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Donnerstag» 29. April 1915.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 198. ♦ 63. Jahrgang.
Der neue Dardanellenangriff.
Als wir die Vorbereitungen des Dreiverbandes für den erneuten „Run" auf die Dardanellen erörterten, gaben wir der Meinung Ausdruck, daß die englische und französische Flotte ebenso wie die bunt zusammengewürfelte Landungsarmee auf Granit beißen würden. Nun, sie haben auf Granit gebissen und manch einer ins Gras. Nach dem mißglückten Ansturm auf die Dardanellen am 18. März, welcher die britische und die französische Flotte ja zwei Linienschiffe kostete, hatte man erkannt, daß ein einseitiges Vorgehen zur See völlig aussichtslos sei, daß die Schiffsgeschütze, die nur über Flachbahnfeuer verfügen, nicht und vor allen Dingen nicht in einem engen Fahrwasser, mit den Steilfeuerkanonen konkurrieren können, mit denen die Dardanellen befestigt sind, und die nach englischen Meldungen Kaliber bis zu 35,56 Zentimeter aufweisen. Ist doch unlängst eine Äußerung des Feldmorschalls von der Goltz berichtet worden, wonach besonders die beweglichen mittleren Fortsgeschütze, z. B. die mit einem 16-Zentimeter-Kaliber, von außerordentlicher Wirksamkit gegen die Schiffe gewesen seien', und der „Daily Telegraph" kommt jetzt etwas verspätet zu der Erkenntnis: „Die Befestigungen an den Dardanellen zeigen sich weit stärker, als bisher von uns angenommen wurde, sie zu überwältigen deucht ein fast unmögliches Unternehmen; die festen Batterien mit ihren schweren FlachbahngefMtzen und Mörsern, die leichtbeweglichen Batterien mit ihren Haubitzen, die Minengefahr und anderes mehr vereinigen sich, die Widerstandskraft der Verteidiger ins Ungemessene zu steigern.
Der Dreiverband hat schon jetzt die Erfahrung gemacht, daß auch der kombinierte Land- und Seean griff die Widerstandskraft der Verteidiger nicht zu überwinden vermag, obwohl die neue Davda- nellenaktion wesentlich gründlicher vorbereitet wurde als die erste, auffallend leichtfertig vorbereitete. Wurde doch nicht nur die Flotte durch Heranziehung neuer Schiffe als Ersatz für die verloren gegangenen verstärkt, sondern gleichzeitig durch die rücksichts- und skrupellose Beschlagnahme der vor der Dardanellen- einfahlt und an der kleinasiatischen Küste gelegenen griechischen Inseln eine Basis für die Trup- penlandungen geschaffen. Es sei hier gleich eingeschal- tet, daß diese Okkupation neutralen Gebietes eine neue herrliche Erläuterung zu der Behauptung Englands darftellt, daß es lediglich wegen der Verteidigung der Rechte der Neutralen den Krieg gegenDeutsch- land erklärt habe.
Uber die Stärke der Truppen, mit denen der Oan- dungsversuch auf der Halbinsel Gallipoli unternommen wurde, liegen genaue Angaben nicht vor; es scheint ober, daß sie keinesfalls die Hunderttausend überschritten, und die Ziffer dürfte eher erheblich niedriger sein. Es ist schwer zu begreifen, wie die Diplomaten und Strategen des Dreiverbandes sich ein- reden konnten, daß man mit einer solchen Macht die Daibanellen forcieren könnte, zu deren Schutz die Tür- kei zwei starke Armeen bereit hat, die von General Liman v. Sanders befehligte 5. und die unter dem Kommando des Generalfeldmarschalls Freiherr v. d. Goltz stehende 1. Armee. In der Tat zeigt der Verlaus der bisherigen Kämpfe, daß der Dardanellenvorstoß für die Verbündeten neue Schlappen, und zwar diesmal zu Wasser und zu Lande, gebracht hat. Verlustreiche Schlappen, denn die englisch-franzö- fische Flotts hat bereits den Verlust eines Torpedobootes und eins Transportdampfers sowie die .Havarie eines Kreuzers und eines zweiten Torpedobootes zu verzeich- neu, während gleichzeitig die Landungsarmee a n allen, Srellen von den türkischen Truppen unter schweren Verlusten für die Angreifer aufs Haupt ge- schlagen wurde. Es ist begreiflich, daß in der Türkei jubelnde Begeisterung über diesen hochbe- deutsanren Erfolg herrscht, eine Begeisterung, die in der Verleihung des Tit»ls „Ghazi", das heißt der Sieg- reiche, cm den Sultan Mohammed V. ihren Ausdruck gefunden hat, und man wird diese Titulatur gern als das Wahrzeichen für weitere Erfolgenehmen.
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weitere türkische Erfolge.
W. T--B. Konstantinopel, 28. April. (Nichtamtlich.^ 5,40 Ahr nachmittags. Das Hauptquartier teilt mit: Der Feind erneuert die Versuche gegen Kaba Tepe und die S ü d k ü st e der Halbinsel Gallipoli. Wir haben ihn weiter mit Erfolg zurückgeworfen. — Gestern versuchte der Feind mit neuen Kräften Angriffe gegen die Küste bei Kum Kal eh, wurde aber gezwungen, sich zurück- zuzieheu, wobei er drei Maschinengewehre i» unseren Lände» luL
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Der völlig gescheiterte erste Landungsversuch
Auf europäischer Seite kein Feind mehr an Land!
Br. Konstantinopel, 29. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie der Korrcfpondeut der „Vofs. Ztg." zuverläsiig erfährt, darf nach dem Ergebnis des gestrigen Kampfes der erste große Landungsv ersuch der Engländer an den Dardanellen als völlig gescheitert angesehen werden. Auf der europäischen Seite steht kein Engländer oder Franzose mehr, sie wurden teils ins Wasser geworfen, teils im Bajonettkampf niedergemacht oder gefangen genommen. Nur bei K u m k a l c stehen noch feindliche Truppen, deren Vertreibung binnen kurzem erfolgt sein dürfte. Der ganze Verlauf der Kämpfe b e- st ä t i g t die Voraussage derjenigen, die eine erfolgreiche größere Landung des Feindes bei der Stärke der türkischen Streitmacht für unmöglich erklärten. Die Feinde sollen sehr starke Verluste erlitten haben.
(Sigeum) AV ö Hnmkim /? #
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Der Kampf um die Dardanellen.
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o Batterien, o Brunnen, *x Klippen, t Mühlen, t Küster, O ftuinen
je. zb. tsse.
Die Zreude in der Hauptstadt.
W- T.-B- Konstantinopel, 28. April. (Nichtamtlich.) Der große Sieg in den Dardanellen, worüber die ersten Einzelheiten durch die gestrigen Abendblätter bekannt wurden, ries in der ganzen Stadt einen unbeschreiblichen Jubel hervor. Die Straßen, die gestern anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung des Sultans ohnedies schon belebt waren, füllten sich auf die Siegesbotschaft hin mit dichten Menschenmassen. Alle Türken beglückwünschten sich, daß der Feind so rasch verjagt wurde. Nicht minder groß ist die Freude unter den Mitgliedern der ö st e r r e i ch i s ch - u n g a r i s ch e n -und der deutschen 5t o l o n i e. In den Abendstunden wurde die Stadt reich illuminiert. Der gestrige Empfang im Valais anläLliL des LabrestaaeS der Lbronbeüeiauna
des Sultans war besonders glänzend. Der Großwesir cm der Spitze der Mitglieder des Kabinetts, die Würdenträger des Hofes, viele zahlreiche hohe Staatsbeamten, Mitglieder de§ Parlaments, Abordnungen patriotischer Bereinigurlgen und Vertreter der Presse fanden sich zu dem Empfang ein. Der Empfang erhielt ein besonderes Gepräge durch die Zeremonie der Annahme des Titels Ghasi. Der Großwesir richtete an den Sultan die Bitte, diesen Titel anznnehmen, worauf der Sultan sichtlich gerührt seine Zustimmung hierzu erteilte. Die Feierlichkeit der Überbringung des Titels Ghasi findet am nächsten Freitag statt. Der deutsche Botschafter Fchr. v. Wangenheim wurde am Nachmittag vom Sultan in Audienz empfangen. Er unterbreitete ihm die Glückwünsche des Kaisers, der außerdem in einem an den Sultan gerichteten Telegramm den Wunsch nach dem Siege der Armeen der Verbündeten aussprach.
Linzelheiten über die Landung der verbündeten auf Gallipoli-
Athen, 28. April. Die „Hestia" erfährt aus sicherer Quelle, daß die Landung der Verbündeten an drei verschiedenen Punkten der Halv- insel Gallipoli erfolgt sei, erstens cän Westrands in der Bucht, deren Nordspitze das Kap S u w l a bildet, zweitens bei Kap Helles, in beE Nähe des Forts Sidd üil B a ch r, drittens cm der Bucht von Seros, unterhalb des Dorfes Jenikiö. Außerdem seien an der asiatischen Küste bei Fort Kum Kaleh Truppen gelandet. Durch diese Landungen solle offenbar die Einnahme der Forts cm. der asiatischen und europäischen! Seite bezweckt und die Abschneidung der Verbindung über die Enge von B u l cr ir mit den türkischen Truppe« in Thrazien erreicht werden. Durch den Angriff vom! Rücken her solle der Widerstand der Küstenbefestigungen gebrochen werden. Das Oberkommando der verbüw- detenTruppen führt Generrck Jcm Hamilton, Generäl d'Amade mit seinem Stabe kommandiert die französischen Truppen. Die bei Mudros vor einigen Tagen versammelten Truppen sind mit Transportschiffen nach der Meerenge abgefahren. Die Stärke der bereits auf türkischem Baden gelandete« Truppen wird auf etwa 60000 Mann veranschlagt, bestehend auS zwei ftanzösischen Divisionen urid zwei englischen. Anders Truppen sollen von Ägypten unterwegs sein, so daß die Verbündeten für die Ope. rationen gegen die Dardanellen etwa 9 0 0 0 0 Man« verfügbar haben würden. Man glaubt hier nicht, daß auf die Landung sofort eine militärischeHandlung folge« wird. Nachdem die Verbündeten Fuß gefaßt hätte«, würden sie das weitere Vorgehen regeln, sobald starke! Stützpunkte geschaffen seien, die durch die Artillerie der! Kriegsschiffe geschützt würden. (Die Nachricht ist am! 27. von Athen abgegangen, als man dort von der Niederlage nichts wußte. <
Küster den vernichteten Brigaden noch zwölf Schaluppen mit Fliehenden zerstört.
Sr. Budapest, 29. April. (Eia. Drahtbericht. Ktr. Bln.f Dem „Bester Lloyd" wird von den Dardanellen berichtet: Neben den vier feindlichen Brigaden, die in das Meer geworfen wurden» schossen die türkischen Batterien zwölf fliehende Schaluppen bei Kaba Tepe in den Grund, auf denen ein Teil der zurückgcdrängten französischen und englischen Landungstruppen entkommen wollte. ,
Jur Verleihung des Titels Ghasi an dsn Sultan.
W. T.-B. Konstantinopel, 28. April. (Nichtamtlich.) DaS Fetwa, mit dem dcm Sultan der Titel Ghasi verliehen wor^ de« ist. bat lolgende« Wortlaut: Bei dem Umstand, daß. W
