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Mittwoch» 28. April 1915.

Abend-Ausgabe.

Nr. 196. * 65. Jahrgang.

Der Krieg.

Der Urieg im Grient.

Vas Klägliche Ende des französisch- englischen Landungskorps auf Gallipoli

W. T.-B. K-nstantin-pel, 27. April. (Nichtamtlich. Nach­mittags 5,25 Uhr.) Das Hauptquartier teilt mit: Die Ufer von Sighin Dere, westlich von Scd ul Bahr, sind vom Feinde gesäubert. Der Feind war in der Nähe von Kaba Tepe gelandet und bemühte sich unter dem Schutz des FeucrS seiner Schiffe, sich in seinen Berteidigungsstellen zu halten. Heute früh nahmen unsere Truppen die genannten Stellungen im Sturm und zwangen den Feind, sich aus seine Front zurückzuziehcn; wir fügten ihm außer­ordentlich schwere Verluste bei. Ein Teil des Feindes, der nach dem Meer zu flieht, flüchtet sich in seine Schaluppen und entfernt sich schleunigst. Diejenigen, die nicht fliehen können, entfalten weiße Fahnen und er­geben sich in Massen. Wir haben festgestellt, daß ein feind­licher Transportdampfer, von den Geschossen unserer Artillerie getroffen, vor Ari Burun gesunken ist.

Eine in letzter Stunde, um 4,30 Uhr, eingetrofsene Mel­dung besagt, daß die feindlichen Streitkräfte, welche auf v i e r Brigaden geschätzt wurden, an der Küste von Kaba Tepe ins Meer getrieben worden sind. Ein feindlicher Kreuzer wurde mit zerbrochenen Masten und havariertem Hinterschiff nach Trnedos geschleppt.

Vas Zentrum und der rechte Flügel der Angreifer vollkommen geschlagen!

w. T.-B. Konstantinopel, 28. April. (Nichtamtlich.) Beim gestrigen Empfang des Jubiläums des Sultans teilte der Kriegsministcr aus einem Telegramm des Be­fehlshabers der 5. Armee Liman-Pascha mrt, daß das Zentrum und der rechte Flügel des Feindes voll­kommen geschlagen und Hoffnung vorhanden sei, daß auch der linke Nügel wanke.

Die Freude über die Niederlage bei uns.

(Bon unserer Berliner Schriftleitung.)

8. Berlin, 28. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Nach den im Laufe des heutigen Tages eingetroffenen Mel­dungen steht es fest, daß das auf der Halbinsel Gallipoli ge­landete englisch-französische Korps durch die unter dem Oberbefehl des Marschalls Liman von Sanders stegende fünfte türkische Armee eine schwere, wahrscheinlich ent­scheidende Niederlage erlitten hat, deren Bedeutung und Tragweite auch ,n den Berliner militärischen Kreisen mit aufrichtiger Genugtuung konstatiert wird. Die starken Kräfte, die ohne Zweifel seitens der Alliierten eingesetzt worden sind, hatten ihre Landung unter den günstigsten Bedingungen bewerkstelligt, an ver­schiedenen Punkten der Küste, deren Bewachung auch für den numerisch starken Verteidiger keine leichte Auf­gabe ist. vor allen Dingen aber unter dem Schutze ihrer an Gefechtseinheit wie an Artillerie noch immer außerordentlich starken Flotte. Die Zurückweisung dieses neuen Vorstoßes war eine schöne Waffentat der ver­bündeten türkischen Armee, wie auch in Deutschland warm a n e r k a n n t und mit heller Freude begrüßt werden wird.

Sultan Mohammed Reschad der Siegreiche.

w. T.-B- Konstantinopel, 27. April. (Nichtamtlich.) Der Ministerrat hat beschlossen, den Sultan zu bitten, den Titel „G h a s i" (der Siegreiche) anzunehmen. — Der Be­schluß des Ministerrats lautet: Da die vielen Erfolge, welche mit Gottes Hilfe durch die kaiserliche Armee und Marine an den verschiedenen Stellen errungen worden sind, namentlich die großen Siege bei den Dardanellen, als herrliche ' Siege sich Herausstellen, di- cs gerechtermaßen notwendig machen, daß der ruhmreiche Titel „Ghasi" dem allerhöchsten Namen Eurer Majestät hinzugefügt werde, und da das be­zügliche Fetwa des Scheik ul Islam Eurer kalifischen Majestät schon vorgelegt worden ist, bitten wir ehrfurchtsvoll um die Ermächtigung, dem Namen Eurer Majestät gleich den Ihrer Erlauchten Ahnherren den ruhmreichen Titel hinzu­fügen zu dürfen.

Der Jahrestag der Thronbesteigung des Sultans.

W. T.-B. Konstantinopel, 28. April. (Nichtamtlich.) An­läßlich des 7. Jahrestages der Thronbesteigung des Sultans ist die ganze Stadt re ich beflaggt. Die festliche Stim­mung wird noch gesteigert durch die Nachricht von äußerst wichtigen Erfolgen gegenüber einem neuen Versuch der Alliierten, die Dardanellen zu forcieren. Die Blätter beben hervor, daß die Regierung des Sultans, die mit der' Festigung des verfassungsmäßigen Regimes begonnen habe, dieses Jahr durch die Kundgebung der Lebenskraft und Einigkeit der Ottomanen und Muselmanen gekennzeichnet . sei, die sich in den bisher von türkischen Truppen errungenen Erfolgen zeigt. Die Blätter drücken weiter die Über­zeugung aus, daß der Dardanellenangriff, der die äußerste Anstrengung der Alliierten bedeute, ebenso jämmerlich scheitere wie die vorhergehenden An­griffe und daß der von der Türkei unternmumenc Kanipf um ihre Existenz zum siegreichen Abschluß gelange.

Ein verunglückter Angriffsversuch auf die syrische Küste.

W. T-B. Konstantinopel, 27. April. (Nichtamtlich.) Aus Alexandrette wird vom 26. April gemeldet: Vorgestern ist der französische Kreuzer „d'E n t r e c a st e a u x", begleitet von einem englischen Transportschiff, an dessen Bord sich ein Wasserftugzeug befand, in dem hiesigen Hafen ein­getroffen. Der Kreuzer nahm Kurs auf E r z i n, wobei das Wasserftugzeug aufstieg. Nach einer zweistündigen Kreuz­fahrt kehrte der Kreuzer nach Alexandrette zurück. Als das Flugzeug den Aufstieg unternahm, mutzte es nach einem Fluge von etwa 20 Minuten infolge des von den türkischen Truppen unterhaltenen Feuers an Bord des Transporffchifies zurückkehren.

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vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.

Die Wirkungen der deutschen Gasbomben.

Eine englische Schilderung.

W. T.-B. London, 27. April. (Nichtamtlich.) „Daily Chconicle" meldet aus Nordfrankreich folgende Einzel­heiten über die Anwendung giftiger Gase durch die Deutschen. Am 22. April, nachmittags 6 Uhr, sahen französische Soldaten in den vordersten Laufgräben zwischen Langemark und Knacke dichten gelben Rauch aus den deutschen iRhützengräben aussteigen und sich langsam gegen die französischen Stellungen be­wegen. N o r d o st w i n i) bewirkte, daß sich der Rauch wie ein Teppich über die Erde breitete, die er in einer Höhe von 16 Fuß bedeckte. Die Deutschen wand­ten starke Flaschen komprimierten Gases an, die mit Hähnen versehen waren. Diese wurden geöff­net, sobald der Wind auf die feindlichen Gräben stand. Die Anwendung von Gasen kam den Franzosen überraschend. Viele unter ihnen wurden v e r- giftet und st a r b e n; einigen glückte es, zu ent­kommen, aber sie wurden kurz darauf ganz schwarz im Gesicht, husteten Blut und sielen um. Die Wir­kungen des Gases wurden an der Front in einer Breite von sechs Kilometer und in einer Tiefe von zwei Kilometer bemerkt. Eine B i e r t c l st u n d e spater rückten die Deutschen aus den Schützengräben vor. voran Soldaten mit S i ch e r h e i t s h e l m e n, van sich zu vergewissern, ob sie die Luft atmen könnten. Ta das Gas sich nunmehr verteilte, rückten große Scharen Deutscher vor.

Die englifche Darstellung der ypernschlacht.

Haag, 27. April. (Ktr. Bln.) Nach einer Londoner Pri vatnachricht melden die „Daily News" aus Dünkirchen: Seit Sonntag wird Ypern von deutscher Artillerie heftig beschossen. Südlich von H e t Saas behaupten die Verbündeten die Yserübergänge. Es gelang ihnen, neue Truppenkörpcr vorzuwerfen und mit ihnen Vorstöße zu unternehmen. Die Gefechte scheinen für beide Teile sehr blutig zu fein. Eine große Anzahl Verwundeter kam in Dünkirchen, St. Omer und Boulogne an. 200 englische Lazarettwagen sind im Dienst. Aus verschiedenen Andeutungen der Berichterstatter holländischer Blätter ist zu entnehmen, daß die Aufnahme der deutschen Offensive im Ysergebiet die direkt vor ihrer Ans- führung stehenden Angriffs- und Durchbruchsplüne der Ver­bündeten durchkreuzten. Die Verbündeten hatten be­reits eine große Menge Reiterei zur Verfolgung der. De u ts ch c n hinter ihrer Front ausgestellt.

Der „Nieuwe Courant" sagt, daß an Stelle der von den Verbündeten so lange angekündigten Frühjahrsoffensive eine längere im stillen vorbereitete Offensive der Deut­schen jetzt zu kommen scheint.

Die „Times" meinen, daß jetzt die zw erte Schlacht m Flandern begonnen und der Feind offenbar gründliche Vorbereitungen getroffen habe. Das Blatt gibt von den neuen Kämpfen folgende Schilderung: „Es war am

Donnerstagabend, als sich dichte gelbe Rauchschwaden von der Front der deutschen Laufgräben gegen unsere Limen walz­ten. Während der Gegner scheinbar einen Rückzug anttat, erreichten die Rauchwolken die französischen Linien. Dre Mannschaften glaubten, die Deuffchen seien auf dem Ruck- zuge und sprangen zum Angriff aus den Gräben hervor. Nup kamen sie in die Stickgase. Außer Atem und betäubt fluteten die Franzosen, denen es noch möglich war, nach ihren Laufgräben zurück, während Granaten mu anderen Giftgasen über ihnen zersprangen. Die Verbuk beten waren machtlos, gegen die Stickgase anzukampfen. ~,en Schrecken ihrer Lage noch erhöhend, fegte ein ©tu r m von Schrapnellfeuer über sie hinweg. Bald erschienen die Deutschen auf der Fläche zwischen den Laufgraben. Aber die Franzosen waren größtenteils noch imstande, chre Ver­schanzungen wieder zu erreichen. Die Deuffchen machten einen durch entsetzliches Geschützfeuer wirksam unterstützten Jnfanterieangriff. Die Franzosen tvaren^ uoch voll ihrem ü b c r h a st c t e n Rückzug (auf gut deutsch Flucht genannt. Schristl.) v e r w i r r t und eine große Anzahl ihrer Mannschaften standen noch unter dem Einfluß der Betau- bungsgase. Tatsächlich wurden noch am Freitagabends völlig betäubte Soldaten in Dünkirchen eingebracht. Der Hanpt- angriff erfolgte auf das Zentrum der französischen Lime rmt der Landstraße Dixmuiden-Ypern beim KreuzwigS- punkt mit dem Kanal als Ziel. Steenstrate und Het Saas wurden von den Deutschen durch Sturmangriff ge­nommen, wonach eine iroch weiter südlich unternommene Schwerikungsbewegung Pitkem in die Hände des Feindes fal- len ließ. Nach tapferer Gegenwehr wurden d,e Fran­zosen über den Kanal getrieben, dabei mußten sie vier ganze Batterien und 75-Millimeter-Gefchutze zurücklassen. Der Feind überschritt den Kanal und nahm nach bitterem Kampf Lizerne ein. Sein weiters Vordringen wurde jedoch durch den Widerstand der auf B o e s i n g h e zurückgegangcnen Franzosen, die sich dort bist zur Ankunft belgischer Unterstützungen behaupteten, aurge- halten. Später wurde Lizerne beim Vordringen bis zum Kanal wieder genommen, aber die Lage ist dunkel.

Selten haben die „Times" über Erfolge der Deuffchen eine so rückhaltlose Schilderung gegeben, die gerade zwischen den Zeilen am interessantesten^ zu lesen ist.

weitere Einzelheiten nach englischen Duellen.

Aus Dünkirchen wird dem „Daily Chronicle", wie die „Kölnische Zeitung" aus Holland meldet, unterm 26. April

gemeldet: _ ■ m

Der belgische Lazarettdienst ist ganz nach Pope- ringhe zurückverlegt worden. Die französischen und eng­lischen Hauptlazarette befinden sich vor Armenttörest und weiter südlich. Beunruhigende Meldungen kom-' men von der Front bet Ypern. Unter Weglassung des schon aus den amtlichen Mitteilungen Bekannten ist folgendes an- zuftihren: B o e s i n g h e, am Kanal nach Ypern, ist g a n z

cz er stört. Der Kirchturm ist mitten durchgebrochen. Die wenigen noch vorhandenen Häuser sind zerstört oder ver­brannt. In den Wäldern von Ostvleieren erhalten gegenwärtig über 1500 Franzosen und Belgier die erste' Pflege, wonach sie über Poperinghe nach den größeren Laza­retten von Dünkirchen, Calais und anderen gebracht werden. In den Wäldern sind große Verhaue hergerichtet worden. Das Gehöft Lizerne befindet sich in deutschen Händen. An dem Yserkanal zwischen Boesinghe und Steen- straate tobt ein furchtbarer Kampf. Ern gefangen genommener deutscher Offizier erzählte, 600 Belgier hätten eine zersprengte deutsche Abteilung überfallen und mit Ge­wehrfeuer und Bajonett in deir Kanal getrieben, wo unter den Augen der Belgier über 60 Deutsche ertrunken seien. Die Fliehenden hätten Gelegenheit gehabt, ein Notsignal zu geben, worauf unverzüglich die Belgier durch Übermacht ver­folgt worden seren. Die deutsche Artillerie richtete ein ver­nichtendes Feuer aus die Verbündeten, von denen mehr als die Hälfte fielen, verwundet oder gefangen ge- nommen wurden. Der Feind hat die Straße nach Elverffngen unter Feuer genommen.

Aus dieser abgerissenen Darstellung ersieht man, daß man in Dünkirchen sich allgemein des Ernstes der Lage der Vcrbürrdeten bewußt ist. Das geht auch aus einem Be­richt vom 24. aus derselben Stadt an die „Time s" hervor. Darin heißt cs:

Die Lage ist kritisch. Es ist den Deuffchen ge­lungen, an einer Stelle Franzosen mit Hilfe von Stickgasen zurückzuwerfen. . . . Die Engländer haben ihre Trup­pen vorgeschoben, um das Glück auf die Seite der Verbün­deten zu ziehen, allein ihr äußerster linker Flügel ist ge­wichen, so daß ihre Linie jetzt bei Ypern ernstlich be­droht erscheint. Die Front de: Verbündeten reicht von der belgischen Aufstellung am Yserkanal nach dem Punkt, wo er mit dem Kanal von Ypern zusammenfließt, läuft dann über Bixschoote nach Langemarck, und in einem langen Bogen über ZiIlebckc. St. Eloi schließlich nach Ypern. Dieser Kreis ist jetzt durchbrochen. Südwestlich von