91*. IW. Donnerstag, 29. April 1915.
müsse. Diese Ansicht wird mit dem Hinweise darauf bestritten, daß wir einzig unsere eigenen Interessen zu Rate zu ziehen haben. Wir hätten keine Ursache, «ns zu betrüben, wenn sich Japan zur beherrschendem Vormacht ün Großen Ozean mache. Es handle sich um reine Machtfragen, und da könne für uns nur de- stimmend sein, in welcher Richtung wir Len Haupt- vortell finden werden. Wir unsererseits möchten sagen, daß uns diese Weite Ansicht besser als eine, vorzugsweise auf Gefühls regungen begründete gefällt. Aber damit ist die Frage selbstverständlich in keiner Weise erschöpft, denn es könnte sein, daß die Gefühls- regungen diesmal in der Linie einer über den Tag hinauÄlickenden vernünftigen Interessen Politik verlaufen. Andererseits ist ja mit der Betonung des eigensten deutschen Interesses noch, nicht ausgedrückt, daß Japan weiterhin auf unsere Unterstützung zu rechnen haben würde. So kommt bei diesen Erörterungen nicht gerade viel heraus, und wir würden uns mit ihnen auch nicht beschäftigen, wenn nicht bei dieser Gelegenheit wiederholt Andeutungen gemacht würden, nach denen es für uns möglich gewesen wäre, den Verlust von Kiautschou Äirch rechtzeitige Verständigung mit Japan zu vermeiden. Wir haben vor einigen Tagen bereits über eine Darstellung berichtet, deren wesentlichster Inhalt ungefähr der war, daß Japan mit sich hätte reden lassen, wenn wir dessen Wunsch nach einer Milliardenanleihe erfüllt haben würden. Jetzt hört man noch mehr und Greifbares in derselben Richtung. Es ist Graf Revent- l o w, der mitteilen zu sollen glaubt, daß Kiautschou nur zu sichern war durch ein sorgfältig vorbereitetes, zweckbewußtes gegenseitiges Abkommen mit Japan, daß man aber die entsprechende Gelegenheit nicht benutzt hat. Der letzte japanische Botschafter in Berlin, Herr Sugimura, sei schon einen Monat vor dem Kriege mit Bedauern geschieden, weil sich seine in der gleichen Richtung liegenden Wünsche als unausführbar erwiesen, und des- hall> sei Kiautschou verloren gegangen. Auch die stärksten Befestigungen hätten Liefen Ausgang auf die Länge nicht verhindern können. Es ist nicht am Platze, über diese Enthüllungen (denn -das sind sie) heute eingehender zu sprechen. Angerwmmen, daß die Mitteilung zutrifft — und sie -berührt sich ja im Kern mft dem, was wir hier schon erzählt haben —, so ist noch gar nichts darüber ausgesagt, ob ein solches Ab- kommen hätte verwirklicht werden können. Denn die Tatsache des englisch-japanischen Bündnisses ist doch mdjt so leicht beiseite zu schieben, und niemand kann wissen, welche starken Mtttel England angswendet haben würde, um Japan an einer Verständigung mit uns zu verhindern. Einen völligen Front- Wechsel aber würden die Staatsmänner in Tokio schwerlich haben vornehmen wollen, sie würden sich Wohl nur um eine Rückendeckung bemüht haben, wobei es ganz ins ungewisse gestalt geblieben wäre, ob wir die Sicherung von Kicmtschcm auch wirklich erreicht hätten. Es hätte uns geschehen können, daß wir zwischen zwei Stühle zu sitzen kamen. Die nachttägliche Untersuchung dieser allerdings inerkwürdigen Episode des Weltkrieges ist indessen darum nicht wertlos, weil sich aus ihr vielleicht doch eine Richtschnur für die Zu- kunft gewinnen läßt. Jedenfalls wird uns wie die übrigen Weltmächte das asiatische Problem nach dem Kriege in einer gegenwärtig kaum in ihrem ganzen Umfang« zu ermessenden Weise beschäftigen müsien.
Ein Gefecht in Deutsch-Südwest.
W• T.-B. Kapstadt, 28. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Die tdriontruppen, welche die Station Treflkopjes bewachten, wies«, dem Angriff einer deutschen Abteilung zurück, die 700 Mann stark war und 2 Kanonen (?) mitführte. Der Feind ließ 25 Tote und Verwundete zurück. (Und die englischen Berülste? Schristl.)
Die Neutralen.
Ein wichtiger Ministerrat in Rom.
Br. Bern, 28. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Wn.) Die schweizerische Depeschenagentur meldet aus Rom: Gestern
vormittag trat der Ministerrat zusammen. „Messagero" mißt dieser Sitzung besondere Bedeutung bei. Der Minister des Äußern Sonnino erstattete Bericht über die Tätigkeit
Als wir von dieser vorgeschobenen Stellung nach den russischen Linien blickten, war, wie in diesen Tagen allen, Ruhe hüben und drüben. Man sah durchs Glas die russischen Schützengräben sich an ein paar Stellen abheben. Bewegung oder Leben war nicht zu erkennen. SM und sonderbar friedlich lag das reiche grün«nde Land in dem warmen MtttagSkicht. „Ich glaube, wir wollen aber doch bald den Platz wechseln, wenn wir uns orientiert haben", sagte einer der Offiziere dom Generalkommando. „Wir sind doch hier für die russischen Schützen zu beliebte Objekte." Wir gingen dann zu einem anderen Punkte, der etwas zeigte, was ich in der Farm im Osten noch nicht gesehen hatte.
An einer Stelle nämlich ist ein Bauernhaus direkt in den Schützengraben mit einbezogen. Zirnächst sieht man das nicht, bis man in das HauS hineingeht und erstaunt merkt, daß der Schützengraben einfach im Innern des Hauses weitergeht. Sr ziebt sich längs der Breitwand, biegt nach der Schm-al- wand inn and führt unter der Mauer wieder ins Freie. In die Lehmwand des Hauses sind der ganzen Ausdehnung nach in ein Viertel Meter Höhe etwa über dem Erdboden breite Schießscharten gebrochen, so daß die Feuerwirkung gesickert ist. Alle Ei nrichtungsgegenstände sind natürlich entfernt, ebenso wie der Fußboden. Nur ein paar Heiligenbildchen hängen noch an den Wänden. Die Swenta Maria hebt die schönen Hände bittend empor.
Ein paar Meter Wetter vorn beginnen die verdeckten Drahthindernisse.
Die ganze Stellung und die Parallele der Russen sah ich dann noch einmal, von 300 Meter Höhe etwa, vom Fesselballon aus. An der Straße zu einem Gutshof stand die Gasfabrik" der Formation. Denn es war ein richtiger alter « htti-her Festungs-Fejjelballory der M sein Gas selbst her-
Mi-sbadener Tayblall.
der letzten Tage. Entscheidende Beschlüsse seien für heute zu erwarten. Ter italienisch« Botschafter in Paris Tittoni ist aus Paris in Rom eingetroffen. Der italienische Botschafter in Petersburg Carlotti wird wegen der langen und schwierigen Reise seinen Posten nicht verlassen.
Apponyi über die Verhandlungen mit Italien.
Sr. Rom, 28. Aprll. (Eig. Dvahtbericht. Ktr. Bln.) Der „Mattino" oeröffenllicht eine Unterredung mit dem Grafen A p p o n y i. Der ungarische Staatsmann erklärte, Österreich wünsche nichts weiter als Seehäfen und B e - wegungsfreiheit in der Adria. Er hob die gemeinsamen Interessen Österreichs und Italiens gegenüber der slawisch-russischen Gefahr besonders hervor und hofft, daß Italien keine unerfüll- baren Forderungen stellen wird, welche die künftige S o l, - darität beider Völker gegen den Panslawismus beeinträchtigen müßten.
Italienische Anleiheversuche in Amerika.
Rom, 27. April. (Ktr. Bln.) Der frühere Ministerpräsident Luzatti empfiehlt im „Sole", eine Anleihe von ein,gen Hundert Millionen in den Vereinigten Staaten aufzunehmen behufs Deckung der dort gemachten An» käufe von Getreide, Petroleum, Kohlen, Baumwolle, Pferden, Munition usw. Die transatlantischen Banken würden gern darauf eingehen, um die großen Geldüberschüffe frucht- bringend anzulegen, ohne daß sie ins Ausland gehen.
Gewiffenlose Aufhetzungsversuche Bulgariens gegen
Griechenland durch Dreiverbands-Berichterstatter.
Sofia, 27. April. Die englischen Marinebehörden beschlagnahmten vor einigen Tagen bei L e m n o s das amerikanische Schiff „Virginia", das mit K r i c g S k o li t e r- bande beladen war und auf dem auch einige Bulgaren reisten, die von Amerika zurückkamen. Auf die Schritte der bulgarischen Regierung hin wurden diese Reisenden befreit und konnten ihre Fahrt nach Dedeagatsch fortsetzen. Die von gewissen hiesigen Berichterstattern fremder Blätter verbreiteten Nachrichten, nach denen diese Bulgaren Kriegsgefangene wären, die man in den Gefängnissen der griechischen Inseln gefunden hätte, entbehren jeder Begründung.
Wilsons vermittlergelüste.
Br. New Dorf, 28. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) In einer Rede auf dem Bankett der „Associated Preß" hat der Präsident der Vereinigten Staaten erklärt: Wir werden die Vermittler für die Welt werden und werden eines Tages dazu berufen sein, eine entscheidende Rolle in der Beilegung dieses blutigen Konfliktes zu spielen.
Erhöhung des Kurses der neuen Rriegsanleihe.
Sr. Berlin, 28. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Stempelvereinigung hat dem „L.-A." zufolge den Abgabepreis für die neue Kriegsanleihe um ein weiteres Achtel-Prozent erhöht, nämlich auf 99*4 Prozent.
Vas Eiserne Kreuz erster Masse
erhielten: Oberleutnant z. S. v. Arnauld; Wachtmeister Krüger vom l. Garde-Reservc-Feldartillerie-Regiment; Offizierstellvertreter Bo er old vom Lohr-Jnfanterie-Regi- ment; Vizefeldwebel Grünhagel vom Gavde-Reserve- schützenbataillon; Unteroffizier Groß vom 6. Garde-Feld- artilleric-Regienent; Unteroffizier v. Hacht vom 2. Garde- Reserve-Regiment; Diplomingenieur W. Schulte; Unteroffizier Bruno Greifenberg.
Sr. München, 28. April. (Eig. 'Drahtbcricht. Ktr. Bln.) Housten Stewart Chamberlain hat däS Eiserne Kreuz am weißen Band erhellten.
Eine Stiftung des bayerischen Kvnigspaares für die Kriegsinvalidenfürsorge.
W. T.-B. München, 28. April. (Nichtamtlich.) In der heutigen Sitzung des Landeskamitees der bayerischen Kriegsinvalidenfürsorge, welche im Rittersaal der Residenz stattfand, machte Stoatsrninister Freiherr v. Soden die Mitteilung, daß >der König und die Königin 50 000 M. zu Zwecken der bayerischen Kriegsfiirsorge stifteten.
Französisches Brot für die gefangenen Franzosen.
W. T.-B. Basel, 28. April. (Nichtamtlich.) Die „Baseler Nachr." schreiben: Die Schweizer vermitteln neuerdings die Versorgung der französischen Gefangenen in Deutschland mit Brot. Die von Jugend auf an starken Brotverbrauch gewöhnten Franzosen empfinden jetzt die in Deutschland herrschende Sparsamkeit sehr und andere vertrügen das
stellte. Das hat den Vorteil, daß man einmal an Ort uiid Stellung recht unabhängig ist. Andererseits werden Veränderungen des Standortes wieder recht schwierig, was ja aber schließlich beiyi Stellungskrieg nicht sehr viel auSmacht, und beim Bewegungskrieg wird inan den Fesselballon schon aus anderen Gründen lieber durch andere Mittel ersetzen. Hier im Stellungskampf aber leistet der Vielverlästerte Vorzügliches. „Erst wollt' keiner was von uns wissen, und jetzt schrein sie alle nach uns."
Mit der Marine, den Wasserschiffen, haben die Luftschiffer scheinbar das gemeinsam, daß sie ihre Gäste rührend gut behandeln. Vielleicht hängt das damit zusammen, daß sie beide Mitleid mit denen haben, die demnächst die Seekrankheit packen wird.
Die dicke, gelbe Wurst mit dem Ansatz daran, der beim Freiflug zur Stabilität nötig ist, senkt sich, an dem Drahtseil gezogen, langsam zur Erde. Der Korb steht auf dem Boden. „Bitte!" Ich schwinge mich hinein, ein Leutnant von der Luftschiffertruppe folgt. Es ist ein bißchen eng, da sonst ja nur ein Mann beobachtet, aber es geht. Der Offizier nimmt das Telephon, das die ganze Zeit den Ballon mit der Station verbindet, in die Hand. „Ballon fertig!" „LoS!" Sechzehn Mann lassen die Winde ablaufcn, und langsam geht es in die Höhe. Trotz des lebhaften WindeS sind die Schwankungen gering, nachher beim Abstieg sind sie etwas stärker, sobald die Reihe der Ballonets schon den Boden berührt hat, und die kleinen gelben Schirme, die, wie beim Drachen, Stabilität verleihen, nicht mehr wirken.
Wir steigen. Ein paar hundert Meter hoch. Die rote Reißleine hängt neben den Gondelstticken. Eine weihe und eine rote Fahne sind in einer Tasche untergebracht, für den Fall, daß das Telephon versagt. „Weiß" heißt aufwärts
Morgen-Ausgabe. Gefles Blatt._Seite 8. .
deutsche Brot nicht. Am letzten SamStag rollte, von einer
Wohltätrgkeitsgesellschaft aufgegebene, die erste Sendung von 400 Laiben zu je 5 Kilogramm nach Basel. Von hier ab erfolgt die Zuführung nach den Bestimmungsorten durch die deutschen Behörden. Wenn der erste Versuch besrie- digende Ergebnisse zeigt, wird mit Hilfe der Schweizer Post dieser Brotverkehr regelmäßig eingerichtet.
Line Anerkennung für die Reichspostverroattung
Bekanntlich hat es namentlich zu Beginn des Krieges nicht an Angriffen gefehlt, die sich gegen angebliche Mißstände und Mängel, insonderlich Ler der F e l d p o st, richteten. Man hat dabei dock; wohl vielfach die Schwierigkeiten verkannt, mit denen die Postvevwaltung zu rechnen hatte, und riamentlich Warden der Feldpost vielfache Vorhaltungen gemacht für Dinge, die überhaupt nicht in LaS Gebiet ihrer Tätigkeit fielen, oder bei denen sie völlig auf die Anordnung anderer Behörden angewiesen war. Daß es auch Stellen gibt, die gern das Große anerkennen, was tatsächlich die Poftver» waltung geleistet hat, zeigt das nachfolgende Schreiben, das die Handelskammer Bremen an die Kaiserlich« OLer- postdirektion Bremen gerichtet hat. Darin heißt es:
Deutschland steht in dem gewaltigsten Kriege, der jemals Europa erschüttert hat. Der Kampf um das Bestehen des Deutschen Reiches und Volkes hat in Hunderttausend« von Familien Leid und Trauer getragen; aber er hat auch Herr» liche Früchte gezeitigt. Bewundernd sehen wir ein durch alle Schichten ' des Volkes gehendes Gemeinsamkeitsgefühl geweckt. Stolz und Dankbarkeit erfüllen uns, wenn wir der hingebenden Treue, des Heldenmuts, des Sinnes für Menschlichkeit und Recht gedenken, den unsere Truppen im Feindesland und auf der See, wie in den vergangenen Jahr- hunderren deutscher Geschichte, so auch heute bewähren. Mit staunenerweckender Selbstverständlichkeit haben sich alle Kräfte des Reiches den Anforderungen a n g e p a ß t, die die große Zeit an sie gestellt hat. Zu den Organisationen, die die der Erfüllung ihrer Aufgaben entgegersstehenden Hem- mungen in vorbildlicher Weise überwunden hoben, gehört die Post. In bewundernswerter Arbeit hat sie die Schwierigkeiten, die zu Anfang des Krieges hervortraten., und seren Überwindung sich widrige Umstände und militärische Rücksichten entgegenstellten, zu beseitigen vermocht, und heute wirkt die ganze gewaltige Organisation mit jener ruhigen Selbstverständlichkeit, Pünktlichkeit, Schnelligkeit und Sicherheit, die wir von den Leistungen der Kaiserlichen Reichspost im Frieden gewöhnt sind. ES ist uns ein Bedürfnis, dies der Kaiserlichen Oberpostdirektion zum Ausdruck zu bringen. Dar Matz an Mühe, das aafgewandt werden muh, um eine den täglichen Bedürfnissen eines jeden Volkes dienende Einrichtung in gutem Betrieb zu erhalten, wird meistens gerade dann verkannt, wenn der Betrieb zu Beanstandungen keinen Anlaß gibt. Um so mehr glauben wir als eine den Ausgaben des Verkehrs dienende Behörde dem Tanke und der Anerkennung Ausdruck geben zu sollen, die wir den hervorragenden Leistungen der deutschen Post daheim und im Felde zollen.
Für Aufnahme der KeisvorrSte/
w. t.-B. Berlin, 28. April. (Nichtamtlich.) Um ein« unnötigen Erregung in den Kreisen des legitimen ReiSge» schüft es entgegenzutreten, wird von unterrichteter Seite darauf hingewiesen, daß die Bundesratsverordnung über Reis nur den Zweck verfolgt, die ReiSmengen, die spekulativ vom Konsum ferngehalten werden, in die Hand des Reiches zu bringen und hierdurch gleichzeitig eine Reserve an Nahrungsmitteln zu schaffen. Ein Eingriff in die ordentliche Versorgung des Marktes mit Reis ist nicht beabsichtigt, sondern die Verordnung sah im Gegenteil besondere Maßnahmen vor, um Störungen und Schädigungen möglichst fernzuhalten. Daher sind die Fristen über den Erlaß der Aufforderung und über die Erklärung, ob der Reis übernommen werden soll, so kurz wie irgend angängig gehalten worden. Es ist insbesondere die Entscheidung darüber, ob und zu welchen Preisen die ReiSmengen übernommen werden sollen, in die Hand der Zentral-EinkaufS-Gesellschaft m. b. H. gelegt, worden, die auf Grund ihrer besonderen Kenntnis und unter genauer Prüfung des EinzelfalleS individualisierend und' vorsichtig Vorgehen wird. Denlegitimen Reisfirmen kann sonach nur anheimgestellt werden, gleichzeitig mit der Übersendung der Anzeigen oder möglichst bald nachher an die Zentral-ErnkaufS- Gesellschaft m. b. H. mit entsprechenden Anttägen heranzutreten, und zwar unter Beifügung von Unterlagen, die zweck- mäßigerweisc von der zuständigen Handelskammer zu begutachten sind.
Freiwillige für den Torpedobootdienst.
Kiel, 27. April. Bei der 1. Tvrpedodivrsion in Kiel werden zum 1. Juli und 1. Oktober 1915 eine Anzahl Vierjährig-Freiwillige des MaschinenpersorralS
dann, „rot" abwärts. Kleine Taschen, um eilige Skizzen nach unten zu befördern, sind ein halbes Dutzend angebracht. Ein kleiner Klapptisch läßt sich über der Gondelwand ausrichten; ein Lederriemen dient als Sitz. „Wenn man so stille fitzt und arbeitet, dann ist s schön hier oben, wunderschön", sagt ein Führer.
„Wenn nun feindliche Flieger kommen?"
„Es ist schwer, den Ballon zu treffen, jedenfalls schwerer oben in der Luft als unten aus der Erde. Wir bleiben oben und die Mannschaft unten geht in Deckung. Neulich hat einer auf unseren Gutshof eine Bombe geworfen, hundert Meter zu weit von der Ballonftelle. Nun, es ist nicht so leicht, einen Ballon zu treffen. Ja, und sonst fit Krieg."
Wir halten. Der Führer greift zum Telephon. „Hier Ballon. Bitte, noch 100 Meter ablassen, e? ist noch nicht genug Sicht bei dem Wetter." Wir steigen wieder langsam. Zwei starke Leinen laufen in Sicherheitsrollen, die zum Fefistellen sind. „Wenn das Seil mal reißt, läßt man die beiden Leinen los und der Ballon richtet sich auf zur Freifahrt.
Wir stehen wieder. Es ist kein gang klares Wetter. Doch weit, weit kann man in das Land sehen. Dünne, schwärzliche Striche, unsere Stellungen. Dorf bei Dorf sieht man dahinter in die russischen Linien hinein. Bon hier aus kann man Artilleriefeuer lenken. Das glaube ich!
In großen Bogen zieht die Weichsel, man sieht die Spiel» zeugtürme von Plock. „Drüben steigt sonst der Kollege von der Rawka auf, man kann ihn dann erkennen."
Meilen- und meilenweit sehe ich das polnische Land, Mer das der Krieg brennt. Nach welcher Richtung ich auch blicke, überall sind Gefechtsgelände, Schlachtfelder bis an de» Horizont nach der Rawka hin.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter,
