsgefahr während der Dienstzeit noch größer z» se,n, doch ist hier die ärztliche Untersuchnng der neuen Rekruten nach der Meniung des russischen Arztes selbst sehr ungenügend. Jedenfalls >st cs aber als Thatsachc zu bctrachtcn, daß in allen Heeren, besonders aber in dem französischen und russischen, eine große Zahl gefintbet Lculc, die auch nicht die geringste erbliche Anlage zur Schwindsucht habe», schon während des ersten Jahres ihrer Dienstzeit oder später angesteckt werden. Die überwachenden Aerzte brauchen daran keine Schuld zu tragen, denn bei dem gegenwärtigen (Staub der Kenntnis; ist es unmöglich, in jedem Falle sicher zil entscheiden, ob Jeuiand bereits an Schwindsucht in ihren ersten Anfängen leidet, und ihil danach sofort vom Militärdienst zuriickznweisen. Aber behcrzigcnswcrth sind die weiteren Schlüffe des „Lancet": „Um die Schwindsucht völlig ans dem Heere auvzurottc», mußte für eine möglichst genaue
