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48. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». — Bczngs-PreiS: durch den Verlag so Pf«, monatlich, durch die Post R Mk. «» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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Ko. 455 .

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Samstag, de« 29. September.

Fernsprecher No. 52.

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Abend-Ausgabe.

Iüv öcrs 4. gmctrtaC 1900

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„Wiesbadener Tagblatt"

;u abonnire», findet sich Gelegenheit im Verlag kanggaffe 27 , bei den Ausgabestelleti, den Zweig-Lxpeditionen in den Nachbar­orten und fäinmtlichen deutschen Reichspostanstalten. _

Was soll mit den Kneen geschehen?

Die Frage, was mit den Buren geschehen soll, beschäftigt eine Anzahl nichlverautmortiicher Politiker offenbar sehr vie stärker als die verantwortlichen. Die Nächstliegende Antwort sollte wohl die sein, das; den Buren nichts Besseres und mgleich nichts Wirksameres gewünscht werden kann, alsdas; ge im Lande bleiben und in Ankunft die Fülle ihrer Nultel anwenden, um der Anglisirung ihrer Gebiete entgegen- zuarbeitcn. Mit dem Anfhören der staatlichen Selbst­ständigkeit der beiden Republiken ist doch wahrlich nicht gesagt, daß das Burenelement nunmehr dazu verurtheilt sein müsse, im Engländerthum anfzngehen. Weit eher ließe sich erwarten, daß der engere Zusammenschluß zwischen den Buren in der Kapkolonie und denen Transvaal und im Oranje-Freistaat die Wider-

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standskraft dieses Volkes steigern werde. Es gehört zu den merkwürdigsten und zugleich angenehmsten Er­scheinungen in der Rassengcschichtc, daß die Engländer, die beinahe überall fähig sind, den unterworfenen Gebieten ihren nationalen Stempel aufzuprügen, in Südafrika solche Erfolge nicht erzielen können. Das Afrikander-Element nimmt an Zahl stärker als das englische zu, die holländische Sprache läßt sich nicht verdrängen, die nationalen _ und politischen Zustände in der Kapkolonie zeigen, daß Groß­britannien dort nur durch die Uebermacht seiner Waffen herrscht und nicht durch Gewinnung der Gemüther. Wenn man denBurenRathschläge geben kann und darf (siewerden freilich selbst wissen, was sie zu thun haben), so laßt sich ihnen also nur empfehlen, den englischen Siegern nicht den Gefallen der Auswandelnng zu erweisen. Für uns Deutsche ist nun aber diese Auswcmderungsfragc von besonderer Wichtigkeit. Denn wenn die Buren wirklich in größerer Zahl das Land verlassen sollten, so könnten sic sich einzig nach Deutsch-Südwestafrika wenden. Auf den ersten Blick hat eS ja etwas Bestechendes, daß dies Gebiet durch die Niederlassung eines so tüchtigen Bauernvolks wirthschaft- lich aufgeschlossen werden könnte, aber es will doch beachtet sein, daß sehr gute Kenner der Buren dringend empfehlen, dies Element von den Grenzen unserer Kolonie fernzuhaltcn. Ihre Sorge beruht vor Allem auf der vorzüglichsten und ehrenvollsten Eigenschaft der Buren, nämlich ans ihrem untilgbaren Widerstreben gegen die Anerkennung fremder Herrschaft. Freilich haben sie von England nieder­gezwungen werden können, aber doch nur mit dem Aufwand von Mitteln, die wir uns niemals zn- muthcn dürften, lieberließe man die Buren in Deutsch- Südwestafrika sich selber, so würde die Aufrechterhaltung der deutschen Herrschaft Aufwendungen erfordern, an die man nur mit gelindem Entsetzen denken kann. Es ist des­halb durchaus zu billigen, daß die deutsche Regierung im Anfang der neunziger Jahre die Anregungen von burischer Seite, Dentsch-Südwestafrika zu besiedeln, höflich, aber be­stimmt ablehnte. Wenn sich Fürst Bismarck in Privat­gesprächen gegen diesen Entschluß erklärte, so ist anzn- nehmen, daß er eine andere Auffassung erlangt hatte, wenn er noch im Amte gewesen märe und die Gutachten der Kenner von Land und Leuten zu berücksichtigen gehabt hätte. Nun wissen wir freilich nicht, wie die jetzige Regierung über die Sache denkt, aber man hat bisher nicht gehört, daß sie zu einer von der früheren abweichenden Meinung ge­kommen wäre. Auf alle Fälle ist die Frage so vielseitig, daß sie mit bloßer sentimentaler Neigung für die Buren reicht gelöst werden dürfte.

Drntsches Reich.

Manöverlasten.

Noch in keinem Jahre sind die Klagen der Landwirthe über die Manöverlasten so lebhaft und allgemein gewesen, wie diesmal. Vermuthlich sind diese Lasten früher nicht weniger als jetzt empfunden worden, aber sie wurden schweigend ertragen. Wenn das jetzt anders geworden ist, so kann man darüber nur Genugthunng empfinden. Wo die Landwirlhschaft sich wirklich beschiverl fühlen darf (und hier habe« wir cs mit einem solchen Falle zu thun), da kann sie ans Verständniß auch bei Denen rechnen, die sie mit Unrecht für ihre Feinde hält und deren Gegnerschaft sich nur gegen unerfüllbare demagogische Ansprüche kehrt. Vor uns liegt ein Brief der Frau eines pommer'schen Guts­

besitzers, dem mir daS Folgende entnehmen: „Ich habe baar 124 Mk. ansgegeben, ohne Kartoffel», Milch und Kleinigkeiten, die zwar angcschasft sind, sich jedoch nicht berechnen lassen. Bekommen habe ich 104 Mk. für Verpflegung, habe also baar 20 Mk. in den 4 Tagen zugegeben. Wo bleibt nun noch die Wäsche — Bettzeug, Handtücher, Tischtücher — wo bleibt unsere Arbeit, wo bleibt der Schaden, den die Wirtschaft erlitten hat? Wir bekommen für den Offizier

2 Mk. 50 Pf. für den ganzen Tag, in der Stadt giebt es

3 Mk. 50 Pf. für Nachtquartier und Kaffee. Warum

werden wir Landlcute doppelt geplagt? Und wahrhaftig, eine Landplage ist das Manöver, größer als die egyplischen dazumal waren." Das sind denn freilich Beschwerden, die man verstehen kann, denen man zustimmen muß, die nicht schnell genug berücksichtigt werden können. Wir wollen hoffen, daß in diesem Falle das „Schreien" ebenso nützt, wie cs in manchen anderen Füllen — man muß sagen: leider — geschieht. L.

* * *

■ * Unndsch!,» im Reiche. Ein gut besuchter Kongreß des Bundes deutscher Frauenvereine in Dresden beschloß einstimmig, die allgeuieine Einführung von Ehcverträgen anznstrebcn. In der Versammlung sind 70,000 Äundcsnntglicder in 130 Vereinen vertreten.

Anslanv.

* Frankreich. Gestern Vormittag begaben sich zwei Gruppen von Sociatisten nach dem Friedhof Pörelachaise unter der Führung von Janres, Vaillant, Allemnud, sowie der deutschen Delegirten Singer und Auer. Sie legten auf den Gräbern der während des Kommune - Aufstandes erschossenen Kommunarden Kränze nieder.

* Kreta. In griechischen Ncgierungskreiscn wird versichert, die Absicht des Prinzen Georg von Griechenland, sein« Kommissarstellung in Kreta niedcrznlegen, bezwecke keine Vereinigung dieser Insel mit' Griechenland, sondern solle den Kretenscrn Ge­legenheit dazu geben, den Prinzen Georg definitiv zum Fürsten aüszurufen.

* Vereinigte Staaten. Die „World" meldet, der Streik sei thatsächlich beigelegt. Die Bedingungen der Beilegung schlössen nahezu alle Forderungen der Streitenden ein. Die Grundlage des Abkommens fei eine Lohnerhöhung von 10 pCt. und ein Schieds­gericht über die verschiedenen Beschwerden.

Der Aufstand in China.

bä. Kerii», 2?. September. Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, werden zur Zeit in der hiesigen königlichen Münze Ver­suche mit chinesischem Gelde angestcllt. Es soll ermittelt werden, welchen Silbcrgchalt das chinesische Geld nufznwcisen hat.

wb. Köln, 28. September. Die Jköln. Ztg." meldet ans Berlin: Die Ernennung des Prinzen Tua» zuni einflußreichsten Beamten des Regierungskörpers kann nunmehr als Thatsacbe be­trachtet werden. Hiermit stimmt es vollkommen überein, wenn ans französischer Quelle gemeldet wird, daß Tnngfnhsiang und Liping- hcng, die in der Verfolgung und Ermordung der Christen so Her­vorragendes leisteten, durch hohe Ehrungen ausgezeichnet werden. Wir können nicht umhin, festzustellen, daß dadurch eine Lage geschaffen ist, die auch denjenigen Mächten nndnldbar er­scheinen muß, die der Ansicht waren, daß man durch Mittel weitgehendster Nachgiebigkeit und Schonung am leichtesten und schnellsten zur Lösung der chinesischen Lag- gelangen werde. Gleichzeitig wächst die Schaar der neuen Opfer. D:cs- mal stellen die Franzosen die Verlustliste. Zwei Bischöfe und eine große Anzahl Missionare, sowie 1000 Christen wurden im Bezirke von Mukden ermordet. Aus anderen Gegenden des Reiches werden ähnliche Nachrichten erwartet, woraus hcrvor- geht, daß die Metzeleien von der Ccntralstelle eingeleitct werden, die mit Eifer ihrer Aufgabe obliegt, die „fremden Teufel" und ihren einheimischen Anhang in allen Bezirken nusznrottcn, wo sie nicht unter dem Schutze der Kanonen der Mächte stehen. Wir stellen damit eine Lage fest, die unseres Erachtens auf alle bethciligten Mächte einen tiefen Eindruck auSznübcn nicht verfehlen wird.

bä. Mir», 29. September. Nach einer Londoner Meldung der „Politischen Korrespondenz" wird die Antwort Englands auf die deutschen Vorschläge in der Chinafrage zwar von Einwendungen durchflochten sein, keineswegs aber einen ablehnenden Charakter tragen.

bä. London, 29. September. Aus Peking wird berichtet, daß die Großmächte auf den Prinzen Tsching einwirken wollen, um den Kaiser und den kaiserlichen Hof nach Peking znrnckzuführen.

Icä. Paris, 28. September. Die hiesige Aiisgabe des „New- Uork Herold" veröffentlicht ein Telegramm ihres «hanahnicr Korre­spondenten, welcher ans bester japanischer Quelle erfahren haben will, daß der Chef der Boxer, Kang-Ii, sich in Peking entleibt hat. Wie behauptet wird, beabsichtigt die Kaiserin, den Prinzcrr Tuan seines Amtes zu entsetzen. Ein anderes Telegramm aus Washington besagt dagegen, daß das Staatsdepartement von dem Taotai Cheng die Mittheilnng erhalten hat, Prinz Tuan sei zum Sekretär des Kaisers ernannt worden.

bä. Peking, 28. September. Die Amerikaner richten in dem Tempel des Ackerbaues ein Winterlager ein. Der Kapitän Wilson hat der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die amerikanischen Truppen nicht vor einige» Monaten aus Peking zurückgezogen werden können. Es wurden große Quantitäten Pulver vorgefunden, welche in der Stadt versteckt waren. Die Engländer haben vier Boxer erschossen, welche überführt waren, drei Wochen nach der Einnahnie der Stadt 21 Personen ermordet zu haben.

bä. Paris, 29. September. Das „Petit Journal" erzählt heute, der Kaiser von Japan werde bei seiner Europareise der englischen Regierung folgenden Vorschlag bezüglich der chinesischen Angelegenheit unterbreiten: Privilegium Rußlands über die

Mandschurei, Besitzergreifung Koreas Seitens Japans, lleberlassnng der Provinz Schantung an Deutschland und des Iangtse-Thales an England, Abtretung der Sangsun-Vai an Italien und der Provinz Uuenan an Frankreich, sowie der Provinz Pctschili und Peking an die Vereinigten Staaten. Die Zusage der letzteren zu diesem Vorschläge werde vom Siege der Republikaller bei der Präsidentenwahl abdänaen.

evb. Peterslneg. 29. September, lieber weitereOperationen im Süden von Tsitsikar wird nachträglich von dort gemeldet: General Renncnkainpf verfolgte auf sehr schwierigen Wegen nach Süden die chinesischen Truppe», die einige Male versuchten, sich zu widerfctzen. aber endlich in die Flucht geschlagen wurden. Schwierig war das Uebersetzcn über den Ssnngasi-Flnß, was endlich der Kavallerie gelang, welche Mizachaert, einnahm. Das weitere Vor­rücken wurde trotz der Regengüsse und der schlechten Wege fortgesetzt, sodaß die Kavallerie oft die Infanterie abwarteu mußte. Ohne Rücksicht auf diese ungünstigen Bedingungen rückte das Detachement Rcnncukainpf rasch vor, zwang die gesammtcn Chinesen zum Rückzug und nahm die Stadt Bodune ein, wo die Truppen des Generals Orlow als Garnison blieben. Rennenkampf setzte den Marsch gegen Girin fort, während das Detachement des Generals Fleischer m dcr Richtnnn auf Mukden dirigirt wurde.

bä. Waskiuakon, 29. September. Das Staatsdepartement ließ den Kaiser von China durch seinen Gesandten in Peking be­nachrichtigen, daß es die Ernennung des Prinzen Tuan zum Präsidenten des großen Rathcs nicht billige und erwarte, daß dieselbe rückgängig gemacht wsrde. — Der amerikanische Gesandte in Petersburg verständigte da« Staatsdepartement, daß die russische Regierung wahrscheinlich betreffs der weiteren Behandlung der Chinapolitik Hand in Hand gehen werde mit der Unions-Regierung.

Plüttderungsscene» a»ts der Belagerung Pekings.

Die „Deutsch-asiatische Warte" in Tsingtau veröffentlicht aus dem Tagebuch eines chinesischen Beamten eine lebenswahre Schilderung der grausigen Sccnen von Mord und Plünderung, welche in den Schreckenstagen des Juni und Juli in Peking herrschten, und von denen arich hohe chinesische Beamte nicht ver­schont blieben. Das Tagebnch berichtet vom, 21. Juni: Heute Morgen begann die Beschießung wieder mit großer Heftigkeit. Als ich mich vergewissern wollte,^ob mein Hans in Gefahr sei oder nicht, bemerkte ich mehrere Kansu-Soldatcn aui dem Dache des Nachbar­hauses, die von da aus ans die Gesandtschaft feuerten. Da ich be­fürchtete, daß die Gesandtschaft dieses Feuer erwidern und damit auch mein Hans gefährden würde, floh ich mit, meiner Familie nach der Chiao-ming-Straße, ebenfalls in der Nähe der Gesandt­schaftsstraße. Ungefähr um 1 Uhr 30 Min. besetzten die Kangsu- Trnppen dieGesandtschaft und steckten sie 5 Uhr Nachmittags sammt den umliegenden Gebäuden in Brand. Bei Eintritt der Nacht singen auch die Gebäude östlich von der Gesandtschaft, nämlich die kaiserlich chinesische Bank und die Münze, Feuer und erleuchteten den Himmel während der ganzen Nacht. Niemand von uns wagte, in dieser Nacht zu schlafen. Bei Tagesanbruch sah man, daß sich die Fenersbrunst von Osten nach Westen verbreitete und heftiger als vorher wüthete. Anscheinend war auch die große Eisenbahn- schule zwischen der österreichischen Gesandtschaft und der Bank zerstört. Heute Morgen 9 Uhr, gerade als wir beim Frühstück waren, hörten wir, wie man in unsere westlichen Nachbarhäuser cinbrach, Gewehrschüsse und das Jammern und Schreien von Männer», Frauen und Kindern. In diesen! Augen­blick kam unser Diener bleich und erschreckt hereingestürzt und be­richtete, daß Rcgierungstruppen in den Nachbarhäusern beim Plündern seien. Nachdem ich mich schnell mit meinem ebenfalls anwesendcii Vetter verständigt hatte, befahlen wir de», Diener, so­fort zu öffnen, sobald an die Thür geklopft würde, und nicht zu warten, bis Soldaten sie anfbrcchen würden, auch sonst Alles zu vermeiden, was ihre Wuth errege» könnte. Kurz darauf stürmten die Soldaten auch schon unser Haus, ungefähr 20 an der Zahl, jeder mit einem Gewehr bewaffnet. Wir traten ihneii außerhalb des Empfangzimmers, ich mit meineni Amtssicgcl in der Hand, entgegen und bedeuteten ihnen, daß sie im Haiise eines städtischen Beamten seien. Ferner sagte ich, falls sie zum Plündern gekommen seien, so stände Alles für sie offen, nur möchten sie meine Kinder nicht mißhandeln. Niemand antwortete, sie schleppten einfach Alles, was im Hause war, in den Hofraum, erbrachen alle Kisten und Kasten, streuten den Inhalt umher und nahnien das Beste davon, werthvolle Pelzkleider. Schmucksachen und Geld, dann zogen sie wieder ab. Kaum waren sie fort, als ein anderer Trupp Soldaten erschien, der von dem, was noch da war. wieder das Beste anssnchte, uns aber unbehelligt ließ. Nach diesen kam ein dritter Trupp und hielt Nachlese, bis schließlich bei dem siebenten oder achten Besuche überhaupt nichts mehr übrig blieb. Unser ganzes Zeug wurde fortgenommen, selbst einige Banknoten, die ich an meinem Körper versteckt hatte, wurden gefunden. Nachdem bei uns zur Genüge anfgcränmt war, klopften die Soldaten an die Thür meines Nachbarn, der aber gesonnen schien, Wider­stand zu leisten. Dies brachte die Soldaten in Wnth, und sie be-, gaunen, die Mauern und das Dach zu erklettern und in das Hans zu schießen. Während dieses Trubels gelang es mir, mit meinem kleinen Sohne in das Haus meine« Hauswirthes zu fliehen. Das Schreien und Rufen wurde immer heftiger, der Kugelregen immer stärker, das Haus war von allen Seiten dicht von Soldaten um­zingelt, wurde angezündet und brannte bald lichterloh. Bis in unser Zimmer flogen die Kugeln, und wir mußten uns platt auf den Boden werfen, um nicht getroffen zu werden, an ein Hcransgchcn war nicht zu denken, gerade vor unserer Thür lagen schon drei Tobte. Ein Soldat erschien plötzlich an unseren! Fenster und forderte Geld, widrigenfalls er Alle nicderschießen mürbe, doch zog er schließlich, wieder ab, als wir ihm versicherten, daß wir bereits total ausqeranbt seien. Nach einiger Zeit wurde es draußen ruhiger, und ich versuchte, nach dem Hause des Großsckretürs ©mt= Chianai zu kommen, doch wurden wir schon nach einigen Schritten von Soldaten anqchalten; wir flohen schnell in eine offen stehende Hausthür, wo wir uns eine Zeit lang anfhielten, und wagten uns erst weiter, als es draußen wieder ruhig schien. Wir wurden aber von Neuem angehalten und flohen diesmal i» das Haus einer Familie Li. Vater und Sohn trafen wir jammernd an. Sie klagte», daß ihnen Antiquitäten, Juwelen und Geld im Gesammtwerth von 150,000 T. geraubt seien. Während wir noch berathschlagtcn, was zu thun sei, sprang der Wind plötzlich um, und das Feuer bedrohte jetzt auch das Haus, in dem wir uns befanden, und versetzte uns in ein schreckliches Dilemma. An Flucht war nicht zu denken, da die Straße gedrängt voll von Soldaten war, das Feuer kam immer naher. Plötzlich hörten wir Rufe, daß eine Abtheilung Kavallerie hcranrücke, und benutzten die allgemeine Verwirrung, um nach unserem Hanse am Ostende der Straße znrückzucilen. Das Rufen und Schreien wurde lauter, dazwischen hörte man den Galopp der i^ransprengeud.en Kavallerie. Anscheinend hatte die Negierung soeben erst Nachricht von der Brandstiftung und Plünderung erhalten, und die «oldaten kamen jetzt, um die Ordnung wieder herzustcllen. Mir gelang es, mich, wie schon vorher geplant, nach dem Hause des Groß- sckrctärs durchzuschlagen. Ich kam dort gerade in dem Augen­blick an als er ru dem Großiekretär Hsü-Tuna wollte.