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GM« 8. fSSSSSSäSSßL Erstes Blatt.

itnS diese Formulierung zum gewöhnlichen Hanld- gebrnuch gern gefallen lassen. Es ist dafür gesorgt, daß die br-iti scheu Nöte und Sehnsüchte uns in keiner Weise kümmern, wir werden unseren Weg weiterg-ehen, wie das mit erfreulicher Bestimmtheit der Reichskanzler jetzt wieder durch di«N. A. Z." hat erklären lassen. An den -Leinen und so vielsagenden Artikel des Wilhelm- straßenblattes möchten wir aber noch einige Bemerkun­gen anknüpfen. Wir müssen sagen, daß diejenigen, die tzs durch allerlei Getuschel und Gercmne .dahingebracht haben, daß Zweifel an der Entschlossenheit der leiten­den Stelen zur unmittelbaren Durchführung des Kampfes entstehen konnten, eine Abscheulichkeit begangen haben. Wir haben die wohlbegründete Über- zeivgung, daß es in keinem Augenblick seit dem Kriegsbeginn einen Gegensatz der Ansichten zwischen den für unsere Kriegführung und unsere auswärtige Politik verantwortlichen Stellen über die Notwendigkeit gegeben hat, un­sere günstige Kriegslage unbeugsam auszunutzen und keinen Frieden zu schließen, der uns nicht reichlichen Lohn für die gebrachten ungeheuren Opfer einträgt. Für keinen Wissen- den war es erforderlich, das jetzt nochmals zu betonen. Wenn in weniger kundigen Kreisen aber doch eine ge­wisse Verwirrung angestiftet werden konnte, so mußte sie freilich zerstreut werden, was jetzt also geschehm ist, aber die Urheber dunkler Machenschaften, denen mit solcher wohltuenden Schärfe entgegengetreten werden mußte, haben sichtbarlich kein Verdienst erworben; hoffentlich wird es nicht wieder nötig werden, ihnen den Mund zu stopfen.

Bom H-Bootskrieg.

i W- T.-B- London, 27. April. (Nichtamtlich.) Die Time?" berichtet, daß der von einem deutschen Unterseeboot angegriffene FischdampferEnvoh" in den Tyne heimge­bracht worden sei. Die Mannschaften der norwegischen 'BarkenOska r" undE v a", die von Unterseebooten an­gegriffen worden waren, kamen mit dem dänischen Dampfer Anna" in Burnisland an. Beide Barken wurden, nachdem die Mannschaften sie verlassen hatten, in Grund geschossen.

Flachgehendc Schiffe als Schutz gegen die II-Boots- Gefahr.

W. T-B. Berlin, 27. April. DieBoss. Ztg." meldet aus Hamburg: Nach einer Meldung desHamb. Fremdenbl.' aus Rotterdam werden auf englischen Werften neue Fahr­zeuge mit flachem Boden gebaut, die für Truppentrans­porte bestimmt sind. Der geringe Tiefgang dieser Fahr­zeuge soll sie vor Torpedo? schützen. Es sollen 100 von diesen im Bau sein, von denen zwei in der vergangenen Woche in Newcastle zu Wasser gelassen worden sind.

Der englisch-holländische Postverkrhr.

Rotterdam. 26. April. (Ktr. Bln.) Der englische DampferKopenhagen" traf wieder mit englischer Post in Hoeck van Holland ein,

Die englische Rekrutierung.

W. T--B- London, 27. April. (Nichtamtlich.) Mac Namar« sagte in einer Rede, Kitchener sei zwar zufrieden mit der Aufnahme seines Appells an das englische Bott, aber das be­deute keineswegs, daß die Zahl der in die Armee Ein­getretenen ausreiche.

Der hohe Brotpreis in England.

W. T -B- London, 27. April. (Nichtamtlich.) In der Sitzung der Armenverwaltung in Cardiff sagte ein Mitglied, man müsse die Aufmerksamkeit der Regierung daraus lenken, daß der Brotpreis seit Kriegsbeginn von 5sH bis 6 auf 8i/ 2 bis 9 Pence für vier Pfund gestiegen sei. Andererseits machte eine große Müllereifirma kürzlich einen 300 Prozent höheren Gewinn als im Vorjahr. Der Weizenpreis erreichte mit 64 Schilling für den Quarter den Höchstpreis der letzten 25 Jahre.

Der Krieg im Grient.

Die englische Meldung zum Angriff auf die Dardanellen.

Br. Amsterdam, 27. April. (Eig. Drab Gericht. Ktr. Bkn.) Da» britische Pressebureau berichtet unter dem 26. April: Der allgemeine Angriff auf die Dardanellen durch Flotte und Heer wurde gestern wieder ausgenommen. Die Landung des Heeres begann unter Deckung der Flotte vor Sonnen­aufgang an verschiedenen Punkten der Halbinsel Gallipoli und

_Wiesbadener Tagbiatt.

gelang ausgezeichnet, trotz ernsten Widerstandes des Feindes in seinen starken und durch Stacheldraht gesicherten Verschanzungen. Vor Einbruch des Abends toar eine starke H e e r e s m a ch t am Ufer aufgestellt. Landung und Aufmarsch dauern fort. (Der türkische Bericht wußte ganz andere Dinge zu melden. Schriftl.)

Der russische Bericht über den letzten Vorstoß an den Bosporils.

W. T.-B. Petersburg, 27. April. Der Petersburger Telegraph" meldet: Am Sonntag um 6 Uhr morgens

näherte sich die Schwarzmeerflolte dem Bosporus. Um 8 Uhr eröffneten die Geschütze das Feuer gegen die Forts. Als Folge der Beschießung wurden starke Explosio­nen (?) in einem Fort beobachtet. Die am Platz befindlichen türkischen Kriegsschiffe wurden beschossen und gezwungen, sich zurückzuziehen. Der türkische PanzerT o r g u d Reiß" beschoß unsere Schiffe ohne Erfolg. Die feindlichen Torpedo­boote wurden durch das Feuer unserer Schiffsgeschütze schnell vertrieben. Beobachtungen durch Wasserflugzeuge ergeben die Genauigkeit des Feuers unseres Geschwaders. Die feind­lichen Batterien beschossen unsere Flieger ohne Erfolg.

Deutsche Flugzeuge über Tenedos von Schrapnells getroffen?

Br. Rotterdam, 27. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr, Bln.) DieTimes" meldet aus Mytilene: Die beiden deut­schen Flugzeuge, die Tenedos mit Bomben bewarfen, wurden durch Schrapnellfeuer getroffen und heruntergeholt. Das Schicksal der Flieger ist nicht bekannt.

Griechische Dampfer unter falscher Flagge. '

Br, Rotterdam, 27. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Wie dieTimes" meldet, wurden vier griechische Dampfer, die unter amerikanischer Flagge Konterbande nach der Türkei transportierten, nach Mud ros aufgebracht.

Die Neutralen.

Englische Beraubung der Neutralen.

Stockholm, 27. April. (K. Z.) Die Zeitungen melden die Aussehen weckende Nachricht, datz die Engländer wieder einen unerhörten Übergriff gegen Schwedens Handel und Seefahrt begangen haben: Der große schwedische LiniendampferKron­prinzessin Margareta", welcher der vom Staat unterstützten Reedereigesellschast Novdstjernan gehört, ist auf der Reise von Schweden mit Fracht nach San Francisco von den Gng- ländern im Atlantischen Ozean in Beschlag genommen und nach Stornoway geführt worden. Zeitungen aller Parteien befürworten außerordentliche Maßregeln, um Schwedens Handel und Seefahrt zu schützen.

Eine entschiedene schwedische Auflehnung gegen die Vergewaltigung durch England.

In einem AufsatzRäirberxolüik auf dem Meere" betitelt, schreibtNya Dagligt Alllehanda":

Die entsetzliche Brutalität, das Zurückkehren zu früheren Zeiten unverhüllter Kaperei sind einzig und allein verursacht, weil es England ist, das jetzt Krieg führt. Mr haben hier in Schweden zweifellos Möglichkeiten der Ver­geltung, und wenn wir sie nicht versuchen, dürste unsere Lage in kurzer Zeit noch unerträglicher werden. Der über unser Land gehende bedeutende Verkehr zwischen Eng­land und Rußland gestattet uns, Maßnahmen zu treffen, die England daran erinnern, daß wir zwar gewillt sind, diesen! Verkehr zu Diensten zu stehen, aber daß wir es nicht an­gemessen finden, daß wir mit Hieben für unsere Ge­fälligkeit belohnt werden. Nicht einmal niedrig- stehende Naturvölker würden sich in solche Be- handlungstveise finden. Unsere Stellung als altes Kulturvolk macht es uns zur Pflicht, nicht erbärmlich unser Selbstgefühl preiszugeben. Ebenso viele Tonnen schwedisches Gut, das England sich aus schwedischen Fahrzeugen aneignet, genau ebenso viel« Tonnen englischer Waren können wir an unserer Grenz« an halten. Worte, und wenn sie noch so sorgfältig festgelegt sind, gelten nicht mehr. Für den, der nicht zum Standpunkt deö Maden hercchsinken will, bleibt nur noch übrig, durch Handlungen zu bekunden, daß er sich sein sonnenklares Recht nicht zertreten' lassen will.

Ein Norweger als Spion i« Schweben verhaftet.

W. T.-B- Malmö, 27. April. Der norwegische Ingenieur Mnnthe af Morgen st ierne war angestellt als Zeichner bei der mechanischen Werkstätte Koknma in Malmö und ist wegen Spionage verhaftet worden. Er hatte sich mehrere Zeichnungen von Unterseebooten und Torpedobooten ange­eignet und teilweise nach Norwegen gesandt. Er behauptet, die Zeichnungen zu seiner Weiterausbildung benutzen zu wollen. Da der Verhaftete vor einiger Zeit erklärte, nach Amerika auswandern zu wollen, schöpfte man Verdacht. Bei der Kontrolle der Zeichnungen wurde der Diebstahl entdeckt.

Mittwoch, 28. April 1915. Nr. MC.

Der Verhaftete tjt der Sohn des Kommandanten der Festnust

B e r g e n h u s, des Generals Morgenstierne.

Unfall zweier italienischer Militärflieger.

W. T.-B. Berlin, 27. April. (Nichtamtlich.) Die J8. Z. am Mittag" meldet aus Mailand: Heute früh fanden ine

beiden Militärflieger, der 36jährige Steuermann Vwr- s e n t i und der 21jährige Heizer Perini, auf einem Fluge von Venedig nach Chioggia im Sumpfe bei der Insel Palestrina ihren Tod.

Eine griechische Anleihe in Amerika.

W. T.-B. Athen, 27. April. (Nichtamtlich.) DerEstia" zufolge begann die griechische Regierung mit einer ameri­kanischen Kapitalistengruppe Verhandlungen über den Ab­schluß einer Anleihe über 35 Millionen.

Das Eiserne Kreuz.

Durch das Reichsgesetz vom Jabre 1878 wurde. den Rittern des Eisernen Kreuzes 1. Klaffe und den Inhabern der 2. Klasse, wenn sie zugleich das MilitärehrenzerHen 2. Klasse besitzen, so weit sie den untern Chargen bis zum Feldwebel cmgehören, eine Ehrcnzulage von monatlich 3 M. bewilligt. Daneben bestehen aber bereits seft dem Jahre 1541 sogenannte Senioren st eilen, die mit einem wesentlich höheren Ehrensokd ausgestattet find. Friedrich Wilhelm IV. errichtete in diesem Jahr» eine Stiftung, aus der 12 Senioren aus dem Offizierstcmde nnd 12 Senioren aus dem Stande vom Feldwebel abwärts, die Ritter des Eisernen Kreuzes 1. Klasse waren, einen Chrensold von jährlich 150 Taler sowie 36 Senioren des Offizierstandes und 36 aus dem Unteroffizier- und Mawnschaftsstande, int das Kreuz 2. Klasse besaßen, einen Ehrensold von 50 Taler jährlich er­hielten.

Auszeichnungen.

Sr. Berlin, 27. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) DaS Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielt der Landtagsabgeordnete für Saarbrücken, Professor Herwig.

Ein tapferer sozialdemokratischer Rechtsanwalt.

Sr. Darmstadt, 27. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Mn.) Der Rechtsanwalt Dr. Sturmfels aus Grohnnrstadt, ein Führer der hessischen Sozialdemokratie, der im An­fang des Krieges schwer verwundet wurde, ist zum Leut­nant befördert worden. Jetzt hat er das Eiserne Kreuz und die hessische Tapferkeitsmedaille erhalten.

Vom Ziegler zum Leutnant.

Detmvld, 26. April. (K. Z.) Ein praktischer läppischer Ziegler, August Bergmann, ist im Osten zum Leutnant befördert worden.

Jur Niederschlagung gerichtlicher Untersuchung«« gegen Kriegsteilnehmer.

Ein neuer Gnadenbeweis des Kaisers.

W. T.-B. Berlin, 27. April. (Amtlich.) Ein Allerhöchster! Erlaß vom 24. April 1915 besagt: Auf Grund des Gesetzes vom 4. April 1915 über die Niederschlagung von Ureter- suchwngen gegen Kriegsteilnehmer will ich in Gnaden ge­nehmigen, daß die gerichtlich bereits eingeleiteten, bis zum heutigen Tage noch nicht rechtskräftig erledigten Untersuchungen gegen Teilnehmer an dem gegenwärtigen Kriege niedergeschlagen werden, so weit fie vor dem 27. Aar. 1915 und vor der Einberufung zu den Fahnen begangene 1. Übertretungen, 2. Vergehen mit Ausnahme de^mägen wegen Verrats militärischer Geheimnisse, 3. Beibrechen im Sinne der §§ 243, 244, 264 des Reichsstrafgefehbuches, wobei der Täter zur Zeit der Tat das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte, zum Gegenstand haben. So weit in anderen Fällen eine Niederschlagung der Untersuchung angezeigt er­scheint, erwarte ich Einzelvorschläge. Ausgeschlossen von den Gnadenerweisen sind Personen des SoldatenftaNdes, gegen welche wegen begangener Straftaten durch Militär» gerichtliches Urteil auf Entfernung aus dem Heere oder der Marine oder auf Dienftentlass.ung erkannt ist oder lvird, sowie andere Personen, die mit Rücksicht auf die Straf­tat ihre Eigenschaft als Kriegsteilnehmer verloren haben oder verlieren werden. Der Justizminifter und der KriegSmintster haben die zur Ausführung des Erlasses erforderlichen An­ordnungen zu treffen. Gegeben Hauptquartier, 24. April 1915. gez. Wilhelm, gegengez. Wild v. Hohenborn, Beseler.

Sur Freilassung englischer Bankbeamter ans dem Lager Ruhleben.

W. T-B. Berlin, 27. April. (Nichtamtlich.) Vor einigen Tagen wurden aus dem Gefangenenlager in Ru hieben 17 englische Bankbeamte entlassen. Wie von $a* ständiger Seite mitgeteilt wird, hat es mit den Entlassenen folgende Bewandtnis: Bei der Festsetzung aller jetzt in Ruh-

Em Frühlingsausflug von Tod;.

Von Ernst Qnadt.

Auch in Polen will es Frühling werden! Die Sonuc flacht vom blauen Himmel, der Schnee weicht. Nur hier und

K : sieht man noch ein weißes Fleckchen, sonst überall weite achliegende, aufgeweichte Felder, über die die Kriegsfurie oeschritten ist. Nicht wesentlich unterscheiden sich jetzt die isonst mit Getreide üppig bewachsenen Landstriche von den Sümpfen, die unseren Truppen so oft beim Borwärtsstürmen hinderlich waren Es ist just Frühlingswerden, ein Scheiden beginnt zwischen dem Wegsamen Boden und den gefährlichen mosrigen Gründen, die mit ihren geheimen Armen viele unserer braven Feldgrauen, aber noch mehr flüchtige Russen ausgenommen und Mr immer verborgen haben. Nicht lange »mehr, dann kann man wieder von Wegen und Straßen in Polen reden. Die Sonne tut ihr möglichstes, um das über­reich geflossene Wasser zu vertilgen, und ein frischer Früh- lingswtnd Hilst daboi.

Es ist uun einmal uns Deutschen zur Eigenart gewor­den, beim Lachen der Sonne ans Wandern zu denken. Mag auch viel Schweres hinter unseren braven Feldgrauen liegen, sie lassen sich deshalb diese Eigenart nicht nehmen, und in kleineren und größeren Trupps schlendern fie ans der wenig leinlcchenden Fabrikstadt Lodz hinaus, über den weichen Boden, über verwaiste Schlachffelder und verfallende Schützengräben. Ziele göbsss ja genug. In der Ferne locken Wälder, da und dort find Erinnerungen auszufrischen, bei Ouartierwirten und an stillen Hügeln gefallener Kameraden.

Die meiste« ziehen des Weges über Radogoszi nach dem Villeuort R«i; denn dort befinden sich die ersten deutschen Soldate»gri»er. Hier hat es harte Kämpfe gegeben, viel« Tote^und -st«ß^MstcheäSipgc. Von.der im Norden der Stadt

mitten im Judenviertel gelegenen Kirche Mariä Himmel­fahrt, deren schlanke Türme hoch gen Himmel ragen und der Silhouette der Stadt ein freundliches Gepräge verleihen, führt die Brzczinher Straße hinaus zu den Kirchhöfen am Weichbilde der Stadt.

Ein endloser Trauerzug, in dem nicht weniger als acht Särge geführt werden, gibt Kunde von der unheimlichen Sterblichkeit, die in Lodz namentlich unter den Kindern herrscht. Fremdartig und fast abstoßend berührt der form» lose, ungeordnete Zug, in deui auch schwächliche Kinder, vier kleine Mädchen, einen Sarg tragen, was bei dem starken Winde und auf dem elenden, holprigen Pflaster schon eine schwere Aufgabe für Erwachsene wäre. Ein Geistlicher ist im Zuge nicht zu sehen, nur die klagenden polnischen monotonen Grabgesänge des Trauergefolges begleiten die Toten.

Läßt man den verwahrlosten Kirchhof rechts liegen, so kommt man, sich in nördlicher Richtung wendend, zunächst an dem jüdischen Friedhof vorbei, wo bekanntlich die russische Artillerie aufgesahren war. Nicht weit mehr liegen dann die zerstreuten Gehöfte von Radogoszi. Kleine, unscheinbare Bauernhäuser sind's, die alle die Folgen eines Kampfes auf- weisen, dessen Mitte sie bildeten. Aber trotz eingestürzter Mauern, trotz großer Löcher in den Wänden und trotz zer­trümmerten Fenstern haben sich die Bewohner wieder fast vollzählig eingefunden und sich, so weit es irgend ging, wohn­lich eingerichtet. Dabei hat die menschliche Erfindungsgabe beträchtlich mitbelsen müssen. Mit Betten, Kleidern, Säcken. Ziegelsteinen, Brettern und dergleichen sind die vielen von den Granaten verursachten Löcher verstopft. Das gibt den Häusern ein eigentümliches, buntes Aussehen.

Von diesem ungastlichen Dorf aus erreicht man in kür­zester Zeit eine die ganze Gegend beherrschende Anhöhe, deren Mittelpunktfrüher,einmal, eine stattliche Ziegelei bildete, die

jetzt jedoch einem wüsten Trümmerhaufen gleicht. Es ver­lohnt sich, hier von einem erhöhten Sitze aus- Umschau zu halten, denn ganz in der Nähe jenseits der Ziegelei erkennt man noch die ersten Schützengräben, die sich schlaagenartig am Bergabhang entlang weit ins Tal hinziehen. Zahlreiche Gegenstände säumen die Ränder der Gräben ein: Konserven­büchsen, llniformfetzen, Patronen, Soldatenmützen, Packn»gS- material, Patronentaschen usw. Einen traurigen und jam- mervollen Anblick gewähren die verwüsteten Anwesen de» Wirtschaftsbesitzer, deren Häuschen sich auf der Anhöhe ent­lang der Straße ziehen. Nur zum Teil stehen hier noch die Mauern. Das Innere der Häuser ist ausgebrannt, die klei­nen Gärtchen sind niedergetreten und die Obstbäume fast sämtlich niedergeworsen. Alles Zeichen, daß hier ein erbitter­ter Nahkampf getobt haben muß.

In einiger Entfernung stcht ein kleines Gehölz, in dem ebenfalls ein Kampf Mann gegen Mann staitgefunden haben muß. Am Rande des Gehölzes liegen drei Massengräber von je 17 und 18 tapferen Kriegern und dicht dabei das Grab eines Leutnants, der am 19. November hier seinen Heldentod fand. Die Gräber sind schön hergerichtet, mit Holzkreuzen geschmückt und mit Kiefern bepflanzt. Still, abgeschlossen von der Welt, stimmungsreich liegt dieser Ehrensriedhof. Aus der Ferne grüßen dunkle Wälder und über die Kreuze und das erwachende neue Grün huscht die Sonne, verweilt da und dort, als wollte sie aus jeden einzelnen der hier Ruhende- aufmerksam machen. Hier wird einst ein stiller WakkMhrtS- ort der Angehörigen der in fremder Erde Ruhenden werden.

Der Weg nach Rogi führt aufs neue an Massengräbern vorüber, neben den Deutschen liegen hier auch Russen, taai an den Andrcas-Holzkreuzen kenntlich ist. Von Rogi, dem Villenort der Lodzer Wohlhabenden, ist nicht viel übrig ge­blieben. Alle Villen sind zerschossen, ein Schutchavjen.