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Mittwoch, 28. Kpril 1415.
Morgen- Nusgabe.
Nr. 195. * 63. Jahrgang.
Der Krieg.
Der österreichisch - ungarische Tagesbericht.
Ruhe nach -en letzten Rümpfen.
W. T.-B. Wien, 27. April. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet unter dem 27., mittags: An der ganzen Front Leine besonderen Ereignisse. In manchen Abschnitten lheftige Geschützkämpfe. In den Karpathen haben die Russen ihre verlustreichen Angriffe gegen unsere Stellungen am U z s o k e r Patz und in den östlich anschließenden Frontabschnitten zunächst wieder eingestellt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Tin französischer Panzerkreuzer von einem österreichiichen Unterseeboot torpediert.
W. T.-B. Brindisi, 27. April. (Nichtamtlich, Mel- H>ung der „Ageneia Stefanie.) 20 Meilen von Kap S a n t a M a r i a I l e u k a ist der französische Panzer- ikreuzer „Leon G a m b e t t a" gestern nacht von einem österreichischen Unterseeboot torpediert worden. Ein Teil der Besatzung wurde gerettet.
(Der „Leon Gambetta" war ein Panzerkreuzer von ckTOOO Tonnen, der im Jahre 1801 von Stapel lief und eine ^Geschwindigkeit von 23 Seemeilen erreichte. Die Bestückung gestand aus vier 19,4-Zentimeter-, sechzehn 16,4-Zentimeter- |anb vierundzwanzig 4,7-Zentimeter-Geschützen. Die Besatzung betrug 704 Mann. Das österreichische Unterseeboot hat demnach eine recht ansehnliche Beute gemacht. Schrift!.)
Der Austausch der Schwerverroundeten zwischen Deutschland und Rußland.
W- T.-B. Stockholm, 27. April. (Nichtamtlich.) Aus Trelle- borg wird gemeldet: Diese Woche beginnt die Auswechslung der schwerverwundeten Gefangenen zwischen Rußland und Deutschlands anfangs nur mit einem Wagen wöchentlich in jeder Richtung.
Unterbindung des fchwe-isch-finnifchen Verkehrs
Hamburg, 26. April. (K. Z.) Das „Hamb. Fvemdenbl." meldet aus Stockholm: Der schwedisch-russische Grenzverkehr über Karungi ist z u E n d e, da die Eisdecke des Torne- Fluffes infolge des Touwetters auftaut. Der Personen- und Güterverkehr wird über Harparanda geleitet. Die schwedischen Schiffsbesatzungen weigern sich nach der Katastrophe der „Fraack", die Überfahrt nach Finnland anzutreten, so daß gegenwärtig auch der gesamte Seeverkehr zwischen Schweden und Rußland stockt.
Ei» schwedischer Dampfer in der Aalandsee untergegangen.
W. T.-B. Stockholm, 27. April. (Nichtamtlich.) Das „Stockholmer Dagblad" meldet aus Soederarm: Der schwedische Dampfer „Centric", mit Kohlen von Jmmingham nach Gefle unterwegs, ist am Montag in der Aalandsee untergegangen. Vermutlich stieß er auf eine Mine. Die Besatzung wurde gerettet. Man 'hatte von einem Unterseeboot nichts gemerkt.
Wiederaufnahme derDffensive gegenwontenegro
Br. Paris, 27. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Nach Meldungen ans E e t t i n j e hat am 21. April ein Angriff der Österreicher gegen die montenegrinischen Stellungen begonnen. Der Angriff wurde durch ein heftiges Artillerie- duell eröffnet, dem bald darauf ein Sturmangriff der österreichischen Infanterie folgte. Dieser erste Angriff soll von den Montenegrinern abgewiesen worden sein. Nach einem weiteren Telegramm wiederholten sich die österreichischen Angriffe am 23. und 24. April. Da die montenegrinische Note den Ausgang dieser letzten Hrimpfe verschweigt, ist anzunehmen, daß sie mit dem Erfolg der Österreicher endeten.
vom französisch-belgischen Kriegsschauplatz.
Der deut le Sieg am pferkanal.
Die Betrachtungen eines holländischen Militärs.
Br. Amsterdam, 27. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.s Der militärische Mitarbeiter des „Maasbode" schreibt zu dem deutschen Siege bei Ipern: Hierdurch zeigten die Deutschen, daß sie gar nicht daran denken, sich auf die Verteidigung des besetzten Gebietes zu beschränken, sondern sich bemühen, durch £ ffensive diesem fürchterlichen Kriege ein Ende zu machen. Der hier errungene Sieg ist bisher noch rein ört- Iicher Natur, kann aber großen Einfluß auf die Zukunft haben. Der Verfasser berechnet, daß die Deutschen in den letzten zwei Tagen 60 000 Geschosse aus ihren schweren Geschützen auf dieses Schlachtfeld geworfen haben und meint, die e r st e F o l g e dieses Sieges dürfte sein, daß Ipern von den Verbündeten geräumt werden müsse, wie Zrench die Schuld auf die Franzosen schiebt- London, 26. April. (Ktr. Frist.) Reuter meldet: Feld- marjchall French berichtet, daß die schweren Gefechte noch
fortdauern, während die allgemeine Lage unverändert bleibt. „Unser linker Flügel, der sich von neuem formieren mußte, um sich an die geänderten Stellungen anzuschließen, die entstanden waren durch den Rückzug, zu dem die Franzosen genötigt waren, mußte nach Norden gegen den Feino Front machen und sich im Westen bis unterhalb St. Julien ansdehnen. Diese Verlängerung schwächte unsere Linie und nach einem sehr tapferen Widerstand der Kanadier gegen eine Übermacht wurde St. Iulien durch den Feind genom - m e n. Die deutschen Angriffe von gestern östlich von Ipern mißglückten trotz des Gebrauches von Stickgasen. Deutsche Offiziere und Mannschaften wurden gefangen genommen. Während der letzten drei Tage verursachten wir den Deutschen schwere Verluste, auch unsere Verluste sind schwer. Der drahtlose deutsche Bericht, daß vier schwere englische Kanonen durch die Deutschen erobert seien, ist unwahr. (Aber kanadische. Schristl.) Einer unserer Flieger warf heute nachmittag Bomben aus de« Bahnhof von C o m b r e s und vernichtete die Eisenbahnverbindung."
Die in Wien über die Siege im westen
und Gften.
w. T.-B. Wien, 27. April. (Nichtamtlich.) Die Blätter konstatieren mit Genugtuung, daß nicht nur die angebliche Offensive der Dreiverbcmdsmächte aus den westlichen und nordwestlichen Kriegsschauplätzen gescheitert ist, sondern daß vielmehr die letzten Nochrichten von diesen beiden Kriegsschauplätzen einen strategischen Plhasewechsel erkennen lassen. Die Armeen der Verbündeten seien auf beiden Seiten einer Abwehrstellung zu krafwollen und erfolgreichen Off«nsivstöß en übergegangem, welche gute Aussichten für einen weiteren Verlaus der Kämpfe erwecken.
Die „Stinkbomben".
Eine gute burischr Erinnerung.
Von Ser holländischen Grenze, 26. April. In der Übersicht über die Kriegslage in der heutigen Abendnummer der „Nieuwe Rotterd. Courant" erscheint im Anschluß an eine Bemerkung des Blattes, daß während des Buren-Krieges über die durch die englischen L y d d i t - Geschosse verbreitete. Stickluft geklagt worden sei, ein in burischem Holländisch geschriebener Brief eines Südafrikaners aus dem Oranje-Freistaat. „Mein Vater", so erzählt er, „war mit Cronje bei Paardeberg von den Engländern gefangen genom- men worden und hat mir viel über die von diesen gebrauchten Stinkbomben erzählt. Als sie den englischen Offizieren Vorstellungen deshalb machten, lachten die Offiziere sie aus und bemerkten, sie sähen da, was die Engländer nicht alles vermöchten; die Buren sollten stolz sein, wenn sie unter die Herrschaft der „hochbegabten Rasse" kämen." Der Verfasser der Zuschrift meint, daß die deutschen „Stinkbomben" noch besser seien als die englischen, glaubt jedoch nicht, daß nun auch die Engländer stolz darauf sein würden, einer noch höher begabten Rasse unterworfen zu werden, als sie selbst seien. General French wisse sehr wohl, was im Burenkrieg vorgekommen sei, und brauche deshalb jetzt nicht zu jammern. Ohm Paul Krüger, so schließt der Schreiber, pflegte zu sagen: „Alles kommt zur rechten Zeit und alles findetserne Strafe."
Ein Amerikaner über die deutschen und die französischen Schützengräben.
Im New Iorker „Metropolitan Magazine" schreibt der Mitarbeiter John Reed in einem längeren Artikel über die Zustände an der Front im Westen u. a.: „In der französischen Armee haben die Leute, welche aus den Schützengräben kommen, sehr häufig keinen Platz, an dem sie essen oder der Ruhe pflegen können, sie können sich nicht waschen und keine trockenen Kleider cmzietzen, sie sind tatsächlich mit Schlamm bedeckt, und der Geruch, den sie ansströmen, ist entsetzlich. Aber die Deutschen baben stets zureichende Nahrung, sie haben Orte, wo sie sich wärmen und der Ruhe pflegen können. Der Unterschied ist ein ganz ungeheurer."
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vernburg über Belgiens Zukunft.
Br. New Jork, 27. April. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der frühere Staatssekretär des Reichskolonialamtes D e r n - bürg, der seit Kriegsdeginn in Amerika tätig ist, hat in einem Schreiben an dortige Zeitungen seine Ansicht über das Kriegsziel dargelegt. Er sagt darüber u. a.: Deutschland hat an und für sich nicht nach Gebietserweiterungen gestrebt. Belgien ist jedoch das hauptsächlichste Ausfalltor für den westdeutschen Handel. und Industrie. Es ist das natürliche Vor. l a n d des Reiches, es bietet dem deutschen Handel den einzigen Ausweg nach der offenen See und es wurde in politischer Beziehung von England gegründet, erhalten und verteidigt, um den Deutschen diesen natürlichen Vorteil vor- zuenthalten. Die Liebe für die kleinen Staaten, die England heuchelt, hält der Kritik nicht stand, wie die Vernichtung der kleinen Burenrepubliken beweist. Belgien kann daher nicht aufgegeben werden.
Zur wirtschaftlichen Hebung Belgiens.
W. T.-B. Brüssel, 27. April. (Nichtamtlich.) Ter Generalgouverneur setzte für den besetzten Teil Belgiens einen Wirtschaftsausschuß ein, der die das wirtschaftliche Leben Belgiens berührenden Fragen beraten, einheitliche Gesichtspunkte für ihre Behandlung aufstellen und Vorschläge zu bestimmten Maßnahmen machen soll. Das Aibeitsgebiet des Ausschusses
soll vornehmlich Fragen der Ein- und Ausfuhr, den Beschäftigungsausgleich in der Arbeit, Gütertarif und sonstige Verkehrsfragen, Zollftagen, die Versorgung mit Hilss- und Rohstoffen und die Frage der Schaffung von Absatzmöglichkeiten irmfassen. Den Vorsitz des Ausschusses führt der Chef der Zivilverwaltung, Exzellenz v. Sandt. Im übrigen setzt er sich aus Vertretern folgender Abteilungen des Generalgouvernements zusammen: der Zivilverwaltung, der politischen Abteilung, der Bankabteilung, der Kriegs- und Rohftosfkom- mission, der Eisenbahnverwaltung und des Stabes des Generalgouvernements. Die Armeeintendantur hat das Recht, bei der Beratung bestimmter Fragen Sachverständige oder 'Interessenten aus dem deutschen oder belgischen Wirtschaftsleben heranzuziehen.
Oie Lage Englands und das Zriedensgerede.
O Berlin, 26. April.
Bei der bekannten Stellung des „Vorwärts" und der sich seiner bedienenden Gruppe unserer „Unentwegten" vom Schlage Liebknechts hat es seine besondere Wichtigkeit, wenn dies verbissene Blatt die Lage Englands in sehr dunklen Farben schildert. Es kommt bei solchen Betrachtungen immer wesentlich darauf an, wer sie anstellt. Wenn vorausgesetzt werden kann, daß der Beurteiler die Lauheit seines Her- zens, nm uns milde auszudrücken, nur schwer zu überwinden vermag, so dürfen seine Schlußfolgerungen um so mehr als Anerkennung eines Zustanides gelten, den andere Betrachter allerdings längst schon angemessen gewürdigt haben, nur daß sie sich manchmal gefallen lassen mußten, als nicht genügend objektiv angesehen zu werden. Ein auch sachlich ungemein interessanter Aufsatz im „Vorwärts" nun entwirft, wie gesagt, von den Verhältnissen jenseits des Kanals ein Bild voll der schwärzesten Züge. Die englischen Großhand e l s k r e i s e haben hiernach g e n u g von dein Kriege, nachdem sie erkennen mußten, daß Deutschwand weder ausgehungert noch wirtschaftlich vernichtet werden konnte. Churchills „Groß- mäuligkeit" wird verspottet. Die Einfuhr ist an Wert nicht zurückgegangen, aber das ist nur Blendwerk, denn England nmß viele Artikel seiner Einfuhr heute urit einem 30 bis 30 Prozent höheren P r e i s e als vor dem Kriege bezahlen, und sie besteht vornehmlich in Kriegsmaterial und in Nahrungsmitteln. Während Deutschland den weitaus größten Teil seines Kriegsbedarfs selbst herstellt und Unternehmer und Arbeiter daran verdienen (es will beachtet sein, daß der „Vorwärts" das z rigid t), muß England dafür sein Geld nach Amerika schicken. Die Einfuhr von Rohstoffen, von Halb- und Fertigfabrikaten hat dem Werte nach um ungefähr 40 bis 45 Prozent ab genommen, die Ausfuhr um 36 bis 45 Prozent, und zwar zu teilweise sinkenden Preisen für die englischen Fabrikate; denn der ausländische Käufer macht sich die Notlage Englands zunutze, er diktiert einen geringeren Preis. Die Ausfuhr von englischen Baum w oll waren allein ist seit dem August 1914 um ungefähr 42 Prozent gesunken. In Zahlen ausgadrückt betrug der Überschuß des Wertes der englischen Einfuhr über die Ausfuhr im August 1914 13,7 Millionen Pfund, rm März 1915 45 Millionen Pfund. Das will sagen: England hat gegenwärtig nicht bloß eine passive Handelsbilanz, was an sich ja keinen Nachteil, sondern bei gesunden Verhältnissen einen Vorteil bedeutet, sondern es hat auch eine passive Zahlungsbilanz be- kommen, indem die Einkünfte an Gewinnanteilen, Dividenden, Zinsen, Versicherungs- und Kommissions- Gebühren, Schiffsfrachten usw. abnehmen. Von der außerordentlichen Verteuerung der Lebensmittel wollen wir hier nicht weiter reden, vielleicht wäre sie erträglich, wenn sonst nur die Wirtschafts-Maschinerie des britischen Reichs in Ordnung sein würde, aber das ist sie nicht. Und nun kommen noch die eingentlichen Kriegskosten dazu, die bis Ende März nach vorläufiger Berechnungen ohne die Zinsen für die Schatz- Wechsel und die Kriegsanleihen mehr als 7700 Millionen Mark betrugen. Das hat sich die leichtsinnige englische Regierung Wohl nicht gedacht, daß dies das Ergebnis von neun Monaten Weltkrieg sein werde. Wenn unter solchen Umständen die englische „Großbourgeoisie" Friedenssehnsucht bekundet, muß das natürlich e r st r e ch t für uns ein Antrieb dazu sein, den Krieg bis zur Niederwerfung unseres Hauptfeindes sortzusetzen. Der „Vorwärts" gibt als Inhalt der englischen Friedenswünsche an: „Die Wiederherstellung der Integrität Belgiens und der französisch-deutschen Grenze auf dem Stande vom Juli 1914", wofür man drüben bereit wäre, uns zur „Kouipenfation" auf kolonialem Boden zu „entschädigen". Das ist uns ja nicht neu, aber da der .^Vorwärts" es so klipp unh. klar auL drückt, ürgll en wir
